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Die Wahrheit · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 13. anwesenden Vertreter der an der ungeschmälerten Aufrechterhaltung des Hausierhandels beteiligten Fabrikanten und Kaufleuie protestieren mit alle»! Nachdrucke gegen die in der Sitzung des hohen Abgeordnetenhauses vom 10. Februar 1911 beschlossenen ebenso ungerechten wie inhumanen Verschärfungen des Hausiergesetzes;' sie weisen daraus hin, daß diese Bestimmungen einem vollständigen Hansierverbote gleichkommen, durch welches nicht nur tausende ehrliche rechtschaffene und auch bisher nur unter Not und Entbehrungen lebende Menschen um ihren kümmerlichen Erwerb gebracht werden, sondern gleich den Wiener Wäschenäherinnen, die am 5. März 1911 in einer massenhaft besuchten Versammlung ans die Bedeutung des Hausierhandels sür sie hinwiesen, auch viele tausende andere Arbeiter um Beschäftigung und Verdienst gebracht werden; die Versammlung spricht die bestimmte Zuversicht ans, daß das hohe Herrenhaus, welches bereits wiederholt in dieser Frage in gerechter und humaner Weise entschieden hat, auch diesmal die begründeten Petitionen der Kaufleute, Hausierer und Arbeiter berücksichtigen und daraus bestehen werde, daß der Standpunkt des hohen Herrenhauses, welcher ebenso der Humanität wie den wirtschaftlichen Jmereffen gerecht wurde, festgehalteu werde. Lebhafte Bewegung ging durch die Versammlung, als eine Hausiererin Maria Fanta das Wort ergriff und unter anderem ansrief : „Ich als 63jähriges armes Weib kann es nicht begreifen, daß ein Volks Hans, wo 'doch für jeden gesorgt werden soll, ein solches Gesetz machen kann. Gibt es noch wenig Bettler? Ist denn das Parlament eine Bettlerfabrik? Die Inden will' man nach Palästina schicken, wohin sollen die Christen gehen? Nachdem noch zahlreiche andere Redner ihr Leid geklagt hatten, schloß die Versammlung zur vorgerückten Stunde. Wieu. Die Ansschußwahl bei der am 25. März l. I. stattgefnn- ' denen konstituierenden Versammlung des Vereines „Mensa academica Judaica" hatte folgendes Ergebnis: ing. Saul S o k a l, Präses, med. M. Keßler, 1. Vizepräses, ing. L. R a b i n, 2. Vizepräses, ing. Wilhelm Felder, 1. Schriftführer, iug. Leon R e i ch, 2. Schriftführer, phil. M. Bronne r, Kassier, phil. H. M. Ander m a n n, phil. Bela D i a m a n t, iur. F. Frankel, Ansschußbeisitzer. Ing. G r o a g, Tr. L ö w, Dr. Z n ck e r m a u n. Revisoren. Wien. Der Brigittenauer Kinderbekleidungs-Verein „D i e Brüder", welcher in das 20. Jahr seines Bestandes tritt und seit einem Dezennium unter der Aegyde des Banunternehmers Herrn Heinrich Weiner steht, hielt Montag, den 27. d. M., im Saale des Restaurants Hermann K o h n, XX., Heinzelmanngasse, seine diesjährige Generalversammlung ab. Nebst den Mitgliedern ivaren zu derselben erschienen: Die Präsidentin des Brigittenauer Frauen-Wohltätigkeitsvereines Frau Dr. Emilie Weiß mir der Vizcpräsidentiu Frau Marie K o h n, der Obmann des Tempelvereines Herr Hermann Ellbogen miteinigen Herren des Vorstandls, der Obmann des Untcrstützungsvereines Herr Isidor Politzer, ferner Herr Architekt Jg. Reiser samt Gemahlin, Herr Dr.' Moritz K o h n samt Gemahlin, Fabrikant Manfred Schneck, Fabrikant Höchst i m m n. v. A. Der Obmann Herr Heinrich Weiner eröffnete die Versammlung, begrüßte die Erschienenen aufs herzlichste und dankte allen Gönnern für die Förderung dieser humanitären Bestrebungen. Insbesondere dankte er der Präsidentin des Fraueuvereines, Frau Dr. Emilie Weiß, für ihre andauernd werktätige Unterstützung, der löbl. Kultnsgemeinde für die mnnifizente Subvention, Herrn Amrsleirer Rudolf Krauß besonders dafür, daß er alljährlich von einer ungenannt sein wollenden Dame die Mittel zur vollständigen Equipierung von 30 Mädchen dem Vereine znwende, und dem verdienstvollen Schriftführer Herrn Lehrer Josef F attisch e k für desien große Mühewaltung. Herr Weiner widmete sodann dem in diesem Jahre aus dem Leben geschiedenen Industriellen Herrn Leopold Preßbnrger Worte des Gedenkens, die die Versammlung stehend anhörle. Hierauf erteilte er dem Herrn Josef K o h n das Wort zum Rechenschaftsberichte. Aus demselben geht hervor, daß der Verein im abgelaufenen Jahre mit einem Kosteuaufwande von X 5460.