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Die Wahrheit · 1911-02-17 · Heft 7 (17.2.1911) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 7, Die Wahrheit Seite 5. der Abordnung, Professor Mahler, hielt eine längere Ansprache, in welcher er sagte, daß es den armen Schenkern, welche gekonimen sind, um den gänzlichen Zusammenbruch ihrer materiellen Existenz gu verhüten, am Herzen liege/ an den Stufen des Thrones ihrer treuen Ergebenheit und Loyalität Ausdruck zu geben. Abg. Mahler richtete an Freiherrn von Schießl die Bitte, die Aufmerksamkeit des Kaisers auf die traurige Lage der galizischen Judenschast zu lenken. Freiherr v. Schießl erwiderte, daß der Kaiser über diese Angelegenheit eingehend informiert sei. Der Monarch werde die Frage in seiner gewohnten väterlichen Weise erwägen und das Nötige veranlassen, damit die Lage der galizischen Judenschaft erleichtert werde. . Hierauf zogen die Schenker zum Parlament. Der Empfang beim Obmann des Polenklnbs. Im Abgeordnetenhause wurde die Abordnung vom Präsidium des Polenklubs empfangen. Hier legte Abgeordneter Stand in einer längeren-Ansprüche die Lage der Schenker dar. Der Obmann des Polenklnbs, Dr. Lazarski, begrüßte die Deputation, deren Bestrebungen er vollkommen begreife. Er führte daun aus, er könne ruhig sagen, daß alles, was der Polenklub tut, ohne Rücksichtnahme auf die Nationalität geschehe, und daß die traurige Lage der Juden ganz gewiß in den Herzen der Mitglieder des Polenklnbs lebhaften Widerhall siudet. Es sei indessen dem Polenklub nicht erwünscht, daß die galizischen Bürger ökonomische Angelegenheiten mit konfessionellen verquicken. Der Klub wünsche dies schon deshalb nicht, weil dadurch der Eindruck erweckt werde, als ob die Behandlung der Stationen im Lande seitens der Landesregierung keine gleichmäßige wäre. Er sehe die schwierige Lage der Judenschaft vollkommen ein und wisse, daß Tausende von ihnen in den ärmlichsten Verhältnissen leben. Er müsse aber betonen, daß nicht sie allein vom Schicksal betroffen sind, sondern daß es in Galizien auch Tausende und Abertausende anderer Bürger itnb Kleingewerbetreibende gebe, die im Lande ihr Brot nicht verdienen können und dadurch zur Auswanderung gezwungen werden. Bedauerlich sei auch, daß zahlreiche Juden fortwährend aus Rußland einwandern und in Galizien Erwerb suchen. So viele Leute könne aber das an und für sich arme Land nicht erhalten. Was die Frage der Sch a n kk o n z e s s.i o n e n betrifft, so gebe er zu, daß neun Zehntel der bisherigen Konzessionen in den Händen der Juden gewesen sind. Es gehe aber nicht au. zu verlangen, daß die Abgabe von.Schankkonzessionen ins unendliche gehe, da durch eine zu große Vermehrung dieser Konzessionen in moralischer Beziehung depravierend auf die Bevölkerung gewirkt werde. Im allgemeinen sei er der Ansicht, daß die Schenker znwarten sollen. Von seiten des Polenklnbs würde gewiß alles geschehen, um ihre Lage zu erleichtern. Siemüßten aber berücksichtigen, daß hier auch die Statthalterei ein Wort dreinzureden habe, und eine Aktion keinen Zweck hätte, bevor nicht die Kommission, die zur Feststellung der neuen Konzessionen in der Statthalterei eingesetzt wurde, ihre Entscheidung gefällt haben wird. Dr. Lazarski versicherte schließlich nochmals, daß von seiten des Polenklnbs alles geschehen werde, um den nuabweislichen Bedürfnissen der galizischen Schenker gerecht zu werden. * * * Nach Beendigung der Vorstellungen nahmen die Mitglieder der Deputation in denSpeisehallen der Vereine „E i n h e i t" und „A ch w a h" ein gemeinsames Mittagmahl, das vollkommen glatt verlief. Den Leitungen der beiden Anstalten gebührt für die Bewältigungen der ihnen gestellten Ausgaben vollste Anerkennung. * * * Nachmittags fanden im „Hotel zum goldenen Widder" und im „Hotel Zentral" zwei Massenversammlungen statt. Als die Abgeordneten S t a n d, Dr. Mahler und Dr. Str a