Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 5. Nr. 14. Die Wahrheit Entwicklung des ' modernen Kapitalismus beigelegt, veranlaßt ihtst auch eingehend nächzuforscheil, welchen Anteil an letzterer die Anden, genommen^ H'" bringt er ein sehr interessantes Tatsachenmaterial, ans welchem hervorßeht, daß jüdische Kolonisten an der Besiedelung Südafrikas. Australiens^ Sanlhoniens, Brasiliens, Barbados. Surinams, Martiniques und San Domingos hervorragenden Anteil genommen. . Hauptsächlich'ist ihrem Einfluß das Aufblühen der, dort wichtigsten Industrie, der Zuckerindustrie, zu danken. Was aber speziell die Kolonisierung Nordamerikas anbelangt, so' weist er nach, daß mit Columbns ein Jude, Luis de Torres, in den Vereinigten Saaten landete und seitdem die Juden außerordentlich viel zum Aufbau der Wirtschaft dort geleistet, wobei, auch viele auf dem Wege über Südamerika dorthin gelangten. Er zeigt ferner, daß, ungeachtet der nicht hinwegzulengnenden Tatsache, daß unter den führenden Milliardären keine Inden sind, dennoch dieselben hervorragenden Anteil in den. Einzelstaaten an dem Aufbau des kapitalistischen Handels und der kapitalistischen Wirtschaft genommen. Durch all diese Tatsachen sucht Sombart den quantitativen und .qualitativen Anteil der jüdischen Bevölkerung an den großen Veränderungen des Wirtschaftslebens, die sich von der Periode des Frühkapitalismus bis zum heutigen modernen'Kapitalismus vollzogen haben, darzntun. Nun wendet er sich weiter der Frage zn, welchen Anteil diese Bevölkerungsgrnppe an der Gründung des modernen Staates gehabt habe. Der moderne Staat ist für ihn möglich geworden durch die Ausbildung der Kolonialwirtschaft und durch die Genesis des modernen Kapitalismus. Der moderne Staat brauchte vor allem materielle Mittel, mit deren Hilfe er sich erhalten und entwickeln konnte. Der Jnde verkörperte nun den Fürsten den modernen Kapitalisten, indem er als Lieferant auftrat, welcher Tätigkeit Sombart in den verschiedensten Staaten nachgeht, und ferner als Finanzmann, und hier zeigt sich eine höchst merkwürdige und widerspruchsvolle Erscheinung. Der Hofjnde ist der Finanzmann und die Juden sind es wiederum, die durch die Kommerzialisierung und Versachlichung des Wirtschaftslebens die Persönlichkeit des Finaiizmannes ausschalten, indem sie das Jüdividualdarlehen durch die moderne Anlehensform ersetzen. An der Kommerzialisierung und der Versachlichung des Wirtschaftslebens, welche Sombart für eine der wichtigsten Voraussetzungen hält, die den modernen Kapitalismus überhaupt erst möglich machen, haben ( nach feiner Anschauung die Juden hervorragend mitgewirkt, indem sie an der Entstehung nnd Ausbildung der Wertpapiere, der indosfablen Wechsel, der Aktie, der Banknote, der Partialobligationen, vor allem aber des Juhaberpapieres in ausschlaggebendem Maße mitgearbeitet, wobei auch die jüdischen Rechtsformen die Loslösung von dem grundperfönlichen Zuge des deutschen Vertragsrechtes erleichterten. Gerade in der Ausbildung dieser Verkehrsformen sieht Sombart erst die grundlegende Möglichkeit dafür, daß die sonstigen Voraussetzungen des Kapitalismus, wie Zufluß des Goldes und die Entwicklung der Maschinen, zu jener Blüte gelangen konnten, deren Ergebnis der heutige moderne Kapitalismus ist. Ein besonderes Kapitel widmet Sombart der Entwicklung der Börsen, wobei er wiederum festzustellen sucht, inwieweit die Juden hiebei' schöpferisch waren. Er zeigt ferner, daß die Juden an der Herausbildung der ' kapitalistischen Wirtschafts gesi n u n n g mitgewirkt, das heißt, ün der Herausbildung jener Verkehrsformen, welche der nachdrängenden Industrie erst die Absatzmöglichkeit eröffneten. Hiemit glaubt Sombart, das ganze Material an Tatsachen vorgebracht zu haben, durch welche er den objektiven und subjektiven Anteil der Juden an der Ausbildung des Kapitalismus erweist, das heißt durch welche dargetan wird, daß die Inden als Personen ziffernmäßig und qualitativ mit die Triebkräfte der Entwicklung,,der kapitalistischen Wirtschaftsform waren.? Ib' Er geht nun einen Schritt weiter und fragt, ob überdies bei dieserBevölkernngsschichte eine besondere Befähigung zum Kapitalismus vorlag. SSeim man unter Kapitalismus diejenige verkehrswirtfchaftliche Organisation versteht, bei der regelmäßig zwei verschiedene Bevölkerungsgruppen. nämlich die Inhaber der Produktionsmittel, die gleichzeitig die