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Die Wahrheit · 1911-02-24 · Heft 8 (24.2.1911) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 8, Versammlung ab. Der Obmann Herr Isidor P o l l i tz e r begrüßte die erschienenen Vereinsmitglieder, insbesondere aber die Vertreterin des' Brigittenauer isr. Franenvereines, sowie die Vertreter des Tempelvereines nnd des Vereines der „Brüder". Im Berichte des abgelaufeuen Vereins- Jahres konstatierte der Obmann, däß der Verein rund EL 6000.— an Bedürftige aller Art, arme Geschäftsleute, Kurbedürftige, arme Bräute, sehr häustg aber behufs Vermeidung von Delogierungen, verausgabt hat, und widmete sodann einige Worte des Dankes und Anerkennung dem zurückgetrerenen Obmanne Herrn Jakob Kohn. Nach dem beifällig aufqenommenen Berichte beantragte Herr Josef Kohn, der das wohltätige Wirken und die Notwendigkeit des Vereines in der Brigittenau hervorhob, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen. Diesem Anträge schloß sich der Ehrenpräsident des Vereines und Obmann des Tempelvereines. Herr Herrmann Eltbogen, der im Laufe des Jahres sehr oft Gelegenheit hatte, die Hilfe des Unrerstützuugsvereines für verschämte Arme in Anspruch zu nehmen, vollkommen an. Nach Gewährung des Absolutorinms und Genehmigung de- Rechenschaftsberichtes wurden per Akklamation folgende Herren in den Vorstand gewählt: Isidor Pollitzer, Obmann, Dr. Ludwig Redlich. Obmannstellvertreter, Bernhard Beck erster und Isidor Brauner zweiter Schriftführer, Siegmund Frommer. Kassier, Moritz Schick und Sigfried Herr s ch a n, Revisoren, Ignatz Körner, Kastrier. Heinrich Hage r, Adolf T h e i ch t h a l, Bernhard P o l l a k. Heinrich Salomo n, I. R o s e n e r, Herrmann Kohn, Geza Kl i ng et und ^Ludwig R o s e n'z w e i g, Vorstände. Wien. (E i n G e d e n k b l a tt.) Zwei verdienstvolle Lehrerverrraneu sind vor rvenigen Wochen in kurzen Intervallen zur ewigen Rüde eingegangen, der eine — Gerson F e i th— im hohen Alter von 82 Jahren; der andere — Max Deutsch — im 71. Jahre seiner irdischen Laufbahn. Ein schmerzlicher Verlust für die beteiligten und befreundeten Kreise, ein unersetzlicher Verlust für die Schule. Mehr als 50 Jahre wirkte jeder von ihnen emsig nnd rastlos, still und unauffällig in segensreicher Weise, die bewährten Traditionen der alten Schule harmonisch vereinend mit den Prinzipien der modernen Pädagogik, beide im Besitze hervorragenden jüdischen Wissens, zu dem sich eine reiche Kenntnis der profanen Disziplinen gesellte. Not und Sorge, die gar oft an ihren Türen pochten, rvaren nicht imstande, d:e „guten" Lehrer in ihren Idealen schwankend zu machen, lind beide waren gute Lehrer, nicht etwa in dem vulgären Sinne, daß sie auf den ausgetretenen Geleisen enier veralteten Methodik des Religionsunterrichtes ihren Schülern moralinhältige Kenntniffe übermittelten, die sich in niechanifchem Aussagen von Sittensprüchlein erschöpfen — mit Sittensprüchleiu baut man keine Eisenbahnen, die in das Zauberland der wahren Religiosität führen — sie waren vielmehr „gute Lehrer" im Sinne von „guten Richtern". Sie brachten das vornehmste und wichtigste Instrument eines tüchtigen Religionslehrers mit in die Schule, ein gutes Herz, das sie den zu einem gedeihlichen Unterrichte nötigen Resonanzboden im Herzen der Kinder finden ließ und mittels dessen sie das zartbesaitete Gemüt der Jugend in lebhafte Schwingungen zu bringen verstanden. Reich gesegnet war der Wirkungskreis beider Jugendbildner, denn jeder von ihnen war ein Lehrer, ans den das Wort des Propheten angewandt werden kann: Kb HT£D nn\*vriaK min I'TIDD— 8LL2 „Die Lehre der Wahrheit worin seinem Munde, kein Falsch ward gefunden auf seinen Lippen." In einer Zeit frivoler Protektion, welche fast ausnahmslos nur die mit Zynismus gepaarte Unfähigkeit auf den Schild erhebt, und jedem, der die Naivität besitzt, als Wahrheitsapostel aufzurreten, sofort die schärfste Mißbilligung zuteil werden läßt, verstanden es Gerson F e i t h und Max Deutsch meisterhaft, unbeirrt von jeder Zeitströmung und unbekümmert um jene gewissen unkonkretisierten Verdächtigungen, denen namentlich der jüdische Religionslehrer so oft ausgesetzt ist, die „Lehre der Wahrheit" in das empfängliche Herz