Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite 8.; Die, Wahrheit. Nr. 11. Glaubeusgenoffen gelegen, daß die Reise so beguem und angenehm als möglich gemocht wird. Fürdiese Einführung haben sich besonders Rabbiner H o r o w i tz -Jerusalem als auch Dr. - B r e r t h o l %, Rabbiner in Triest, interessiert und die gemeinsanren Bemühungen sind von bestem Erfolggekrönt worden. FeniUelon. ßin ApiKores. Bon Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Sie schrieb diese bewußten Unwahrheiten aus dem Grunde, um dem Freunde den Anlaß zu benehmen, sich ihr verpflichtet zu fühlen. Die materielle Lage des Knaben war inzwischen derart gesichert worden, daß die Unterstützung des Doktor vor der Hand nicht nötig war. Die Vormundschaft hatte den Prozeß gegen die Versicherungsgesellschaft gewonnen, welche dadurch genötigt wurde, die Versicherungssumme zu erlegen. Die Gesellschaft konnte nicht beweisen, daß der närrische Doktor selber Hand an sich gelegt habe, und io hatte das Gericht einenunglücklichen Zufall angenommen. Es konnte somit seiner Pflegerin und Erzieherin ein anständiger, wenn auch nicht reichlicher Betrag als Pension für ihren Zögling ansgezahlt werden. V. Die drei Jahre, welche Doktor Braun ansbleiben sollte, waren zu Ende. Martha haue ans einer Hafenstadt des mittelländischen Meeres von ihm ein Schreiben erhalten, worin er bittet, ihm nach Alexandria an das österreichische Konsulat Nachrichten zu senden. Dies geschah auch. Von da an wartete Martha täglich mit Herzklopfen auf den Briefträger, der ihr die Anzeige von der Heimkuuftlws Freundes bringen werde. Endlich nach langem Warten kam ein Brief aus Alexandria. Leo hatte dem anklopfenden Postboten die Türe geöffnet und den Brief in Empfang genommen. „Tante!" rief er aus, „das ist eine ägyptische Briefmarke, gib mir sie für mein Sammelbuch." „Dn sollst sie haben, Kind, gib nur rasch den. Brief her. Mit nervöser Hast riß sie den Umschlag auf, und las den Brief. Röte und Blässe wechselten während des Lesens auf ihrem Gesichte. Dann legte sie die Hände in den Schoß und Tränen traten ihr in die Augen. Es war ihr nicht anders zu Mute als einem Schiffbrüchigen, dem man die Planke, auf der er sich zu retten hoffte, unter dem Leibe wegreiße, so daß er von neuem in das feindliche Element gestoßen wird, und in den umflutenden Wellen umzukommen vermeinte. So saß sie Stunden lang in ihren traurigen Gedanken versunken. Als sie abends ihr Schlafzimmer aufsuchte, nahm sie noch einmal den ominösen Brief zur Hand, und begann ihn wieder zu lesen. Er lautete: «Verehrte Freundin! Der Aufgabeort dieses Briefes sagt Ihnen, daß wir ans der Heimreise begriffen sind. Es ist aber, auch schon die höchste Zeit dazu. Für das sehr beschädigte Schiff, .für die'müde Mannschaft und die nicht weniger müden Naturforscher, am meisten aber der Arzt, der alle Launen der Passagiere ertragen, und alle Gebrechen heilen soll. Beim ersten Anblick Alexandriens schien es mir, als sähe ich eine Vorstadt meiner Heimat, als wäre ich schon so nahe derselben. Und erst im Hafen!. Da wimmelte es von Europäern— die allerdings, wo wir antreten, in mehr oder minder hänsigen Exemplaren anzntreffen waren, und in dem babylonischen Sprachengewirr, welches daselbst herrschte, unterschied ich auck Laute meines geliebten Deutsch. Und auef) jüdischen Jargon hörte ich von russischen oder polnischen Juden, mit einem Worte, ich glaubte in der Heimat zu sein. Die Reisebeschreibnng bis Alexandria fortznsetzen, erlassen Sie mir hoffentlich beste Freudin. Mündlich bleibe ich Ihnen nichts schuldig, da kann wenigstens nufer Lev zuhören, während Sie ihm doch meine Briefe schwerlich zu lesen geben. Doch ein Erlebnis kann ich Ihnen nicht verschweigen. Ans diesen können Sieersehen, daß ich das Pech, welches mir bisher anhaftete, abgestreifd habe^. Ich bin nämlich der Hüter und Schützer einer schönen eleganten, noch jungen oder wenigstens nicht alten Dame geworden, diemit mir die-Reise bis nach Prag Mitmacht. Ich verspreche mir sehr viel Vergnügen von der Reise mit einer so liebend würdigen und geistvollen Dame. Ist das nicht Glück? eür größeres als-ein altes Haus gleich mir, erwarten konnte. - Hören Sie jetzt, liebe Martha, wie ich dazu kam. Mein erster Gang in Alexandria, kaum daß ich meinen äußeren Men-- scheu etwas zivilisirl heransstasfirt hatte, war ins