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Die Wahrheit · 1911-04-14 · Heft 15 (14.4.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr n 15. __j/,'SSSaftriaeit. Seite 7 Des Propheten Friedensreich^änfrichten, aber starren vor Mißgunst. gegen /einander, vor Geiznach Machte starren vor Wehr und Waffen. . Wie . weit istdoch dieser Prophet unserer Zeit woran. dieser--Zeit der Mordwaffen -und der 'Ungetüme von Kriegsschiffen. Israel.-aber; feiert üoch^ immer das Fesistder -Freiheit' und des Friedens. Ein weiter:'Weg ists -von M o s es ,lnd M i r j a m - bis auf:J e:sa j a h und Jos i j a h.' Diesen "Weg hat- Israel zurückgelM Md den' noch weiteren' Weg' von , Diesen : Kraftmenschen bis > E die--Gegenwart.' Es sah Völker .erstehen und; vergehen, ^Throne bersten/ Reiche zittern." Und vesteht fort. Und singt alljährlich die alten- Freiheitssänge, die °es M o s e s mit) Mirjam gelehrt, kämpft noch immer gegen Die Götzen, wie Iosijah, und hofft ans den Frieden, wie Jesajah. Dr. M. Grünfeld. Rechmnigsabschlntz der Wiener K»tl1»rsgemei«de. In der' am 9. d. M. stattgefundenen Plenarsitzung des ."Knltusvorstandes legte der Finanzreferent, Vertreter Max Frank, .in der ihm eigenen, überaus klaren und durch Rückblicke und Ausblicke fesselnden Weise den Rechnungsabschluß pro 1910 vor, Der die erfreuliche Tatsache ergab, daß das beim Voranschlag rechnungsmäßig angenommene Defizit von zirka K 300.000 in "Wirklichkeit nicht eingetreten ist und einerseits mit den erzielten höheren Einnahmen, anderseits durch Ersparungen das Gleichgewicht im Gemeindehanshalte erhalten werden konnte. Die allgemeine Zufriedenheit über dieses Ergebnis scheint den Herren vom Borstandskolleginm den Mund verschlossen zu haben. Entgegen der Gepflogenheit bewegte sich die Debatte in recht engen -Grenzen und auch der Versuch des Herrn Dr, Spitzer, eine "Aussprache über die angeknndigten großen Ausgaben der nächsten Zukunft herbeiznführen - und hiedurch die Generaldebatte zu be- . leben, blieb vollkommen erfolglos. Es machte überhaupt einen -eigentümlichen Eindruck auf die allerdings höchst spärlich vertretene Oeffeutlichkeit, daß eine reine formale Bemerkung des .Herrn Wilhelm K u f f n e r überaus lebhafte Kontroversen verursachte, während man sich über große, den Gemeindesäckel schwer chelasteude Projekte gründlich ausschwieg. Ans diese Weise wird das Interesse der Gemeindemitglieder au den Vorgängen in der /Kultusstube nicht gehoben und es ist ganz erklärlich, wenn die öffentlichen Plenarsitzungen vom Publikum vollkommen ignoriert werden. Von den sonstigen Vorkommnissen der Sitzung dürfte nur Die Eingabe der jüdischen Architekten Wiens allgemein interessieren, die den Wunsch zum Ausdrucke bringt, daß die Kultusgemeinde für die von ,ihr projektierten größeren Bauten eine -allgemeine Konkurrenz ansschreibt, während der Vorstand nur einen beschränkten Wettbewerb in Aussicht genommen habeil soll. Da sich diese Wünsche der jüdischen Architekten auch mit den Anschauungen der Gemeinde, wie dies stja in den verflossenen Wählerversammlungen wiederholt gehört wurde, decken, wird der Vorstand über dieselben schwerlich hinweggehen können. Im Nachstehenden der Bericht: Vizepräsident Dr. Gustav Kohn teilt mit, daß der Präsident Dr. Alfred Stern infolge Teilnahme au einem ^Leichenbegängnisse verhindert sei. zu Beginn der Sitzung zu erscheinen und erst im weiteren Verlaufe derselben den Vorsitz übernehmen werde. Sekretär Dr. Adler verliest den Spendeneingaug und Oinlanf. In letzterem befindet sich: Dankschreiben der Knltnsgemeinde Amstetten für den Beitrag der Knltusgemeinde zu ihrem Tempelbaue' Dankschreiben des Herrn Kultusvorstehers 'Richard Bettelheim für die Gratulation des Knltusvorstandes anläßlich seiner Vermählung; Eingabe der jüdischen Architekten 'Wiens betreffs Ausschreibung einer allgemeinen Konkurrenz für Die von der Knltusgemeinde projektierten größeren Bauten. - Nach Kenntnisnahme des Einlaufes erteilt der Vorsitzende Dem Finanzreferenten, Vertreter Max Frank, das Wort zur Erstattung des Referates über-den Rechnungsabschluß.; ’• Rechnungsabschluß Pro ldia. st" 'Sehr geehrte Herren! , Ich beehre mich, Ihnen den Rechnungsabschluß über die