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Die Wahrheit · 1911-03-17 · Heft 11 (17.3.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11. <Evident ist es nur, daß die Abrahamitische BeschlleidUngsinstittttiott eine höhere Tendenz lind ethischen Charakter hat, indem sie ans göttliche Eingebung eingefnhrt ward und ideale Ziele ihr zu Grunde liegen. Daß die Beschneidnng bei den alten Egypteru zur mosaischen Leit bestand, ist jedenfalls historisch sichergestellt. Daß aber die Beschneidnng bei den alten Egyptern eine allgemein obligatorische war, eine Einsnhrnng nämlich, der sich a l l e Kasten des egyptischen Voltes zu unterziehen verpflichtet waren, läßt sich durch nichts Nachweisen. Nachweislich ist nur, daß die besseren, ungesehenen Volkskasten sich der Beschneidnng unterziehen in n ß t e n und baß dieselbe als ein großer Vorzug galt, der den niedrigen Kasten, wie den Sklaven, Schafhirten u. a. nicht Hnteil wurde. Die Beschnittenen galten als die Reinen, als die vornehmeren der Staatsbürgerschaft, die überallhin freien Zutritt hatten, sogar zum Könige; während die Unbeschnittenen als unrein galten und mit den Reinen in keinerlei Verkehr kommen dursten. (In diesem Sinne äußern sich auch die Söhne Jakobs den Sichemiten gegenüber, daß es für sie eine Schmach wäre, mit Unbeschnittenen in Schwägerschaft zu treten. I. B. Mos. K. 34. V. 14.) Die Behauptung mancher Schriftsteller, daß nur die Priester beschnitten waren, stößt auf maucherlei Widersprüche. .Herodot und Philo dehnen die Beschneidnng auf alle Egypter uus, worunter sie wohl auch nur jene verstehen können, die den eigentlichen Bürgerstand Egyptens ausmachten. Der Kirchenvater Clemens von Alexandrien erzählt sogar, daß sich Pythagoras der Beschneidnng unterziehen mußte, ehe man ihn für fähig hielt, in die egyptischen Mysterien eiugeweiht zu werden. Blnmenbach bestätigt ebenfalls die Wahrnehmung, daß fast jede Mumie beschnitten war und an einer zu Prag befindlichen Knabenmumie wurde nach Czermaks inikroskopischer Untersuchung die Beschneidnng konstatiert, die etwa vor dem 14. Lebensjahre des Mnmisierten vorgenommen worden war. Auch Josephns versichert, daß alle diejenigen, welche sich in die Mysterien der alten Egypter einweihen lassen'wollten, sich zuerst der Beschneidnng unterziehen mußten. Es würde das Ziel der vorliegenden Abhandlung überschreiten, wollte ich noch andere Quellen über den Beschueiduugsakt der alten Egypter anführen. Ich will bloß noch konstatieren, daß wir hier n a ch n n r den biblischen Satz (Josua 5, V. 11) verstehen können; denn die Israeliten durften zur Zeit ihres ägyptischen Druckes von der Ausübung der Beschneidnng keinen Gebrauch in ach eu, weil sie als niedrige Sklaven behandelt, mithin als Unreine betrachtet wurden: sie wurden gezwungen, das Zeichen der ihnen auferlegten Schmach nub Zurücksetzung gleichsam an ihrem Körper zu tragen. Diese Schmach war mit dem Betreten des palästinensischen Bodens beseitigt und als erstes Siegeszeichen seiner errungenen Freiheit vollzieht nun Josua an Israel die Beschneidnng mit jeuenr triumphierenden Ausrufe. Wohl mußten die ansziehendeu 'Mannespersonen sich knapp vor dem Auszüge in aller Eile einer Beschueidiiug unterziehen, da jedem Unbeschnittenen die Beteiligung an dem Passahopfer untersagt war. Aber das mitgezogene Volk starb zitm größten Teile während der vierzigjährigen Wanderschaft