u ch e r den Saal betraten, wurden sie mit stürmischen Hochrufen begrüßt und war es rührend, zu sehen, wie sich die Männer und Frauen lim die Abgeordneten drängten, ihre Hände zu erfassen suchten und die Abgeordneten beschworen, ihre Intervention zu Gunsten der brotlos gewordenen Schenker sortzusetzeu. Abgeordneter Dr. Straucher teilte das Ergebnis der Intervention beim Handelsminister Dr. Weiskirchner und beim Minister für Galizien Ritter von Zaleski mit. Abgeordneter Dr. Mahler schilderte unter fortgesetzten Hochrufen aus den Kaiser den Eindruck, welchen die Annvorl des Kabinettsdirektors Freiherrn von S ch i eß l ans die Abordnung gemacht habe. Dr. Mahler sagte unter auderm: Die brotlos gewordenen Schenker Galiziens blicken mit ihren berechtigten Wünschen zum Kaiser empor, der wiederholt kundgetan habe, daß seinem Herzen alle Untertanen ohne Unterschied des Glaubens gleich nahesteheu. Kauzleidirektor v. Schießt tmbe tu wohlwollendster Weise die Huldignngsadresse für den Monarchen übernommen und erklärt, daß der Kaiser in seiner väterlichen Güte sich gewiß auch der Schenker annebmen werde. Abgeordneter Stand teilte der Versammlung mit. daß das Abgeordnetenkomitee im Vereine mit fünf Deputationsmitgliedern morgen in Budapest dem Ministerpräsidenten Freiherrn v. Bien er th die Bitte der Schenker nach Schaffung von Uebergangsbestimmungen vorkragen werde. In beiden Versammlungen wurde einhellig solgende Resolution angenommen: Die heutige Versammlrtng brotloser Schenker aus Galizien erwartet zuversichtlich, daß die Zeulralbehördeu in Anbetracht der furchtbaren Notlage und der gu einer Katastrophe führenden Entziehung der bisherigen Erwerbsweise vieler lausender galizischer Schenker durch Schaffung von gerechten Uebergangsbestimmnngen im Sinne des den Ministern überreichten Memorandums die Möglichkeit bieten wird, auch weiterhin sich ehrlich eine wenn auch kärgliche, so doch menschenwürdige Existenz zu schaffen. Nach Schluß der beiden Versammlungen marschierten die Teilttehmer wieder in die beiden genannten jüdischen Speisehallen, wo sie schichtweise auf Kosten des Hilfskomitees das Abendmahl erhielten. Um 12 Uhr 8 Minuten nachts trat die Massendeputation in zwei Sonderzügen die Heimreise nach Galizien an. 4- * * Wie aus Budapest mitgeteilt wird, hat Miuisterpräsident Freiherr v. Bienerth der Deputation zugesagt, sich mit dem Handelsminister und dem Statthalter von Galizien nachdrücklich über die Sache auseinanderzusetzen. Vorläufig dürften wahrscheinlich 900 Nachtragskonzessiouen erteilt werden. Karo« Albert Rothschild. Das Leichenbegängnis des Freiherrn Albert von Rothschild, das Dienstag, den 14. d. M., 11 Uhr vormittags, vom Trauerhause in der Heugasse aus stattfand, gestaltete sich $u einer imposanten und eindrucksvollen Trauerkundgebung, durch welche die großen Sympathien, deren sich der Dahingeschiedene in allen Kreisen der Gesellschaft, wie im Volke erfreute, zn starkem Ausdrucke kamen. Im großen, schwarz drapierten Vestibül des Palais Rothschild hatten sich unzählige Trauergäste eingefunden, um den Mitgliedern der Familie, Baron Alfons, Baron Louis, Baron Eugen und Baronin Valentine Rothschild, dann Baron und Baronin Eduard Rothschild ans Paris, Madame Ephrusfr Rothschild, der Schwägerin des Verblichenen, Rudolf von Goldschmidt-Rothschild (Frankfurt a. M.) persönlich ihr Beileid auszudrücken. Die Botschafter sämtlicher auswärtiger Mächte, die höchsten Hofstelleu, die Spitzen der Regierm>g und der Behörden, die Vertreter von Stadt und Land, die Repräsentanz der Kultusgemeinde. die hohe Aristokratie, die Hautefinance, die Vertreter von Kntlst. Wissenschaft. Industrie, Presse, zahlreicher Institutionen und Vereine, kurz alles, was in Wien Namen hat, war erschienen, um dem Manne, der so viel Gutes und Edles gestiftet hat, die letzte Ehre zn erweisen.

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