Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterr.-ungar. Kantoreu-Zeitung «Seite 9. Nr. 11. Ans dem Sernfsnnd ftvtontOben des Kantors. Bon B. Singer, Jungbunzlau. (I) Obwohl nur in einer Landgemeinde lebend, sind doch im 'Laufe der Jahre so viele Bilder nnd drastische Erscheinungen ans unserem Berufsleben kaleidoskopisch vor meinen Augen vorübergewandert, daß ich es versuchen möchte, sie mit der Feder festznhalten. Man kann bei einer solchen Gallerie von fachgenossenschastlichen Portrails natürlich nur mit den jungen, ansstrebenden Leuten beginnen, welche noch voll Begeisterung für ihr Fach eintreten und sich nicht gern ihren von reicher Fantasie erfüllten Blick trüben lassen. Sie sind gewöhnlich schon äußerlich kenntlich: langes, wallendes Haar, ein Flanmbärtchen im Gesicht, das von einem breiten Schlapphnt beschattet wird. Kommt eine solch -geniale Figur dich besuchen, so kannst du daraus gefaßt sein, daß er im Taumel der Begeisterung nui' mehr von sich selbst spricht, um seine Taten, die bereits die Feuerprobe bestanden, in das hellste Licht zn rücken, und vor allem die Beweise seiner musikalischen Natur dir zeigen wird. Mit diesem Können prunkt er am meisten, während es in der Liturgie, wie er selbst zugibt, noch happert, und er auch gesteht, daß ihm das Leinen noch Schwierigkeiten macht re. rc. Aber mit seinem ersten Probevortrag in der Gemeinde 2c. hat er vollends durchgeschlagen, insdesondere die Franen nnd Mädchen sollen von seiner Stimme entzückt gewesen sein. Snlzer, Naumburg und Lewaudovski hat er im kleinen Finger nnd ist anch in den Kompositionen der Jungdentschen Kirschner, Heule rc. zu Hanse. Auch fängt er selbst an, ans kompositorischem Gebiete sich zn versuchen, nnd wie er sagt, mit Glück. Trotz seiner Behauptung, in der Mnsika so bedeutendes zn leisten, macht ihm doch etwas großes Kopfzerbrechen, und zwar das Einstndieren mit dem Chore. Da, er sagt es selbst, fehlt ihm die nötige Geduld, er will sich mit den L . . . bnben wicht ärgern. Er hat rs erst unlängst dem Vorstande gestanden, daß er sich nicht weiter ärgern wird, denn das schadet seiner Stimme nnd er ist doch in erster Reihe Sänger. Der Herr Vorsteher soll ihn daranf ansmerksam gemacht haben, Haß sein Wirken ohne den Chor unmöglich sei, denn dann hört er eben ans, inilsikalischer Kantor zn sein. Doch darauf reagierte er nicht, sondern seine Einbildung bringt ihn ans den Gedanken, daß er sich um diese oder jene Oberkautorstelle bewerben werde, denn seine Stimmittel erlauben ihm dies. Es erscheint deine Frau. Er wird ihr gegenübersehr galant, gesprächig, klagt aber gleichzeitig über seinen ledigen Stand, der ihn außer aller Ordnung bringt-nnd daß er sich mit der Wirtshanskost abfinden muß, die ihm oft viel Mißmut bereitet. Wohl seien ihm schvn viele und gute Partien angetragen worden, allein er lasse sich noch Zeit, beim insolange er ledig bleibt, wäre auch der Reiz größer, den er ans die Gemeinde, d. h. ans die Töchter besitzenden Balbatim ausübt. Deine liebe Frau denkt -auch schon im Geiste nach, ob nicht die oder jene ans der Stadt für ihn passen würde. Er aber resusiert alles — weil er Höheres im Gedanken hat. Deine Frau, liebenswürdig wie immer, lädt ihn zn einer kleinen Jause ein, die er dankend entgegennimmt, nnd diese Aufmerksamkeit insoweit quittiert, daß er sich herbeilüßt, -ein Schnben'sches Lied zum Besten zu geben, welches er wirklich mit Gefühl vorzntragen versteht. Mit der Versicherung, ein sehr angenehmes Stündchen bei einem treuen und aufrichtigen Kollegen verbracht zu haben, nimmt der begeisterte Jüngling, deiner lieben Gattin die Hand küssend, von dir Abschied. