Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Die Wahl beit Nr. 11 seinen Tod. Dr. Hayes ehrte das Andenken seines Gefährten in^ folgender Grabschrift: „In der traurigen Einsamkeit der arktischen Wüste schläft unser Kamerad den Schlaft der in dieser geplagten Well kein Erwachen kennt, hier, wo keine liebenden Hände Blumen auf sein Grab streuen und keine Augen von Trauer sich trüben. Aber die sanften Sterne, die er im Leben so liebte, werden über ihn ewiges Totenamt halten, die Winde werden über ihn jammern, und die Natur wird ihre gefrorenen Tranen ewig auf sein Grab fallen lassen." Ob Jsaac Israel Hayes selbst Jude war, läßt sich zur Zeit nicht mit Bestimmtheit behaupten. > Hier sei auch des Nachrufes gedacht, den Adolf Greely dem Astronomen der Lady-Franklin-Bay-Expedition (1881 bis 1884) Eduard Israel widmete. Diese Polarfahrt war eine der unglücklichsten, denn zwei Drittel der Teilnehmer sind bei Kap Sabine elend verhungert, darunter auch Eduard Israel. Ueber ihn schreibt Greely: „Israel war ein junger Mann von einigem Vermögen, graduiert an der Anu-Arbor-Ultiversität, ein vielversprechender Astronom, der eine Zukunft vor sich hatte. Sein Tod ging mir sehr nahe, denn während der langen Monate, die er mein Schlafgenosse war, hatten seine freundlichen Worte dazu beigetrageu, mich zu ermutigen. Er hatte sich bei jedermann beliebt gemacht, und bei Sabine nannten wir ihn oft unseren Benjamin. Seine Dienste waren sehr wertvoll für unsere - wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungsreisen. Beim Lesen des Begräbnis-Formnlares ließ ich alles weg, was seinen' Religiousgenosseu anstößig sein konnte." Daß der Arzt der österreichisch-ungarischen Polarexpedition 1872 bis 1674 Dr. K e p e s ein Jude war, ist bekannt.. Ueber seine wichtigen und erfolgreichen Dienste als Arzt und Zoologe hat sich Payer in seinem populären Buche äußerst lobend ausgesprochen. Auch Charles Francis Hall und Rares zählten Juden zu ihren Begleitern. Israel Bessels (geb. in Heidelberg am 2. Juni 1647, gestorben in Stuttgart am 30. März 1888) unternahm, durch Perermann in Gotha ermutigt. 1869 die erste Reise in den arktischen Ozean, um den Einstuß des Golfstromes auf den Osten von Spitzbergen zu studieren: 1870 betätigte er sich als Feldchirurg im deutsch-französischen Kriege, wofür er vom Großherzog von Baden öffentlich belobt wurde. 1871 beteiligte er sich als Chirurg und Naturforscher an der Hall-Expedition auf der „Polaris", wo er Hall in seiner schweren Krankheit behandelte. Seine Forschungsergebnisse veröstentlichte er in den Publikationen der Smithsonian Insti* tution 1876. Auf einer ethnologischen Reise nach dem nordwestlichen Amerika scheiterte das Schiff. Für die Cook und Peary so förderliche Kenntnis der Sprache und des Charakters der Eskimos hat Dr. F. B o a s, Professor an der Clark-Universität in Worcester, Hervorragendes geleistet. Der aus Berlin stammende Forscher sammelte sein Material drei Jahre lang, die er unter den Eskimostämmen des nördlichen Amerika und unter den Chinook-Indianern verlebt hat. Als Erforscher Nordsibiriens wäre in diesem Zusammenhänge noch Waldemar Jochelsohn zu nennen, feiner L. I. S t e r n b e r g, der die Giljaken auf der Insel Sachalin studiert, über die man dem 1887 in Petersburg verstorbenen Iwan Semenowitsch Poljakow ein auch ins Deutsche übersetztes Werk verdankt. Rühmend hervorgehoben werden muß.auch der Anteil, den Angelo H e i l p r i n an den Erfolgen Pearys \mb Cooks gehabt hat. Heilprin, ein geborener Ungar, aus einer bekannten Gelehrteu-Familie, s. Z. Professor der Paläontologie und Geologie in Philadelphia, war unter anderem auch Jahre hindurch Präsident der geographischen Gesellschaft. Nach dem. fürchterlichen Erdbeben in Martinique hat er, während der Vulkan noch rauchte, an Ort und Stelle eine wissenschaftiche Untersuchung der Katastrophe unternommen und glücklich