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Die Wahrheit · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit > Nr. 11. hin. die Unzulänglichkeit der Mittel zu beklagen, wenn nicht die galizische Judenschaft selbst in erster Linie zur Tat greifen wird. Niemals hätten Not und Elend unter den Inden solche Ansbreitnng erlangt, wenn sie zur Selbsthilfe gegriffen hätten. In den großen und mittleren Städten, ja selbst bei jüdischen Dorfbewohnern werden die jndenfeindlichsten polnischen Elemente in Dienst genommen und die Summe der Dienstgeber übersteigt sicherlich die Zahl 100.000. Man berechne nur, welche ungeheure Summen Geldes ans jüdischen Taschen in christliche siießen, während die jüdischen Mädchen darben und verkümmern und entweder in die Netze der Kuppler oder in den Schooß der Alleinseeligmacherei fallen. Da lobe ich mir unsere sp.rniolischen Familien, die zumeist nur jüdische Dienstboten halten. Freilich sitzt dieser jüdische Dienstbote am selben Speisetisch und arbeitet in treuer Anhänglichkeit an der Seite der Hausfrau. Einen wahren Kiddusch haschem bietet folgende Einrichtung, die ich bei den Spaniolen in den Balkanländern wiederholt beobachtet habe. So ein mittelloser Familienvater mit Hinterlassung von Mädchen stirbt, werden dieselben in den jüdischen Häusern verteilt, woselbst sie bis zu ihrer V.'rehelichnng verbleiben. Sie sind verläßliche Stützen der Hausfrauen, bis sie oft von den Söhnen des Hauses oder von einem fremden Manne zum Traualtäre geführt werden. Will man das Elend, die Quelle jeden Lasters, zum Verstegen bringen, dann ist es ein sicheres Mittel den Mädchen armer Eltern dadurch Erwerb und Verdienst zu bieten, daß wir sie als Köchinnen und Kälberpflegerinnen in unsere Familien anfnehmen und sie dadurch sozial und -moralisch heben. Natürlich würde sich da die Errichtung von Kochschnlen empfehlen, und dies wäre schon ans dem Grunde wünschenswert, weil von allen Hausindustrien die Küche den größten Nutzen gewährt, indem sie das Leben der Familie erhält. Die Polen in Lemberg, die in nicht hoch genug anznschlagender Weise an der moralischen Hebung ihres Proletariates arbeiten, haben in mnnifizenter Weise großartige Wirtschaft- und Kochschulen, sowie Unlerknnflsstätten für arme Mädchen und Lehrlinge gegründet und die Geistlichkeit mit dem Erzbischof Bilezewski au der Spitze bietet alles Mögliche auf, um diese Institutionen zu fördern, während die galizischen Inden nach dieser Richtung keinen Finger rühren. Wie segensreich die Baron Hirsch-Schulstiftnng auch wirken mag. die moralische Hebung des galizisch-jüdischen Mädchenelends, verbunden mit sichtbarem materiellen Nutzen, kann nur durch -derartige Wirtschaftschnlen und Arbeiterinnenheime herbeigeführt werden. Nur die größte Sorgfalt und Schntzarbeit für den weiblichen Teil unseres Volkes wird zum Ziele führen mib viele Millionen, welche Inden dem christlichen Dienstpersonale zahlen, in jüdische Taschen fließen lassen. Davon ist aber in der Enquete kein Wort gesprochen worden. Für den männlichen Teil der galizisch-jüdischen Jugend gilt dasselbe Bedürfnis nach Erweiterung der Erwerbsmöglichkeiten. Wir haben leider zu allen Zeiten vom Segen Jizchaks apjr bp bp nur unsere geistige Existenz zur Geltung gebracht, die Hände aber legten und legen wir noch immer in den Schoß. Diese Vernachlässigung der natürlichsten Kraftspender hat uns Juden das hoffende, darbende, muffige Lnftmenschtnm eingetragen und das Christentum, insbesondere der jndenmordende Iesnitismns, den uns dadurch zugefügten Schaden erkennend, hat alles darangesetzt, um mit Feuer und Schwert das ganze Mittelalter hindurch bis znr Emanzipationszeit jede reelle Arbeit von uns fernzuhalten. Ich erinnere nur an die katholischen Zünfte, welche eine förmliche Gewalt en der Oekonomie der menschlichen Gesellschaft sich anmaßten. wie sehr haben diese die Juden von der ehrlichen Arbeit weg zum sündigen Wucher gedrängt. Eine kleine Reminiszenz scheint mir hier am Platze. Als Oesterreich vom freiheitlichen Gewer.be zum Zunftgewerbe znrückkehrte und der Ruf zur Organisation der Zünfte in Galizien die christlichen Meister wieder näher brachte, da