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Die Wahrheit · 1911-02-17 · Heft 7 (17.2.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7. Die Wahrheit Seite ö. sehen wir die Götterpaare mit Frosch- und Schlangenköpsen. Die Ueberschwemmuttgen des Nils locken diese Tiere ans den -Schlupfwinkeln and werden deshalb als Symbole fruchtbringender Aenchtigkeil verehrt. Diesem Kulte gilt nnn die Reaktion. Wie wir dies im V. Buche Moses lesen (12. 31.) nv« "i nsznri b's "3 -.arerbvb iw Was sie ihren .Göttern getan, ist dem Ewigen ein Gräuel. Und wenn die Leiche als unrein erklärt wird, so geschieht es nichts wie Wnndt sagt,- weil sie dämonisch ist, sondern um den Totenkult zu zerstören. Ich verweise auf den Umstand, daß die Pflanze nie «vv war. oder daß irgend welcher Pflanzengennß verboten wäre, weil diese nie im Mythus die Molle eines Seelenträgers hatte. Bei Behandlnng der Bision spricht Wnndt auch vom 'Prophetismus. Nitn nimmt er auch hier einen außerreligiöseu Standpunkt ein, denn nichts geschieht nach ihm ans einer unerklärlichen Inspiration. Doch läßt er wenigstens auch vom naturwissenschaftlichen Standpmrkte aus den Propheten Gerechtigkeit widerfahren. Er läßt sie ans der Kreuzung gewaltiger religiöser nnd politischer Triebfedern entstehen, stellt diese aber nicht als Schamanen besseren Kalibers dar. Die Seele wird als das Eigentum eines bestimmten individuellen Wesens gedacht. Wo diese Beziehung verloren geht, ivird die Seele znm Geist. Dieser entwickelt sich zum Dämon sofern er zn Glück oder Unglück, znm Tun nnd Treiben der Menschen nnd zur Natur in Beziehung gebracht wird. Dämonen sind Wesen, die zwischen Göttern und Geistern stehen, unbestimmten Charakters, jedoch von übermenschlicher Macht. Sie werden in Kulten gefeiert und bilden die Brücke zum Natnrmythus. Natnrmythns ist die Anbetung der großen elementaren Natnrmächte, das bunte farbenreiche Abbild der Gottheit in der Matur. Bei Behandlnng des Naturmythns nahm man immer den Ausgangspunkt von den großen Epen von Homer, den Nibelungen oder wie dies neuesteus von Jensen geschieht vom altbabylonischen Gilyameschepos. Wnndt weist diesen Vorgang kategorisch zurück, ja stellt ihn als psychologische Unmöglichkeit hin. Wir müssen auf viel primitivere Gebilde znrückgehen. So .zeigt uns die Ethnologie, daß der Anfang des Mythus nicht in den hochentwickelten Epen, sondern in den losen Mythenmärchen der primitiven Völker zn suchen sei. In diesen entwickelt sich der Marcheuheld. Diesen übernimmt die Sage und verleiht ihm einen historischen Hintergrund. Es entsteht der Sagenheld. In die Sage greifen die Götter ein. Das Interesse geht auf diese über. So entsteht die Göttersage. (Forti, folgt.l Uerschiedene Nachrichten. Wien. Wie uns mitgeteilt wird, hat die israelitische Kultusgemeinde von Herrn Anton Dreher eine demselben gehörige, gegenüber Lein Nengebände gelegene an den evangelischen Friedhose anstoßende Grundfläche angekanft, nm dort einen neuen jüdischen Friedhof zn errichten. Wien. Die Vorproben für die in der Wiener Kultusgemeinde zur Besetzung gelangenden Kaiitorstellen haben bereits begonnen. Für Freitag, den 17. und Samstag, den 18. d. M. ist Herr Oberkantvr Leo Kornitzer aus Prag zu einem Probevorrrage beim öffentlichen Gottesdienste einzeladen worden. Wien. (Bet haus verein „Am Bolkert.") Mit Rücksicht darauf, daß Herr Albert Freiherr von Rothschild noch knapp bevor das unerbittliche Schicksal diesen größten Philanthropen Wiens von