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Die Wahrheit · 1911-04-14 · Heft 15 (14.4.1911) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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. Seite 6 vier Arten und Worten Milderte, er dem Sklavenvolke Israel die Freiheit??Jch fühle euch HUäÜs äüs Mizraim, errette euch. vom Sklavendieuste, erlöse euch nub •; nehme euch zu meinem, Bolle/' also kündete er ihnen das Wort des Herrn. Welch ein. Gegensatz! Der in der freien Wüste züm Riesenstamme emporgewachsene Freiheitsmann und das im Lande der Sklaverei herniedergedrückte Pygmäengeschlecht. Moses und Israel, ein gewaltiger Gegensatz. Und ein noch größerer: ' Möses Und Pharao. Hie Freiheithie Despotie, , hie Atenscheuwürdignng,. hie- Selbstvergötterung . .. Und doch, es kam eine Nacht, "eine, helle, sternenbesäte Nacht wars/da schlug für Pharao und sein Volk die Schicksalsstunde. Der bleiche Tod zog durchs Egypterland. Der mächtige Tyrann aber sollte erkennen, daß es einen Stärkeren gäbe. Und, daß man ein Volk nicht ungestraft unterdrücken dürfe. Die Seufzer dieses Volkes waren zu dem Himmel emporgestiegen, der sich bleiern ausspannt über den Pyramiden. Wieviel Blut und Tränen klebten doch an den Quadern dieser Bauwerke, die ein Sklavenvolk anfgerichtet. Wie Symbole der Knechtung streben diese Pyramiden zur Spitze empor. Ihre Basis ist ein Bild für das geknechtete Volk und hoch emporragt über diese Basis der Despot, der Tyrann Pharao ... Und es war um Mitternacht, da kam das Wehklagen und Jammern. Aber dieses wird unterbrochen durch den Freudenschrei des erlösten Volkes. Bereit zum Kampfe, vorwärtsschreitend, ben Stab stark in der Hand haltend, zieht es weg ans dem Lande der Sklaven. Das Brod, das es in Egypten mit Tränen gegessen, dieses Brod des Elends, nimmt es mit sich, als Wegzehrung für seine lange Wanderung. Aber aus den Sklaven sind freie Männer geworden. Im Osten rötet sich der Himmel. Die Sonne will aufgehen. Sie scheint nun zum erstenmal einem befreiten Bolle. Und diesem zieht voran, wie ein Triumphator, M o s e s. 2. Tag. Josija h. Die Jahrhunderte rauschten vorüber. Wüstenwanderung, Offenbarung, Kanaan, das sind die Stationen in der Geschichte des erlösten Volkes. Längst war der große Führer auf Nebos Höhen dem allgemeinen Menschenschicksale verfallen, es waren nach ihm Feldherrn, Könige, Dichter, Denker, Propheten erstanden in Israel. An großen Beispielen hatte es dem Volke nicht gefehlt. Aber die egyptische Sklaveuseele konnte nie ganz aus diesem Vvlkskörper gebannt werden. Sie hörten nicht auf die Prophetenlaute, denn beengt war ihr Geist und sie schmachteten in der Sklaverei der bösen Leidenschaften und ihrer unseligen Triebe. Wieder der große Gegensatz zwischen den prophetischen Freiheitsmännern und den Baalspfaffen, den Kriecheruud Schmarotzerseelen. Viel Sauerteig hatte sich in den Häusern Israels angesammelt, der Sauerteig des Götzendienstes und der Unsittlichkeit. Wie einst die Väter um das goldene Kalb tanzten, io krochen die Kinder den Baalim nach. Die Väter aßen die Herlinge und die Zähne der Kinder wurden stumpf. . . Zehn Stämme waren in die Gefangenschaft gezogen, weit weg nach dem Osten, in die Städte Mediens. Aber Juda hatte noch eine große Aufgabe zu vollführen. Ihm war eine größere Zukunft vestimmt. Da ersteht ein König aus Davids Stamme. Der bereitet seinem Volke ein neues Frühlingsfest. Doch zuerst müssen die Götzen aus dem Lande schwinden. Von dem Sauerteige des Heidentums muß das Heiligtum Judas gereinigt werden. Das mt Josijah mit Gründlichkeit. Das mächtige Assyrien hat sein Geschick erreicht, wie einst den Pharao. Aber ist auch dieser Hydra der Kopf abgeschlagen, andere Köpfe wachsen ihr nach. Ein großes Ringen soll um die Weltherrschaft entstehen. Egypten und Babylon und Medien kämpfen um das Erbe Assyriens. Düster wird sich die Zukunft gestalten. Aber der düsteren Nacht geht noch ein heiterer Abend voran. Nochmals feiert Inda sein Pessahfest. Voll Freude und Jubel wird das Erlösnngsfest begangen, wie seit den Tagen der Richter nicht. Mögen die Tyrannen drohen, um ein Stück Land kämpfen, die Zukunft ist ja doch nicht ihrer. Wer weiß etwas davon, wohin sie gekommen und, Egypter. Babylonier, Meder, Perser. Versunken sind sie in die Fluten der WeltgeschichLe. Und Juda feiert noch immer feiu Freiheitsfest, wie einst in Moses Tagen, wie in den Zeiten Josijahus. - Nr. 15.? ::i6r ■ V ’ Da - steht'- das, befreite^Volk'am Gestade des roten Meeres. Und der wutschnhubeUde Pharao/ist ihm gesolgtmitNößnud ReiterUi : Welch.ieittefllrchtbüre'LaM Die Empörer, die Feiglinge, Mosis Neider- und- Verkleinere sie - sprechen .das saty rische Wort von den Grädern Egyptens. War es^ notwendig? das' Volkaus Egypten zu führen,, wo., es ihm so -gut ging, wo es bei - den Fleischtöpfen .saß? Mach den -Fleischtöpfen - hat sich - der Banause, der Philister immer.gesehnt? Was -ist dem die Freiheit?