— 188 Kinder, zu gleichen Teilen Mädchen und Knaben, vollkommen bekleidete und außerdem noch 116 Kinder mit Schuhen versehen hat. Herr Hermann E l t b o g e n, der sodann das Wort ergriff, sprach sehr wirkungsvoll, ebenso Herr Lehrer F a l t i s ch e k, der seit einem Vierteljahrhnnderr in diesem Bezirke als Lehrer wirkt, und ein äußerst eindrucksvolles Bild über feine Erfahrungen während dieses Zeitabschnittes entrollte. Ueber Antrag des Herrn Dr. I. Roth lvnrde dem Vorstand das Absolutorium und der Tank votiert, sowie die vorgelegte Liste des neu zu wählenden Vorstandes per Akklamation angenommen. Wieu. (Jüdische T » y n b e e - H a l l e), Wien, XX., Othmargaffe 46. W o ch e n v r o g r a m m für die Zeit vom 1. bis 8. April 1911: Samstag, 1., Konzert. Arrangement: Geigenvirtuose Bernhard B n chb r n d e r, Mitglied des t k. Hofopern-Orchesters. Sonntag, 2., Der Geist des Talmud. Rabbiner Dr. D. Fe nchtw an g. Montag, 3., „Pädagogik in Bibel und Talmud" (Schluß des Zyklus). Rabbinatskandidat Bela Fischer. Dienstag, 4., „Geschichte der Inden in Oesterreich." (Schluß des Zyklus.) Dr. K. Knpfe r. Mittwoch, 5., „Geschichte Aegyptens." Schulrat Profeffor B a ß. Donnerstag, 6.. „Die Wirkung der Lichtstrahlen aus den lebenden Organismus." Universitäts-Professor Dr. S. E h rm a n n. Freitag, 7., Bibelvortrag. Religionslehrcr H. L ö w- Vogel. Samstag, 8., Schluß-Konzert. Helene L a m p e l, Stella Stock, Oberkantor Don Fuchs. Wien. Konzert der Toynbee - Hm l l e. Samstag, den 25. d. M„ wurde den Besuchern der Halle ein überaus genußreicher Konzertabend geboten. Die bekannte Rezitatorin Frl. Klärchen Fröhlich brachte ein besonders geschmackvoll gewähltes Programm ernster und heiterer Dichtungen höchst wirkungsvoll zum Vortrage und in Konzertmeister Dr. Kap perl konnte man einen bravourösen Geiger bewundern, besten verblüffende Technik und tiefe Empfindung stürmischen Beifall wachrief. Den Abschluß des Abends bildeten, Gesangspiecen des Herrn Obrekantors M. B. Kaufmann aus Prag, der vom Wiener Kultusvorstand zuv dieswöchentlichen Eabbath-Funktion im Leopoldstädter Tempel berufen, als Gast in der Tohnbec-Halle weilend, seine Kunst bereitwilligst in den Dienst der guten Sache stellte. Der herrliche Tenor, voll Klang und Süßigkeit, die edle, geschmackvolle Sängesweise und die musikalische Sicherheit des Künstlers erweckten hellen Jubel und lebhafte Ovationen. -Wien. Dem Bezirskrat Dr. M. S ch n e p p, der bereits 25 Jahre der Bezirksvertretung des IX. Bezirkes angehört und sich in gleicher Weise der vollsten Hochachtung und Wertschätzung seiner politischen Freunde und Gegner erfreut, wurde in der am 28. d. M. stattgefundenen Sitzung der Bezirksvertretung eine herzliche Ovation bereitet. Bezirksvorsteher S ta ry hielt eine die Persönlichkeit und Tätigkeit des Jubilars würdigende Ansprache, worauf sämtliche Bezirksräte demselben persönlich gratulierten. Tiefbewegt dankte Dr. S ch n e p p für die ihm zuteil gewordenen Sympathiebeweise. Wien. Samstag, den 1. April findet die N12V 22 des Konfirmanden Salo M a y e r s o h n, Sohn des Herrn Rabbiner M. Mayers o h ii, statt. Halachischer Vortrag des Konfirmanden um halb 11 Uhr vormittags in der Shnagoge „Beth-Jsrael", II., Leopoldsgasse 29. Gratulation und Festrede um 3 Uhr in der Wohnung, I., Salvatorg. 