Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 15 (14.4.1911)
- Date
- 1911-04-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Lette 8. Die Wahrheit. Nr. 15. Judenschaft bilden, daß. diese Ausgaben zu leisten, wohl als höchste ideale Pflicht erscheint, und daß die Mehrung der Ehre' und der Bedeutung des Judentums wohl mit einer kleinen Mehrbelastung des Einzelnen nicht zu teuer erkauft ist. Ich bitte Sie um die Genehmigung des Rechnungsabschlusses pro 1910. Generaldebatte. Dr. Markus Spitzer: Ich habe mich nur aus dem Grunde zum Worte gemeldet, um das verehrte Kollegium zu Aeußernngeu bezüglich jener großen Ausgaben, die, wie das eben gehörte Referat erwähnte, in nächster Zeit bevorstehen, zu _ veranlassen. Der Rechnungsabschluß selbst kann heute nicht den Gegenstand einer Kritik bilden, da in demselben sich keine einzige Post befindet, die nicht vom Vorstandskolleginm genehmigt worden wäre. Wenn die präliminierten Einnahmen durch das faktische Ergebnis um K 200.000 übertroffen wurden, wenn die Stenereingänge nnil 32.000 höher waren als der Ansatz, wenn auch die übrigen Einnahmen gewachsen sind, so ist-dies ein Beweis dafür, daß die Finanzen der Gemeinde nicht pessimistisch zu beurteilen sind. Nebst der gewissenhaften Präliminierung muß auch die echt jüdische Budgetierung anerkannt werden. Unter jüdischer Budgetierung verstehe ich, daß für Kultus, Unterricht und die religiösen Institutionen ausgiebig vorgesorgt und bei Aufstellung des Präliminares niemand gelätischt wurde. Ein kleines Defizit ist mir immerhin lieber als ein verschleierter Ueberschuß. Das jetzige Budget bildet einen Markstein in der Entwicklung der Kultusgemeinde, es ist ein ideales, wahrscheinlich aber für längere Zeit das letzte Normaldüdget. Große Aufgaben sind in nächster Zeit zu erfüllen, die alle große Opfer erfordern werden. Wir sind au die Erwerbung eines jüdischen Friedhofes geschritten, eines Friedhofes, in dem wir nicht von den Launen Fremder abhängeu, und. der faktisch Eigentum der Kultusgemeinde ist. Unabweislich ist auch der Ban eines Verwaltuugshauses, wie es dem Ansehen, der Ehre der Gemeinde tind den physischen Bedürfnissen der Beamten entspricht. Nicht minder notwendig ist der Bail eines monumentalen Tempels in der inneren Stadt. (Widerspruche) Wer diese Frage nicht vom griinen Tische aus beurteilt, sondern zu den jeweiligen Andachtszeiten und bei anderen Anlässen in den , Tempel geht, der muß zu der Ueberzengung gelangen) daß der Tempelbau dem Bau eines Verwaltungshauses an Dringlichkeit nicht zurücksteht. Wenn nun die Bewältigung dieser Aufgaben einen Aufwand von 4—5 Millionen erfordert, dann ist es Pflicht des Vorstandes, die Oeffentlichkeit hierüber zu informieren. Der Vorstand kann so große Summen nicht über die Köpfe der Gemeindemitglieder hinweg bewilligen, ohne zu wissen, ob sie ihn mit ihrer Opserwilligkeit bei seinen Plänen unterstützen werden. Deshalb ist es wichtig, daß in öffentlicher Sitzung hievon gesprochen wird. Auch über die Frage des Fugbachtempels wird man nicht hinweggehen können.' Er ist eine Notwendigkeit für die ärmere Bevölkerung des H. Bezirkes, und es ist Pflicht der Kultusgemeinde, dafür Sorge zu tragen, daß die Gemeindemitglieder ihre religiösen Bedürfnisse in einem anständigen Gotteshause und nicht in Lokalitäten befriedigen, die sonst höchst profanen Zwecken gewidmet sind. Diese Aufgaben bedingen einen jährlichen Zinseuaufwand von zirka K 250.000 und eine solche Belastung der Gemeindemitglieder im Wege eines Zwanges ist untunliche Man muß sicher sein, daß die Gemeinde damit einverstanden ist. Unaufschiebbar ist auch die Statutenänderung und die Einführung des neuen Lehrplanes für den Religionsunterricht. Es ist sehr schön von Sparen zu reden, aber das Budget ist ein solches, daß von demselben sich schwer etwas absparen läßt. Gespart wird ohnehin genug und Beweis dafür ist, daß über Ausgaben von 100—200 K oft lange Debatten geführt werden. Der vorliegende Rechnungsabschluß ist ein höchst erfreulicher und ich wünsche, daß der nächste Abschluß von demselben Geiste durchdrungen sein möge. Da sich niemand mehr zum Worte meldet, wird in die Spezialdebatte eingegaygen, wobei Finanzreferent Frank kapitelweise die einzelnen Details vorträgt. v Abschnitt A (Kultus- und rituelle Angelegenheiten), wirb» debattelos angenommen/ V - Bei Abschnitt L (Unterricht) gibt eine buchhalterische Bemerkung des Herrn Wilhelm Kuffuer über die Buchung vom Zeitposten Anlaß zu einer- Debatte, au welcher der Finanzreferent, Vizepräsident .Dr. . Gustav Ko h n, der Präsident Dr.