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Die Wahrheit · 1911-03-03 · Heft 9 (3.3.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 9 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Seite 9; Nr. 9. Die Wahrheit -fühl der Zugehörigkeit des Menschen zu einer übersinnlichen Welt, in der er sich die Ideale verwirklicht denkt, die ihm als höchste Ziele menschlichen Strebens erscheinen." Der Mensch -muß sich diese Ideale in anschaulichen Bildern gegennberstellen. 'Diese gestaltet nun die mythenbildende Phantasie und durch das Symbol des übersinnlichen Gottes. Die Religion entspringt hinein /metaphysisch-ethischen Gefühle, in dem Zusammenhang Der menschlichen Seele mit einer die Totalität alles Seins um* "fassenden übersinnlichen Welt und in der Stimme, des Gewissens. Im Götterkulte bildet sich die Idee des höchsten "Richters ans. Die Gottheit wird so zu einem sittlichen Ideale. Zum Schlüsse spricht er über Gegenwart und Zukunft der Religion. Die von Rousseau heiß begehrte und von Kant still erhoffte Znknnfisreligion ist ein ntopistischer Znkunftstraum. Selbst innerhalb der einzelnen Märchen sind die. Unterschiede so große, daß man von einer annähernden Einheit der Glanbens- "überzengnngen nicht sprechen kann. Individual- und Völkerpsychologie verkünden, daß nicht Uniformierung, sondern Differenzierung der Weg aller religiösen Entwicklung sei. Je reichere Mittel die Kultur dem Einzelnen zur Verfügung stellt, umso mehr steigert' sich die Mannigfaltigkeit der Betätigung, umso stärker die physische Differenzierung. Nun, sagt Wnndt, wenn die Differenzierung der Religionen eine naturgesetzliche Notwendigkeit ist, so möge doch Friede unter den Konfessionen herrschen; möge doch dem friedlichen Rebeneinander der so verschiedenen Bedürfnissen emgegenckommenden . Gestaltungen des religiösen Lebens nichts mehr im Wege stehen. Wird also ewig diese Differenzierung religiöser Meinungen bestehen? Wnndt glaubt folgendes: Die Unterschiede der Religionen bestehen in Kulten und Dogmen, wie jeder im "Bewußtsein sich äußernde Trieb notwendig in Handlungen sich -äußert. Wenn nun die Religion im Gefühle ruht, io kann miau bei höherer Steigerung desselben der äußeren Symbole verzichten und so wird das Gefühl selbst zum Symbol. Die Volksreligion kann wohl heute der Symbole noch nicht entraten. Aber die phylosophische Reflexion trachtet die Idee fest- .znhalten, um sie ganz von der symbolischen Hülle zu befreien. So wird letzten Endes die religiöse Idee zu einer abstrakt Philosophischen Idee. Diesem werden nun alle Religionen zustreben. Keine Kulte werden mehr die Menschen trennen. Denn Die Religionen erreichen ihren Kulminationspunkt, das messi- -unische Ideal, die ko u fes s i o n s fre i e Kirche. Wir sind mit unseren Ausführungen zu Ende. Wir sehen weder Spencer noch Wnndt waren imstande, das Problem des religiösen Mysteriums zu lösen. Das Judentum ist ein Beweis der ans sich selbst entstandenen Gottesidee, wie dies Lazarus 'in dem stimmungsvollen Schlußworte seines ..Propheten Jeremias" ansrnft up-tf h, Gott ist unser Recht. Die Pflege und Ausbreitung eines geläuterten Gottesbewußtseius in der Menschheit -ist unser Recht in der Geschichte. Nein! Die Religion ist weit mehr als der Stoßseufzer der mit weniger Einbildungskraft begabten Menschheit, mehr noch uls das Echo des eigenen Gewissens, oder die Projektion unseres Gefühls ins Übersinnliche, eine subjektive Verdoppelung des menschlichen Geistes. Die Religion — sagt Lazarus — ist