Finanzgebahrnng unserer Gemeinde im Jahre 1910 vorzulegen, aus welchem Sie ersehen,. daß die Ausgaben in diesem Zeitabschnitte K 3,158.244*73, die Einnahmen K 3,125.002-20 betragen haben, so daß sich ein Fehlbetrag von K 33.242 53 ergibt. Ich kann aber schon anDieser Stelle bemerken, daß dieses Defizit nur ein scheinbares ist, und daß wir tatsächlich mit unseren Einnahmen das Auslangen gesunden haben. Es wurde nämlich bisher, einem alten Branche folgend, die Gebahrung des Spitals und Des Versorgungshauses, zwar stets mit zwölf Monaten, aber vom 1. Dezember bis 30. November abgeschlossen, und um diese zwei Kapitel endlich in Uebereiustimmnng mit der übrigen Gebahrung der Gemeinde, welche am 31. Dezember abschließt, zu bringen, haben wir diesmal beiden genannten Instituten die Ausgaben von 13 Monaten, nämlich vom 1. Dezember 1909 bis 31. Dezember 1910 eingestellt. Dieser dreizehnte Monat hat den Gebahrungsabschlnß mit einem Betrage von K 31.896*38 belastet, und unter Berücksichtigung dieses Umstandes reduziert sich das tatsächlich sich ergebende Defizit auf K 1.346 15. Der Voranschlag für das Jahr 1010 hatte einen rechnungsmäßigen Fehlbetrag von K 290.17682 angenommen, der sich glücklicherweise in Wirklichkeit nicht ergeben hat, weil L 60.000*—, welche für Ankauf von Wertpapieren für unsere eigenen Fonde bndgetiert lvaren, nicht verausgabt rvnrden, bei der Post Knltussteuer sich eine Mehreinnahme von K 33.000-—, bei Zinsen-Kouto eine solche von K 11.000*— zeigte, und das Ergebnis der Friedhofs-Einnahmen, infolge des an Todesfällen so außergewöhnlich reichen Jahres 1910, ein Plus von K 163.000*— gegen den Voranschlag ergeben hat, während von der allgemeinen Reserve um L 28.000*— weniger als bndgetiert, gebraucht wurden. Da dies aber lauter solche Posten sind, deren genaue oder selbst annähernd genaue Einstellung im Voranschlag niemals möglich ist, so kann man dennoch sagen, daß auch das Budget pro 1910 mit größter Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt angelegt war und wir es nur einer Reihe von Zufällen zu verdanken haben, daß das Gleichgewicht unseres Gemeindehaushaltes auch im Vorjahre erhalten geblieben ist. Ob dies auch Heuer, im Jahre 1911 möglich sein wird, dessen Voranschlag ein Anwachsen der Ausgaben um K 154.000*— zeigte, denen allerdings auch vermutliche Mehreinnahmen im Betrage von K 105,000*— gegenübergestellt wurden, ist mehr als fraglich, nnd es wird wohl die äußerste Sparsamkeit nötig sein, um auch Heuer ohne Defizit abznschließen. Diese Sparsamkeit muß übrigens unter allen Umständen in diesem und auch in den nächsten Jahren unser oberstes Prinzip bleiben, meine sehr geehrten Herren, denn nicht nur, daß die großen Ansprüche, welche an uns gestellt werden, eine Grenze erreicht haben, die auch weiterhin zu überschreiten wohl über unsere Kräfte ginge, stehen wir auch, wie Sie alle wissen, ziemlich dicht vor jenen fast unvermeidlich gewordenen großen Aufgaben, von denen ich in meinen Budgetreferaten wiederholt gesprochen habe. Mit dem Ankäufe eines großen Territoriums für Friedhofzwecke, welcher mit den nötigen dort vorzunehmeuden Arbeiten, einen Betrag von K 1,500.000 erfordert, haben wir auch bereits begonnen. Die großen Summen, die wir in Zukunft für Verzinsung nnd Tilgung des anfzuweudenden großen Investitions-Darlehens als neue bedentendeAusgabspost in unseren Voranschlag lverden einstellen müssen, werden ohnedies au die Opferwilligkeit nnd an den Gemeinsinn unserer jüdischen Mitbürger etwas stärkere Aufordernugen stellen, und es ist also doppelt unsere Pflicht, durch Ueberschüsse in unserer Finanzgebahrnng diese Anforderungen nach Tunlichkeit zu mildern. Es wird vielleicht manchen geben, der darin einen Widerspruch sieht, wenn ich auf der einen Seite von äußerster Sparsamkeit, auf der anderen von zukünftigen Milliouenausgabeu spreche, und demgegenüber möchte ich darauf Hinweisen, daß es für eine so große Gemeinde, wie es die unsere ist, eine Reihe von Ausgaben gibt, die zwar keinen Ertrag in klingender Münze, keinen Nutzen, der in Perzenten berechnet werden kann, ergeben, und dennoch eine derartige Steigerung des Ansehens der gesamten --->

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