der ihrer Obhut anvertranten Jugend zu pflanzen und solcherart viele Generationen für das ererbte Gut der Väter zu begeistern, zu treuen,, unentwegtem Festhalten am Judentume anzuspornen. Es war ihnen die seltene Kunst eigen, sich irr die Kindesseele zu versenken, sie fühlten und lebten mit den Kindern und da es ihnen an der Gabe der Beredsamkeit nicht mangelte, vermochten sie dauk diesem Zauberstabe aus dem unergründlichen - Meere der kindlichen Seele manch herrliche, reine Perle der Gottesbegeisterung hervorzuholen. Beide wirkten Jahrzehnte hindurch segensreich als Eßortanten, stets lauschte die Jugend mit Andacht den Worten der geliebten Lehrer. — „Und kein Fehl ward gefunden auf ihren Lippen!" Was sie lehrten, das lebten sie auch! Streng religiös in Gesinnung und Tat. boten sie ihren Schülern und Schülerinnen ein glänzendes Vorbild echt jüdischer fittenreiuer Lebensführung. Sie kannten keine religiösen Ferien, während welcher sie sich etwa in eine weltentlegene Sommerfrische zurückzogen, um daselbst — fern oom Getriebe des Großstadtlebens — ungestört über die Theorie des Zeremonialgesetzes nachzudenken; sie waren nicht klaffenbewußte Ar beiter , im Weinberge des Herrn, die ihr Talent zur Erwerbung von Talenten auf Kosten des Unterrichtes ausnützeu; es waren offene, ehrliche, aufrichtige Charaktere, wie solche nicht erst künstlich gezüchtet, sondern vom Hause aus gepflegt und in der Schule des Lebens herangebildet werden. Frei von jedem würde-, losen Strebertum gingen sie ruhig ihres Weges, fern von jeder Hintertreppenpolitik hatten sie kein anderes Streben, als ihre Pflicht zu erfüllen. Und pflichtgetreue, gewiffeuhafte Lehrer waren beide. Man kann die Stunden zählen, die sie — durch Krankheit verhindert — zeit ihrer Tätigkeit der Schule ferngebliebeu. Die durch sie verursachten Supplierungskosten haben den Ünterrichtsetat unserer Gemeinde -nur sehr minimal belastet. Wenn sich nun trotzdem gar oft die wohlverdiente Anerkennung nicht einstellen wollte und wenn auch namentlich die - unausgesetzten Bemühungen d.es einen, Verbeffernugen des methodischen Religionsunterrichtes durch Einführung neuer von ihm hergestellter Lehrbehelfe zu erzielen, nicht immer genügende Würdigung fanden, so ließen sich die edlen Männerdurch noch so zahlreiche Enttäuschungen in ihren Idealen nicht schwankendmachen. Hatte ihnen auch die Schule des Lebens manch hatte und bittere Prüfung auferlegt, sie bestanden diese allezeit als charakterfeste Männer,- die das Leben der.Schule mit allen Fasern ihres Herzen liebten und durchdie stete Berührung mit ihr neue Kraft zu neuem Schaffen gewannen.. Lehrer sein, das heißt Kämpfer sein! Nunmehr ist der Kampf zu Ende, die. wackeren-Helden haben ihn würdig bestanden. Das Protokoll ihres Lebens liegt abgeschloffen vor uns; jedes Blatt in demselben ist rein, nnd makellos, kein Fehl wird, auf ihm gefnnden. Angesichts der idealen Schöpfungen, die Gerson F e i t h und Max Deutsch zurückgelassen und durch welche sie sich ein unvergängliches Angedenken gesichert, darf' ihnen das echte unverfälschte Zeugnis nicht versagt weiden: 1KS 2lS!V!T „Siehe, es war sehr gut!" Es war ein Leben von musterhaften Sitten, von ausdauerndem F l e i ß e; ihren Fortgang aber beklagten wir tiefbewegten Herzens. Als engere Kollegen vom Religionslehrervereine „Esra", dessen Mitbegründer die Verblichenen gewesen, fagenwir ihnen dank für die Vorbildlichkeit in Lehre und Leben, für die Liebe und Freundschaft, die sie uns stets betätigt und die wir als eine köstliche Erinnernng.au sie allezeit bewahren wollen. ,W. Breuer. Wien. (Elternabend i m jüdischen S ch u l v e r e i n für b e» IX. Bezirk.) Der jüdische Schulverein für den IX. Bezirk hat es sich durch Einführung der Elternabende zum Ziel gesetzt, bei den Eltern die Erkenntnis zu erwecken, daß es das Lehrziel der Schule sei, die wirkliche Vertiefung des religiösen Gefühles nnd des religiösen Wissens anzustreben, insbesondere die Jugend in die hebräische Literatur einzuführen, und in ihr den Wunsch und. den Trieb nach immer weiterer. Volksbildung in den hebräischen Fächern zu erwecken. Der erste dieser Elternabende fandam 6. d. M. im Vereinslokale, IX., Seegaffe 16, statt. An demselben beteiligten sich fast alle Eltern der die Schule besuchenden Kinder.