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Die Wahrheit · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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etile 8. ' . .; Die Wahrheit. : , . . ... Nr. 12. zfM/ ich glaube es wdrür TiröleMineü, ober Bdhmernuiim, wgs s weiß, ich, ünb.du ist eure ..von ihnen krank geworden, und mutzte j . in ein Spital kommen.' Nach ihrer - Genesung such te sie ihre! Genossinnen auf, aber die waren fort und hauen ihre Kollegin j einfachstui Eiche gelüffeis: Infzüfinden sind sie nicht, Hist verttust-; sich zu .je ch ivssi n a ch Kr>a ii f ix i ch. Zetztvicherläiift'uns' die! Geigerin.. will Partoin. nach Hanse.: Aber was 'kann .ich?für sie j tun? Mit den parir Fr auts, die ich ihr geben kann,.WW nicht s gehölfen, wieIveit^käche/si^ damit?IÄ!fo"iHnwNM'ioHettiit ] nach Hause. Sie Inn' mir eiircii Gefallen damit, und zugleich ein gottgefälliges Werk." Das letze gab den Ausschlag. Wer von JugeUd an ein Apikores ist, hat mal auch gerne Gelegenheit, sich dem lieben Gott nützlich zu machen. Alle Tage trifft sich das nicht. Zn bereuen habe ich es nicht. Meine Reisegefährtin ist ein Prachtweib. Keine robuste Böhmin, oder schwerfällige Deutsche, rveit eher wie eine fesche Pariserin voller Geist und schelmischer Laune! Zch sage Ihnen fesch und charmant. Sie hat irgend wo in Böhmen einen gut situierten Gemahl sitzen, zu dem sie wieder geht, wenn sich ihr unterdeß nicht eine bessere Versorgung trifft. In Prag soll sich das entscheiden. O, wären wir schon da! Dieser Wunsch entspringt bei Leibe nicht der Sehnsucht, die reizende Irma los zu werden, ganz im Gegenteil. Ich verspreche mir viel Pläsir von einer in so liebenswürdiger Gesellschaft zurnckzulegenden Reise. Aber ich möchte Sie und unsern kleinen Leo gerne wieder sehen. In der Heimat werde ich daun ernste Schritte tun, um das Kind zu adoptieren. Wenn ich auch noch nicht das vorgefchriebene Alter erreicht habe, so hoffe ich, daß in Anbetracht der verlassenen Lage des armen Kindes ein Atisnahmefall wird stattfiuden können. Und überdies: K r i e g s j a h r e zählen doppelt — und war mein bisheriges Leben nicht ein steter Kampf mit der Ungunst der Verhältnisse gewesen? Bitte schreiben Sie mir nach Triest an meine dortige Adresse: Zum deutschen Ritter. Dort bleiben wir eine kurze Zeit, und von dort zerstreuen wir uns nach allen Richtungen der Windrose. Für eine zweite Reise habe ich mich vorläufig nicht verpstichtet, so . hart man mir auch znsetzte. Mein Weg fuhrt da über Wien nach Prag. Also vorerst nach Triest schreiben, und dann ans Wiedersehen j Ihr ganz ergebener Ein Unbefangener würde in diesem Briefe nichts Verfängliches gesunden haben. Aber Martha war nicht mehr unbefangen. Sie liebte den Schreiber dieses Briefes, liebte ihn mit einem tiefen Gefühle, das nicht frei von Rene war, denn sie hatte vor Jahren seine ernste Weichling um ihr Herz und ihre Hand znrückgewiesen, weil sie geglaubt hatte, nicht mehr lieben zu können. Sw hatte den schändlichen Verrat, der an ihrem arglos liebenden Herzen begangen war, noch nicht verschmerzt gehabt und glaubte, in jedem Manne einen Verräter zn sehen. Und doch war er so ganz anders, als jener Mann, dem sie ihre erste Liebe geschenkt hatte. Während jener gefühlvoll, zärtlich, und weichherzig gewesen, war der neue Bewerber kühl, gemessen) satyrisch, ja frivol — ein Gottesleugner, ein Apikores, wie mau ihn nannte. Martha hatte als die Tochter eines sehr vermögenden Kaufmannes in einer nicht unbedeutenden Proviuzstadt Deutschböhmens eine gute Erziehung genossen. Ihre Eltern hatten nichts gespart, um ihr jenes Wissen beibringen zn lassen, welches in der Landstadt zu erreichen war. Sie hatte eine ausgesprochene Vorliebe für alle Zweige des Wissens. Lesen und Lernen, Unterhaltung und interessanten Meinungsaustausch mit geistreichen Menschen — das war die Sphäre, ln der allein sie sich wohlfühlte. Sorgen oder gar Entbehriliigeil, konnte sie nicht. Sie hätte bei ihrer angeborenen Anspruchslosigkeit auch letztere ruhig hingenommen. Als sie noch nicht ganz achtzehn Jahre alt war, erkrankte ihr Vater und lag lange Zeit siech darnieder. Der behandelnde Arzt Dr. Friedländer bot alles auf/ seinen Patiellteu wieder herzüstellen, doch war es vergebens. Dieser erlag der tückischen Krankheit. Während dieser traurigen 'ZeilchüW sich^ ber junge Mktötfö iestnchmW hegen FrEund sTochte'rIseines> Patieliten 6eluie[jen> öaB . Marthanicht anderO konnte', als, ihmmit - vollster Dankbarkeit ergeben zu sein, nnd -älsM"beobachte/ daff sich mich der Doktor für, sie interessierte, kaiu H'Mn iHs) chMeMIW^ge entgehen, InM eisi mianstö^bax 'fchejyhndNf'H"erztznshulch^' Wir-Hx.Hoijchen fden jungeii Leuten geschlossen.