Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063572-3063583--07176-3074239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 5. Nr 11. Die Wahrheit - Von wem ging die Idee des Kongresses aus? Von Dr. Felix Adler, Professor der sozialen Ethik an der Kolumbia- Universität, New-Iork. Der Vorschlag wurde zuerst auf einer Konferenz in Eisenach in Juli 1906 mitgeteilt. Fünf Jahre nach ihrer Geburt wird die Idee in einem Weltzentrnm nun verwirklicht. Während das moderne Gewissen an allgemeiner Feinfühligkeit und Stärke vorwärts schritt, war es bisher noch in internationaler Hinsicht schwach. Es wird sich rasch der sozialen Probleme im innern Gemeinschaftsleben bewußt; aber es hat noch nicht gelernt, sich mit gleicher Stärke den Problemen der Rassentrennung znznwenden. Die Tagesordnung ist mit Hilfe vieler Sachverständigen nach und nach ansgearbeitet worden. Sie ist sehr umfangreich. Sie ist wohldnrchdacht und gipfelt in praktischen und positiven Vorschlägen. Unter „praktisch" ist nicht ein hastiger Versuch zu verstehen, vorliegende Fragen zu bemeistern, wie sie das Parlament und die Zeitungen beschäftigen. Der Kongreß will sich mit den Prinzipien beschäftigen. Sein Hauptzweck ist es, die gegenseitige Kenntnis und A ch t u n g z w i s ch e n westlichen un b o r i eit talischeu Völkernzn fördern. Wesentlich ist auch, Handeln und Denken in zwei Hauptrichtnngen zu betrachten, indem man den Okzident, der mit China, Japan, der Türkei, Persien, Egybten und Indien verbündet oder in Berührung ist, auf der einen Seite, und die amorphen Gruppen farbiger Menschheit unter europäischer oder amerikanischer Herrschaft auf der andern Seite als eine Sonderentwicklnng betrachtet. Natürlich entsteht die Frage, wie sich das englische Auswärtige Amt, das Indische und das Kolonial-Amt dazustellen. Das Indische Amt verhält sich streng neutral, übernimmt keine Verpflichtungen, will aber in kleineren Dingen Beistand gewähren. Das Auswärtige Amt hat sich sehr zuvorkommend bereit erklärt den fremden Mächten Einladungen zur Teilnahme am Kongreß zu übermitteln: es ist auch bereit Anfragen der Mächte sympathisch zil beantworten. Auch das Kolonialamt ist bereit, gegenüber den Kolonien zu tun, was das Auswärtige Amt gegenüber den unabhängigen Nationen zu leisten versprochen hat. Die erste Note in der Kongreßharmonie (das Wort „Harmonie," einen Globus nmkränzend, ist das Motto der Tagung) wird ein. Indier anschlagen. Brajendra Nath Seal, der Rektor des College in Cooch Behar; er soll einen Vortrag über die Definition von Rasse. Stamm und Nation verlesen. Licht kommt von Osten! Hier wie in allen anderen Fällen werden die Vorträge als gelesen gelten, und die tätige Arbeit des Kongresses wird der Diskussion, nicht dem Vorlesen, gelten; jeder Stoffkreis soll durch eine Rede von zwanzig Minuten eingeführt werden. Man hat dafür gesorgt, daß jedesmal ein hervorragender Eingeborener die Wünsche und Ideale aller östlichen Gemeinschaften darlegen wird. Doch das Problem der Rassengleichheit erstreckt sich über alle Sektionen. Ziemlicherweise wird dieser Gegenstand deshalb dem Ehren-Organisator überwiesen werden, der damit, wie Anacharsis Clootz, der Sprecher der menschlichen Gattung wird. Etwa fünfzig Personen von Bedeutung haben eingewilligt Vorträge vorzubereiten. Sie gehören zu über zwanzig Länderndarnnter China. Japan, Indien, Türkei, Persien Egypten, Südnnd Westafrika, Hayti, Vereinigte Staaten, Brasilien, Groß, britannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Rußland, Oesterreich, Ungarn, Belgien, Holland und Norwegen. Unter den Verfassern sind Sir Sydney Olivier (Gouverneur von Jamaica), Sir Charles Bruce (früherer Gouverneur von Mauritius), Sir- John Macdonell, Sir Harry Johnston (der berühmte Reisende), Herr Israel Zangwill (der über die jüdische Rasse sprechen soll). Miß Margaret Noble (Schwester Nivedita). Herr Leon Bourgeois, Baron d'Estournelles de Couftaut, Prof. Giuseppe Sergi (der hervorragende Anthropologe) und Dr. Zamenhof (der Erfinder des Esperanto). ferner