Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 8 (24.2.1911)
- Date
- 1911-02-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. Die Wahrheit Seite 5. Unrecht geworden ist. Wer es als Unrecht erkannt hat und dennoch stützt, der macht sich zum Mitschuldigen. Von den Inden erhoffe ich, daß sie auch während der Däner ihres Minderrechts unablässig an ihrer Selbsterziehung arbeiten, in allen guten Tugenden mit ihren christlichen Landsleuten wetteifern und in verdoppelter Liebe ihrem Lande dienen. Ihres guten, wohlerworbenen und ungesetzlich verkümmerten Rechtes wögen sie gedenken, nicht in Groll, aber in Zuversicht. Gott wird's richten. Genei atboykott. (Schluß.) Mit dieser Festlegung, die übrigens weder neu noch unbekannt ist, schließt für uns die kirchliche Seite der Judentaufe ab, und es ist nicht unsere Sache, weitere Betrachtungen hieran zu knüpfen. Es finden ja jährlich Synoden statt, und da bleibt es Sache der christlichen Geistlichen, von denen ja schon längst ein beträchtlicher Teil den Wunsch ausgesprochen, daß „man nun endlich die Türen schließen müsse", sich mit den Meineidsjnden, von denen sie sich so gerne belügen und betrügen lassen, weiter abznfinden. Hier erörtern wir nur, was uns selber angeht. Man sollte nun glauben, daß nachdem schon alle anständigen Christen und auch die wahrhaft frommglänbigen, ihre Verachtung für den jüdischen Renegaten in allen Tonarten ausgedrückt haben, daß sich die Juden schämen würden, auch nur den allerentferntesten Verkehr, mit dem Taufjuden zu pflegen. Man sollte glauben, daß, wie in den „schmutzigen, unkultivierten und fanatischen" Kreisen der polnischen, russischen und galizischen Juden, der Renegat ein Gegenstand uiifiiglicEjer Verachtung ist, er bei dem „zivilisierten" Juden Westeuropas außerhalb allen Verkehrs, sei er geschäftlicher oder sozialer Natur, gestellt sei. Man sollte glauben, daß ein getaufter Arzt, Künstler, Gelehrter oder Kaufmann bei keinem Juden ein Asyl und Willkommen zu erhoffen habe; denn ihrer aller Moral ist doch gleich wurmstichig, unbeschadet ihres äußerlichen Bildnngs- und Wissensgrades! Man sollte denken, jeder charaktervolle Jude würde es zurückweisen, mit solchen Verrätern imb Meineidigen in welcher Art und bei welcher Gelegenheit immer, in Berührung zu kommen. Man sollte ferner glauben, daß man von denselben Renegaten, die uns in den Rücken fallen, beit uns unfreundlich und judenfeindlich gesinnten Kreisen nur noch schärfere Waffen gegen uns reichen, uns und unsere Religion öffentlich disqualifiziert haben, nie und nimmer auch nur einen Pfennig annehmen würde, um jüdische Ziele zu erreichen, weil das eine Sanktion der Unmoral ist. Und was müssen wir wahrnehmen? Die getauften Juden verkehren nach wie vor mit denselben jüdischen Kreisen als sei nicht das mindeste vorgefallen! Getaufte Kinder sitzen mit (leider!) Juden gebliebenen Eltern an einem Tisch, leben zusammen unter einem Dach! Und an der Börse, im Büro, im Kasino, im Kupee, im Kaffee, auf den Bällen, in den Vereinen, bei Goldberger und Silbermanns, sitzen getaufte und nngetatlfte und noch nicht getaufte Inden friedlich und gemütlich besammen und taktvoll (beileibe nicht charaktervoll) vermeiden die Cohns, Lewis und Israels, an die heikle „Affäre" zu stoßen. Religion ist ja Pri v atsa ch e!! Und was i st Ehre?? A u ch Privatsache! Trotzdem in unzähligen Artikeln in hunderten von nichtjüdischen Zeitungen aus der Feder hochgeachteter Christen — und nicht nur sturmbereiter Antisemiten — den Juden das Stigma der moralischen M i n d e r w e r t i g k e i t, eben deswegen, aufgedrückt worden ist. bleibt es beim alten. Keirrer hat den Mut. den Renegaten von sich zu weisen, ihm den Stuhl vor die Türe zu stellen. Allerdings sind Mut und Charakter schwer und nur in Ausnahmefällen trennbar. So geschieht denn den Juden recht, wenn sich bei den Nichtjuden die Verachtung zu der Abneigung hinzugesellt und beide sich immer mehr vertiefen. Wer kann denn vor einer Menschengattnng Achtung haben, die sich selber verachtet und so wenig auf Selbstwürde und Ehre hält? Und warum suchen neunzig Prozent aller Taufjuden nicht ihre neuen „Glaubensgenossen" auf? Weil diese gesund empfinden, gesünder als Ihr jüdischen Herbergsväter der Gesinnungslosen; weil sie klarer blicken und keine Gemeinschaft mit Verrätern und Falschschwörern haben wollen. Resümieren wir! Die Geringschätzung der Christen gegen den T a u f j u d e n entspringt eine m gesunden moralischen Empfinden, um das sie alle jüdischen Freunde der Taufjndeu nur beneiden können. Die Taufe macht keinen Juden dem vornehm denkenden Christen sympathischer. Oder ist nicht der „Fall" des getauften Juden Professor Bernhardt in Berlin ein eklatantes Beispiel? Selbst sein „Pistolenduell" hat hieran nichts geändert. Solange die Juden den Jndentänflingen nicht jeglichen persönlichen Umgang versagen, bleibt mit vollem Recht an ihnen selbst der Vorwurf der Charakterlosigkeit haften und sie haben keinerlei moralisches Recht mit denjenigen Inden, die die jüdischen Renegaten meiden, auf eine gleiche sittliche Stufe gestellt zu werden. Solange der Taufjude noch in einem jüdischen Hause und Kreise als moralisch gleichwertig und überhaupt verkehren darf, degradieren sich die Gastgeber selber und verdienen die gleiche moralische Einschätzung mit ihren getauften Gästen. Jüdische Vereine, Gesellschaften und Gemeinden, welche Juden, die entweder sich oder ihre Angehörigen haben taufen lassen, in ihre Verwaltung ehrenamtlich aufnehmen oder besolden oder gar an die Spitze stellen, dürfen nicht in jüdische Verbände irgendwelcher Art ausgenommen werden, und Juden, die noch auf jüdische Ehre halten., müssen entweder solche schadhafte Elemente entfernen, oder selber aus diesen Vereinen, Gesellschaften und Gemeinden austreten. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin hat die Gefahr der Demoralisation, die das Tanfjudentnm in seinen unvermeidlichen persönlichen Beziehungen zu jüdischen Familien unterhält, richtig erkannt, als er gleich in der ersten Nummer des nengegrüudelen Gemeiudeblattes die Namen der aus dem Judentum ausgetretenen Personen auch nach Stand und Wohnung bekanntgegeben hat. Mit dieser überaus verdienstvollen Publikation hat er nicht nur seinen eigenen ablehnenden Standpunkt gegenüber den Täuflingen klipp und klar erklärt, sondern auch gleichzeitig dem jüdischen Publikum eine Information gegeben, die jeder honorig denkende Jude nur dankbar benutzen soll. Möchten doch auch andere Gemeinden in gleicher Weise gegen das moralzersetzende Taufjudentum Vorgehen und in jüdischen Zeitungen die gleichen Veröffentlichungen z n m Prinzip erheben. Und dann würden jüdische Zeitungen, namentlich diejenigen, die in liberaljüdischen Kreisen gelesen werden und von denen ein großer Teil bisher nicht seine Pflicht in diesem Kampf gegen das Renegatentum erfüllt hat, durch periodische Namensveröffentl i ch u n g e u der jüdischen Renegaten aller deutschen Gemeinden am wirksamsten diese Krebskrankheit des modernen Judentums bekämpfen helfen. Wer in Ehrensachen Kompromisse ein geht, zumal in Ehrensachen, welche die ganze Judenheit berühren und exponieren, befindet sich (vielleicht nur unbewußt), auf dem sittlichen Abstieg. Das j ü d i s ch e R e n e g a t e n t u m ist d i e allergrößte Gefahr für die G e s a m t j u d e n h e i t. N n r durch die energische Abwehr, u n d diese ist: Geueralboykort auf der ganzen L i n i e, w i r d dieser s ch w e r e n Gefahr begegnet. Ein 3 id eite» gibt e s nicht! Und nun steinigt mich! Dr. Arthur Kahn.