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Die Wahrheit · 1911-02-17 · Heft 7 (17.2.1911) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Rr: 7. Seite 11. Die Wahrheit - Mett (B e s o n d e r e M usz e i ch u u ltg.) Daß in unserer Zeit, -ie es wahrlich nicht au kränkenden Zurücksetzungen gegenüber' unseren Glanbensgenossen fehlen läßt, auch Ausnahinsfälle zu verzeichnen sind, davon legt ein Erlaß des k. k. Unterrichtsministeriums Zeugnis ab, mittels dessen dem hiesigen Lehrer Benjamin Benedikt ans Grnnd des ß 70, Abs. 1 des Reichsvolksschulgesetzes die Lehrbefähigung für Prioatvolksschulen ä u s n a h m s w e i s e znerkaunt wurde. Herr Benedikt hat die Präparandenschnle und das Seminar in Würzburg absolviert und fungierte sodann als Leiter des Knabenwaisenhauses, sowie als Äushilfslehrer an der städtischen israelitischen Schule in Köln. Seit dem Jahre 1908 an dem hiesigen renommierten Institute' S z a n t o als Klassenlehrer beschäftigt, hat er durch seine vorzüglichen Leistungen aus dem Gebiete der Methodik die Anfmerksamkelt des wohl strengen, aber'höchst objektiven k. k. Bezirksschnlinspektors Karl Schwalm auf sich gelenkt. Ausschließlich die glänzende Qualifikation, die Herrn Benedikt von dieser Seite zuteil wurde, ermöglichte den überaus seltenen Fall der Zuerkennnng der Lehrbefähigung für österreichische Volksschulen an eine Lehrperson, die an einer ausländischen Präparandie ihre Studien zurückgelegt bat. Herr Benedikt, der noch in sehr jugendlichem Alter steht, ist in der Tat ein überaus gewissenhafter, vfiichtgetreuer und gediegener Pädagoge, der jeder Anstalt zur Zierde gereichen könnte. Seit dem Jahre 1909 wirkt er auch als Religionslehrer an der hiesigen Kultnsgemeinde zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten Behörde. Wien. (Sijnm.) Im Bethamidrasch des Beth-Jsraet-Bereines, II. Leopoldsgasse 29. woselbst täglich morgens Mischnavorträge abgehalten werden, fand Sonntag, den 12. d., am Vorabend des Chamischosserfestes ein Sijnm über die sechs Bücher der Mischna statt. Die Schlußfeier, bei der sich, außer den Herren Vereinsvorstehern Landau, Bels und Karp, auch noch ein zahlreiches Publikum eingefnndeu hatte, verlief sehr animiert, und waren es insbesonders die agadischen Vorträge der Herrn Rabbiner M. Mayersohn. M. Kramer, sowie des Religionslehrers D. S k u r e tz k y, die der Feier ein höheres Relief gaben, und dem damit verbundenen von Herrn I. Weiß arrangierten Festmahle, bei dem auch die üblichen 15 Banmfrüchte nicht fehlten, das Gepräge einer wahren 8uän soüsl Mizwa verliehen. Wien. Am 19. Februar d. A feiert Herr Leopold Glaser, II. Körnergasse 5. seinen 70. Geburtstag und gleichzeitig das 30jährige Jubiläum als Inkassant des Kranken- und UnterstütznngSvereines „Montesiore." Durch seinen biederen Charakter und seine Rechtschaffenheit hat sich Herr Glaser die vollen Sympathien des Ausschusses und der Mitglieder erworben und wurden ihm anläßlich der am 6. d. M. stattgefnudenen Generalversammlung sehr viele Ehrungen zuteil. Selber versieht noch immer seinen Dienst in voller Rüstigkeit. Wie». (H n m a n i t ä r e r V e r e i n „T i s e r e s B a ch u r i m.") -Sonntag, den 19. Februar, präzise 1/a7 Uhr abends findet im Festsaale des Vereines „Einheit/' H. Malzgaffe 12, die XIV. ordentliche Generalversammlung des Vereines mit daran anschließendem Festbankette statt.' Tagesordnung der Generalversammlung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Bericht -der Revisoren. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Eventuelles. Anläßlich der Generalversammlung wird Herr Rabbiner M. F l e s ch einen Vortrag abhalten. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e), Wien, XX., Othmargasse 46. W o ch e n p r ö g r a m m vom 17. bis 23. Feber 1911: Freitag, 17., I. R o s n e r: Bibelvortrag. Samstag. 18., Konzert. Arrangement Herr Salo Le mb erg er. Sonntag. 19., Reichsratsabgeordneter Dr. I. Ofner: „Der soziale Geist des Judentums." Montag. 