leitende Arbeit aüsführen, und die Besitzlosen, N n r-Arbeiter, znsammenwirken, so zwar. daß die Vertreter des Kapitals, nämlich des zur Einleitung und Durchführung des wirtschaftlichen Prozesses erforderlichen Sachgütervorrates, die Wirtschaftssubjekte find, das heißt, den Unterschied über Art nnd Richtung des Wirtschaftens und die Verantwortung für dessen Erfolge tragen, so besteht nach Sombarts Anschauung der Geist des Kapitalismus darin, daß die ganze Wirtschaftsführung systematisch auf Erzielung von Gewinn gerichtetsein muß. Infolgedessen muß der ökonomische Rationalismus vorherrschend sein, der eine Planmäßigkeit der Wirtschaftsführung, eine möglichste Zweckmäßigkeit und Rechnungsmäßigkeit ersordert. Zwei Eigenschaften müssen infolgedessen nunmehr im kapitalistischen Unternehmer vereinigt fein, nämlich die des Unternehmers und des Händlers. Konstant ist die Wesenheit des Unternehmers, also Zielstrebigkeit. Der Händler muß vor allem Geschäftigkeit entfalten. Beides sind Eigenschaften, die vor allen die Inden nach Ansicht Sombarts besitzen. Dazu kommt noch die objektive Eignung derselben, welche wieder in ihrer räumlichen Verbreitung, in ihrer Fremdheit, ihrem Halbbnrgertum und in ihrem Reichtum gelegen fein soll. Mit Aufwendung vieler theologischer Gelehrsamkeit wird nun die Bedeutung der jüdischen Religion für das Wirtschaftsleben erörtert, und schließlich sucht Sombart die jüdische Eigenart zn ergründen, die er in Zielstrebigkeit. Beweglichkeit, Anpassungsfähigkeit erblickt, durchaus Eigenschaften, die besonders für das heutige Wirtschaftsleben von Bedeutung sind. In einem Schlußabsatz wird versucht, darznlegen. wie das jüdische Wesen entstand, wobei Sombart sich in höchst origineller Weise mit dem Rassenproblem auseinandersetzt. Schließlich und endlich wird ans dem eigentümlichen Schicksal des jüdischen Volkes die Prädisposition erklärt, welche es besonders, nach Ansicht Sombarts, auf die führende Rolle beim Aufbau des kapitalistischen Systems hinleitete. So sieht er in unserer heutigen Kultur das Resultat der Paarung eines heißen Wüstenvolkes mit einem kalten, nassen Waldvolke, den Ariern. Das Kiitsel Heinrich Keines. Heinrich Heine zählt nicht zn jenen großen Siegreichen, die sich widerspruchslos die allgemeine Bewunderung erzwingen. Sein Dasein besitzt nichts von abgeklärter Majestät, noch endet es mit einer glänzenden Apotheose, er hinterläßt keinen gewaltigen und beruhigenden Eindruck, wie er von jenen großen Siegern ausgeht, die ihre mächtige Individualität voll entfalten konnten. Heine hat den Sieg seiner Gedanken nicht mehr erlebt. Es ist ihm ebensowenig gelungen sich zur vollständlgen endgültigen Einheit seiner Persönlichkeit durchzuringen. Kaum hat er einen Augenblick in innerem Gleichgewicht gelebt, so fällt er in Zwiespalt und Pefsimismtls zurück. Er ist in mancher Hinsicht ein Ueberwundener des Lebens, der schließlich den Schiffbrnch seiner höchsten Hoffnungen eiugefteht und sich in einen schmerzlichironischen Nihilismus flüchtet. Sein gesamtes Geiftesbild trägt die Merkmale eines grausamen Nervenleidens, jenes „schwarzen Weibes", von dem er in seinem „Lazarus" singt, dessen Todeskuß seinen Leib zu einem Leichnam machte, „worin der Geist ist eingekerkert." Ueber seinen Ruhm streitet mau noch heute mit Leidenschaft und Feinde, die noch nicht abgerüstet haben, leugnen ihn überhaupt ab. Das realpolitische, positivistische Deutschland von heute, dieses starke disziplinierte und klugkonservative Deutschland, das auf den Schlachtfeldern großartige Erfolge errungen hat und gegenwärtig in den wirtschaftlichen Kämpfen Sieg auf Sieg davonträgt, dieses Deutschland, das Heine nicht voraussah. noch heraufführen half und das er sicher nicht geliebt hätte, wenn er es voransgesehen hätte, urteilt oft sehr hart über ihn und bricht mit erbarmungsloser Härte den Stab über die Fehler des Menschen und über die Mängel des Schriftstellers. Es spricht ihm allen moralischen Wert, allen politischen Sinn ab und erklärt ihn für einen zwar talentvollen und gedankenscharfen, aber ans Irrwege geratenen und deklassierten Schriftsteller, der sich in Deutschland keine Stelle schaffen konnte und sein literarisches Glück im Auslande gemacht hat, wo er schamlos die Komödie des politischeir Märtyrers spielte. Es sieht in ihm eineil haßerfüllten, aumaßlichen Juden, einen Heimatlosen, der nicht, imstande