Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit. . Nr. 6- Wien. (Rosa Z i s f e r e r.) Die Präsidentin des „Franc nhor t", Frau Rosa Zifserer, eine der vornehmsten und edelsinnigsten ' Damen der Wiener Gesellschaft, ist Samstag, den 4. d. M. nach einer schweren Operation im Sanatorium Löw gestorben. In seltener Vereinigung von Geist und Gemüt hat die Heimgegangene aus den verschiedensten Gebieten der philantropischen und Humanitären Betätigung schöpferisch und segensreich gewirkt, und namentlich im Vereine „Franenhort" und in der Vereinigung der jüdischen Frauen- und Wohltätigkcitsvereine der einzelnen Wiener Bezirke ihr warmes, edles Herz und ihre unermüdliche Arbeitskraft hervorragend betätigt. Ihr war namentlich das Zustandekommen des Kaiser Franz Joses-Arbeiterinnen- und Erholungsheim in Seebensteiu, das eine Schöpfung des Vereines „Franenhort" ist, zu danken. Im vergangenen Jahre wurde Frau Zifferer durch die Verleihung des Elisabeth-Ordens zweiter Klasse ausgezeichnet. Um die Verblichene trauern zwei Söhne, der Fabrikant Erwin Z i f s e. r e r und der Advokaturskandidai Tr. Hans Z i f s e r e r sowie eine Tochter Else, die Gattin des bekannten Architekten Baurates Ernst v. G o t t h i l s. Ihr Andenken wird nicht nur in ihrer Familie, in dem großen Kreise jener, die ihr im Leben nahegestanden und in den dankbaren Herzen der Unzähligen, denen ste ihre hilfreiche Hand geboten, sortleben, es bleibt verewig: in ihren Werken, die ihr ein dauerndes Denkmal sichern. In einer vom Vorstände des Vereines „Franenhort" Sonntag, den 5. Jänner veranstalteren Trauersitzung wurden die Verdienste dieser seltenen Frau von der Vizeprästdentin Fron Johanna Fröhlich und den Herren Gottlieb B e t t e l h e i m. Salo Cohn und Dr. Alfred G l o g a u unter tiefer Ergriffenheit aller Anwesenden rühmend gewürdigt. Das Leichenbegängnis fand Montag vormittag unter überaus großer Beteiligung am Zentralsriedhofe statt. Wien. (Allgemeiner K r a n k e n - U n t e r st ü tz'n n g s - Verein „Menschenliebe." IX. Porzellangasse 22.) Anläßlich des zehnjährigen Vereinsbestandes hält die Vereinsleitung am 11. Februar, 8 Uhr abends, im Salon bes Restaurants Hermann Kohn, XX. Heinzelmangaffe 3, eine Festsitzung ab. An die Festsitzung wird sich ein Festbankett anschließen. Familienmitglieder herzlichst willkommen. Wien. (T e m p e l b a u v e r e i n des VIII. Bezirkes der Stadl Wie n.) Im Josesstädter Tempel, VIII., Nendeggergaffe 12, findet am Freitag, den 10. d. M., halb 5 Uhr abends, die feierliche Einweihung eines Sefer Thora statt, welches das Vorstandsmitglied Herr Philipp Weiß, anläßlich der glücklichen Genesung seiner Frau aus schwerer Krankheit, dem Tempel gespendet hat. Wien. (B e t - H a m i d r a s ch „Talmud-Thora" II., M a l z g a s s e 16.) Freitag-Abend-Vor träge: Am 10. Februar Herr I. R o s n e r: „Die Preßbnrger Jeschiwa". Am 17. Februar Herr Rabbiner H. Schenk: „Die Psalmen." Beginn jedesmal um 7 Uhr 30 Min. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e), Wien, XX., Othmargaffe 46. Wochen Programm vom 11. bis 17. Feher 1611: Samstag, 11., Konzert. Arrangement Frau Dozent Dr. G r ü nfel d. Sonntag den 12., %3 Uhr nachmittag Kinderjause, 7 Uhr abends: Bibliothekar Dr. Bernhard Münz: „Björnson Björnsen" (II.) Montag, 13., Dr. Joses Jerusalem: „Dienst- und Arbeitsrecht." (Zyklus.) Dienstag. 14., Dr. K. Kupfer: „Neueste Geschichte der Juden in Oesterreich." Mittwoch, 15., Rabbiner Dr. M. S ch w a i g e r: Salomou Maimon. der Kantianer." Donnerstag, 16., Kustos Dr. Bernharnd W a ch st ei n: Thema Vorbehalten. Freitag, 17., Bibelvortrag. Wien Montag am 31. Jänner 1911 fand die Generalversammlung des Vereines zur Unterstützung israel. Handwerker 'und Kleingewerbetreibender in den Räumen des israelitischen Humanitätsvereiues „Wien", B'nai B'rith, IX., Universitätsstraße 4, statt. Infolge Ortsabwesenheit des Präsidenten Herrn Dr. Bela Taussig, führte der I. Vizepräsident, Herr Direktor Ignaz Zolles den Vorsitz. Nachdem er die Versammlung eröffnet und die Anwesenden, insbesondere die Delegierten der israelitischen Knltusgemeinde Wien nnd des Humanitätsvereiues „Wien", B'nai B'rith mit herzlichen Worten begrüßt hatle, widmete er dem verstorbenen Vereinspräsidenten, Herrn Baurat Wilhelm Stiaßny, sowie dem verstorbenen Vizepräsidenten, Hoftat Sigmund Taussig einen warmen Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Der von Herrn Dr. Rudolf Fürth erteilte Rechenschaftsbericht, sowie auch der Bericht des Rechnungssührers des Vereines, Herrn Gustav Frankl über Einnahmen und Ausgaben wurde genahmigt. Bei den hieraus vorgenommenen Wahlen wurden wiedergewählt die Herren: Simon Ernst, Dr. Rudolf Fürth, Direktor Heinrich Glücksthal, David Horowitz, Ignaz Zolles und Dr. Bela Taussig. Ferner wurden nengewählt die Herren: Adolf Haag nnd Sebastian M o n d o l s o. Zu Zensoren wurden wieder gewählt: Herr Alfred Waizner nnd Jakob Mensch. Namens der israelitischen Kultnsgemeinde ergreift das Wort Herr S. B r o d als Vertreter, um dem Vereinsvorstande für seine Tätigkeit in warnreu Worten den Dank auszudrücken. In der nach dieser Versammlung abgehaltenen konstituierenden Vorstandssitznng wurden gewählt die Herren: Dr. Bela Taussig znm Präsidenten, Direktor Ignaz Zolles zum I. Vizepräsidenten, Direktor Heinrich Glückthal zum IL Vizepräsidenten, Richard Petschek znm Schriftführer, Sebastian Mond olso zum Schriftführer-Stellvertreter, Gustav Frankl znm Rechnungsführer und Dr. Rudolf F^ü r t h zuni Sachwalter. Außer den genannten Herren gehören dem Vereinsvorstande noch an die Herren: Egon Frankl, Karl Freund, D. Horowitz, Dr. ArthurKuranda, kais.Rat Joh ann Lichtenstadt. Alfred Pollak von Rudin, k. k. Kommerzialrat, Ernst - Simon, Viktor- Schwadron, Dr. Sigmund Stiaßny, Richard Wiener- Wien. Der erste Leopoldstädter israel. Handwerkerverein, sowieauch der israel. Krankenunterstützungs-Verein „Jischre Lew" beehrt sich» mitzuteilen, daß dieselben ihren Sitz vom Cafe Blau, II. Rote Sterngasse 19 in das-Cafe Stefanie, H. Stefaniestraße 2, verlegt haben. Wien. (Verein der S a b b a t h f r e n n d e.) Dienstag, den 14. Februar, halb 8 Uhr abends im Festsaale des Hotel Central, H. