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Die Wahrheit · 1911-03-10 · Heft 10 (10.3.1911) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4. Die Wahrheit Nr. 10. Geld und Gut! Doch das größte Elend ist das geistige, die Verflachung und Verarmung unserer religiösen Gefühle, Ideen und Ideale!! Eingangs sprach ich vom Feinde in uns und unserer Gesamtheit und deren Bekämpfung und Besiegung durch uns. Lo sisekkoch „Vergiß nicht!" ruft die Thora.- Ist es etwas besser geworden, dann darf man nicht vergessen, was alles die weitere Entwicklung von uns heischt und unerbittlich fordert: Selbstzucht, eiserner Wille, Belenntnisfreude und Sinn für unser großes Schrifttum und unsere Geschichte! „Stellet viele Schüler aus und machet einen Zaum um das Gesetz!" Das ist unsere Ausgabe. Menschen fürs Leben mit seinen tausend Ansprüchen, Kämpfen und Versuchungen erziehen. Juden des Herzens und des Geistes, die Verständnis für Gott und die Welt haben: akawas kamokom weakawas Iiabrios Liebe zu Gott und seinen Geschöpfen, neben tiefer Religiosität auch wahres Verständnis für das Leben und seine Entwicklung. Sich gesellschaftlich anslebeir und durchsetzen und dabei doch auch seine Eigenart und Religion ungekürzt zu behaupten/ das ist die große Ausgabe der Zukunft. Das Tansjndentnm muß bekämpft lind in seinem Wesen entlarvt werden, damit die Mutlosen wie zu Esters Zeiten wieder Mut schöpfen und nicht bei jedem Windstoße erzittern. So viel über Abfall beraten und geschrieben wird, mau kann unsere eigene Schuld nicht in Abrede stellen. Hätten wir unser Judentum mehr den Massen bekannt gemacht seine großen Ideen und Vorzüge überall rechtzeitig' geschildert, es wäre mancher Fall des Austrittes vermieden worden. Heißt es in der Megilla. daß viele zum Jndentume übertraten, so wären wir zufrieden, wenn viele Inden sich wieder als Inden fühlten, ihrer Väter Glauben schätzen und lieben, verteidigen und bewahren lernten. Dies wäre unsere schönste Purimseier, wenn nur das Gefühl unserer Zusammengehörigkeit, unserer gemeinsamen großetl Besitztümer und Schätze wie das Bewußtsein der damit verbundenen Pflichten verbreiten und stärken könnten. Haman und Amalek sind die dunklen Mächte aller Zeiten, die den Zwist in uns und den Zerfall unserer Gesamtheit stetig anstreben. Mordechai und Ester die Sterne, die uns aufwärts weisen und lehren, daß alles Licht von oben komuu und sich durch Finsternis und Macht endlich Bahn bricht! Das ist unsere Purimidee, die ansklingt in dem Wunsche: Freude, Wonne, Jubel und Ehre dem Judentum und seinen unerschrockenen Bekeunern und Förderern! Kruman, Adar 5671. Dr. L. Hirsch. Nachdruck verboten. Heinrich Kulte. der Kaffeu begriff und der arabische Aufstand. Bon S. Bineta. (Schluß.) Sehen wir von den klimatischen und zeitlich so sehr getrennten kulturellen Verschiedenheiten ab, so ist unzweifelhaft in diesem Nomadismus der semitischen Völkersamilie das vergleichende Kriterium gegenüber den Jndogermanen gegeben. Er allein, der Nomadismus, ist es, der dem Semitentunl den Stempel aufdrückle, dessen Züge unverkennbar in die Gegenwart herüberdauern. Nomadentum und Freiheit sind Synonyma. Nicht in harter Arbeit entringt der Nomade dem Boden seine Nahrung, er tummelt sich frei aus dem Rücken seines Rosses, nicht klebt er an der Scholle, nicht geht er seiner kriegerischen Eigenschaften verlustig, kein Mächtigerer raubt ihm dle Früchte seines Schweißes und drückt ihn zum Hörigen herab; unternimmt er Kriegszüge, so raubt er wohl Gold und Nntztiere. macht aber nicht viel Sklaven. Zur Wartung seiner Heerden hat er deren nicht, viel nötig und die doch in seinem Besitz sind, haben leichte Arbeit und werden gut behandelt. Ein Kastenwesen, eine Aristokratie kann sich nicht bilden, die Horde — wir nennen sie so ungeachtet ihres etwaigen Kulturgrades — bildet gleichsam eine Familie. Brauche ich im Gegensatz hiezu den Entwicklungsgang des Jndoariers zu schildern? Ich glaube, es ist unnötig; übrigens jOmnieu wir daraus noch zurück. Der Semite aber auch als er _ sich in einzelne Völker gruppen 'spaltete und zur Staateubildung überging — hatte durch den Nomadismus seinen nnverlöichlichen