10,1. ©tg; Wien. (Jüdischer H a n d l un g s g e h i l f e n - B erb q n d). Sonntag, den 2. April findet im Festsaale des „Hotel Post", I., Fleischmarkt 16 das I. Gründungsfest unter freundlicher Mitwirkung folgender Kunstkräfte statt: Fräulein Hilda G o l d n e r, Mitglied des Klagenfurter Stadttheaters. Fräulein Mimi Marlow, Mitglied des Wiener Bürgertheaters. Fräulein Elise W e i n t r a u b, Mitglied dev „Jüdischen Bühne". Herr Benno L i e, ent. Mitglied des Kabaretts „Fledermaus." Herr I. Kantor M a t y L s. Kl. M e i s e l und H e r zf e l d. Theater an der Wien. Die Festrede hält Herr Reichsratsabgeordneter Pros. Dr. Artur Mahler. Nach Schluß der Vorträge Tanzkränzcheu. Musik: Salonkapelle G o l d n e r. Tanzarrangement: Herr- Jacques L ö w. Das Neinerträgnis ist Bildungs- und Unterstützungszwecken gewidmet. Entree im Vorverkauf X 1.50. An der Abendkasse X 2.—. Beginn präzise halb 8 Uhr abends. Salzburg. Herr Kantor Hermann K o h n, hat sich mit Fräulein Berta Schwarz, Tochter des Tempelvorstehers, Herrn Gustav Schwarz, verlobt. Jägerndors. Am 16. März verschied hier im 75. Lebensjahre dev allverehrte langjährige, Seelsorger unserer Gemeinde Herr Rabbiner Anselin Anschlowitz, der nach 38 jähriger segensreicher Wirksamkeit in unserer Gemeinde vor 3^ Jahren , in den Puhestand getreten ist. Rabbinev Anschlowitz, der aus Krakau stammte, vereinigte mit einem profunden talmudischen Wessen, das er an mehreren Jeschiwot sich erworben, eine hervorragende allgemeine Bildung. In jnngen Jahren kam er als Religionslehrer nach Gaya, von wo er im Jahre 1670.als Seelsorger des damaligen Kultnsvercines nach Jägerndors berufen wurde. Unter seiner geistigen Leitung erblühte der Kultusvereiu zu einer ansehnlichen Gemeinde, , in welcher der Name des Verewigten mit dem Baue des stattlichen Gotteshauses sowie mit der Begründung der Chewra Kadischa, des Franenvereiues und anderer Wohlsahrtseinrichtnngen dauernd verbunden ist. Während seiner fast 40 jährigen Lehrtätigkeit hat er Generationen von Schülern herangezogen, die noch als Erwachsene mit inniger Verehrung, an ihrem Lehrer hingen. Ein Zeichen der besonderen Beliebtheit, deren sich der Verstorbene in allen Kreisen erfreute, bildete die imposante Tranerfeier. welche am 19. d. M. in dem schwarz drapierten Gotteshause stättfand. Um die Bahre, die daselbst vor dem Emporium ausgestellt wurde, halten sich neben der trauernden Gemeinde und den Vertretungen der Nachbargenleinden die Spitzen der politischen und städtischen Behörden sowie die Leitungen der verschiedenen Schulen versammelt. Die ergreifende Trauerfeier nahm nach dem Orgelprälndium mit dem ' von Herrn Oberkantor H. Beer mit gemischtem Chor meisterhaft vorgetrageneu Trauerchorale ihren Anfang. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. David R n d o r f e r, der Amtsnachfolger des Verewigten, demselben einen tiefempfiindenen Nachruf, in dem er das langjährige segensreiche Wirken desselben in zu Herzen gehenden Worten würdigte. Nach der Necitation des EI mole rachamim bewegte sich der imposante Trauerzug nach dem Friedhofe, wo in der Zeremonienhalle Herr Rabbiner Dr. S. F r i e d m a n n namens der Nachbargemeinde Trvppan und zugleich auch im Namen des mährisch-schlesischen Rabbinerverbandes herzliche Abschiedsworte sprach und den großen Verlust schilderte, den mit der Gemeinde Jägerndors das ganze Judentum erlitten. Mit Rabbiner Anschlowitz ist ein Stück alten unersetzlichen Judentums dahingegangen. N222*7 s)'22 22t. Das Andenken dieses Gerechten wird in unserer Gemeinde ein gesegnetes sein. d. r. Tapolcza. Herr Kantor Isidor Glück wurde vom hiesigen Handwerker-Gesangsverein zum Chormeister gewählt. Kantor Glück, welchen Absolvent des Wiener Konservatoriums und als tüchtiger Fachmann und Sänger bekannt ist erfreut sich hier in allen Kreisen großer Beliebtheit. Triest. EL wird uns berichtet, daß der österr. Lloyd, sich entschlossen hat, auf den Eildampsern Triest-Alexandria streng rituelle Kost einzuführen. Es ist ebenso im Interesse der Gesellschaft als auch der strenggläubigen Glaubensgenossen gelegen^ daß die Reise so bequem und angenehm als möglich gemacht wird. Für diese Einführung haben sich besonders Rabbinev H o r o w i tz-Jerusalem als auch Dr. B r e t t h o l z, Rabbiner in Triest, interessiert und die gemeinsamen Beniühungen sind von bestem Erfolge gekrönt Worten. '.

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