eine Herzenssache. Das Herz ist ein besonderer Muskel. Alle andern Muskeln beinahe wechseln ab. Sie sind tätig, dann ruhen sie wieder; das Herz allein muß immer schlagen, muß -immer tätig sein; so das Herz einen Moment seine Arbeit -unterläßt, so ist auch das Leben zu Ende. Auch die Religion ist das Herz des öffentlichen Geistes und unaufhörlich muß -auch dieses Herz schlagen, wenn nicht der Stillstand des Lebens herbeigeführt werden soll. Mit unserem Herzen lassen sie uns Hei dem Herzen des Volksgeistes sein, dann wird göttlicher Segen unserem eigenen Herzschlage nicht fehlen. Verschiedene Nachrichten. -Wien. Freitag, den 3. März 1911 abends Predigt im Stadttempel. Wien. Oberkantor A. Fr i e d m ann ans Aussig a. E. wird Freitag, den 3. d. M. beim Abendgottesdienste und Samstag vormittags einen Probevortrag im Leopoldstädter Tempel abhalten. Wien. (Predigt im B r i g i tt enau e r Tempel.) Bei dem Abeudgottesdienste am Freitag, den 4. d. M., wird Herr Rabbiner Dr. Armin A b e l e s Predigt halten. Wie». Die uächstwöchentliche Zusammenkunft im Kantorenklub findet nicht Montag, sondern Dienstag, den 7. März. 6 Uhr abends, statt. Mit Rücksicht darauf, daß bei dieser Zusammenkunft mit den Proben für eine gemeinschaftliche Aufführung begonnen werden soll, ist möglichst starke Teilnahme erwünscht. Wie«. (C h e w r a K a d i s ch a.) In einer der letzten Nummern dieses Blattes wurde berichtet, daß gelegentlich einer geselligen Zusammenkunft des Vorstandes und der Delegierten der Chewra Kadischa der Präsident der letzteren. Herr Salo Kohn, in gewohnt hochherziger Weise einen Betrag von K 1000 zur Gründung eines Fondes widmete, dessen Erträgnis zur Erteilung von momentanen Unterstützungen an besonders dürftige Hinterbliebene von Verstorbenen bestimmt ist und daß die Vorsteher der Chewra Chadischa. die Herren Jakob Kann und Carl L e mb e r g e r, der erstere K 500, der letztere K 300 dem gleichen Zwecke widmeten. Angeregt durch diese schönen Beispiele wohltätiger Gesinnung, hat nunmehr auch der Delegierte Herr Jakob Weichselbanm zur Stärkung dieses Fondes einen Betrag von L 300 gewidmet. Wie» (Chewra Kadischa.) Das feierliche Reqniem für die im abgelaufenen Jrhre verstorbenen Mitglieder der Chewra Kadischcr findet Montag, den 6. März 1911, H,? Uhr abends, im Gemeindetempel, II., Tempelgaffe, statt. Wie». Donnerstag, den 23. Februar, */27 Uhr abends, hat der Vorstand der Kultnsgemeinde im Tenrpel in der Seltenstetrengasfe eine Gedächtnisfeier für Freiherrn Albert v. Rothschild abgehalren. Der Trauerfeier wohnten.die Söhne des Verblichenen, die Freiherren Alfons, Louis und Eugen v. Rothschild, bei. Außerdem waren erschienen: Der Präsident der Knltusgemeiude Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Dr. Gustav Kohn mit den Mitgliedern des Knlrusvorstandes. David Ritter von Gut m a « n, Dr. Leov. K o h n, Wilhelm K u f f » e r. Dr. Markus Spitzer, S. Brod. S. S teiner, Em. Grünwald,Mor.B. E i s l er, Dr. Anselm H a l p e r n. Dr. H. Schreiber, Dr. I. Sam u e l h, Dr. Felix Kur and a. Ernst Hirsch, die Bethansvorsteher Beck. Karl Freund, Du. Herm. L ö w i. Theodor Kohn. Dr. Münz. kais. Rat W i l h e l m» W a s s e r v o g l, die Sekretäre kais. