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Die Wahrheit · 1911-02-24 · Heft 8 (24.2.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8. Leite 7. Die Wahrheit Während die Lage der definitiven- Professoren dnrch das -Gesetz vom Jahre 1907 wesentlich gebessert würde, während die Meligionslehrer an den Volks- .und Bürgerschulen ihre Bezüge won der Kultusgemeinde, mit Rücksicht, ans die Teuerung reguliert erhielten, hat sich für die nichtdefinitiveu Religionslehrer an den Mittelschulen noch keine Hand gerührt. Sie waren von rjeder Erhöhung der Bezüge ausgeschlossen und außer einer einmaligen Zulage im Betrage von K .120.— (im Jahre 1907) ist für sie nicht das Geringste geschehen. Auch die Hoffnung, daß noch eine größere Anzahl von Religionslehrern des Definitivum in absehbarer Zeit erhalte, ist eine überaus geringe. In Anbetracht des Umstandes, daß nach dem Gesetze vom 20. Juni 1872 der Schulerhalter bei einer Anzahl von 20 einer -Konfession angehörenden Schülern verpflichtet ist, den Religionsunterricht sicherzustellen, das Gesetz aber keine Bestimmung darüber enthält, in welcher Form der Religionsunterricht sicherzustellen sei, ob durch definitive Anstellung des Religionslehrers -oder durch Verleihung einer Remuneration, ist der Religionslehrer a. d. ö. M. in eine überaus klägliche Lage gebracht. Anderseits ist nach dem Gesetze vom Jahre 1869 der Religionsbehörde eine sehr weitgehende Jugerenz auf den Religionsunterricht eingeräumt, indem sowohl die Lehrbefähigung der Religiouslehrer in ihre .Hand gelegt, als auch die Üeberwachung des Religionsnnter- .richtes ihr anheimgegeben ist, somit üoit dem Wohlwollen der 'Religionsbehörde die Existenz und das materielle Fortkommen der Mittelschullehrer wesentlich abhangt. Ferner hat auch der Religionslehrer durch sein Wirken den Zwecken und Aufgaben der Kultnsgemeinde zu dienen, schließlich steht er auch zumeist in seiner Eigenschaft als Exhortator etc. unmittelbar im Dienste der Gemeinde. Ans allen diesen vorangeführten Gründen erachtet es der 'Verband der isr. Religionslehrer au den österr. Mittelschulen als seine rechtliche und moralische Verpflichtung -der Knltnsvorstände, die nichtdefinitiven Religionslehrer für die' Benachteiligung, die sie durch die Verzögerung ihrer definitiven Anstellung von Seite des Staates, sowohl hinsichtlich ihrer Gehaltsbezüge, als'auch hinsichtlich ihrer Versorgung für den Fall der Dinstnnfähigkeit, bzw. ihrer Hinterbliebenen im Todesfälle, erleiden, subsidiarisch schadlos §it halten. Gleichzeitig muß der unterfertigte Verband auch die Verpflichtung der Knltusvorstäude aussprechen, mit dem größten Nachdrucke bei den Staatsbehörden für hie definitive Anstellung der Religionslehrer, wo die gesetzliche Handhabe geboten ist, aber auch für die Altersversorgung derer, bei denen eine definitive Anstellung nicht möglich ist, einzutreten. In der Art und Weise, wie die Wiener Kultnsgemeinde die Anstellung und Versorgung der Religionslehrer an den Volksnnd Bürgerschulen übernommen und sich freiwillig auserlegt hat, ist ein entschiedenes Präjudiz enthalten, welches bei den Religionslehrern der Mittelschulen, die ja noch eine wesentlich höhere Aufgabe in der Organisation des Religions-Unterrichtes zu erfüllen haben, nicht abgewiesen werden kann.' Trailerfeier für Karo» Albert Rothschild. Im Sitzungssaal des Spitals der israelitischen Kultus- .gemeinde ans dem Währingergürtel veranstalteten Dienstag, den 21. d. M., um halb 6 Uhr abends der Vorstand der israel. .Kultnsgemeinde und die Direktion des Spitals gemeinsam eine Trauerkundgebnng für Freiherrn Albert v. Rothschild. Zn der Trauerfeier hatten sich eingefunden: Baron Alfons R o t hs ch i l d, Oberrabviner Dr. ©übe m an n. der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred S t e r n mit den beiden Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und Hofrat Dr. Rappa- P o r t. die Mitglieder des Knltusvorstandes und des Bethausvorstandes, unter ersteren auch der Sekretär des Hauses Rothschild, Herr Richard B e t t e l h e i m, die Sekretäre kais. Rat Dr. Li e b e n und Dr. A d l e r, Rabbiner Dr. Feuchtwang die Präsidentin des. Dameukomitees des israelitischen Versorgungs- Hauses Frau Diamant mit mehreren