durch die Wüste; an der neuen Generation jedoch durfte die Beschneidung wegen der gefährlichen'Wüsteuwandernng nicht vorgenommen werden, weil ihr die nötige Ruhe und Pflege dabei nicht hätte zuteil werden können. Diese beschnilt Josua. Das zur Stelle vorkommende Wort „zum zweiten Male" deutet daher nur auf die seit dem Auszüge ans Egypten zweitmalige Beschneiduiigsoperalioii: die eine aus egyptischem Gebiete und die zweite ans palästinensischem Boden best Gilgal. Diese Bibelstelle gibt uns aber auch einen Beleg für die? Richtigkeit und Glaubwürdigkeit der Behauptung über die Beschneidnngssitte in Egypten. A. Stößt er r. L I. Kantor und Sekretär, Olmütz. Verschiedene Nachrichten.; Wien. Se. Majestät der Kaiser hat dem Kustos der Wiener Universitäts-Bibliothek Dr. Salomo» Frankfurter, den Titel und Charakter eines Negierungsrats verliehen. Regiernngsrat Dr. Frankfurter Seite 7. wurde, wie bekannt, vor ungefähr zwei Jahren unter Belaffnng seiner Stellung an der Universitäts-Bibliothek auch als konsultativer Referent für jüdische Angelegenheiten ins Kultnsministerium berufen und feine Rangserhöhung bringt den erfreulichen Beweis, daß man an maßgebender Stelle auch die Verdienste eines jüdischen Gelehrten anerkennt und würdigt. Wien. (C h e w r a-K a d i s ch a.) Der Präsident der Chewra» Kadischa, Herr Salo Cohn, har zur Gründung eines Fondes für die Unterstützung besonders bedürftiger 'Hinterbliebener, nicht, wie in der Nummer vom 3. März a. c. irrtümlich berichtet wurde, 1000 K sondern 10.000 K gespendet. i Wien Rabbiner Dr. Bernhard Templer, desig. k. n. k. Feldrabbiner, erhielt vom Obersthofmeister Grafen Rotrenberg, im Namen des Erzherzogs Rainer ein Danktelegramm für übersandte Wünsche. Wien. (Z e n t r a l st e l l e für das jüdische Armenw e s e ».) Samstag, den 18. März, präzise 71/2 Uhr abends, findet im Sitznngssaale der isr. KnltnSgemeinde. I.. Seiteustelreugasse 4, 2. Stock, die HI. ordentliche Delegierteirversammlnng mit folgender Tagesordnung statt: 1. Tätigkeit-- und finanzieller Bericht. 2. Wahlen in das Kuratorium. 3. Eventualia. Wien. Freitag, den 24. d. M., findet seitens des bekannten Schriftstellers A. Gelber im Verein zur Abwehr des Antisemitismns ein Bortrag über den „M e n s ch e n w e r t in unserer K u l t u r" unter bezugnahme ans I. Popper-Lhnkens' neuestes Werk: „Das Jndividnnin", und zwar abendS 1/a8 Uhr im Saale des „Wissenschaftlichen Club", I. Eschenbachgasie 9, start. Gäste bestens willkoinineu. Wien. (P r o t e st v e r s a in m l n n g der Hausiere r). Der „Erste öfterr. Rechtsschntzverein sür Hausierer" in Wien, beruft behufs Stellungnahme zu dem am 10. Februar l. I., im Abgeordneteiihaufe beschlossenen Hansiergesetze, welches dem allgemeinen Hausierverbole gleichkommt, für Montag, den 20. März l. I.. um 7 Uhr abends, im Saal „zum gold. Widder", II., Taborstraße 36, eine allgemeine Hansiererversammlnng ein und ladet alle Hausierer, Fabrikanten, Kanfleute und Profeffionisten, welche durch dieses Gesetz mitgetroffen sind, zur maffenhaften Teilnahme au dieser Versammlung, höflichst ein. Tagesordnung: Das neue Hausiergesetz. Referent: Herr S. A. Frennd. Mehrere Herren Reichsratsabgeordnete werden in dieser Berfammlnng erscheinen nnd das Wort ergreifen. Wien. (Verband zur Unterstützung a r m e r isr a el i t i s ch e r W ö ch u e r i n n e n.) Anläßlich des zehnjährigen Bestandes dieser Wohltätigkeits-Institution findet Dienstag, den 21. März l. I., 6 Uhr abends im Sitznngssaale der Israel. Kultnsgemeiilde, I., Seitenstettengasie 4, eine General- und Festversammlnng mit folgender Tagesordnung statr: 1. Berichte des Exekutiv-Komitees: a) Tätigkeitsbericht für das Dezenniunl 1900—1910; b) Finanzbericht. 