> Der Kettenhund-- der > feiste Nahrung erhält, scheint ihm schätzenswerter als der Freie, der das Brot des Elends mit Tränen ißt. Der Starke aber, der Vertrauende, verzweifelt nicht.' Ein solcher Starker war Moses. Und tapfer stand ihm die Schwester Mirjam zur Seite, sie, die einstens in der Ferne gestanden und gesehen hatte, wie die Pharaonentochter sich des weinendep Knäbleins erbarmte. Dies Geschwisterpaar zitterte nicht. Spöttisch blickte es auf die Furchtsamen und Zagenden. „Erkennet Ihr noch immer nicht die starke Hand, welche die Pharaonenma'cht stürzte?" Und, welch ein Wunder tut sich auf? Es rast der Ostwind, der peitscht die stürmischen Wogen zur Rechten und sinken. Rettung dem Volke, dem schon.Totgesagten, Untergang den Egyptern, den Siegesgewlssen. Und ein Lied ertönt. In ihm strömt ans Israels Leid, aber auch seine Zuversicht, sein ganzes Bangen und Hangen. In mächtigen Akkorden erbraust es. Hat man je solch einen Sang gehört? Der kündet Sieg und Rettung. An der Spitze der Franen aber singt Mirjam. Denn wegen der wackeren Franen hat der Herr Israel ans Egypten befreit. Ist jemals ein größeres Lob gespendet worden der edlen Frauentugend? Und solange diese herrschen Wird in Juda, müssen wir an dessen Zukunft nicht verzweifeln. Denn, als Mirjam lebte und dem Volke voranzog in der Wüste, da wandelte vor ihm auch ein Brunnen, der erquickendes Wasser den Müden, Lechzenden, Durstenden spendete. Als sie aber gestorben war, schwand der Brunnen. Ein schönes Bild für den Wert der Frauentugend in Israel. Die Weisheit der Frau, erbauet, das Hans, ihren Mund öffnet sie zu Worten der Liebe. Frauen, geschmückt mit den alten Vorzügen jüdischer Mütter, Gattinnen, Töchter sind für Israels Zukunft nötig, Frauen,, welche das Lied anstimmen, „ich finge dem Herrn," „ich bin dem Herrn geweiht," das Lied, das einst D e b o r a h gesungen und Mosis Schwester, die Prophetin Mirjam... 8. Tag. Jesaja h. Gewaltig, riesengroß, wie die Zeder des Libanon, reckt sich die Person des Propheten empor. Höhnend blickt er hernieder ans den Pharao seiner Zeit, aus jenen Senaherib von Assyrien, der es wagt, sich gegen die Hand zu erheben, die ihn zur Geißel der Menschheit gemacht.- Furchtbar ist -die Lage Judas geworden. Das schwesterliche Samaria ist zerstört, sein Volk in die Verbannung gezogen. Auch für Inda scheint das .Ende gekommen zu sein. „Sein Land — eine Einöde, seine Städte verbrannt durch Feuer, seine Ackerflnren verzehren Barbaren." Aber noch ist Zion unbesiegt. Es gleicht in seiner Einsamkeit dem Wächterhäuschen im Weinberge. Aberdort herrscht ein König der Gerechtigkeit, des Friedens. Ein König aus Jsais Stamm, ein Schößling aus der Wurzel Davids. Und auf diesem Könige ruht der Geist des Herrn, des Rates, der Stärke, der Weisheit. Er erbarmt sich der Armen und Dürftigen und richtet nicht nach dem Gesichteter Augen, nach dem Gehör der Ohren. Er richtet nach Gerechtigkeit. Und ihm zur Seite steht der große Prophet, der Gewaltige. Er hat den Untergang des assyrischen Despoten mit seinem Seherauge erschaut, und da das Ende des Tyrannen gekommen ist. stimmt der Prophet und Dichter das alte Lied an, das Lied von Judas Leide, das sich verwandelthat in Freude. Es ertönt wieder der alte Siegessang, wie in den Tagen, da Israel anszog aus Egypten und am roten Meere den Sturz Pharaos erschaute. Aber der Blick des Propheten ist auch in die ferne Zukunft gerichtet,, sein Seherauge sieht erstehen das ewige Reich des Friedens. Nennet, und wenn ihr die ganze Weltliteratur durchstöbert, etwas, was der erhabenen Vision des I es a i äs gliche in dem ganzen Schrifttum der Menschheit. Sie möchten Die Wahrheit

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