Charakterstempel erhalten, wie konnte er lvie die Arier n a ch vbe n k r i e ch e n, n ä ch u n t e.n t y r a n n i s i e r e n; keine eiserne Disziplin lehrte ihn befehlen und gehorchen, er konnte niemals Weltreiche von Mammntgröße schaffen, es fehlte l h m üb er h anp t.a u ft aatenhi l.deuder Kras t, er hatte eben die Fehler seiner Vorzüge. Will mau übrigens mit Ibsen darin einen Vorzug des Judentums erblicken, daß es so lange schon keinen Staat mit sich Herumschleppe, so bleibe dies jedem unbenommen; tot oaxita, tot 86N8N8. An der Hand historischer Fakta aber läßt sich der durchgehende Mangel an staatenbildender Kraft bei sämtlichen Gliedern der semitischen Völkersamilie leicht Nachweisen, bei keinem einzigen aber der Mangel an schöpferischer Produktivität von hohen Knlturlverteu. Der arabische Beduine mit seiner lange vor Mahomet blüheudeu Dichtkunst gründete zwar in drei Weltteilen ein großes Reich, das aber mit derselben Schnelligkeit zerfiel, mit der es im Rausch der Tapferkeit und des religiösen Fanatismus gegründet worden, nicht ohne daß Wissenschaft und Künste in ihm ans eine der Zeit weit vorauseilende Weise zur Blüte gekommen wären. Der Beduine zog' sich in seine Wüste zurück, geriet nominell unter die Oberherrschaft eines tartarisch-finnischen Stammes, gegen die er jetzt eben die Waffen zieht. Eigentlich unterworfen war dieser freie Wüstenbewohner freilich niemals. Die Assyrer-Babylouier, ein Mischvolk zwar, aber mit stark semitischem Einschlag, schufen allerdings einen größeren Staat, jedoch kein sogenanntes Weltreich. Als sie die stammverwandten Inden in Gefangenschaft führten und trauernd an den Wassern Babels . sitzen ließen, vernichteten sie doch nicht völlig deren nationale Existenz, wie später die brutalen Römer und machten damit die nachmalige Wiederaufrichtung des jüdischen Staates möglich. Es erübrigt somit nur noch über die Phönizier Einiges zit bemerken. Meine ^Theorie ist hier gleichsam in nuce enthalten.. Der schmale Küstenstrich längs Palästinas — läßt er sich als Land nicht in eine Nußschale packen? Doch ihr Gebiet, das sie souverän beherrschten, war der weite Ozean. Bis in die Ostsee wagten sich die kühnen Schiffer, um den Bernstein zit holen. Nur ans friedliche Eroberungen ging der Sidonier ans. Sie vermittelten den Verkehr des fernen Indiens mit dem äußersten Thule, trieben Tauschhandel mit den Eingeborenen, lehrten die Griechen den Gebrauch des Alphabets kennen und unterrichteten sie in der Glasberestnng, sowie in anderen Erfindungen. Das waren wohl kulturelle Großtaten! Die Völker sich dienstbar zu machensie zu knechten, fiel diesen Edelsten der Semiten gar nicht ein. Hier tritt die Abneigung -der Söhne Semsden Herrn zu spielen und Imperien zu errichten, wohl als plastischestes Relief hervor; an den Phöniziern gewahrt man am deutlichsten den semitischen Grnndzng, den ein Bulle im Egoismus gefunden zuhaben-glaubt. Herders Abhandlung über die Phönizier gipfelt darin, wie unvorteilhaft , das Vorgehen des heutigen England dagegen absteche.' Eine eingehende Schilderung der Reversseiteunserer Betrachtung ist wohl überflüssig. Wir finden dq just das Konträre. Als klassisches Schulbeispiel dafür-, wie feste Wohnsitze -und Landbau den National- und Rassencharakter in einer von der bisher geschilderten, völlig verschiedenen Weise iimmodeln, bient am besten die Geschichte Noms. Der Römer war eigentlich nichts anderes, als ein Bauer, wenn -auch ein kriegerischer. Cincinnatns ging vom. Rübeuseld weg zinn Schlachtfeld und kehrte wieder zum Pflug zurück. -. -; . Die Geschichte, dieses^ Stadtstaates ist im Innern von den blutigen Kämpfen zwischen) Patriziern, Plebejern und Sklaven erfüllt. -Während: sie wie unsere Landlente in der Schenke raufen, unterjochen sie nicht zum wenigsten mit pfiffiger Bauernschlauheit, wenn auch.mitunter mit harter Bauernfaust die Welt. Man kann Rom ruhig ein-gigantisches Balternprotzentnm nennen, das denn auch aus Mangel jederchöheren Geistesknltlir znsammenbrach.-Griechische- Wissenschaft und. Kunst wurden rein. äußerlich nachgeahmt, es sei denn, -daß es sich lim militärische oder

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