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Die Wahrheit · 1911-03-03 · Heft 9 (3.3.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 9 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9, Die Wahrheit Seite 7. .Juden- und Christen nicht gemacht werden darf. Mit demselben Machdruckverlangen wir aber, daß ,bie militärische Tüchtigkeit jitu die Beförderung allein maßgebend ist.. Die Juden verlangen fia auch kerne Bevorzugung, sie wollen nur mit gleichem Maße wie die anderen gemessen werden. Ein sehr angesehener Jude, Dr. Walter R a t Henau, antwortete, als ihn ein hoher Staatsbeamter fragte: „Wo sollen wir die Grenze finden, wenn wir überall Inden zülassen?" „Scheiden Sie jeden aus, dessen -Herkunft, Erziehung,-Talent oder Charakter Ihnen den mindesten .Zweifel läßt." Wir hielten es für notwendig, ans die Ausführungen des Herrn Raab, die sich nur auf Aeußernngen von Männern stützen, die im antisemitischen Handbuche verzeichnet -sind, eine unbedingte, feste und zuverlässige Antwort zu geben. (Beifall.) Abgeordneter Schöpflin. Der Sozialdemokrat-S ch öp s l i n sagte: Für die jüdische Bourgeoisie, die ihre Söhne gerne Reserveoffiziere werden lassen -.möchte, uns besonders ins Zeug zu legen, haben wir keine Veranlassung, aber wir konstatieren, daß hier Recht und Gesetz gebrochen wird. Diese Reserveosfizierskreise vermeiden doch sonst den jüdischen Verkehr nicht. Wie gern fuhrt ein Offizier eine jüdische Braut heim (Heiterkeit) und wieviel jüdisches Blut fließt in blauen Adern. Dem preußischen Adel und seinen geistigen Zähigkeiten kann es nicht schaden, wenn er durch jüdisches Blut von Zeit zu Zeit anfgefrischt wird. Der Abgeordnete Raab hat den deutschen Reichstag mit dem deutschen Wirtshaus in der Berliner Friedrichstraße verwechselt. Ansgerechnet ein Vertreter des' Antisemitismus wirst den Inden ihren geschäftlichen Sinn und ihre geschäftlichen Neigungen vor. Wer die politische Geschichte kennt, weiß, daß keine Partei so viel geschäftlichen Sinn hat, wie Antisemiten. (Sehr richtig! links.) Alle geschäftlichen .Kniffe haben sie nachgemacht und sie wechseln alle drei Jahre ihre Firma, wenn die alte bankrott gemacht hat. (Heiterkeit.) Sie machen es wie der schlimmste Ramschbazar. (Zuruf links: "Nur nicht so gescheit!) Abgeordneter Kopsch. Der Abgeordnete K v p s ch von der freisinnigen Volks- Partei sagte: An den Antworten, die Herr Raab bisher erhalten hat, wird er keine große Freude haben. Er ist aber wahrscheinlich . schon dankbar dafür, wenn er überhaupt einer Antwort für wert gehalten wird. (Sehr gut! links.) Die persönlichen Angriffe und verhetzenden Bemerkungen Raabs treffen innere jüdischen Mitbürger nicht. Es genügt, solche Reden niedriger zu hängen, sie charakterisieren die antisemitische Kampfeswelse. Engen Richter sagte einmal: „Die Antisemiten machen diejenigen Witze, die die Herren von der Rechten gern belachen, die selbst zu machen, sie sich aber zu vornehm erachten." (Hört, hört! links.) Herrn Raabs Witze haben diesmal . sogar die Herren von der Rechten nicht belacht, sie haben sich wohl gehütet, das erkenne ich gern an. Der Widerwille im Hanse war ganz allgemein. Herr Raab hat geradezu die Untergebenen Mm Disziplinbritch gegen jüdische Vorgesetzte aufgefordert. Wohin kommen wir, wenn die schon jetzt vielfach bestehende konfessionelle Kluft noch erweitert wird? Die Einheitlichkeit des .Heeres wird ernstlich gefährdet, das deutsche Volksbewnßtsein untergraben, nnd doch sind wir alle Kinder der Mutter -Germania. (Beifall links.) Kriegsminifter v. Heeringen. Kriegsminister General v. Heerin gen erklärt, daß die Armee abseits von der Parteipolitik ruhig ihre Pflicht und Schuldigkeit tut. Ich brauche nicht zu mahnen, sagte er, deinen Unterschied um des Glaubens willen in der Armee zu machen. Ich bestätige noch einmal ausdrücklich: Antisemitische Regungen sind auch hie und da in der Armee vorhanden, ganz gleich, ob bewußt oder unbewußt. Wundert Sie das? -(Rufe rechts : Nein!) Auf ein Volksheer müssen doch die Gesinnungen abfärben, die im Volke vorhanden sind, und daß sie da sind, werden Sie doch nach der Rede des Abgeordneten Raab nicht leugnen. Deshalb ist es