Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite & Die Wahrheit. M. 7 Das Abstraktionsvermögen sei bei den Inden besonders ausge- Lildet. Dementsprechend sei die Phantasie der Juden keine intuitive, sondern eine kombinatorische. Dagegen sei häufig bei den Juden das instinktmäßige Verstehen verkümmert, wie denn alle empfindungs- und gefühlhaften Beziehungen zur Welt'dem Juden ferner liegen und die Nüchternheit des Denkens vorherrsche. Damit im Zusammenhang sei ein gewisser Mangel an Anschaulichkeit und schöpferischer Sinneukraft. „Der Jude sieht sehr scharf, aber er schaut nicht viel." Er empfindet seine Umgebung nicht als lebendig, weil er zu sehr in der Ideenwelt lebt. Die Inden sind gute Menschenkenner, aber sie sehen den Menschen nicht in seiner unbegreiflichen Ganzheit und Eigenart und muten ihm deshalb oft Handlungen zu, die seinem verborgenen Wesen doch zuwider sind. . Der Jude ist in seinem innersten Wesen nach aller Ritterlichkeit. Sentimentalität, aller Chevalerie. allem Feudalismus, -allem Patriarchalismus abgeneigt. (??) Alles Ständische, Zünftige ist ihm zuwider. Politisch ist der Individualist, der geborene 'Vertreter „liberaler"Weltanschauungen, theoretischer und praktischer Rationalist. Besonders ausgeprägt ist die Zweckbedachtheit, die teleologische Sinnesart, die der ausgeprägte Subjektivismus, die ewige Frage der Inden: Warum? Wozu? Was trägls? Was nützts? Seit! lebendigstes Interesse ist das Ersolgsinteresse, der das Sachinteresse. das Werkinteresse gegenübersteht. Die jüdische Religion, sagt S o m b a r, ist durchaus teleologisch. Zielstrebigkeit ist ein hervorstechendes Merkmal des Juden. Deshalb fehlt die harmlose Utibefangenheit und Selbstvergessenheit. Es fehlt harmloses Genießen und Betrachten. „Jüdisches Wesen: Energie, der Grund vor allem. Unmittelbare Zwecke." Goethe. Ein weiterer Grundzug jüdischen Wesens ist nach Werner Sombart die Beweglichkeit der Juden, das rasche Auffaffen und Sichzurechlfinden in allen Dingen. Ans diese vier Grundeigenschaften. den Intellektualismus, den Teleologismus, den Versatilismns (oder Euergisnins) und den Mobilismns lasse sich alle jüdische Eigenart ohne Mühe zurückführen. Die Keligion im Kichte der Wlkrerpsychotogie von Dr. Alois Schweiger, Rabbiner in Eger (Erlau). Fortsetzung. Betrachten wir vor allem den Mythos, der ans zwei Teilen besteht, aus den niedern Seelenvorstellungen und dem höhern Naturmythos. Wenden wir nns gleich den Seelenvorsteüungeu zu, denn sie bilden eine mythologische Urformation. Diese entspringen mehreren Quellen. Vor allem dachte man die Eigenschaften des seelischen Lebens als Empfindung, Gefühl. Wille an den lebenden Körper gebunden. So entsteht der Begriff der Körperseele, dieser Glaube wirkt in der schonenden Behandlung der Leiche nach. Man glaubte der Tote sehe. höre. ' fühle alles, sei nur seiner freien Bewegung beraubt. Auch herrscht die Körperseele besonders im christlichen Dogma. Später dachte man einzelne Organe beseelt, wie Nieren, wie dies in der biblischen- Benennung ma? (Chullin 11 a) nachklingt. Ferner in den Psalmen (17.10) oder Jeremias.(11.20) Gott prüft Herz und Nieren. Die plnsnes im Homer bedeuten nach W n n d t die Nieren. Dieser Glaube ist hellte noch bei ben primitiven Völkern verbreitet. So trägt der Eingeborene Australiens ein Stück Niere als Amulet. Auch bei den menschenfressenden Kannibalen spielt dieses Organ eine große Rolle. Man hielt die Anlropophagie bis vor kurzem als einen Ansbrnch rohesten Nahrnngsmld haßerfülltell Vernichtilllgstriebes. Die Ethnologie lehrt uns. daß diese rohe Sitte in dem Mythos seine Wurzel habe. Der Wilde glaubt durch das Verzehren des Feindes sich dessen seelische Eigellschaften anzneiguen. Auch das Blut spielte die Rolle eines Seelemrägers, wie dies an vielen Stellen der Bibel betont wird. Wenn nun der Priesterkodex auf Blut und Nieren des Opfers das Hauptgewicht legt, so geschieht dies deshalb, weil der Opferer damit das Kostbarste, die Seelenträger seinem Gotte darbrachte. Auch die Haare dachte man beseelt, wie dies in den Naziräergeboten, im der Simons-Erzählung