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Die Wahrheit · 1911-03-10 · Heft 10 (10.3.1911) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Die Wahrheit Nr 10. praktische Zwecke handelte. Eine handwerksmäßige Technik, ähnlich der, wie sie heute bei uns gedeiht, kein ästhetisches oder ethisches : Jdeäl, ein Analogon zur Ueberkultnr unserer Tage, die sich an Patenten, Elfindungen; niaterikll-ge:nißsüchiiger Lebensführung , nicht genug zu tun weiß! Der geschichtliche Stöfs ist ein säst unerschöpflicher, doch muß ich mich urir mit -'einigest, ' WzenkjliMn ( Stbich'er.l iiiib Äjrdentringen begüngen.- Doch "diese wörstn itnmerhiN genügendes Schlaglicht ans die allen Jnöoariern mehr oder weniger gemeinsamen Charakterzüge, oder vielmehr Charakterschwächen. Man braucht nur ans den Despotismus im großen Perserreiche und die Satrapenwirtschaft hinzuweisen. Mit den Indiern oder Hindus hat es dieselbe Bewandtnis, wie mit den Phöniziern. Beide Stämme repräsentieren ihrenMnssentypus am reinsten itnd bilden polare Gegensätze. Hier der Mangel jeder Herrschsucht ungeachtet kühnen und uuterriehluendeu Wagemutes, dorr engherziger Kastengeist und beniahe chinesenhafte Erstarrung der Kultur. Der besiegte Autochthone wird unmenschlich behandelt und unter das Tier gestellt., Seine.— des sprichwörtlich gewordenen Paria — Berührung verunreinigt den Brahmauen. Ich könnte, wie gesagt, noch lauge in dieser Weise sörtfcchren, doch wozu das Zuviel-Beweisen-Wollen? Angern jedoch Möchte ich folgendes unterdrücken: Ich bin mir dessen wohl bewußt, daß meine soeben ausgeführten Ansichten über das Rassenproblem große Anfechtungen erleiden würden, wenn sie das Glück fänden, in näherer oder fernerer Zeit auf weitere Beachtung zu stoßen. Es fehlt nämlich nicht an sprachwissenschaftlichen Ansichten, welche es für wenig wahrscheinlich halten, daß das indogermanische Wurzelvolk sich viel mit Ackerbau beschäftigte. Nur einzelne Wurzelwörter — solche, die sich in allen indogermanischeu Sprachen Nachweisen lassen — deuten auf gelegentliche Verwertung .von Halmfrüchten hin, bestinimte Getreidenamen jedoch fehlen, so heißt es. Die Judogermanen wären somit Nomaden (?) gewesen und wandernde Viehzüchter, für welch letztere Ansicht die Tatsache als bedeutsam angesehen wird, haß das Wort „Vieh" in den älteren, indogermanischen Sprachen (qöth.: faTlm, lat.: pecu, altiud.: pracu) allemal zugleich auch „Geld" bedeutet. Wer jedoch bedenkt, welch tiefes Dunkel die Ungeheuern .Zeiträume der Prähistorie umhüllt, wie wenig Licht die Forschung entfalten kann, und wie viele Wurzelwörier trotz der unleugbaren Gesetzmäßigkeit der Lautabwaudlung zur Unkenntlichkeit verschliffen, wie viele derselben endlich spurlos verschwunden sein mögen, der wird sich wohl nicht irre machen lassen und meine Ueberzeugnng teile::. Was würde es übrigens verschlagen, wenn, jeniand käme und einleuchtendere Ursachen der von mir angeführten Tatsachen aufzudeckeu verstünde? Die Tatsachen müßte man mir eben stehen lassen, worauf es — denke ich — wohl am meisten a::kom:::t. Ich möchte noch einem anderen Einwand begegnen. Vielen nämlich wird mein Urteil über die Judogermanen zu absprechend und arrogant erscheinen; man dürste mir etwa entgegenhalten, daß die alten Griechen und Römer, wenn schon keiner Edelrasse entstammt, so doch Herrenvölker in gutem, etwa Rietze'schem Sinne gewesen. Nun, solche Opponenten seien auf Herbert Spenzers wohl kurzen, jedoch sehr instruktiven Aufsatz „Imperialismus und Sklaverei" verwiesen, in welchem der große Forscher und Begründer der evolutionistischen Soziologie mit messerscharfer Logik dartut, wie sehr die „Herren" eigentlich zu Sklaven ihrer Sklaven und besonders ihrer Freigelassenen herabsinken, ja sogar wie das ganze Verhältnis schon vom Beginn an ein umgekehrtes, wie der sogenannte Herr ein Sklave der von ihn: hervorgerufenen Sachlage, ist. Ich hatte mir wohl noch vorgenommen, über einen zweiten, jedoch viel milderen Vivisektor der jüdischen Psyche Werner- So m b a r t zu referieren, dessen Gleichung . sich etwa so darstellen ließen Intellektualismus, Teleologismus, Energismus Inden tum und wie man. sieht,, etwas