20., Dr. K. Kupfer: „Geschichte der Juden in Oesterreich." (Zyklus.) Dienstag, 21., Prof. Dr. Sigmund F eitler: „Ueber Seide und deren Suvrgate." Mittwoch, 22., Dr. N. D o h a n: „Die Rönrgenstrahlen in der Medizin." Donnerstag, 23., Dozent Dr. Otto Neurath: „Vom Zeitnnalesen." Kin Apikores. Von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) III., In einem zwar einfachen, aber sehr behaglich ansgestalleten Zimmer sitzt die Lehrerin Martha Heller in einer Fensternische mit einem Buche in der Hand. Im Gegensätze zn ihrem sonstigen Frohsinn ist sie hente recht traurig gestimmt, Die Spuren einer schlaflos unter trüben Gedanken verbrachten Nacht waren deutlich aus ihrem Gesichte geschrieben, so daß man trotz ihrer modernen Frisur und ihrer eleganten Haustoilette ihre dreißig Lenze erkennen konnte, was sonst, wenn sie ruhigen, heiteren Gemütes war, durchaus nicht der Fall war. Wie gerne hätle sie den heutigen schulfreien Nachmittag dazu benützt, um hinaus ins Freie zn gehen nnb die vom Schulstaub durchsetzte Lltnge in der würzigen Waldesluft zu erfrischen und zu kräftigen. Aber heute schiert sie auf etwas zu warten, was sie nicht gerne versäumt hätte. Darum auch blickte sie öfter zum Fenster hinaus, um bald wieder enttäuscht daß Buch, das ihr im Schoße lag, zur Hand zu nehmen. Lesen aber konnte sie nicht, dazu war "sie nicht ruhig genug. Viel war in den letzten Tagen auf sie eingestürmt. Das entsetzliche Ende des närrischen Doktor hatte auf feben der Ortsbewohner, auch auf die wenigen, die den einsam Lebenden nicht persönlich gekannt hatten, einen schrecklichen Eindruck gemacht, nicht minder ans Fräulein Heller. Aber als sie bei dieser Gelegenheit den vollen Namen des Vernngliickten .erfahren, da wltrde sie eine Beute der schmerzlichsten Erinnerungen. Bisher hatte sie nicht gewußt, daß er so nahe von ihr gelebt hatte, denn sie war niemals mit einem der Fabriksbeamten in Verkehr gekommen. Erst dieser gräßliche Unglücksfall führte nach Jahren wieder den Namen: Jakob Friedländer an ihr Ohr. Der war wie kein anderer geeignet, die mühsam erkämpfte Seelenruhe der einsamen Lehrerin auf lange Zeit hinaus zn vernichten. Horch! Es läutet! Die Frau, bei welcher Martha eingemietet war, trat nach einer Weile ins Zimmer der Lehrerin, eine Karte in der Hand haltend. „Dieser Herr wünscht Tie zn sprechen, Fräulein", sagte sie. „Er ist mir willkommen!" Und schon war sie ansgestanden dem Besilcher einige Schritte entgegenzngehen. „Willkommen in Böhmen. Herr Doktor! Das ist schön von Ihnen, daß sie nicht vergessen mich aufzusuchen, trotzdem ... Sie hielt verlegen iuue. „Trotzdem? Bitte vollenden Sie den Satz." „Trotzdem wir vor einigen Jahren unter seltsamen Umständen geschieden sind und ich dann in die weite Welt gezogen bin, um zu vergessen, daß ich einen Korb bekommen habe — das wollten Sie ja sagen." Martha nickte mit dem Kopfe zum Zeichen der Zustimmung. „Lassen wir die alten Sachen ruhen und plaudern wir lieber. Setzen Sie sich mir gegenüber und erzählen Sie", sprach sie in ruhigem Tone. „Was denn?" „Welche Frage? Ich denke, ein Weltnmsegler sollte recht viel des Jnteressaitten zu erzählen haben." „Gewiß könnte ich viel Merkwürdiges erzählen, aber besser. Sie lesen es in einiger Zeit, wenn mein Buch über meine Reiseerlebnisse und Betrachtungen im Drucke erscheint. Wahrheit und Dichtung nach berühmtem Muster. Ich schicke Ihnen dann ein Exemplar. Ganz gratis. Sie sehen, daß ich Ihnen nichts Nachträge. Die kostbare Stunde bei Ihnen möchte ich nicht gerne wit Aufzählung wirklicher und erdichteter Abenteuer vergeuden. Ich bin erst gestern Abend angekommen nnb möchte wieder gerne bald fort. Denn schon in einigen Tagen trete ich eine neuerliche Reise um die Welt an, die mich lange von der Heimat sernhält. Ich habe mich einer wissenschaftlichen Gesellschaft ans drei Jahre als Schiffsarzt verpflichtet." ..Warum? Mußte es sein? Können Sie noch immer keine Ruhe finden?" „So ist es. In der Heimat finde ich sie nicht. Auf hoher, stnrmgepeitschter See. aus den Planken eines hin- und herg» schleuderten Schiffes eher, als ans dem glatten Boden eines Salons nud in ruhiger Lebensweise. Das ist nicht anders. Ich wäre eigentlich nicht hieher gekommen. Ich habe hier nichts mehr zn suchen. Ich kam nur, um die Gräber meiner Eltern zu besuchen. „Sie gehen aus Awos? Bei Ihren zur Schau getragenen Grundsätzen? „Das hat man mir heute schon einmal gesagt, aber was haben Grundsätze mir dem Zuge des Herzens gemein? Man nennt mich in der Heimat einen Apikores, blos darum, weil ich in manchem anders denke, als die große Menge." „Und dieser Gegensatz wird sich verschärfen. Sie werden in der Fremde, im steten Verkehr mit Naturforschern sich allmülig immer mehr vom Judentum entfernen, bis Sie es einmal gänzlich vergessen. So sehe ich es kommen." (Fortsetzung folgt.) Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. Ordination von 9—6. Telephon 18390.

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