Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Die Wahrheit. Seite 10. Nr. 7. Ehrung zu entziehe». Mit Dr. Laug selber wird eben der ganze Stand geehrt. Der Gefeierte, der den Namen Juda mit Recht trägthat in seiner Wirksamkeit nach allen Richtungen hin so gewirkt./daß er gepriesen werden muß. Zum Schlüße teilt der Redner mit, daß die Lehrerichast den Beschluß gefaßt hat, zur Erinnerung an den verdienstvollen Inspektor, dessen Bild unfertigen zu lassen, damit noch künftige Geschlechter das Bild jenes Mannes sehen, welcher durch Pflichttreue, durch Vorzüge m seinem Amte sowohl als auch draußen im Leben sich auszeichnete. Er schließt mit dem Wunsche, der Jubilar möge das otium cum dignitate noch lange Jahre in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische genießen. Professor Dr. Weiß begrüßt den Gefeierten im Namen der wenigen noch lebenden Freunde und Kollegen, die ihn allezeit geliebt und geehrt haben. Dr. G. K o h n rühmte des Jubilars immense Geistes- und bemiubetuSmerte Herzeusgüte. Sem ©neben ging jederzeit dahin, gegen jedermann gerecht zu sein, und wenn er einmal von der Gerechtigkeit abgewicheu ist, so war es ihm nur darum zu tun, die Schwächen jener zu verdecken, die zn beurteilen er berufen war. Der Vorstand schätze ihn sehr hoch, bedaure sein Scheiden und nur um den Inspektor noch recht viele Jahre der Gemeinde zu erhalten, willigte er in die Versetzung in den Ruhestand ein und behält sich vor, deii Rar des erfahrenen, tüchtigen Schulmannes recht oft in Anspruch zn nehmen. Mit herzlichen Wünschen aus sein ferneres Wohlergehen schloß er seine treffenden Ausführungkn. Mit rräneuerstickter Stimme dankte der Jubilar allen Erschienenen für die hohe Ehrung, schildert in bewegten Worten seine traurige Jugend, hebt die besonderen Verdienste des L Vize-Präsidenten Dr. G. K o h n um die Hebung des Religionsunterrichtes und um die Förderung der Religionslehrer in materieller und sozialer Hinsicht hervor, gedenkt der Freuudestreue der beiden Herren Sekretäre kais. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, mit dem ihn schon eine vom Vater, seinem Stndiengenossen in Prag, Med. Dr. Salomon Adler, s. A.. überkommene Freundschaft verbündet und verspricht, daß ihn dieser Dank solange beseelen wird, solange ihm Gott das Leben schenken werde. Abends vereinigten sich die Festteilnehmer im Restaurant Guth. Lustige, geistreiche Ansprachen würzten das Mahl und ein Benschen in entzückender, echt traditioneller Weise vom Oberkantor G u t t m a n n vorgcrragen. beichloß die schöne, unvergeßliche Feier. Wien. Samstag, den 25. Februar findet im Saale des „goldenen Widder", H. Taborstraße 36 der Wohltätigkeitsball des Kranken- und Unterstützuugsvereines der Lemberger statt. Entree 1 Krone. Der Reinertrag streßt dem Kranken- und Uuterstützungssond zu. Karten bei Herrn Leo Sobowicz. H. Haidgasse 4, und den übrigen Komitee-Herren. Wien. (Kraukennnterstützungsverein „Menschenliebe".) Samstag, den 11. Feber, fand aus Anlaß des zehnjährigen Vereinsbestaudes eine Jubiläumssestsitznng statt, die einen würdigen und weihevollen Verlaus nahm. Außer den aktiven und vorherigen Vorstandsmitgliedern waren erschienen: Deputation des Jsr. Krankenvereines „Margarethen", Herr Oberkantor Bauer als Präsident des H. G. Vereines „Die Szeniczer in Wien" Deputation des Vereines der „Brodyer", des Vereines „Witwen- und Waisenfondsverein Menschenliebe" Vereinsarzt Dr. Eman. Deutsch mit Gemahlin, Dr. Ferd. Rosenthal mit Gemahlin n. A. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Vereinspräses, Dr. Julius Steinschneider, folgte die Verlesung der eingelousenen Briefe und Telegramme (vom ehemaligenObmänustellvertreter Löffler, d.Z. in Budapest, vom Krankenvereine „Montefiore" re.) sowie weiters die Verlesung einer Statistik des Vereines durch den Schriftführer, worauf Vorstandsmitglied« Herr Dr. Jg. H. Körner die „Geschichte des Vereines" vortrug. Beide Referate, die ein schönes Bild der bisherigen Vereinstätigkeit ergaben, fanden allseits lebhaften Beifall; ebenso lebhaften Beifall fand ein Glückwnnschgedicht des „Margarethner" Vereines, von