Komiteedamen, ferner der Direktor der Krankenanstalt Primarius Dr. Karl Fleisch, m a n n, die Primarii Professor Dr. Zuckerkandl, Professor Dr. Ludwig B r a nn und Dozent Dr. Breuer, die Aerzte der Anstalt, der Verwalter Dr. K o r a n y i und die Pflegerinnen des Spitals. Die Trauerseier wurde mit folgender Rede des Präsidenten Dr. Alfred Stern eingeleitet r Wir haben uns zu einer Trauerkundgebung versammelt, zu einer Trauerkundgebung nach einem der besten, edelsten Mitglieder und Wohltäter unserer Gemeinde, Albert Freiherrn von Rothschild, den wir vor einer Woche zu seiner letzten Ruhestätte geleiteten. Daß wir unsere Tranerversammlnng an dieser Stätte abhallen, bedarf wohl keiner Begründung. An der Stirnseite und im Vestibüle dieses Hauses prangt die Inschrift: „Zum Andenken au seinen verewigten Vater, Salomon Freiherrn von Rothschild, ließ Herr Anselm Freiherr von Rothschild dieses Krankenhaus aus eigenen Mitteln erbauen- und eiurichteu. In dankbarer Anerkennung dieses Werkes der Menschenliebe widmet die israelitische Kultusgemeinde Wien dem edelmütigen Gründer diese Gedenktafel. Sie soll der Nachwelt Zeugnis geben von dem wahren Mitgefühle des Stifters für seine leidenden Mituleuschen und seinen Namen verherrlichen für alle Zeiten." Die Inschrift schließt mir dem Bibelworte: „Den Kranken mache ich gesund." In dem Archive der Wiener Kultnsgemeinde findet sich eine Zuschrift des Freiherrn Salomon von Rothschild, in welcher er Allsdruck gibt (ich zitiere seine Worte) „der Liebe und Treue, mit der er der israelitischen Gesamtheit angehört und der mit Gottesbeistand seine sämtliche Familie bis zum spätesten Gliede mit gleichem fromm-religiösen Gefühle immer angehören wird. Bruderliebe und frenndliche Wohltätigkeit sind das Erbe unserer Väter und dies ist der reine Widerhall ans dem Herzen eines Sohnes, dem es so wie seiner sämtlichen Familie stets die heiligste Pflicht sein wird, die reinen und frommen Lehren unseres in Gott ruhenden Vaters dadurch zu erfüllen, daß. soviel in unseren Kräften steht, wir nie verabsällmen werden, der gesamten leidenden Menschheit brüderlich, den hilfesuchenden Glaubensgenossen väterlich, unter welcher Zone ihn auch die Geißel des Drangsals treffen mag. mit Rar uitb Tat beizustehen." Goldene Worte, welche der Sohn des Schreibers jener Zeilen sich ins Herz prägte inid sie in die Tat der Errichtung dieses Refugiums für die leidenden Glaubensbrüder zum Andenken seines Vaters übertrug. Dieses Krankenhaus, ein. wenn ich es so nennen darf. Freiherrlich Rothschildffches Familieu-Fideikommis, erfreute sich der unausgesetzten Sorgfalt auch des jüngst Dahiugeschiedenen. Der Znbau, behufs Errichtung einer chirurgischen und gynäkologischen Abteilung, und die noch in seinen letzten Lebenstagen erfolgte Erwerbung des Nachbarhauses behufs einer besseren Ansnützung der Räumlichkeiten des Spitales geben hiervon Zeugnis. Es ist gar nicht auszudenken, die Fülle des Segens; ein Dnrckschnittsbelag von 162 Kranken täglich im Höchststände bis zn 179, eine Ambulanz mit 15.700 Kranken im Jahre, wie viele Hunderte, wieviele Tausende im Laufe der Jahre, denen das Leben gerettet, die Gesundheit, die Erwerbsmöglichkeit wieder beschafft, die ihrer Familie zurückgegeben werden, mögen heiße Worte des Segens sprechen über die Erhalter, vor allem aber über die Gründer dieser Anstalt. Und so rufe auch ich dem jüngstdahingeschiedeneu Mitglied der edlen Familie, dem edlen, unvergeßlichen Wohltäter, Albert Freiherr von Roths ch i l d das Segenswort nach; „Gesegnet sei das Andenken des Frommen und Gerechten!" Als Dr. Stern geschlossen hatte, erhob sich der Direktor des Spitals Primararzt Dr. Karl F l e i s ch m a n n, um folgendes in einer längeren Gedenkrede anszitführen: „Au dieser werktätigen Menschenliebe geweihten und dadurch geheiligten Stätte haben wir uns heute versammelt, tim die Manen des allzu früh Entschlafenen zu ehren und ihm für die Wohltaten zu danken, die er diesem Hause in reichem Maße erwiesen hat. Wie der fromme Jude beim Gebet sein Gesicht nach Osten wendet, nach der Gegend seiner Urheimat, dem Ziel seiner Sehnsucht, so richten sich die Blicke armer kranker Inden nach

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