Konsulat, wohin ich mir Briefe kommen ließ. Die wenigen Corresponden-- ten, die'ich der Heimat znrückgelasfen, waren pünktliche gewesen. Nach wessen Brief ich zuerst gegriffen, das ist mein Geheimnis^ Als ich meine Briefe dnrchgelesen hatte, kam ein Beamter zw mir, und lud mich im Namen des Konsuls ein, diesen in seinem. Büro zu besuchen, da er mit mir zu sprechen wünschte. Es hätte wohl nicht gleich sein müssen, aber ich war neugierig geworden,- und begab mich gleich dahin. Wir waren alte Bekannte. Des- Konsnls erste Frage nach einer überaus herzlichen, wortreichen Begrüßung war die: _ „Sie sind ein gebürtiger Böhme, nicht wahr?" „Habe die Ehre es zu sein," antwortete ich mit einer Verbeugung. „Sie können mir einen großen Gefallen erweisen, wemr Sie sich einer Landsmännin auuehmen. welche sich hier untereigenartigen Umständen anfhält, und nichts sehnlicher wünscht, als in ihre Heimat/ wenigstens bis nach Prag kommen zu können.- Als Briefe für Sie ankamen, habe ich gleich an Sie gedacht." Ich verbeugte mich vor dem Konsul so korrekt, als stündeich wieder vor einem Hottentottenhäuptling. (Fortsetzung folgt.) Notiz. Subskriptions-Einladung auf die kaiserl. ottvmanische 4°/oige Anleihe von 1911. Von der seitens der kaiserl. ottomanischen Regieruug auf Grund des Artikels 20 des Finanzgesetzes für das Jahr 1326 (1910/11) geschaffenen Anleihe im Gesamt-Nominalbetrage von Pfund türk. 11,000.000, gleich Mark 204,000.000, gleich österr. Kronen 239.250.000, gleich Francs 250.000.000. gleich Pfund Sterling 10.000.000, gleich holl. Gulden 120.000.000 wird der erste Teil von Pfund türk. 7,040.000, gleich Mk. 130.560.000, gleich österr. K 153 120.000, gleich Frcs. 160.000.000, gleich Pf. St. 6.400.000. gleich holl. Gulden 76,600.000' hiemit zur Subskription aufgelegt. Dieser Teil ist an der Wiener Börse zum Handel und zur Notierung zugelaffen worden. Die Subskription findet am Dienstag den 31. März 1911 statt : in Wien: bei der Anglo-Oesterreichischeu Bank, bei der K. k. privilegierten Allgemeinen österreichischen Boden-Credit-Anstalt, bei der K. k^ priv. Oesterreichischen' Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe, bei der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft, bei der Kais. kön. priv. Oesterr. Länderbank, bei dem Bankhause- S. M. v. Rothschild, der Union-Bank, bei dem Wiener Bank-Bereiu; in Prag; bei der K. k. priv. Böhmischen Union-Bank, ferner bei den Filialen der Anglo-Oesterreichischen Bank, der K. k. priv. Oesterreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe, der Kais. kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank und des Wiener Bank-Vereines, während der bei jeder Stelle üblichen Geschäftsstnndenunter den nachstehenden Bedingungen: 1. Der Subskriptionspreis beträgt 86'60°/0 vom Nvnünalkapitale in Kronen — K 414 38 für jede Obligation aon L 478-60 zuzüglich der laufenden Zinsen vom 1. Januar 1911 bis zum Tage der Abnahme^ 2. Die Subskription erfolgt mittels des für dieselbe bestimmten Anmeldungssormnlares, welches bei den vorgenannten Stellen erhältlich ist.- Jeder Snbskriptionsstelle ist die Befugnis Vorbehalten, nach ihrem Ermessendie Höhe des Betrages jeder einzelnen Zuteilung zu bestimmen. 3. Bei der Subskription ist Kaution von 5°/0 des gezeichneten Nominalbetrages zir hinterlegen, und zwar entweder in Barem oder in solchen nach denn Tageskurs zu veranschlagenden Effekten, welche die betreffende Snbskrip-. tionsstelle als zulässig erachtet. 4. Die zngeteilten Obligationen sind durchs die Zeichner vom 28. Marz d. I. bis längstens 15. April d. I. abznnehmen. Es wird den Zeichnern freigestellt, die ihnen zugeteilten Obligationen innerhalb dieser Frist auch in Teilbeträgen von nicht unter 4785 Kronen zu beziehen. Nach vollständiger Abnahme wird die hinterlegte Kaution verrechnet, beziehungsweise der über^chießende Teil zmückgegebeii- Auinelduttgeu ans bestimmte Abschnitte können nur insoweit berücksichtigt werden, als dies nach Ermessen der Snbskriptionsstelle mit den Interessen der anderen Zeichner verträglich ist. 5. Die Zuteilung wird sobald als möglich nach Schluß der Subskription unter Benachrichtigung der Zeichner erfolgen. Im Falle die Zuteilung - weniger als die Anmeldung beträgt, wird die überschießende Kaution zurückgegebeln 6. Die Abnahme hatbet derselben Stelle zn geschehen, bei welcher gezeichnet wurde. :