verwickelter ist, als Bulle's, Ichsucht =; Judentum. Dci jedoch inzwischen die „Wahrheit" Sömbarts Ansichten skizziert hat und mein jüdischer Energismus iü der vorstehenden Polemik so ziemlich verausgabt ist, beschränke ich mich auf eine einzige Ansstellüug des gelehrten Staatswirtschaftslehrers. Es wäre dies angeblich derTeleologismus desselben, oder die Zielstrebigkeit. Obschon es nun wahr ist, daß ein großer Teil der Juden sich zumeist von der Hrage mach „t a c h 1 e su leiteit läßt, so ist eine solche Beschuldigung Ktzutzralitsr angeweudet, doch lächerlich. Das Volk, welchem ein Spinoza angehört und welcher in seinem System bie Untersuchung aus dem Gesichtspunkt des Zwecks bis zur Einseitigkeit ausschaltet und nur rückwärts nach der Kausalität forscht, dieses Volk, meine ich, sollte von so lächerlichen Anwürfen verschont bleiben. Doch ich vergesse, daß ich meine Ansicht über das Judentum noch ans keine Formel gebracht habe, was zum Schluffe aber geschehen soll: Judentum — Uuabhängigkeits- und Gleichheitsgefnht, Liberalismus? ArrvUorkcr Krief. New-Aork, 14. Februar 1911. Geehrter Herr Doktor! Haben Sie schon einmal Miß Liberty Ihre Aufwartung gemacht? Neu:? Fm sorry for yon, Doktor! würde jeder Amerikaner Ihnen ans Ihr Geständnis erwidern. Und ich kann dem Aankee nicht so Unrecht geben. Kann sich doch kein Land der Erde solcher Epitheta rühmen, wie „sein" Amerika. „Land der Freiheit" nennt es der vor der Peitsche des Kosaken flüchtende Russe. Dem biederen Deutschen gegenüber erscheint Amerika als „Land der unbegreuzteu Möglichkeileu," und der sein Vaterland über alles liebende Engländer sieht in Amerika ein „Fand of -wonder“. In den zwei Jahren meines Aufenthaltes in New-Jork hatte ich hinreichend Zeit, über die Berechtigung dieser Beinamen nachzüdenken und bin nun zu dem Schluß gekommen, daß diese Epitheta nur in gewisser Beziehung zutreffend sind. Dem guten Engländer scheinen wohl Wunder und Fortschritt verwandte Begriffe zu sein. Wenn er an die großen wirtschaftlichen Erfolge des Landes in den letzten Jahrzehnten denkt, vergißt er, daß ganz Amerika obwohl es in viele Staaten zerfällt, doch nur von eiuem Herrscher einheitlich regiert wird, oder besser gesagt, sich regieren läßt — dem Fortschritt. Und wenn sich ein Staat unbeachtet um jene Nationen, die „ihr geliebtes" Vaterland vor den Einflüssen des neuen Geistes bewahren wollen, vor Augen hält, daß jeder Stillstand ein Rückschritt ist, dann muß er unbedingt jene Erfolge zu verzeichnen haben, die der Engländer als Wunder ansieht. Der deutsche Beiname „Land der unbegreuzteu Möglichkeiten" scheint wohl ein-wenig mehr Daseinsberechtigung zu haben. Wenn wir überlegen, daß Moritz Rosen, der noch vor fünf Jahren zu den reichsten Männern der New-Iorker Eastside gehörte, jetzt in der Ds8tsr8tl-66t (gleich der Wiener Schiffgasse) Früchte feilbietet; wenn wir den Lebenslauf des hiesigen Bankschwindlers Nobin betrachten, der trotz seiner Unbildung — er konnte weder schreiben noch lesen — in kurzer Zeit es zu einem Milliouenvermögen brachte; nnd wenn ich Ihnen schließlich noch erzähle, daß die New-Aorker 58 th. Street an einem Ende von armen jüdischen Arbeitern bewohnt wird, während das andere Ende der Straße Palais amerikanischer Geldkönige einnehmen, darunter der Rockeseller-Palast — so müssen wir zngestehen, daß hier Möglichkeiten unbegrenzt sind. Was «Nu die vielgerühlute Freiheit des Landes betrifft, nnd nun bin ich bei jenen Kapitel angelangt, das der Zweck meines heutigen Brieses sein soll, so hat wohl der eingewauderte russische Jude alle Ursache, dankbar zur Miß Liberty emporzuseheu. Wir aber, die wir in unserer alten Heimat die Freiheit, soweit es eben die Gesetze und ihre sorgsamen Hüter znließeu, genossen haben, glauben, daß es die wogeuumschaumte Miß nicht mehr io ernst mit ihren Prinzipien nimmt. Sie hält zwar noch immer ihre Fackel in der Hand; aber nicht mehr, um den ihres Vaterlandes Enterbten eine neue Heimstätte zu weisen, nein, Miß Liberty ist im Laufe der Zeit praktischer geworden, sie weiß den Wert des Geldes zu schätzen, sie leuchtet jenen in

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