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, feruer Vizegouvernenr der Bodenkreditanstalt Her z. Baconin Charlotte K ö n i g s w a r t e r. dann vom Ballkhanse S. M. v. Rothschild Emzelprokurist B l u m, die Prokuristen Kantor und Dr. P o l k a k. sowie Sekretär Bertelhelm. der ehemalige Erzieher der Söhne Dr. Retty, der ehemalige Religionslehrer derselben. Religionsschulinspektor Profeffor K a n i tz. die Rabbiner Dr. S ch m i e d l. Dr. B a cd. Dr. G e l b h a u s, Dr. Ro s enm anu, Dr. Funk. Reich. Dr. Kaminka, P apo, die Kantoren kaiserl. Rat Singer. Bauer. Schiller. Scharr und L ö w i t, ferner Hofrat Dr. D. H. Müller, Hofrat^Dr. A. P o l l i tz e r, Kustos Dr. Frankfurter, Regierungsrat Dr. schlag, der Rektor der theologischen Lehranstalt Dr. Schwarz, der Direktor des Israelitischen Blindeninstitutes ans der Hohen Warte kais. Rat Heller. Dr. E. Kohn als Vertreter der humanitären Vereine Bne Brith, Verwalter Dr. K o r a n y i, Inspektor L a ug f e l d e r. die Gemeinderäte Dr. H e i n, Nenstadrl, Dr. S ch w arz-Hi l ler, und Stein, Dr. Adolf Stein, Dr. H. v. M a n t h n e r, Hermann R. v. G o l d s ch m i d t. Bankdirektor K u r a n d a, die Schriftsteller kaiserlicher Rat Lichten st adt und Dr. M. L ö w y, kaiserlicher Rat S t ei nh ü bl. und kaiserlicher Rat Moriz W a i z n e r. In Vertretung der Chewra-Kadischa die Vorsteher B r e i t n e r. Klein und G o l d m a n n. die Obmänner der Temveloereine Adolf H o s m a n n (4. und 5. Bezirk) und Hermann Beck (8. Bezirk». Frau Sofie G r ü n f e l d, Frau Amalie Beck. Ritter von S o n n e n t h a l, . Armeuamtsvorstand Josef Ielliuek, Abordnungen humanitärer und sonstiger Vereine, sowie zahlreiche Andächtige. Eröffnet wurde die Tranerfeier mit dem Vortrage des von Salomon Sulz er komponierten Psalm 49:. „Schim’u sos kol hoamim“ durch Oberkantor Don Fuchs und den verstärkten Chor unter Leitung des Chornreisters Professor Josef S u l z e r. Dann hielt Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n die Gedenkrede, an welche sich die Absingung des „Schiwiasi“ anschloß. Nach dem Olenu- Gebere traten die Söhne des Verblichenen vor und rezitierten das Kaddischgebet. Tiefergripsen durch die überaus würdige Feier verließen die Tempelbesucher das Gotteshaus.. Wien. (Verein zur Bekleidung und ll n t erst ü tz u n g a r m e r a l t e r M ä n n e r i s r a e l. K o n f e s s i o n, II., Z i r k n s g a s s e 30.) Samstag, den 25. Februar. 7 Uhr abends, hat im großen Sitznngssaale der israel. Knlrusgemeinde die ordentliche Generalversammlung stattgefnuden. Als Vertreter des Kultusvorstandes 'war der Obmann der Bezirkskommission II. Dr. Josef W i n t e r n i tz erschienen. Vor Eingang in die Tagesordnnng gedachte der Vorsitzende, Präsident Isidor Schwarz mit warmen Worten des vor kurzem Heimgegangenen großen Wohltäters. Herrn Baron Albert R o r h s ch i l d, und zum Zeichen der Trauer erhob sich die Versammlnug von den Sitzen. Nach einem kurzen Rückblicke auf das abgelaufene Bereinsjahr gab der Vorsitzende seinem Bedauern über die geringe Teilnahme der weiteren Kreise der Gemeinde an den Bestrebnngeit des Vereines Ausdruck, trotzdem dieselben allseitig als wirksame Ergänzung der Altersfürsorge der Kultusgemeinde anerkannt werden. Ein wesentlicher Grund hiefür liege in der Weigerung des Kultusvorstandes. die seitens des Vereines wiederholt gestellte Bitte nur Aufnahme in die Spendentafeln zu erfüllen, und' mit Rücksicht darauf^ daß die Wirkungen des neuen Hausiergefetzes sich auch in einer stärkeren Inanspruchnahme des Vereines äußern werden, apostrophiert der Präsident den anwesenden Vertreter des Kultusvorstandes, die endliche Erfüllung dieses Ansuchens bei letzterem mit allem Nachdruck zu vertreten.

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