^' : -'.ii .... •■-. -tu V. U' Z,D eineroffen)lichew' VerlMing svchr',e^chW'nj'M.Mkommen. ,Doktor,Friiedlmider . mochte'.,um bie' Hand her'sehoMn reichen Erbin nicht früher änhalten, bis er eule Lebensstellung errungen haben werde, welche es ihm ermöglicht, ihr ein ihr würdiges Leben zu bereiten. In der Stadt', in welcher er eine wenig einträgliche Praxis gefunden, war dies nicht gilt möglich. Darum ergriff er gerne die Gelegenheit, als ein in Prag ansässiger Kollege ihn aufforderte, für die Zeit, in welcher er wegen Kränklichkeit an der Riviera weilte, seine Praxis zu übernehmen und ihn bei feinen, den besten Familien Prags angehörenden Patienten zu vertreten. Der Kollege war aber nicht gesund geworden nnd hatte seinem Jugendfreunde und einstigen Stndieugenossen seine eingerichtete Wohnung nebst reichhaltiger Bibliothek und allen ärztlichen Instrumenten nnd Hilfsmitteln znrückgelassen. ihm auch die Zukunft der Dame, welche in diesen Räumen, die Honneurs machte, wärmstens empfohlen. Run hatte ibm der Zufall mühelos alles verschafft, was er zu erreichen bestrebt war. Auch Martha glaubte sich am Ziele ihrer Wünsche angelangt zu fein. Sie bereitet ihre Mutter langsam ans das bevorstehende Ereignis ihrer Verlobung vor, und glaubte ihrer Einwilligung versichert zu fein. Die einfache, aber ersahrene Frau schüttelte bedenklich das Haupt, wenn die Rede auf Dr. Friedländer kam. Das ist kein Mann für dich, mein Kind! Du mit dem hingebungsvollen Herzen könntest an der Seite eines Mannes, wie stieser.Doktor nicht glücklich werden. „Warum Mama?" warf Martha ein. „Ans mehreren Gründen nicht, mein Kind! Schlage, dir nur den Doktor ans dem Kopfe." ' „Was hast du gegen ihn, was hat er dir getan?" „Nichts Marthaleben. Mein Gefühl warnt mich vor ihm, und das hat mich noch niemals betrogen. Ich halte ihn für falsch.' Bald mußte sich Martha gestehen, daß ihr eigenes Gefühl ihr dasselbe sage. Die anfangs überschwenglichen zärtlichen Briefe des heimlich Geliebten wurden immer seltener, immer kühler. Mit der Zeit beschränkten sie sich nur ans äußerliche Dinge, welche ihnen beiden so ziemlich fernstanden. Wenn hie nnd da. ein zärtliches Wort mit unterlief, so war es nur wie ein Almosen, das man einem Hungrigen zuwarf — um ihn los zn werden. Von der Zukunft stand kein Wort darin. Endlich blieben diese Briefe ganz ans. Zu stolz um sich dem sie verschmähenden Manne aufzudrängen, machte sie keinen Versuch, den Briefwechsel wieder anznknüpfen, oder den Grund dieses sie in der tiefsten Seele veletzenden Gebahrens zu erfahren. Sie lebte still und ruhig vor sich hin, ohne sich jemanden, auch mit ihrer Mutter anzuvertrauen. Besonders diese mußte geschont werden. Seit dem Tode des Gatten hatte sich diese Frau sehr verändert. Ans der kräftigen, fast robusten Frau, die überall mit Hand anlegte, und in ihrer Arbeitsamkeit und ihrem Pflichteifer viel jünger erschien als sie es in der Tat war, war eine müde, kränkliche Greisin geworden, welche auf die Pstege anderer angewiesen war. In dieser Pflege fand das Mädchen Ablenkung von den traurigen Gedanken, welche sie beherrschten. Wohl kamen zahlreiche Bewerber um Marthas Hand, welche . ihre Schönheit lockte, ihr Geist und ihre Bildung imponierte, meist aber solche, denen ihre große Mitgift paßte. Martha wies alle ab. Es waren sogenannte gute Partien darunter, wo Frau Heller alle UeberreduNgskunst daran fetzte, ihre Tochter zur Annahme geneigt zu machen/ Martha sagte immer: „Ich liebe ihn nicht, bitte, Mama, verschone mich."; (Fortsetzung folgt.) >■

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