Obmann Herrn Spitzer wirksamvorgetragen. Nachdem noch der bisher verstorbenen Bereinsmitglieder in pietätvollster Weise gedacht worden war. wurde über Antrag des Obmanustellvertreters. Herrn Max Bellak, der Vizepräsident der israel. Kultusgemeinde Wien, Herr Dr. Gustav K o h n. welcher durch Unwohlsein verhindert, sein Ausbleiben entschuldigt hatte, unter rauschendem Beisalle zum Ehrenmitgliede ernannt. Nach Schluß der offiziellen Sitzung blieben die Anwesenden noch bei einem Bankette beisammen, welches ebenso gemütlich, als animiert bis gegen Mitternacht währte und Dank der hervorragenden Leistungen des Restaurateurs, Herrn Hermann K o h n, allgemeine besondere Zufriedenheit hervorrief. Wie«. Montag, den 13. Februar d. I. wurden die Delegierten des Vorstandes der „Chewra Kadischa" welche sich der pietätvollen Ausgabe der Leichenbegleimng in dankenswerter Weise unterziehen, vom Präsidenten der „Chewra Kadischa" Herrn Salo Cohn zn einer geselligen Zusammenkunft erngeladen, bei welcher eine gegenseitige Aussprache stattfinden, Wünsche und Anregungen gegeben werden sollten. Die Zusammenkunft nahm einen Überaus würdigen Verlaus und wurde durch einen mnnifizenten Akt des Präsidenten Herrn Salo Cohn abgeschlossen. Mehrere Delegierte betonten nämlich unter Anderem die Dringlichkeit einer sofortiger Unterstützung armer Leidtragender und gaben die Anregung, daß den Delegierten der «Chewra Kadischa" diesbezüglich gewisse Bollniachten gegebeii werden sollten. Herr Salo Coh n, welcher diese Anregung als sehr zweckentsprechend bezeichuete, erklärte hieraus, zur Bildung eines Fonds für diesen Zweck einen Bettag von K 10.000 zu widnien. Diese hochherzige Erklärung wurde von der Versammlung mit stürmischem Beifall entgegengenommen, in deren Namen Vizepräsident Herr Dr. Markus Spitzer dem Danke an den mnnifizenten Spender in warni gefühlten Worten Ausdruck gab. Dem Beispiele des Präsidenten folgend, widmeten für den gleichen Zweck Herr Vorsteher Jacob Kanu einen Betrag von K 500.— und Herr Vorsteher Carl Lemberger einen Betrag von K 300.—. Wien. (Jos e fsta dt.) Herr Philipp W e i ß, Chef der.FirmM Philipp Weiß u. Söhne, ließ anläßlich der Genesung seiner Gattin ans schwerer Krankheit ein prachtvolles Sefer-Thora in Jerusalem schreiben, welches er samt herrlichen Mäntelchen und Lle-stodsscft dem Josefstädter" Tempel, dessen Vorstande er angehört, znm Geschenke machte. Die feierliche" Einweihung fand Freitag, den 11. d. M. im Neudeggertempel statt. Nachdem Kantor G r o b das .-,2212 ID*? beendet hatte, intonierte Oberkantor Nen m ann das jjiejd vPi ,die Bnudeslade wurde geöffnet, vier Seforim wurden herausgeiiommen und während der Chor Hallelnjah sang, vom Rabbiner, den Kantoren und Vorständen in die Zeremonienhalle zur Begrüßung des neuen Sefer getragen. Unter Chorgesang hielt die neue Thorarolle ihren Einzug in den Tempel. Herr Weiß übergab'dieselbe mit einer Ansprache Herrn Hermann Beck, dem Präses des Tempels, der sie mit einigen Dankesworten in den Besitz der Gemeinde übernahin und dann dem I. Vizepräsidenten, Herrn Architekten Modern reichte. Aiiknüpsend au Y. B. M. Cap. 31, Vers 26, nsü WK anaan-MTM rninn ->LO dk np9 . *n p“iK hielt Herr Rabbiner Dr. Bauer eine die Bedeutung der Feier würdigende Ansprache, das Chor sang iKttr ,die Bnudeslade wurde geöffnet, mit den Seforim wurden die üblichen Hakaphot gemacht, die dann, nachdem das-,^'."1^2'.verklungen. in den ins gelegt wurden. Bei dem darauffolgenden rcttf lYop zeichneten sich Kantor und Chor in gewohnter Weise aus. Die eigentliche Weihe erhielt dieser schöne religiöse Akt durch die in den Rahmen des Gottesdienstes sich fügende Festpredigt,' in welcher Herr Rabbiner Dr. Bauer den ethischen Wert der Thora auseinandersetzte, die Bedeutung der Spende des Sefer-Thora in unserer glanbensarmen Zeit hervorhob und die mit einem stimmilugsvollerl Gebete schloß. Aus die den großen Tempel füllenden Zuhörer machte die Feier, deren Arrangement der Sekretär des Tempels Herr Roseuberg leitete, einen sichtlichen, erhebenden Eindruck. , Wien (Feier des 15. S ch e w a t.) In der Toynbee-Halle im