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Die Wahrheit · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite.6 Die Wahrheit Nr. 13. aulaßt: werde»^^ nicht wahllos-im Wege des:Hansbettels. jedermann Geld geben. .- dlzbim^hetpiit die; besondere.Wichtigkeit bei? Einrichtung von Greilzbureans, .um-gleich'.au-der -Grenze eine. strenge Auswahl zwischen d«r Uu.terstützWgswürdigen .und HuwKrdiMMkZWeKnerr-.-Myk.izMitKHWndsMe; der-Refoi-ui-.s.el die direkteBeMderung der Ans-und Wückwaliderer an-'threBestimmungsorte. Die Denftche- Cent^lsteÜe"habezu diesem Zw ecke in i t dewEisenbaWioerwaltvngen Verträge..abgeschlossen, -welche auch derl Derkmlf. oder sonstige: Mißbräuche der?Freiknrten unmöglich machen. Für. die Beschäftigung jugendlicher, - arbeitsfähiger Armer bestehe.'in Berlin bereits eine Arbeiter kolonie, deren Organisation Redner auseinandersetzt. Ob auch in Wien eine solche Arbeiterkolonie errichtet werden könne, vermöge er nicht zu beurteilen: Es werde freilich notwendig sein auch in anderen Städten, wie in Prag, Brünn usw., solche Institutionen zu schaffen. Es können Arme ja auch direkt bei Meistern, Unternehmern und Fabrikeil untergebracht werden und zu diesem Zwecke seien die Arbeirsuachweise derBürai B'rith mit in Betracht zn ziehen. In Deutschland werden in diesen Arbeitsstätten Bürsten- und Beseitbinderei, Buchbinderei, Holzpolierarbeiteu und Herstellung von Sargbestandteilen durch selbstständige Unternehmer betrieben,' so daß die Arbeiter nach 2—3 Monaten mit eitlem nicht unausehnlichen Kapital die Arbeitsstätten verlassen, Redner ernpsiehlt die Annahme des vom Referenten vorgeschlagenen Orgauisationentwurfes und schließt mit den Worten, daß guter Wille, Energie und rastlose Arbeit auch in Oesterreich gewiß zu dem erwünschten Ziele führen rverden. (Lebhafter, andauernder Beifall.) Kaiserl. Rai Dr. Krüger (Zentralstelle Wien) stellt den Antrag, daß die Versammlung ein Exekutivkomitee einsetze, welches unter Mitwirkung der „Union" das Orgauisationsstatut ansarbeite und die Verwirklichung der Reform durchführe. Dr. S ch a u z e r (Pilsen) spricht namens der auswärtigen Delegierten der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" für deren Initiative den wärmsten Dank aus. Die Regelung des Wanderbettels sei schon zn wiederholten Malen, bisher leider ohne Erfolg angeregt worden. Unter prinzipieller Zustimmung zu dem vorgebrachten Orgauisationsstatut ist jedoch -Redner der Meinung, daß einzelne Details desselben, uw es sich nach dein deutschen Muster richte, für ~ österreichische Verhältnisse kaum zutreffen würden, so insbesondere die Errichtung von Greuzbureans, da wir es ja zumeist mit galizischen und nur zum geringen -Teile mit ausländischen Wanderarmen zu tun haben, während der Fall in Deutschland umgekehrt liege. Redner, gibt eingehende Aufklärungen über seine eigenen Erfahrungen auf dem Gebiete des Wanderbettels; insbesondere in den süddeutschen Gemeinden werde wahllos gegeben, nur Nürnberg mache eine erfreuliche Ausnahme. Er übertreibe nicht, wenn er behaupte, daß 80—900/o dieser Bettler der Unterstützung unwürdig seien. Er konstatiert die erfreuliche Tatsache, daß durch die in Deutschland geschaffene Organisation der Wanderbettel auch in Böhmen abnehme. Dr. Hahn (Teplitz-Schönau) konstatiert gegenüber dem Vorredner, daß nach seinen Erfahrungen der Wanderbettel zunehme. Es sprechen noch die Delegierten: T e l t s ch e r (Nikolsburg), Dr. N a u b i t s ch e k (Leitmeritz), Mayer (Graz), Dr. Wittenberg (Aussig), Dr. H e r m a n u (Brünn), welche sämtlich dem vorgeschlagenen Reformplane zustimmen, worauf die Beratung auf den folgenden Tag verschoben wird. Nach Wiederaustiahme der Beratungen am 26. März sprachen noch die Delegierten: T a u s s i g (Linz) und H e i l p ern (Bielitz), welche in gründlicher Weise die Verhältnisse des Wanderbettels in ihren Gemeinden anseiualldersetzten. Dr. Thein (Pardubitz) faßte die Ergebnisse der Diskussion dahin zusammen, daß die Delegiertenkonferenz einstimmig der Reform zustimme und wünsche, daß die weitere Debatte sich nunmehr lediglich mit den Aufgaben des einznsetzenden Exekutivkomitees befasse. Dr. Kohner ^Prag) nberbringt die Grüße der Knltusgemeinde Prag und betont, daß wohl feilte Gemeinde auf dem Standpunkte stehe, durch die beabsichtigte Regelung des Wanderbettels in ihren bisherigen Auslagen Ersparnisse zu erzielen, daß man aber gewiß es mit Freude begrüßen werde, wenn durch die bisher, aufgebrachten Mittel die Auswüchse des-Wanderbettels beseitigt würden.» y-k". i-.y. .