seluem Erdenlaufe abberufen hat, mit eigener Handschrift eine Svende von '25 000 Iv für den in Aussicht genommenen Bau des „Kaiser Franz Joses I. Huldignngstempel." der zur Erinnerung an den 80. Geburtstag des hocherhabenen Monarchen gebaut wird, m das goldene Spendenbuch eingezeichner hat, wurde von dem Borstande des Bethausvereines die Verfügung getroffen, daß am Sonntag, den 19. Februar 1911, abends -5 Uhr. vor Abhaltung der für denselben Tag. abends ^6 Uhr anberaumten Generalversammlung in dem Bereinstempel, II. Fngbachgape 7, eine würdige Trauerfeier abgehalteu wird. Als Programmpuukte dieser Trauerfeier wurden festgesetzt nach Vortrag des Psalm 49 Predigt, sodann Geber für das Seelenheil des Verstorbenen, weiters Vortrag des Schiwisi und El mole Kachamim. Wien. (O e st e rr e l ch i s ch - Is r a e l i t i s ch e Uttio n.") Eine künstlerische Darbietung ganz besonderer Art wird der Samstag, den 18. d. im Festfaale des „Niederösterreichischen Gewerbevereines", I. Eschenbachgaffe 2. stattfindende Vortragsabend der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Mnion" bringen. Dem Publikum soll an diesem Abend durch lebendige -Rede der künstlerische Gehalt der Bibel vorgeführt werden. Zu diesem .Zwecke hat sich die Vereinsleitung der Mitwirkung des bekannten Meistersprechers unseres Burgtheaters» Herr» Hofschauspieler Konrad L ö e w e, versichert. Das Programm des Abends ist folgendes: 1. „D i e Bibel als Kunstwerk," Einleitung dou Siegfried Fleischer. 2. B o r l e s ungeu aus der Bibel von H o f s ch a u s pi eler Konrad Loewe. 3. A u s dem „S a u l f r a g m e u t" von Josef Kainz, vorgelesen von H o f i ch a n s p i e l e r Konrad Loewe. Wir sind überzeugt, daß diese Veranstaltung allseitigem Jutereffe begegnen wird. Der Zutritt ist nur gegen Vorweisung der Einladungskarten gestattet und sind solche im Vereinsbureau: 9. lluiversitätsstrnße 8, erhältlich. Nach Beginn der Vorlesung werden die Saaltüren geschlossen. Wien. (Vortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 23. Februar 1911, präzise 1/i8 Uhr abends, findet im Festfaale des Jngeuieurnnd Architekten-Bereines, I.. Eschenbachgaffe 9. ein Borträg des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a l d statt. Thema: „Jüdische Geschichte und Kulturdenkmäler." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (B e r - H a m i d r a j ch „Talmud-Thora" II., M a l z g a s s e 16.) Freitag -Abend-Bort rage: Am 17. Februar Herr Rabbiner H. Schenk: „Die Psalmen." Am 24. F.'brnar Herr Profeffor A n t s ch e r l: „Meister nild Meisterwerke der hebräischen Dichtkunst." Beginn jedesmal nm 7 Uhr 30 Min. .Wien. (Tempelban verein des VIII. Bezirkes der Stadt Wie n.) Am 12. Februar d. I. fand die ordentliche Generalversammlung des Tempelbauoereiues des VIII. Bezirkes der Stadt Wien. VIII. Nendeggergaffe 12 (Temvelgebäude) statt und gab Zeugnis von der stets fortschreitenden Enrivickluug dieses Vereines unter der zielbewussten Leitung seines Vorstandes. Der Präses Herr Hermann Beck eröffuete die Versammlung, konstatierte deren Beschlußfähigkeit und begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Gemeinde- und Bereinsrabbiner Herrn Dr. Moriz Bauer, den Delegierten der Kultusgemeinde nnd Vertreter des Tempelvereines im IX. Bezirke. Herrn Gottlieb Bettelheim, und Herrn Dr. Josef Bloch. Entschuldigt haben ihr Fernbleiben der Präsident der israelitlfchen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern, ferner die Herren