ja auch sehr schwer, .dagegen zu arbeiten. Gewiß, ich mißbillige es und ich arbeite an meiner Stelle dagegen, aber der Erfolg ist sehr schwer. Antisemitische Offiziere oder Unteroffiziere in dieser schroffen Form haben wir glücklicherweise nicht und es würde kein Zweifel sein, daß gegen derartige Vorgesetzte als ungeeignete eingeschritten würde. Sie weisen auf meine Machtbefugnisse hin. Ich komme damit auf eine Grundlage zu sprechen, auf der das Offizierskorvs und seine Stärke beruhen. Der Kommandant muß mit einer gewissen unumschränkten Vollmacht ausgerüstet sein, er trägt die Verantwortung der allerhöchsten Stelle gegenüber direkt dafür, daß das Offizierskorps richtig zusammengesetzt ist und dienstlich und außerdienstlich seine Schuldigkeit tut. Da kann man aber dem Mann nicht von oben herunterbefehlen, daß er den annehmen soll und den nicht. Wollten mir von der Zentralstelle befehlen, ungeeignete Leute hineinzuuehmen. so würde es eine Pflichtverletzung sein. Ich habe erklärt, sobald ein Fall vorkommt, wo dieser Grundsatz der Gleichberechtigung greifbar verletzt ist, da greife ich ein. (Zurufe: Kommt nicht vor!) Ich kann Ihnen von früheren Jahren Beweise geben. Die Wahl der Offiziere durch das Offizierskorps ist eine andere feste Säule für unser Offizierskorps, es ist eine der freiheitlichsten Institutionen, die wir haben. (Sehr richtig!, rechts.) Wollen wir die Homogenität des Offizierskorps aufrecht erhalten, so darf an dieser Freiheit der Wahl nicht gerüttelt lverden. Aber selbstverständlich, wenn ein Offizierskorps sich in Widerspruch mit der Verfassung oder mit den vom allerhöchsten Ort direkt befohlenen Gesichtspunkten setzt, so würde der allerhöchste Kriegsherr nicht zögern, Remedur zu schaffen. Es ist durchaus kein Kadavergehorsam in der Armee. Auch mir ist eine konfessionelle ll n t e r s cd e i d u n g der Soldaten nicht an gen eh m. Wir haben weder katholische, noch evangelische, noch jüdische Soldaten als Kaste, sondern deutsche Soldaten, aber eine Vorbereitung. wie sie die sozialdemokratische Partei für unsere Rekruten uns angedeihen läßt, für die danke ich. Ich kann Ihnen beweisen, wie sie au unseren Leuten hetzen. Sie begleiten unsere Rekruten bis an die Kasernentür und empfangen sie mit genau derselben Agitation. Solche Schilderungen, wie sie hier von einem sozialdemokratischen Redner vorgetragen wurden, daß unsere Mannschaften wie die Hunde behandelt werden, haben die Folge, daß man namentlich int Auslande die Auffassung bekommt, daß die deutsche Armee nicht mehr so schlagfertig und tatkräftig wie 1871, sondern um einen drastischen Ausdruck zu gebrauchen, eine „verlotterte Bande" geworden sei, der keine derartigen Erfolge wie damals mehr zuzutrauen wären. Wenn mau solche Anschauungen hervorruft, dient man nicht der Erhaltung des Friedens und dem Wohle des deutschen Vaterlandes. (Lebhafter Beifall rechts.) Abgeordneter v. Oertzen. Der konservative Abgeordnete v. Oertzen sagt: Ich behandle jeden Menschen nach dem Grundsätze: Wenn er anftänd ig ift. dann ist es ganz gleich, ob er Iude oder Christ ist. Ich bin in meinem Leben mit einer ganzen Reihe von Juden zusammengekommen, die durchaus anständige Menschen sind. Auch als Beamte und Soldaten haben sie sich bewährt. Ich hatte im Kriege in meiner Schwadron zwei sehr tüchtige Juden. Es ist also nicht richtig, daß die Juden allgemein nicht fähig sind, Offiziere zu werden. Freilich ist für den Offizier eine besonders gute und taktvolle Erziehung notwendig. Zweifellos gibt es auch viele taktvolle Juden, aber vielen fehlt es auch daran. Geld allein macht es nicht. Es liegt daran, daß die Inden solange unterdrückt waren. Die konfessionellen Unterschiede werden jedenfalls übertrieben. Die Militärverwaltung ist auf dem richtigen Wege. Damit schließt die Erörterung. Der Gehalt des Kriegsministers wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten genehmigt. Die Resolution der Volkspartei, daß das Offizierskorps ohne Rücksicht auf Herkunft und Glaubensbekenntnis nur nach Maßgabe der Tüchtigkeit besetzt werden solle, wird, nachdem der Kriegsminister ersucht hat, die

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