bedeutende Amerikaner, wie die Professoren Adler, Reinsch und Boas. Die Herren Professoren Eduard Lehmann (Berlin), v. Lnschan (Berlin), Schücking (Marburg), Tönnies (Kiel). ....vertreten Deutschland. Es kann nicht stark genug hervorgehoben werden, daß Resolutionen politischen Charakters'nicht vorgelegt werden. Die Betrachtungsweise ist durchgängig großliuig; alle Besprechungen halten sich frei von den Problemen des Tages. Ans diesem Kongreß, der sich mit den allgemeinen Beziehungen zwischen dem Osten und Westen befaßt geht es nicht an, daß Vertreter Europas Streitfragen zwischen dieser und jener europäischen Gemeinschaft besprechen. Während srch die Bortrüge und Arg nmente an das O h r w en d en, wird e ine A n s ste l lu n g von Photographien der gebildeten, menschlichen Typen, von Büchern, Karten, Schädeln, nsw., das Auge a n z i e h e n. Der Direktor der A n s st e l l n u g ist Prof. Alfred Haddvn, F. R. S. Der Kongreß ist jedem Bewohner des Erdkreises, der 21 Mark entrichtet und dem Ziele des Kongresses freundlich gesinnt ist, zugänglich. Die passive Mitgliedschaft (welche zudem 500 Seiten starken Vortragsband und alle anderen Publikationen berechtigt) kostet 7-50 Mark. Auf Anfragen wird der Sekretür für Deutschland. Herr Prof. Ferdinand Tönnies, Entin, Holstein, oder der für Oesterreich. Herr Wilhelm Börner, I., Spiegelgasse 19, Wien, oder der Generalsekretär Mr. G. Spiller 63 South Hill Park, Hampstead, London, das volle Programm niit Vergnügen kostenfrei znsendeu. Es ist dringend zu wünschen, daß der Präsident, Lord Weardale, von seiner Tribüne ans eine volle Versammlung blickt, und daß Dr. Adler, der Vorsitzende des General-Komitees, die Ueberzeugnng gewinnt, daß sein Wink in Eisenach ein Samenkorn ans gutem Boden war und reichliche Frucht in weltweiter Humanität findet. Die Jude» in der Technik, der Knnft» der Wissenschaft und als Forscher» Gntdclirer nnd Erfinder. (Fortsetzung.) Noch größer wohl als in dem glühenden Sonnenbrände Afrikas und in den Wüftensteppen und Felseinöden Asiens sind die Gefahren und Strapazen, die dem Forscher in dem ewigen Eise der Polargegenden drohen. Und auch hier haben eine ganz Anzahl von Inden, denen von antisemitischer Seite immer Feigheit vorgeworfen wird, ihr Leben eingesetzt, tun der Wissenschaft zu nützen. Schon im 16. Jahrhundert hatte, wie wir einer Spezialabhandlung von Dr. Max Grnnwald entnehmen, der holländische Jude P l a n c i n s die Theorie vom; offenen Polarmeer ausgestellt, und hierdurch den theoretischen Grund zum Versuche der Nvrdostpassage und der Fahrten zum Pol gelegt. 1596 schossen einige reiche jüdische Amsterdamer Kaufleute Geld zusammen tlnd schickten B a r e n tz mit sieben Schiffen, schwer mit Waren beladen, in die Kara-See. An Bord : befanden sich auch mehrere Juden, die als Dolmetscher bei den! sarazenischen Völkern dienen sollten, die man in Ostsibirien! vermutete. Diese Expedition endete nnglücklich. Spitzbergen wurde . entdeckt, Novaja-Semlja umsegelt, aber die Schiffe wurden im Eise erdrückt, der Führer starb, und nur zwölf Mann kehrten nach Europa zurück. Fast an allen amerikanischen Nordpol- Expeditionen der Neuzeit haben Juden teilgeilommen. Unter Elisha Keut Kanes Begleitern in Smith-Sund 1853 befanden sich die Juden Gary und Becker: Dieser war einer der Teilnehmer jener verunglückten Schlittenpartie. die, bei — 35 Grad Reaumur im Schnee begraben, geschwollen und verstört, unfähig zu sprechen, erstarrt nnd verhungert am 20. März liegengeblieben waren. Es wäre unmöglich gewesen, die Armen anfzufinden, wenn nicht eine kleine Freimaurer-Flagge die Stelle bezeichnet hätte, an der die Leute unter dem Schnee lebendig begraben waren. August S o n n t a g, im Jahre 1858 zweiter Direktor auf der Dndley-Sternwarte in Albany, opferte seine angesehene Stellung, um sich dem Dr. Isaak Israel Hayes ans feiner Fahrt znm Nordpol 1860 anznschließen: Ans einer Schlittenfahrt mit einem Eskimo fand er im Dezember desselben Jahres . im Alter von 28 Jahren bei Sorfalik unterhalb Kap Alexander