wollten diese die Gelegenheit benützen, um die Juden von der Mitverwaltung der Zunft ausschließen. Indes hatte Lemberg einen in Wien ausgeleruten Spengler namens Goldberg, welcher überall herumkam und von dem gegen die Juden gerichteten Anschlag Kunde erhielt. Dieser wandte sich dann an uns im Schomer Israel und wir faßten den einstimmigen Beschluß, gegen'ein derartiges, die jüdischen Handwerker ausschließendes Statut bei der Statthalterei, welche dazumal noch nicht so all- und großpotnisch tat, wie heute, Protest einznlegen. Und dieser Protest wurde von, der Statthalterei znr Kenntnis genommen und die den Inden drohende Gefahr abgewendet. Fürwahr, das war damals ein großes Glück, das allen kommenden Generationen zum Heile gereichte und es ermöglichte, daß jüdische Lehrlinge zu Gesellen und die Gesellen zum Meister zngelassen werden müssen. Freilich gibt es Zünfte, in welchen noch keine Inden vorhanden sind, vor allem anderen die Maurer, die in der brutalsten Weise jeden Inden von sich abwehren. Allein hier müssen die jüdischen Unterstütznngsorganisationen, wie I. C. A. und A. I. U. Wandel schaffen und eine Manrerschnle mit jüdischen Architekten und Banmeistern errichten, dann werden die wilden Bestien klein beigeben und sich gewöhnen müssen, daß die jüdischen Millionen, welche alljährlich für Banten veransgabt werden, auch von jüdischen Maurern erworben werden. Leben wir doch in Oesterreich uiib nicht unter der Moskowitischen Knute. Aehntiche Schulen wären für die Oekonome von Feld und Wild und sonstige landivirtschaftlicherr Arbeiten einzurichten und natürlich gehörte dazu auch eine jüdische Parzelliernnggesellschaft. Nach den angegebenen Programmpnnkten kann jeder einsichtige Jude die Frage beantworten, ob die nltraklerikal-polnischantisemitische Laudesbehörde es nur im geringsten ans sich nehmen wird, ein so weit verzweigtes Hilfswerk für die von ihr gehaßten Zydy ins Werk zu fetzen. Das Gegenteil wohl! Wer kann die Anzahl der bösen Geister und deren höllische Ratschläge ermessen, so es gestattet wäre, eine Enquete znr Bedrängnng und Verdrängung der Inden abznhalten? Und darin allein liegt immerhin ein großes Verdienst unserer Psendojnden, daß sie den Inden Gelegenheit gaben, auf den Grund polnischer Antisemitenherzen zu schauen. Freilich für uns bedurfte es keiner Demonstrationen mehr. In einem der nächsten Artikel wollen wir uns mit der so stiefmütterlich behandelten jüdischen Intelligenz und mit der Erziehung der jüdischen Jugendbefassen. Dr. Rüben Vierer. Uew Uorker Briefe. New Jork, 26. Februar 1911. G e e,h r t e r H e r r D o k t v r! Wieder hat Gouvernenr Dix bewiesen, daß die New Jorker Inden keinem trefflicheren Mann ihr Vertrauen hätten schenken können als ihm. Bekanntlich hat bei den Gonvernenrswahlen East-New Jork einstimmig für Mister Dix votiert. Ich stehe nun den Versprechen eines Wahlkandidaten immer skeptisch gegenüber, und mag er anch meiner eigenen Partei angehören. Bei diesen Männern scheint sich nach der erfolgreichen Wahl eine Gedächtnisschwäche einznstellen, die sie alle ihren Wählern geleisteten Versprechen vergessen läßt. Aber Mister Dix trat in der Wahlkampagne so ehrlich seinen Mitbürgern entgegen, daß diese sofort erkannten, es nicht mit einem rücksichtslosen Politiker, sondern mit einem aufrichtigen Volksberater zu tun zu haben. Und je öfter Gouvernenr Dix in die Oeffentlichkeit tritt, sei es' als Privatmann, sei es in amtlicher Tätigkeit, desto mehr gewinnt er die Achtung seiner Mitbürger. Erläßt aber anch keine Gelegenheit vorübergehen, ohne die New Jorker Jndenschaft seiner Sympathie zu versichern. Er weiß, wie selten einer das patriotische Wirken seiner Mitbürger zu schätzen. Sie erinnern sich noch jener für das gesamte Judentum bedeutungsvollen Rede, die Gönverneur Dix am N a t h a n S t r a u ß' E h r e nabend gehalten und die allgemeinen Beifall der hiesigen Preffe gefunden hat. Vergangenen Mittwoch, gerade am Geburtstage Washingtons, fand nun die Einweihung der neuen Gebäude des „Hebre w Infant Asyl um of t he City of New York“ an Ringsoridge Road und Allurduct Av. statt. Das Fest-

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