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Die Wahrheit · 1911-03-17 · Heft 11 (17.3.1911) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 11. deinem Volke Israel augehört, von. fernem Lande kommt mch in diesem Hause betet, dann erschließe auch ihm den Himmel und erhöre ihn!" *6). In der Blütezeit der Geschichte Israels, in der davidischsalomonischeu Epoche, herrschte ein überaus freundschaftlicher Verkehr zwischen den Israeliten und den ausländischen Fremden und dieses milde, menschenfreundliche Entgegenkommen zog zu Salomos Zeit au 153.600 Fremde ins Land und es liegt kein Grund zur Annahme vor, daß später diese Freundschaft sich in Feindschaft verwandelt hätte. Ein durchaus hnmanvoller Geist erfüllt die Gesetze der heiligen Schrift in Betreff der Fremden, die sich in Palästina ansiedcln wollten, und dieser Geist der Humanität regelte das Verhältnis des Fremden zu dem israelitischen. Staate nach den Prinzipien des Rechts und der Liebe, eine Behandlung, deren - er sich weder in Rom noch in Griechenland zu erfreuen hatte. Besaß doch der Fremde in Palästina eine.derartige Selbstständigkeit. daß er sogar einen freien Israeliten als Sklaven kaufen konnte. „Der Fremde, der sich bei Euch aufhält, soll dem Einheimischen gleich sein, liebe ihn wie dich selbst, denn Frenrdlinge wäret ihr im Lande Egypten"17). „Wie ihr, soll der Fremdling sein vor Gott. E i n Gesetz und e i n Recht sei für euch und den Fremdling, der bei Euch wohnt"18). Es finden sich ferner in der heiligen Schrift Belegstellen dafür, daß der Fremde die Wohltaten aller staatlichen Institutionen genoß, daß er gleich dem Einheimischen auf Unterstützung Anspruch hatte, wenn er verarmte 19), und daß sich ihm gleich dem Israeliten die Thore der Asylstätten bei u n v o r s ä tz- 1 i ch e m Morde öffneten 20). Doch nicht allein die heilige Schrift lehrt den Fremden gegenüber menschenfreundliches Entgegenkommen und größte Duldsamkeit, auch die Propheten Israels verheißen allen Völkern, wenn sie nur an den Gott des Himmels und der Erde glauben, den vollen Anteil an den Segnungen des verkündeten Reiches der allgemeinen Menschenliebe. So erweiterte der Prophet Ezechiel die Gleichheit der Fremden mit den Israeliten auch zur gleichen Berücksichtigung bei der Landesverteilnng21), und der Prophet Maleachi fordert von den Israeliten die Anfrechterhaltung der hnmanvollen Fremdengesetze und betrachtet die Fremdenbedrückung als Hohn gegen Gott22). Aus diesem ergibt sich, daß das Judentum die höchsten Ideen der Sittlichkeit und der Gesittung der christlichen Moral gegeben und daß es zu allererst die Worte Gutzkows in UrielAcosta zur Tat machte: ,;Geht hinaus und predigt Schonung, Duldung, Liebe!" Bisenz. Rabbiner Dr. Josef Hoff. H I..J oh. IV. 8. -) Jerem. 31, 3. „“jTOna tbv$ rOHK“ 3) 3. B. M. 33, 3. *) Abotli 3. 14. 5) Marcus 12, 28. 6) 3. B. M. 19, 18. vgl. Siira z. Stelle: mirc brü bbo rrt -IÖ1K KS'pJ? 'S“! 7) Math. V.43. 8) 3. B. 31. 19, 17. 9) Ibid. 18. 10) Math. V, 39. n) Sprüche Sal. 25, 21 und 22: vergleiche auch Sprüche 24, 29. 12) 2. B. M. 23, 5. «) Jorna. 71 b. u) Aboth I. 12. 15) Sabbath, 31a, Vgl. die Stellen in den Evangelien Math. VII, 12 und Luc VI, 31, in denen dieser Satz positiv ausgedrückt ist. 1G) I. Könige 8, 41—43. 17) 3 B. M. 19, 34. JS) 3. B. M. 15, 16. ") 3. B. M. 19, 9—10. 20) 4. B. M. 35. 15 ubl) 211 Ezecliiel 47, 22 und 23. 22) Maleachi 3, 5. Die Menschheit in Kerntnug. (Erster Welt-Rajsenkongreß. Universitär London, 26. bis 29. Juli 1911. Präsident: The Right Hon. Lord Weardale. Ehrensekretär: Mr. G. Spiller, 63 South Hill Park, Hämpstead, London).' Londons historischer Stolz ist groß, und groß sind seine mannigfachen Tragödien des Elends'und der Armut. Diese bunte Geschichte wird im Sommer 1911 eine glänzende und beispiellose Episode aufzuweiseu haben. In London wird sich die Menschheit zur Beratung versammeln. Vertreter aller menschlichen Gruppen werden von den vier Enden der Welt herbeikommen; Länder am Pol und Regionen unter dem südlichen Kreuz werden sich in freundlicher Begegnung beim ersten Welt- Rassenkongrcß treffen. Die Menschheit wird ihre Einheit in der Vielheit enthüllen, mib die Völker, deren) Zerstreuung in der Geschichte7 von Babel berichtet ist, werden sich