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Vom Wiener Kantoreuklnb wird Samstag,, den 18. März, V2S Uhr abends' eine gemütliche Z usam menknnft in Hetlingers Restauration, H., Zirkns.gasse 3 (Glassalon), veranstaltet. Von. Mitgliedern eingeführte Gäste und Damen willkommen. Wien. (B o r t r a g.) lieber M e i st e r n n d Meisterwerk e heb r ä i s ch e r D i ch. t k n n,st hörten wir a.m letzten Freitag-Abend im Bet-Hamidrasch „Talmud Thora", Ü. Malzgasse, einen Bortrag des .-Herrn Prof. A n t s ch e r l, der von Gabirol ausgehend dem zahlreichen Auditorium klassische hebräische Dichtungen erläuterte und das Interesse für unsere altehrwürdige heilige Sprache bis znm Schluffe rege erhielt. Es sind in Wirklichkeit wertvolle Schätze, die wir in unfern unvergleichlich schönen hebräischen Dichtungen besitzen, die so recht zeigen, daß die Sprache der Bibel an Kraft des Ausdruckes und Schönheit der Form den yltklaffischen Sprachen als ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann. Uns Juden, die wir seit der zartesten Kindheit Hebräisch treiben, denen die heilige «spräche die zweite Muttersprache geworden, unter welchem Himmelsstriche auch immer wir wohnen, bildet unter allen Umständen die hebräische Poesie den Inbegriff des Erhabensten und Schönsten und nimmt auch demgemäß den ersten Rang bei uns ein. Davon hatten wir im obenerwähnten Bortrage ausgiebig Gelegenheit uns zu überzeugen. Zum Schluffe kamen poetische Erzeugnisse der Neuzeit an die Reihe, unter diesen Rabbiner Dr. Jsach. Jak. U n g e r s Gedichte, die jetzt in 3. Auslage und zwar als Jnbelausgabe, herausgegeben von seinen Schülern, anläßlich des 50jährigen Amtsjnbilänms ihres verdienstvollen Lehrers und Meisters, dessen Feier der Dichter und allverehrte Seelsorger der großen Jglauer Gemeinde im Vorjahre bescheiden und dankend ablehnte, unter der Presse sich befinden und das besondere Wohlgefallen der Zuhörer fanden. So hat dieser jüdisch-literarische Freitag-Abend der traditionellen freudigen Adar-Stimmung vollkommen Rechnung getragen. Wien. Im Bethans des Vereines „Ansche dath. wozedek“, XX., Wüctemberggaffe 2. fand Dienstag, den 7. Adar ein rra “p:rr unter großer Beteiligung statt. Nachdem Oberkantor Basier vom Briglttenaner Tempelverein mit seinem Chore den Eimveihilugsakt in überaus solenner Weise porgenommen hatte, hielt der Obmann Herr Siegmund Dickstein, eine die Bedeutung des Festes erörternde Ansprache. Erwähnt sei auch> daß eine fromme Frau, namens Sarah Frankl, durch die Spende eines größeren Geldbetrages die Anfertigung eines neuen Sesers ermöglichte. Unter den Anwesenden bemerkte man die Kantoren Schleifer, Giblich» m a n n, I l l m e r, R o s e n z w e i g nnd Herrn Wolf Pappen heim von der Schiffschnl. Ein gemütlicher Abend im Restanrauc „Ehrlichhof" beschloß das schöne Fest, um deffen Gelingen sich besonders Herr Max F r o m m e r verdient gemacht hat. Wien. Der Brigirtenauer israel. Unterstütznngs-Berein veranstalte^ seit seinem Bestände alljährlich am Purimabend eine Maskenredoure, welche diesmal ii. zw. am 14. d. M.. in dem idyllischen Rahmen des Kursalons abgehalten wurde und an vornehmer Eleganz, an Prachteutfaltung der Kostüme, sowie an gemütlicher Geselligkeit alle ihre Vorgänger Übertrag Mehreren Gruppen und Einzelmasken wurde vom Komitee öffentlich die Anerkennung ausgesprochen nnd wurden dieselben fotografiert. Ferner gelaugten 3 Damenschönheitspreise nnd 2 Herrenpreise in folgender Weise zur Verteilung. Damenpreise: 1. Preis: Ein großer Mahagonyschmuckkasten," Frl. Grethe M a n d l. 2. Preis : Ein kleinerer Mahagonykasteu. Frl. Therese G n t t m a u n. 3. Preis: Gleichfalls ein Mahagonytasten, Frl. Elsa L ö w y. Herrenpreise: Ein komplett eingerichteter wertvoller Toilette-Etagere. Herr Ernst Benedikt. 2. Preis: Ein prachtvolles Rauchzeng, Herr' Pepi Brau n. Besondere Anerkennung gebührt der Präsidentin des Brigitrenauer Franen-Wohltätigkeitsvereines. Frau Dr. Emilie Weiß und dem rührigen Komitee, das für seine Bemühungen mit einem vollen Erfolge belohnt ist. Wie». (Jüdisches Theater. Direktion: M. Siegler, Hotel Stefanie. Ü. Taborstraße 12. Freitag den 17., Samsrag. 18. und Sonntag, 19. März, „König Achaschwerusch". Operette von A. Goldfaden. Sonntag, nachmittag ^/,4 Uhr. „Gort, Mensch nnd Teufel", von I, Gordin. Ans besonderer Gefälligkeit Auftreten des Herrn Sam. Halm als Uriel Masek. Montag. 20. „Ben Jakojw", Operette v. I. Latainer. Dienstag. 21. „Rabi Joselman", Operette von A. Goldfaden. Mittwoch, 22. Ehrenabend der Brüder A. und L. Roseustein. Zur Anfführung gelangt, „König Lear", v. I. Gordin. Herr A. Rosenstein als König Lear. Donnerstag, 23. „Die Goldene Hochzeit", komische Operette v. Latainer. In Vorbereitung, „Chaim in Amerika. Wien. Am 22. d. M. findet im hiesigen jüd. Theater (Hotel Stefanie) II., Taborstraße, der Eürenabend der sehr beliebten Brüder A. und L. Roseustein statt. Zur Aufführung gelangt König Lear von Gordin. A. Rosenstein ist in der Titelrolle beschäftigt. Tesche». Am 5. März veranstaltete der hiesige jüdische Frauen- und Mädchenverein „Ruth" im Saale des Hotel Zentralbahnhos ein Purimsest, welches als sehr gelungen bezeichnet werden muß, wozu nicht wenig die glückliche Wahl des Programms beigetragen hat. Es wurde ein Purimspiel mir Gesang nnd Tanz aufgesührt nnd wir hatten Gelegenheit, Frl. Grete Berger als herrliche Esther zn bewundern, Frl. W e x b e r g entzückte durch eiueu glockenreinen Sopran und anch die Kleinen und Kleinsten bewährten sich treffiich als Sänger nnd Tänzer. Frl. S t e i n- Hardt brachte sehr temperamentvoll nnd mit großer Sicherheit ihren Klavierpart nnd erntete hiefür gebührenden Beifall. Herr Kantor Fuchs trug einige Lieder vor nnd erntete vielen Beifall, namentlich mit der Arie ans der „Jüdin". Arad. Am 8. März ist die Gattin unseres allverehrten OberkantorS David K o h n, Frau Lanra K o h n. im 68. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis fand Freitag, den 10. d. M.. unter großer Beteiligung statt. Dem tiesbetrübten Garten, sowie den Hinterbliebenen Kindern wendet sich die allgemeine Teilnahme der Gemeinde zu. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgassa 47. Ordination yon 9—6. Telephon 18399.