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Die Wahrheit · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1-1. ' Oesterr.-ttligar. Ans dem Sernfs und Urivatleven Voll V. Singer, Jnilgbunzlau. . ' \ II. . . \ ::: i JllMltteil seiner friedlichen Existenz, wenn auch gestellt vor „der/Parteien Haß und Hader V sehen wir den gereiften Funktionär. umgeben von einer sorgsamen Gattin,' die jeden Wunsch von seinen. gramnmfnrchten Zügen abznlesen scheint, ■ die ihm mit Rat und Tat beisteht/ die alles von ihm abwehrt, um ihn vor jeder Ungerechtigkeit und übler Nachrede zu schützen. Sie, die nicht nur eine treue, aufopfernde Ehefrau ist, sie lebt ihren Kindern ganz und mit voller Hingebung undhegt und /pflegt, bildet imb erzieht sie, damit sie einst die Last der Eltern tragen helfen. Siesollen auch zum Muster anderer werden, damit der gute Ruf.der-Familie nicht' ins Umgekehrte schlägt, denn dann ist Verachtung die Folge einer vernachlässigten Erziehung, die man gleich den Eltern, auch wenn sie.weniger schnldtragend sind, zum bleibenden Vorwurf /macht, . da doch 'Rabbiner und Kantor gleich den Tnrmnren von allen Seiten beobachtet mud verurteilt werden. Es klopft an der Tür. Herein tritt ein von der Last der Jahre gebeugtes Männchen. Es ist ein armer herabgekommener galizischer Kaufmann. Er nennt feinen Namen, zeigt einige halbvergilbte Schriftstücke und bittet um Beistand in seiner prekären Lage, in welche er unverschuldet durch das harte Gesetz, das freilich auch .andere traf, geraten ist. Er kommt soeben vom 'Gemeindekassier, der ihlt mit der üblichen Summe von einigen -Kreuzern abspeist. Unser Kollege, von . Mitleid ergriffen, heißt den Orach Platz nehmen, fragt ihn über seine tristen Verhältnisse uns und es interessiert ihn gleichzeitig, über den galizischen Kultus und dessen Einrichtungen, über, die Stellungder Chasonim daselbst re. etwas 511 erfahren. . Der verarmte Kaufmann, der auch ,,-a Stückl Chasen" ist. - ist gern bereit, über die lokalen Verhältnisse in seiner Heimatsgemeinde Aufklärung zu geben, er versteht auch zu dawenen und einen Mischeberach und Aw horachamim znm Besten zit geben. Unser Kollege, im Begriffe feinen Obolus für dieses. Stückl Sagen und Singen zu widmen, greift in die Tasche, doch der Fremde. wehrt es ab und bittet nur, ihm die Namen solcher Balbatim zu empfehlen, die durch Wohlhabenheit und Wohltätigkeit bekannt sind. Nun. solche Empfehlungen anszustellen, gehört nicht zu den Annehmlichkeiten unseres Berufes. Wenngleich man in gewissen Fällen eine große Miztvah ansznnben glaubt und solche Empfehlungen der reinsten Humanität entspringen, wie. bei Hachnoßas-Kalloh, beim Summelu für einen Tempelban rc., so sind schon für denjenigen, der sich für solche Mitzwos einsetzte, so lobenswert sie auch sind, /manch unangenehme Konsequenzen entstanden. Beispiele an- Lnführen, würde allzuviel Raum in Anspruch nehmen, und wir lassen daher zur Charakterisierung der'Verhältnisse unseren Berüfsgenossen „in den besten Jahren" mit seinesgleichen, der aus seiner Nachbargemeinde herüberkommt, ein Gespräch anknnpfen: A. Lieber Freund, wie kommt es, daß unser Freund in A., der als so tüchtiger Fachmann bekannt ist. gekündigt wurde? B. Wie Sie wissen, .war er durch 12 Jahre in der anlehulichen Gemeinde I. Widerwärtigkeiten mannigfaltiger Art, haben ihm dort den Boden untergraben und ' Sie würden es /kaum glauben, wenn ich Ihnen den Grund dieser seiner Un- Haltbarkeit enthüllen würde. A. Ich bin begierig zn erfahren.