- Stern und Dr. Maximilian Steiner / teilnehmend Letzterer urgiert die Einberufung des Komitees, dem die' Aufgabe zugedacht war, die Buchhaltung zu revidieren und zu re-? formieren. Hierauf wurde Abschnitt B angenommen: Abschnitt 0 (Beerdigungsweseu) wird debattelos angenommen. Bei Abschnitt D (Spital) anerkennt der Obmann der Spitalskommission Wilhelm Knffner die Tätigkeit des neuen Direktors Dr. Fleisch man n und der beiden neuernannten Primarii. Der Vorstand schließt sich dieser Anerkennung einstimmige an, und hierauf wird Abschnitt I) angenommen. - ' Bei Abschnitt L (Versorgnugsanstalt) spricht , der Vorstand über Anregung des Finanzrefereuten der Leitung der Anstalt,, insbesondere dem Vizepräsidenten Hofrat Dr. R a p p a p o r t. und dem Dame'nkomitee seine vollste Anerkennung aus. Hofrat Dr. Nappaport rühmt die außerordentliche Tätigkeit des Verwalters B rö s l e r, seine Bemühungen zur' Erhöhung der Einnahmen des Institutes rc., bedauert hingegen, den steten Platzmangel. Das Haus bedarf höchst/dringend einer Erweiterung. Abgesehen von den Baukostetl, welche die Kultus-- gemeinde schon auf sich nehmen könnte, würde aber die Erhaltung einer solchen Erweiterung zirka l1/2 Millionen bean-- spruchen und Redner appelliert an den Wohltätigkeitssinn der Gemeindemitglieder, die hiesür nötigen Summen der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. ' Abschnitt F (Armen- und Wohltätigkeitsüngelegenheiteu)^ und 6- (Finanzielle und administrative Angelegenheiten) bleiben debattelos und hierauf wirdder gesamte Rechnungsabschluß mit einem Danke an den Finanzreferenten, an den Buchhalter- Rufs und den Beamten S chaser einstimmig angenommen. Nach Kenntnisnahme eines Stiftnugsreferates, erstattet durch» Oberosfizial Fried mann wird die öffentliche Sitzung ge--- schlossen. Das Katsel Heinrich Heines (Schluß.) Umso schroffer lautete das ablehnende Urteil des auf gleichem Boden stehenden Verfassers der allerneuesten ^Illustrierten Geschichte der Deutschen Literatur" (München, Allgemeine . Verlagsgesellschast m. b. H.) über den innerlich lumpigen Patron,, den großen Herzeusverleugner, mit /der Lüge feiiieg ganzen Wesens. „Diesesvaterlandslose Judentum wirkte auf das noch unfertige Selbstgefühl der Deutschen zerreibend und verhetzend - jetzt erst drang die Unart der Selbstverhöhnuug iii die deutsche- Literatur, wo ihr durch die Ironie der Romantiker und diepolitische Verbitterung der Liberalen der Boden schon berei.ted war. Die radikale Jugend begann die frechste Verunglimpfung, des Vaterlandes für Gesinnnngstüchtigkeit und für deutschen Freisinn zu halten, was in Wahrheit jüdischer Christeuhaß undjüdisches Weltbürgertum war . . . Wie bei jedem bedeutenden Dichter offenbarte sich auch Heines Persönlichkeit in seinen. Schöpfungen und alle ihre fesselnden ästhetischen Vorzüge dürfen uns nicht die Angen schließen von den unentschuldbaren Makeln,, die seinen Charakter entehren und in den Dichtungen sich widerspiegeln. Man braucht nicht ein fanatischer Gegner Heines zw sein und kann dessen sinnliche Natnranlage, die Zeitverhältnisse, die Einflüsse der Umgebung und die. mangelhafte Erziehung zur Erklärung dieses komplizierten und widerspruchsvollen Charaktersins.Treffen führen, aber das Urteil über seine Wirkung unddeu Wert seiner- Persönlichkeit für uns Deutsche darf man sich durch historische und anderen Erwägungen nicht bestimmen lassen-".. Mit kurzen Worten,: Die Zeit ist noch immer nicht gekommen, wo man Heine ganz unbefangen beurteilen, sowie, die Gesamterscheinnng des Dichters. von. allen Seiten übersehen und würdigen könnte. Ueber. die Polemik ist nicht Gras gewachsen^