iin zwanzigsten Jahrhundert wieder erkennen und verbinden. Die vssiziellen Kongreßsprachen sind englisch, deutschitalienischliuö französisch; hier . und da mag auch eine orientalische Zunge t einmal die Seele Asiens verkünden. Der Band der Vorträge wird in einer ganz französischen und einer ganz englischen Ausgabe publiziert. Alle Vorbereitungen für dieses Parlament der Rationen sind in der Hand einer großen itub distinguierten Exekutive, die verschiedene Meinungen vertritt. Im alltäglichen Sprachgebrauch können wir die Menschheit in weiße, schwarze und gelbe Völkerfamilien einteilen. Alle Geschichte meldet die traurige Kunde von ihren Kriegen und Feindschaften; spätere Geschichte auch von einem erwachenden Gefühle der Einheit. Das weiße Gewissen, zu seiner Pflicht anferwachend, ruft den schwarzen und gelben Brüdern zu, einanderbesser kennen zu lernen; Treue und wechselseitige Hilfe, die einst nur in der Gemeinde geübt wurden, fortan zu Tugenden über den Planeten zu machen. Ans allen Teilen der Welt sind die Antworten zahlreich eingegangen — von fünfzig Nationen, von über dreißig Präsidenten von Parlamenten, von einem' Dutzend britischer Gouverneure und fast ebenso vielen britischen Premierministern, von 130 Professoren des Internationalen Rechts (die schon unter sich eilte bemerkenswerte Gruppe ausmachen würden), und von 120 Mitgliedern des ständigen Schiedsgerichtshofes und der zweiten Haager Konferenz. Wenn, diese Boten von Haag in den Kongreß eintreten, könnte man meinen, die Flügel des Friedens zu erblicken, glorreich ausgebreitet wie. in der edlen griechischen Figur des Sieges, die Herolde der Brüderlichkeit überschattend. Der Ursprung dieses Kongresses ist leicht zu erklären. Der Austausch materieller und geistiger Güter unter den verschiedenen Raffen der Menschheit hat in neueren Jahren einen solchen Umfang angenommen, daß die alte mißtrauische und sich absondernde Haltung dem allgemeinen Wunsche nach näherer Bekanntschaft weicht. Aus dieser interessanten Situation ist der Gedanke entsprungen, einen Kongreß abzuhalten, auf dem die Vertreter der verschiedenen Nassen einander von Angesicht zu Angesicht treffen und in freundlicher Rivalität die Sache des gegenseitigen Vertrauens -und der Achtung zwischen Okzident und Orient, zwischen den sogenannten weißen und den sogenannteil farbigen Völkern fördern können. Mithin will der Kongreß nicht eine Versammlung aller Raffen zur unterschiedslosen Diskussion von jedermanns Angelegenheiten darstellen. Er will nicht rein europäische Fragen diskutieren, wie die Beziehungen, die zwischen oder in den einzelnen europäischen Ländern existieren; er will auch nicht die Haltung Europas gegenüberden Vereinigten Staaten oder anderen amerikanischen Republiken mit Rassen von europäischer Abstammung diskutieren. Ferner ist der Kongreß, obwohl er mit allen weitsichtigen Maßregeln zur Stärkung und Förderung guter Beziehungen durchaus sympathisiert, an keine politische Partei und an kein einzelnes Reformschema gebunden. Die Verfasser der Aufsätze sollen indessen das volle Recht haben, jeglicher politischen Meinung Ausdruck zu geben, obwohl erwartet wird, daß sie allen polilischeil Parteien gerecht werden und die Tagesprobleme nur vorübergehend behandeln. Außerdem soll der Kongreß nicht in dem Sinne nur rein gelehrt sein, daß er nur Tatsachen konstatierte und nicht auch Urteile fällte. Er soll nicht in dem Sinne ein Friedenskongreß sein, daß er es sich zur besonderen Aufgabe machte, auf die Verhinderung von Kriegen hinznarbeiten. Endlich ist zu beachten, daß, da der Kongreß dem Zwecke der Herbeiführung besserer Beziehungen zwischen Okzident und Orient dienen soll,' alle Bitterkeit gegen Parteien, Völker und Negierungen vermieden wird, ohne natürlich verdientes Lob und Tadel auszuschließen. Bei einer in solcher Weise eingeschränkten Aufgahe-und bei einer begrenzten Anzahl von Aufsätzen führender Persönlichkeiten, welche das Ziel des Kongresses erläutern sollen, ist durchaus zu hoffen, daß die .Diskussionen reiche Frucht bringen werden und erheblich §ur Ermutigung freundlicher Gefühle und herzlicher Zusammenarbeit zwischen den Völkern -des Westens und des Ostens beitragen.

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