-7 B. Er war zu beliebt — aber bei Nichtjnden. Zn große Ehre wurde ihm in bürgerlichen Kreisen zuteil. Mit Eifersucht verfolgte man, wenn er bei jeglicher Festlichkeit eine Rolle spielte. A. Er hat doch dadurch seine Pflichten nicht versäumt? B. Durchaus nicht. Das dortige Lokalblatt schrieb: Der .Herr Oberkantor ist nicht nur ein bedeutender Konzertsänger, sondern auch als bedeutender Synagogensänger anerkannt, der gewissenhaft seine Obliegenheiten erfüllt. A. Und warum wurde ihm in seiner jetzigen Gemeinde .gekündigt? Kantören-Zeitung Seite 9. B. Auch darüber werden sie staunen! — Nun weil er mit dem. Herrn. Rabbiner zu intim ist.. . . ' A. Ich verstehe nicht ... ' 18. Das kam so. Sein Vorgänger war mit diesem Rabbiner in stetem .Zwist und da letzterer die Partei der Alten, der Orthodoxen^,gegen sich hatte,.so waren diese .auch ihm feindlich gesinnt.. Bei der Neuwahl des Vorstandes glückte es dieser Partei ans Ruder zn kommen. Die Folge war, daß sie als erste Tat dem Kantor kündigten. . .A. Aber das kann.'unmöglich eine Handhabe sein, um jemand seiner Existenz zn berauben? B. Die Handhabe war es nicht, aber der tiefere Grund lag doch darin. Die Handhabe war eine plötzlich eingetretene Heiserkeit,, die ihn am Osterfest überfiel. Doch wie gesagt, er scheidet gern von einer Gemeinde, wo noch ein großer Teil derselben in tiefem Zelotismns stecht, wo man als Meschubod und nicht als freier Mensch und Beamter behandelt wird. Unser Kollege freut sich, in eine Gemeinde zu kommen, in welcher seine-Leistungen Verständnis finden werden, wo er einen Vorstand hat, der ans honorablen Leuten besteht, die jedem Funktionär gern ihre Achtung angedeihen lassen, wenn er mit Bildung und Fachwissenschaft ansgestattet ist. Und.wenn er auch schon in dem gereiften Alter der Bierzigerjahre steht, so fühlt er doch noch jugendliche Kraft, um seine neue Gemeinde zufriedenzustellen. — Und so kam es auch. Unser gekündigter Kollege trat in seinen neuen Posten und wirkte daselbst mehr als 30 Jahre. / (Schluß folgt.) Wiener Kimtorenklnb. Die Herren Kollegen werden hiemit aufmerksam gemacht, . daß von' nächster Woche, reip. vom 27. d. M. angefangen, die ■ Klnbversammlnngeu jedenM 0 ntag. 3 U h r nachmittags im Klnblokale, Cafs Ortner, II. Praterstraße 33, 1. Stock, . stattsinden. Die Klnbleitung. Erster Mädchenausstattungsverein a. G. (Kinder- und Lebens- Versicherungsanstalt.) Sonnrag vormittag hielt der erste Mädchenausstattuugsverein unter lebhafter Teilnahme seiner Mitglieder die 48. Generalversammlung. Den Borsitz führte der Vizepräsident Dr. Moriz W i t r m a tt u, da der. Präsident. Armni Schwarz krankheithalber am Erscheinen verhindert war. Nach Begrüßung der Anwesenden wurden die Mitglieder Georg Roste ly und Anton Klein zur Anteiltikation des Protokolls : designiert. Hernach wurde die diesjährige Bilanz und der Jahresbericht der Direktion der Generalversammlung unterbreitet. Ans der Bilanz und . dem Jahresbericht heben wir folgende Daten hervor: Sämtliche Geschäftszweige haben sich im verflossenen Jahre wesentlich erweitert, indem gegen' das vorjährige Jahr um 2.708.750 Kronen mehr Versicherungen abgeschlossen wurden. Das Vermögen des Instituts beträgt K 19,312.100,. wovon K 11,094.885 in Anlagepapieren ersten Ranges und X 9.117,215.20 in Bank- und Sparkasseanlagen, wie auch in Immobilien angelegt sind. Die Bilanz und der Jahresbericht wurden einstimmig angenommen und der Direktion das Absolntorium erteilt. Es wurden auch einige Aenderungen : an den Statuten angenommen. Hernach wurde aus Antrag des Pros. Stephan S a m n der Direktion und dem Beamtenkorvs einstimmig Dank votiert, worauf die Generalversammlung ihren Abschluß fand. Hamuazeach ixi. 13 Hafte g-stsllt, pro lElsft ±L_ 1.— Zu beziehen bei Frau M. Soh.ÖU (verwitwete Wodak] Wien, 1.* Seitcnstetteiiirasse Nr. 4. von berufenen Autoritäten vorziigiiehslbegutachtet und als vortreffliche Arbeit umi mich }eder Richtung bedeutsame Erscheinung wärmstens empfohlen, enthält alles, was ein Israel. Cantor innerhalb und ausserhalb des Tempels in Chasonus, ßezitaciven und Kasualien benötige, in reichster Fülle. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Gircttsgasse 47. Ordination yon 9—6. Telephon 18390.

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