vollendet. Heilprin rvar es, der die erste Peary Expedition im Jahre 1891 organisierte, mit welcher Cook seine erste Nordlandreise als Arz; mitmachte. Ebenso war es Heilprinz der im Jahre 1892 die Expedition zur Rettung Pearys in das Eisgebiet über Grönland hinaus organisierte und leitete. Mit welchem Erfolge, ist bekannt. Es gelang Heilprin,. die steckengebliebene Expedition Pearys zu befreien und ihn samt allen.. Teilnehmern inklusive Cook heil heimzubringen. Und schließlich-war es Heilprin, der die Geographische Gesellschaft in Amerika ins Leben rief, -die. dann das von ihm begonnene Werk fortsetzte. Die Stellung, die Heilprin in dieser Frage gebührt, kann wohl nicht nachdrücklicher gekennzeichnet werden,. als durch die Worte, die Kommandant Peary selbst anläßlich des .allzufrühen? Todes Heilprins am 17. Juli 1907 . über ihn selbst schrieb: Meme eigene Verpflichtung Heilprin gegenüber ist besonders groß. Mehr als jemand anderem ist Angelo Heilprin der rührige Anteil Amerikas an den arktischen und antarktischen Arbeiten während der letzten fünfzehn Jahre zu danken. Nur seinem Interesse und seinem Glauben an meinen ersten Plan, den ich im Jahre 1891 der Akademie der Naturwissenschaften vorlegte, habe ich es zu verdanken. das; die genannte Organisation meinen Plan sich zu eigen machte, und daß das Interesse für Polarsorschnngen seit dieser Zeit immer mehr anwnchs." Oberkantor Don Fuchs Von einem hervorragenden Mitgliede der Wiener Kultusgemeinde erhalten wir folgende Mitteilung: Am 8. April werden es 10 Jahre, daß Herr Oberkantor Don Fuchs in die Dienste der israelitischen Kultnsgemeinde Wien trat. In welch hervorragender Weise er seit dieser Zeit den Gottesdienst leitet, dafür spricht am besten, die Tatsache, daß es schwer ist bei einer Funktion des Oberkantors Don Fuchs einen Platz-im Tempel, zu finden. Ein großer Teil unserer Tempelbesncher hängt innig an der alten traditionellen Vortragsweise, die unabhängig von vörgeschriebeuen Noten ganz dem Empfinden des Kantors anheimgegeben ist. Don Fuchs hat.es verstanden, diesem Teile der Tempelbesncher durch seine künstlerisch vornehme Vortragsweise, in die er als echter Musiker die alten Traditionen des Tempelgesanges zu kleiden verstand, Empfindung und Verständnis für einen weihevollen Gottesdienst zu wecken, und das ist der Grund, warum alt und jung seinem Tempelgesange in innigster Andacht lauscht.. Daß Oberkantor Don Fuchs.'in hoher richtiger Auffassung seines Berufes sich nicht mit der vollen Erfüllung seiner Pflichten begnügt, sondern immer gerne seine Kunst in den Dienst der guten Sache stellt — er hat in diesen Jahren in mehr als 100 Wohltätigkeits-Konzerten das Gold seiner. Kehle in Gold für die Armen gewandelt —stellt seinem echt jüdischen Herzen wohl eine ebenso gutes Zeugnis aus, wie die Liebe alll derer, denen er mit Rat und Tat stets eine gerne hilfsbereiter Freund ist. Es hat sich ein Komitee gebildet, das eine Jubiläumsfeier zu veranstalten sich zur Aufgabe gesetzt hat, worüber dem-' nächst Näheres berichtet werden wird. Ueber die Zirkmnstston der alten Ggypter. Beim Durchlesen der heiligen Schriften wird sich dem aufmerksamen Leser unwillkürlich die Frage aufdrängen, wieso es kam, daß Moses das Gesetz der Beschneidung bei seinen eigenen Kindern außer Kraft treten ließ und warum Josna nach der vollzohenen Beschneidnng Israels auf der Anhöhe bei Gilgul dem Volke znrief: „Heute habe ich die Schmach Egyptens von euch abgewälzt." Die Erläuterungen gu diesen Fragen sind ja zur Genüge bekannt und will, ich es daher versuchen, die interessanten Behauptungen einiger Egyptologen über den „Zuruf Josuas an das Volk" hier folgen zu lassen: Es läßt sich selbstverständlich nicht Nachweisen, ob .die. Egypter durch Abraham oder ob Abraham durch die Eghpter. bei denen er vor der Einführung der Beschneidung/ weilte? diese Institution kennen gelerntauch kommt es darauf nicht.'.an..'