XX. Bezirke, Othmargasse 46 fand am verflossenen Sonnrag, dem Vorabend des „Neujahrsfestes der Bäume" für, etwa 400 jüdische arme Kinder die erste große Feier dieses originellen Früchtefestes statt. Unter der Aegyde des Vizepräsidenten und wahren Kindrrfrenndes des Herrn Karl F r e u n d. den die Jugend dieses Bezirkes wie einen Vater verehrt und des nimmermüden Vereiussekretärs und Bnreauleiters Herrn Guido Fnchsgelb fand ein wahrer Frenden-Abend für die Kinder statl, der ihnen so recht die hohe Bedeutung nnserer'altjüdischen Sitten und Gebräuche zn Gemütc führte. Die „O b st b e t e i l u n g" wurde mit einer Festrede des Professor Mor. Antscherl eingeleitet, die mit der größten Aufmerksamkeit von der vielhundertköpfigeu festtäglich gestimmten jungen Schar angehört wurde.'. Ergreifend war es, als sich alle — die Knaben bedeckten Hauptes — zur „Brocho" über das „Güte und Süße" erhoben und aus den Niesenkörben von den liebenswürdigen Komiteedamen die Obstpäckchen empfingen und- Gott und den edlen Spendern für alles Gifte danken. In den Augen der anwesenden Ehrengäste sah man Freudenthränen glänzen, das Altjüdische hat wieder junge jüdische Herzen erobert. Den Hunger, der getrennt sitzenden Knaben und Mädchen, stillte znm Schluffe eine gute Jause mit schönen guten „Barches" für jedes einzelne Kind. Wien. Montag, den 13. d. M. fand unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis des pensionierten Oberkantors des Margarethner Tempelvereines Alfred Tauber statt, ivelcher im 78. Lebensjahre am 11. d. M. nach längerer Krankheit gestorben ist. Der Verblichene, der vor Jahrzehnten durch eine Reihe von Jahren im Leopoldstädter Tempel als Kantor fungierte, verfügte über eine mächtige Baritonstimme und war eintüchtigerHebräist und ein vorzüglicher Kantor. T a n b e r wirkte dann nahezu 28 Jahre in mustergiltiger Weise im Tempelvereine Margarethen und war bei alt und jung geschätzt und beliebt. Rabbiner Dr. Grnnwald hielt dem Verstorbenen einen äußerst würdigen Nachruf und schilderte ihn als wahren Schliach-Zibur. Im Namen des Vorstandes des Tempelvereines erschienen die Herren Obmann H o f m a n u und Schriftführer Frankl. Letzterer' rühmte den dahingeschiedenen Kantor als pflichttreuen, hingebungsvollen Funktionär, dessen Leistungen im Vereine niemals vergessen werden. Am offenen Grabe sprach im Namen des österr.-nngar. Kantorenvereines Vizepräsident Oberkantor B a n e r. Die kantoralen Funktionen verrichtetein äußerst erhebender Weise der Nachfolger des Verstorbenen, Oberkantor Weiß. Vom Kantorenvereine waren die Vizepräsidenten Bauer und' Schiller, die Vorstandsmitglieder S ch o r r, I n r b e r g e r, D ü nm a n n, Somit, B a ß l, Schle s i n g e r, sowie die Mitglieder Baiser, W e i ß m a n n und I l m e r anwesend. Das Sekretariat der Knltusgemeinde war durch Herrn Offizial Förster vertreten. Wien. Am 13. d. M. ist die hochbetagte, verwitwete Frau Pauline' Hofer, geb. Braun, hier zu Grabe getragen worden. Die Verblichene erblickte die Aufgabe ihres Lebens darin, ihrem Gatten eine treue, liebevolle Lebensgefährtin, ihren Söhnen und Töchtern eine zärrliche, opferwillige Mutter zn sein. Ein Vorbild weiblicher Tugenden erfreute sie sich allgemeiner Beliebtheit, die in der großen Beteiligung am Leichenbegängnisse' zum Ansdruck kam. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt einen Nachruf, der auf die Trauernden tröstend wirkte. Der erste Kantor, Herr In rb erg er, versah die kontorale Funktion in würdiger Weise. Wie». Sonntag, den 12. d. M., fand die Beerdigung des auchunserem Leserkreise bekannten Schriftstellers Herrn Adolf Steinschneider bei zahlreicher Beteiligung statt. Derselbe stammte ans Proßnitz und erreichte ein Alter von 88 Jahren. Er erfreute sich bis in die letzten Lebenstage seltener Geistesfrische, ebenso seiner wohlgeratenen Kinder, die den hochbetagten Vater wie einen Patriarchen verehrten. Durch seine Vorträge in der Toynbee-Halle erwarb sich der Verblichene eine große Popularität, die sich auch beim Leichenbegängnisse manifestierte. Bei demselben versah Kantor: Menkes die liturgische Funktion.