— Ferner waren erschienen: Als Delegierter der Kultusgemeinde Herr Amtsleiter F u ch s g e l b, Vertreter verschiedener Vereine, die Religionslehrerr Weiner, B l a n n nnd S ch w e r t f i n g e r. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Obmann der Schule erstattete Herr Gemeinde- Rabbiner Dr. Bach ein lichtvolles gemeinverständliches Referat, über die Bedeutung der jüdischen Schulvereine, und über die Notwendigkeit der Erweiterung und Vertiefung des Religionsunterrichtes. An der sehr animierten und höchst anregenden Debatte beteiligten sich die Herren: Vorstandsmitglied Jakob Kraus, Amtsleiter F n ch s g e l b, der speziell das rege Interesse betonte, das die Kultusgemeinde an der Ausgestaltung des in seiner jetzigen obligatorischen Gestalt, gänzlich unzureichenden Religionsunterrichtes nehme und Herr Wolf P a p p e n h e i m. Von vielen Versammlungsteilnehmern wurde der Wunsch geäußert, daß diese so anregenden und aufklärenden Elternabende im Interesse der Belebung des jüdischreligiösen Geistes eine möglichst häufige Wiederholung erhalten sollen. ' Diesem gewiß nur zu berechtigten Wunsche wirb der Verein nach Kräften zu entsprechen suchen: Herrn Rabbiner Dr. Bach wurde für seinen rühm- ° lichen Eifer im Interesse der Institution der Elternabende der herzlichste Dank-votiert. Wien. Der Verein der K o l o m e a e r. der auf dem Gebfete der : Krankennnd Armenunterstützung Hervorragendes leistet nnd sich auch jüngst anläßlich der Schenkerdepntation rühmlichst hervorgetan hat,' gehl daran, wie alljährlich, auch jetzt am 12, März 1911 eine Wohltätigkeitsakademie mit anschließendem Ball im Prachtsaale des Hotels „Bayrischer' Hos" zu veranstalten. Vom reichhaltigen Programm sei hier nur erwähnt, daß die Operette „Herr und Frau Biedermayer" von Ziehrer zur Aufführung gelangt, nnd daß Herr Waldemar, Mitglied des Karl- Theaters, seine Mitwirkung zugesagt hat. Karten im Vorverkauf a EL 2.— sind bei allen Komiteemitgliedern und im Cafe „Stefanie", II. Stefanie- - L straße 2, erhältlich. Das Reinerträgnis fällt ausschließlich wohltätigen Zwecken zu. Als Vorkränzchen findet Sonntag, den 26. d. M., 9 Ühr abends, im Case „Prückel," I. Stubenring 26, eine Damen-Soiree statt. Wien. Herr Philipp Weiß, welcher dem Tempelverein im , VIILL Bezirke eine Sefer-Thora spendete, sprach den Wunsch aus, daß . dasselbe alljährlich zu den Festtagen dem Vereine „Tefilas-Haneorim" zur Verfügung gestellt werde, was der Vorstand auch zugesagt hat. Wien. Frau Ernestine K o h n. die Gattin des Klavierfabrikanten: Rudolf K o h n, I. Himmelpfortgasse 20, hat zur Erinnerung an ihren verstorbenen Vater Bernhard Kohn, s. A., dem Kaiser Franz Josef Jnbiläums-Knabenwaisenhans, XIX. Pröbnsgasse 2, ein prachtvolles, neues Klavier in hochherziger Weise gewidmet. Wien. Montag, den 20 d. M. abends ist hier in ihrer Wohnung,, 18. Bezirk, Haiziugerstraße 13, Frau Jeanette Herzl geborene Diamant' im 75. Lebensjahre gestorben. Die Verblichene, eine ungemein liebeus-' . würdige und feinsinnige Dame, war die Mutter des unvergeßlichen Dr. Theodor Herzl, der ihr am 3. Juli 1904 im Tod vorausgegangen ist. Seitdem sie dieser harte Schicksalsschlag getroffen hatte, lebte sie vollständig dem Andenken ihres heißgeliebten Sohnes, der ihr stets eine rührende Liebe und Anhänglichkeit entgegengebracht hatte. An dem Sarge der Frau Jeanette Herzl trauern drei Enkel, Panline, Hans nnd Trude Herzl. Wien. (Jüdisches T h e a t e r.) Regie M. Siegler, Hotel Stefanie, II., Taborstr. 12. Freitag, 24. Febr., „Davids Geige" Operettevon I. Latainer. Samstag, 25..„Bar Kochba? Operette von A. Goldfadens- Sonntag. 26. „Herzale Mesches" Operette von M. Richter. Sonntag nachmittag, halb 4 Uhr „Prinz Bostennj" Operette von Cb. Wolfstbal. Montag, 27. „Jontel Schnorer" Operette von A. Goldfäden. Dienstag, 28. „Davids Geige" Operette von I.Latainer. Mittwoch 1. März,-Ehrenabend des hier' beliebten Komikers, Herrn S. P o d z a m er. Zur Aufführung gelangt: „Bas Jerischulajim" Operette von Ch. Wolfsthal. Donnerstag. 2. „Jdale der . Blinde" Operette von I. Latainer. In Vorbereitung : „Chaim in Amerikas

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