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Die Wahrheit · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktionen dÄdininislratioü: Wien, LT/, Novarag asse 27 Telephon: 'Jlebnftiou 5107/vill. Euabhangige Zeitschrift für jüdische Aeri»n»prei»: Ganzjährig.Kl*.— Halbjährig.. K 7.— Administraliou 4938II.' R.f. ösierr. Boslsparkassa- Scveck-Roiuo Nr. 100.918. Interessen. Für DiltilSbeaiate: (Monjitibviti.K 10. - Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heiler. Erscheint jeöen Freitag. Fin Anstand: Abonnements- und JnierlionS- Giinzjätzrig.8 Mark betrüge sind in Wien zahlbar und klagbar. Molto: „Das Siegel Moltes ist Wahrheit!“ tt ilhibel ober 1*5 Frc». ih. 12 Wie». 24. Mar; Inhalt: Nach der galizischen Enquete. — New Jorker Brief. — Der Fall Hitsner — ein europäisches Justizverbrecheu. — Die Juden in der Technik. der Knust, der Wistenschaft und als Forscher, Entdecker und Erfinder. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Ein Apikores. — Ans dem Berufs- und Privatleben des Kantors. — Austritte ans dem Jndentnm. Mach der galizischen Gnqnete. Noch zuckt mein blutendes Herz, noch umschleieru heiße Tränen meinen Blick, ich finde mich nicht zurecht in meinem verdüsterten Heim und schwer empfinde ich die Jodsnachricht: '3K p-i na'raai -i'irb 1"ßi? Ich blieb allein zurück, während meine Lebensgefährtin und meine Tochter, meines Lebens Licht und Freude, in 24 Stunden ihr Grab gefunden haben. sana *6 nar ^22 •rb n^an jna Und bei all diesem unsäglichen Schmerz werde ich nicht sündigen, keine Lästerung wider die Allmacht ausstoßen und auch mein blntendesHerz für die Interessen unseres Volkes nicht erkalten lassen. Wohl find die Akten über das galizische Jndenelend im Landkagsgebände geschlossen, wohl haben unsere Besten das Richtige gesprochen, allein damit hat das galizische Israel noch nichts erreicht, und an der Negation, welche seitens der galizischen Behörden dem Inden gegenüber bisher geübt wurde und welche in dem Satze altegyptischer Pharaonenpolitik wurzelt .-122NN2 nnrr ro“i' ja iv wolan, wir wollen sie überlisten, daß sie sich nicht zn Herrschern anfschwingen, wird noch immer festgehalten. Bevor wir jedoch die Mittel der Gegenwehr gegen diese hamanische Clique und deren jndenmordende Arbeit erörtern, sei es uns gestattet, ans ein sehr wichtiges Faktum in der Geschichte des ökonomischen Lebens in Galizien hinznweisen. Die junge polnische Generation, welche heute die Anstreibungspolitik oder den Vernichtungskrieg gegen die Inden Predigt, möge einmal bei dem Vormürzpvlentnm ansragen, wie hoch damals der Grund und Boden im Preise stand, und was er heute wert ist. Die Antwort wird nicht schwer fallen, und gerade die Steuerbehörde wird das. am besten wissen. Wenn dazumal jeder Joch guten Bodens mit einen Silbergulden pro Jahr verpachtet wurde, beträgt heute der Pachtschilling 30—40 Gulden und selbstverständlich ist auch der Wert des Bodens in ähnlichem Verhältnisse gestiegen. Wehe Galizien, wenn allpolnischer Uebermut die galizische Judenschast zn einem Exodus zu treiben versuchte, dann versinkt Galizien in das frühere Stadium der Entwertung und die allpolnische Schlachta wird mit dem Treiben, Drängen und Stoßen unseres Volkes sich selbst und dem Staate den größten Schaden zufügen. Man wird vielleicht einwenden: Gut, der Jude hat das Seiuige getan, nun kann er gehen; wir Jung- und Allpolen werden mit der Beute schon fertig werden. Allein wir Juden haben darauf folgende Antwort bereit: Das Land, das wir bereichert, das wir mit unserem Blute und unseren Tränen gedüngt haben, gehört durch bald ein Jahrtausend auch uns, nur wurden wir von den Machthabern früherer Jahrhunderte desselben beraubt. Nun darf keine Macht der Welt uns diesen Besitz mehr entreißen und für die Regierung und die Regierungspartei gibt es keinen anderen Weg als den, den jüdischen Bürgern ihr Recht zurecht bestehen zu lassen und ans diese Weise Frieden und Wohlstand der gesamten Bevölkerung zn sichern. Bis zur Verwirklichung dieses Ideales dürfen wir aber nicht die Hände in den Schoß legen, und so wollen wir die Mittel und Wege andenteu, wie unser Volkstum vor dem weiteren Einreißen des moralischen und ökonomischen Doppelelends geschützt werden könnte. Zunächst müßten die unheilvollen Spaltungen im galizischen Israel beseitigt werden. Ein so hartbedrängtes Volk darf sich nicht den Luxus gönnen, sich politisch in verschiedenen einanderbekümpfenden Gruppen anfznlösen. Sehen wir uns die bekanntesten Gruppen etwas näher an, so stehen auf der einen Seite die, zionistische und die jüdisch-nationale Gruppe, welche sich nur von jüdischen Interessen leiten lassen, und auf der anderen Seite die Clique der Talmipolen mosaischer „Konfession", welche in ihrer Brunst ihren politischen Scheinbrodgebern, Dienste zu leisten, davor nicht znrückschrecken, gegen ihr eigenes jüdisches Interesse zn handeln, und der Chorus der Rebbejuden, die zum großen Unheil für das jüdiichnationale-Volk sich als Einpeitscher für stvckantisemitiiche Kandidaten verwenden lassen. Aber trotz der großen Verschiedenheit der religiösen und sozialen Anschauungen der einzelnen Gruppen und Elemente muß der gesunde Teil unseres Volkes sich zn einer energischen Tat anfraffen und zur Wahrung, Vertretung und Förderung aller jüdischen Interessen einen großen jüdisch-politischen Verein gründen, wie wir ihn im „Schvmer Israel" geplant hatten. Diesem Vereine müßten sich in allen galizischen Ortschaften alle jüdisch fühlenden, politisch denkenden. Männer anschließen, ohne Unterschied des Berufes und der Stellung, und dem Aktionskomitee desselben müßten auch alle jüdischen parlamentarischen Vertreter angehören. Ist dieses Organ, das allerdings den österreichischen Gemeindebnnd nicht entbehrlich macht, geschaffen, daun wird Israel nicht verwaist sein und die jüdischen Abgeordneten würden in steter Fühlung mit unserem Volke bleiben. Nach Behandlung der politischen wollen wir uns der nationalökonomischen Seite der galizischen Judenfrage znwenden. Das schreckliche Elend mit allen seinen schädlichen Folgeerscheinungen. an denen die galizische Jndenheit laboriert, muß in rationeller Weise bekämpft werden. Wie hoch wir auch die philantropische Tätigkeit unserer westländischer Brüder einschätzen, so können wir doch nicht um-

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