2. Neuwahl des Exekutiv- Komitees. 3. Eventualia. Zur Teilnahme an der Versammlung sind die Vorstandsmitglieder der verbandsangehörigen Vereine berechtigt. Die Vorstände besrenndeter Wohltätigkeits-Institutionen nnd Privat-Wohlräter sind als Gäste zur Versammlung höflichst geladen. Wien. (W ohltätigkeirsakademie.) Der hunianitäre Verein zur Unterstützung armer, jüdischer Kurbedürftiger, Obmann Dr. Isidor Braun. (H., Große Stadtgntgaffe 7) veranstaltet am 18. März 1911 im F.'stsaale des Hotel Central II., Taborstraße Nr. 3 eine Akademie, deren Reinerträgnis zur Unterstützung armer Kurbedürsnger dienen soll. Mitwirkende Fräulein Emmy Petko und Herr Karl Ziegler von der Volksoper. Fräulein Mery Spieler vom Terniomtheater in Berlin, Herr Josef Fleischmann ans dem Possentheater Max und Moriz, Villim le masgue und Hoch, Stavpler and Comp. (Komiker). Die artistische Leitung hat Herr Joses Mohr, Komiteeobmanu ist Herr Bankbeamter Richard Bruck. Karten sind beim Berelilsobmann sowie den Komiteemitgliederir zu bekommeil. Die Musik bi sorgt die Salonkapelle H. Herliuger. Wien. (P n r i. m - F e st jaus e.) Soniitag. den 19. d. M., um 1/23 Uhr nachmittags findet in der Toynbeehalle die diesjährige Purim-Festsanse für 300 arme Kinder der Brigittenau statt, wozu seitens des Veranstalters, Herrn Carl Freund, Obmann-Stellvertreter dec Toynbee- Halle, die Einladnilg an alle Freunde der Institution hiemit ergeht. Wien. (Jüdische T » r> n b e e - H a l l e), Wien. XX., Othmargasse 46. W o ch e n v r o g r a m m für die Zeit vom 18. bis 24. März 1911: Samstag. 18.. Konzert. Sonntag. 19.. lieber Erbrecht, Dr. Leopold P l a s ch k e s. Monrag, 20.. „Pädagogik in Bibel und Talmud", Rabbinarskandidat Bela Fischer. Dieusrag, 21., „Geschichte der Inden in Oesterreich." (Zyklus.) Dr. K. Kupfer. Mittwoch. 22., Ueber erste Hilfe. Dr. Max E t s c n st ädte r. Donnerstag. 23.. „Bildung nnd Glück." Univ. Prof. Dr. Josef P o l l a k. Freirag. 24., Bibelvorcrag. M. P a l l e n b e r g. Wien. (Jüdischer Schnlverein sür den IX. Bezirk. IX.. Seegasse 16.) Zweiter Ellernabeiid am 20. d. M.. präzise 1j.ß Uhr abends im Vereinslokale. Referent Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. D. Fenchtwang. Gäste auch Damen willkommen. Kmder haben keinen Zutritt. Wien. (Berhansverein „A d a s s Jesch u r u n“, IX., Pflnggasse 5.) Samstag, den 18. März 1911, vormittags 1/210 Uhr, Predigt des Herrn Rabbinatskandidaten Bsla Fischer. Mödling. Das Pnrimfest in Mödling, bei dem u. a. die Herren Dr. Fritz Löhner, Kantor Grob, Doci Kohn, Porges, Präger, Humorist Wiesenthal Mitwirken werden, findet dieseir Sonntag im Hotel „Stade Mödling", um halb 8 Ubr abends statt. Sämmtliche jüdische Ausflügler werden ersucht, diese Veranstaltung zu besuchen. Trieft. Es wird uns berichtet, daß der österr Lloyd, sich entschlossen hat, auf den Eildampsern Triest-Alexandria streng rituelle Kost einznsühren. Es ist ebenso im Jntereffe der Gesellschaft als auch der strenggläubigen . Die Wahrheit

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