--Y.-- '; Dr.YS?a mm-xl y < (^Union")> trittftrr eine Zweiteilung der Ortsarmenkassen in solche »für Ortsarme und - in soche.' für Wanderarme ein. . Y'ryYy .Yyyy-;y y :r Y;, YY v. ^U<Dr.^beK^r r eich e r^(Böhm.-Leipa) 'plaidiert für die Einsetzung . von . Provinzialkommissiollen»-zur - leichteren -Durchführung der Organisation. Yy ■ Y Dr. S ch a u ze r (Pilsen) stellt folgenden!Antrag r' „D i e V e r s a m m l n n g : .b e g ruß t m i t Fre n d e d i e w o u der -,U n i on" Y in g de i t et e, den: Wand erbe tt e l betreffende Aktion,- nt mm i; die Gr Und sätz e des erstatteten Referates zur Kenntnis und bestellt für Gründung und Drtrchführung der Organisation ein E x e k n t i v k o m i t e e." Es sprachen noch Dr. Ka m inka („Allianz") und K r a s u y (Mähr.-Ostran), worauf der Antrag Dr. 'S ch a n zer e i n st i m m i g z n m B e s ch l u s s e erhoben wn rd e. In das Exekutivkomitee wurden entsendet: Das P r ä s i d i » m und der Sekretär der „O e st e rr e i ch i sch - I s r a e l i t i s ch e u U u i o tt", kais. Rat Dr: S. Krüger von der „Wiener Zentralstelle für Armenpflege", Dr. K a m i n k a („Allianz"), Univ.-Prof. Dr. Josef P o l l a k (Wiener Armenanstalt), ferner die Herren Dr. Schau zer aus Pilsen, Dr. H a h u aus Teplitz. Dr. Thein ans Pardubitz, Dr. H e r m a n n ans Brünn, H e i l p e r n aus Bielitz, Taussi g ans Linz und Mayer ans Graz. Samstag, den 25. d. M., abends, versammelten sich die Delegierten im Saale des „Hotel de UEnrope" zu einem gemeinsamen Abendessen, welches überaus grmütlich und anregend verlies. Nach Schluß der Kvnserenzverhandlnngen folgten die Delegierten einer Einladung des Herrn kais. Rates Dr. Krüger zur Besichtigung des „Elisabetheim für Lehrmädchen und Arbeiterinnen", II., Malzgasse 7, und sprachen sich über die Einrichtung und Organisation dieser Anstalt in der anerkennendsten Weise aus. De. M. I. Altschüler. Bon Einem, der im andern Lager steht. Am 22. März starb in Wien, nach langem, schwerem Siechtum, Dr. M. I. Altschnler. Am 26. März wurde er auf dem Zeutralfriedhof zur letzten Ruhe bestattet. Ein Kreis seiner Verehrer und Freunde gab ihm das letzte Geleite, und an seinem Sarge hielt Regiernngsrat Dr. Frankfurter einen warmempsundenen Nachruf, der des Wirkens und Lebens dieses ganz merkwürdigen Mannes in liebevoller und anerkennender Weise gedachte. Regiernngsrat Dr. Frankfurter hat damit nicht nur allen Freunden und Glaubensgenossen des Verewigten ans dem Herzen gesprochen, sondern er hat damit auch den Beifall und die Zustimmung aller derjenigen gefunden, die in einem entgegengesetzten Lager stehen, aber Gelegenheit hatten, Dr. Altschüler als Gelehrten und Menschen kennen und achten zn lernen. Denn das war gerade das merkwürdigste, an diesem seltenen Manne, daß er, wie der Rabbiner Dr. Bach in seiner formvollendeten Leichenrede mit Recht hervorhob, obwohl gläubiger und überzeugter Jude gerade von denen, die sonst als die Antipoden des Judentums gelten, in seiner wahren Bedeutung und in seinem bahnbrechenden Wirken fast mehr anerkannt und gewürdigte wurde, als von seinen eigenen Glaubensgenossen. Das Judentum verliert in ihm einen seiner ehrlichsten, gelehrtesten und edelsten Vertreter. Was er für das Judentum in selbstlosester und aufopferndster Weise unter den widrigsten Umständen gearbeitet und geleistet hat, das wird wohl erst eine künftige Generation richtig einzuschätzen wissen. Denn Dr. Altschüler hat wesentlich neue, heute noch ungewohnte Bahnen eingeschlageu und teilt damit das Los aller Bahnbrecher, im Leben nicht die verdiente Würdigung gefunden zu haben. Was waren das nun für Bahnen, die Dr. Altschüler zn so einer exzeptionellen Erscheinung in der Gelehrtenwelt machten?

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