liachklingt, ferner in der Sitte des Ausraufens des Haares der Trauernden, gegen das'Moses so ankämpfte. Ein' Analogon findet sich in der Jlliade. Die Achäer trugen den Leichnam des Patroklus, bestreut mit den geschorenen Locken der Freunde. Man dachte ferner die Seele im Blicke des Auges, daher der Aberglaube des „bösen 'Blickes", ferner in den verschiedenen Ausscheidungen, wie Schweiß, Speichel, Galle usw.,: woher dieverschiedenen LnstratioNen ihren Anfang nehmen. Interessant sind die Klagen Hiobs '' Gott habe ihn übergeben seinem Widersacher, „dessen Augen über ihm funkeln". „Er hat meine Nieren gespalten und nicht verschonet; " er hat. meine Galle auf die Erde geschüttet. Er hat mir eine Wunde über die andere gemacht, und ist in mich gelaufen wie ein Gewaltiger." (Hiob 16.-9. 14.) In diesen wenigen Versen sind beinahe'alle Vorstellungen dieser primitiven Psychologie vereinigt. Die Seele im Blick, in den Nieren, in der Galle, im Blute. Diese werden nun durch den Begriff der Psyche—Hauchfeele — verdrängt. Man sieht im letzten Atemzuge enriveicht das Leben. Dieser Seelenbegriff ist der beharrlichste, dies zeigt uns die Bezeichnung der Seele in den verschiedenen Sprachen, die immer an den Hauch erinnert, nimmn psyche, anima, pneuina,. usw. Nun wird oft der letzte Atemzug, zumal in kalter Jahreszeit als ein Wölkchen gesehen, so assoziiert sich diese Erscheinung mit dem Zuge der Wolken, mir dem Fluge der Vögel, Bo entsteht die Vorstellung vom Seelenvogel. Durch ähnliche Assoziationen entwickeln sich die Seelentiere, air deren Spitze die Schlange steht. Bei den primitiven Völkern sind es mehr die kriechenden Tiere, wie Mäuse. Wiesel, Kröten usw. Das rote Mäuschen, das in Göthes „Faust" in der Walpurgisnacht der jungen Hexe aus dem Mnnde springt, ist ein echtes Stück alten: Seelenglanbens. Die Scheu, die wir vor dem Genüsse mancher Tiere hegen, die nicht nur im Volksaberglaubeu, sondern auch im Unbehagen fortwirkt, die man vor ihnen .empfindet, führt Wnndt. anf diese Seelenvorstellnngen zurück. Wohl sind diese geschwunden, aber der von ihnen ausgehende Gefühlston ist an den Tieren haften geblieben. Wie im individuellen Bewußtsein, so können auch im Völkerbewnßtseiu mythologische Vorstellungen in Gefühlen anklingen, die ihren Vorstcllungswert längst, für unsverloren haben. Hieher gehört das Tabu, ein dem Polinäsischen ent-- nommener Ansdruck, und bedeutet das Verbot einen Gegenstand zu berühren oder ein Wort ausznsprechen. Tabu gehört noch der Dümonenvorstellung an. Erst wenn die Göttervorstellung in. den Vordergrund tritt, dann spaltet sich dieser .Begriff in heilig,. was der Gottheit gefällt und unrein, was ihr mißfällt. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkte den Priesterkodex, die den Israeliten erlaubten und verbotenen Tiere, oder die Unterschiede vom Heiligen und vom Unreinen, die bisher' vom Rationalismus als hygienische Verordnungen aitfgefaßt wurden, so lassen sich diese Begriffe nach dem Gesagten in folgende Formel bringen: Unrein ist alles, womit einstmal' der primitive Seelenglanbe die. Vorstellung einer dämonischen Macht verbindet, nr-v Unrein sind die allverbreiteten Seelentiere, wie Wiesel, Maus, Eidechse usw. Sie verunreinigen nicht , nur, wie viele andere Tiere, der ihr Aas berühre, sondern alles, womit sie in Berührung kommen. Das Gefäß muß zerbrochen, der Kochherd eingerissen werden. (HI. Mos. 11, 29—35.) Unrein sind ferner, aber in minderem Grade, andere Tiere, wie die Seelenvögel, die Adler, Rabe, Storch, Schwalbe usw. Unter den Vierfüßlern der Hase, Dachs tliw. Rein dagegen, alles Gottwohlgefällige, darum in erster Linie das, was ihm auch als Opfer willkommen ist. Ich möchte im Anschluß an Maimonides *) die interessante Hypothese Wundts dahin korrigieren, daß. das unübersetzbare Wort rrrrv nicht dämonisch heißt, als wäre die Berührung derselben gefahrbringend. Nein, diese Gesetze sind eine Reaktion gegen den eghptischen Totemismus (Tierdienst), diese kriechenden Tiere waren besonders in Egypten Gegenstand des Kultus. So» *) Maimonides „Führer der Verirrten". III. 29. 30. Kap.