Knltusvorstände Salo Cohn, Dr. Jacob Engel, David Ritter von G ». tm a n n, Em. G r ü n.w a l d, Dr. Anselm H a l p e r n, Adolf S ch r a m e k, Dr. Heinrich Schreiber und Kommerzialrat Leopold S i m o n, ferner das Vorstandsmitglied Herr Lazzaro V i t a l i. Der Vorsitzende hält vor allem einen warmen Nachruf dem leider so früh verstorbenen Gönner und Gründer des Tempels Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild, ferner den verstorbenen Mitgliedern des Vereines und bittet die Versammlung, znm Ausdruck der Trauer sich von ihren Sitzen zn erheben. Herr Dr. Goldberger gibt einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereines im versiossenen Jahre. Der Verein schreite in der gedeihlichen Entwicklung fort und bedürfe nur eine etwas größere Unterstützung seitens' der Kultusgemeinde. um den Bestand nnd die Fortführung für immer zn sichern. Er erwähnt mir bestem Danke die zahlreichen Spenden, die dem Tempel in Geldbeträgen und Gegenständen zn gottesdienstlichen Verrichtungen gewidmet wurden und appelliert an die weitere Mnnifizenz der Tempelbesncher nnd Gönner des Vereines. Der Revisor Herr S. Bauer bringt den Gebahrungsausweis nnd die Bilanz zur Kenntnis der Berfammlnng. Beides wird genehmigt und dem Vorstande einstimmig das Absvlntorinm erreilt. Bei den hierauf vor» genommenen Wahlen wurden einstimmig wiedergewühlr: Als Ausschuß- Mitglieder die Herren Dr. Sigmund Goldberger. Hermann Beck, Albert Frankl, Ludwig Horch, Jacob Modern, als Ausschnßstellvertreter Herr Max P l a t s ch e k und zn Revisoren die Herren S. Bauer, Hermann Ster n >,neu) nnd Herr Philipp W e i ß. Der Delegierte der Kultusgemeinde, Herr Gotllieb B e t t e l h e i m, dankt namens der Kulrusgemeinde für die Einladnng, beglückwünscht den Verein zn seinem Vorstände nnd deffen hervorragende Leistungen und verspricht. die Wünsche des Vorstandes der Kultusgemeinde znr Würdigung zn empfehlen. Das Vereinsmitglied Herr Gustav P o l l a k dankt gleichfalls dem Vereinsvorsiande, insbesondere dem Vorsitzenden Herrn Hermann Beck für das zielbewußte Wirken zur Ehre Gottes. Nachdem noch der Vorsitzende die zahlreiche Beteiligung an der Bersaminlnng mit einigen Dankesworten gewürdigt hatte, schloß er die Versammlung. Wien. (A b s ch i e d s f e i e r.) Sonntag faild im Sitzungssaals der isr. Knltnsgemeinde znm Abschiede des in den wohlverdienten Rnhesrand tretenden Religioilsschnlinspekrors Herrn Dr. L. L a » g f e l d e r eine Feier statt, bei welcher der Vorstand durch den I. Vize-Präsidenten Herrn Dr. G. K o h n, ferner durch die Herren Vorsteher Dr. M. Steine r, kais. Rar I. W e i l und Dr. H a l p e r n. die Beamtenschaft durch die Sekretäre kais. Rat Dr. Lieben und Dr. A d l e r nnd durch die Adjunkten E. Engel und G. F n ch s g e l b vertreten war. Die gesamte Religionslehrerschaft. deren Inspektoren, zahlreiche Rabbiner und Profefforen der Mittelschulen, die Familie des Gefeierten, darunter Regimentsarzt Dr. A. L a n g f e l d e r. waren erschienen, nm an der Ehrung des allseits beliebten und hoch geachteten Inspektors teilzunehmen. Die Festrede hielt Inspektor Professor M. K a n i tz. In formvollendeter Rede feierte der Sprecher den Jubilar als ein Muster von Bescheidenheit, Güte und Milde, der jede Ovation abgelehnt hätte. Der Redner betont aber, daß die Lehrerschaft in diesem Punkte dem Talmud nicht Recht geben könne, der dem Gelehrten das Recht. gäbe, sich einer

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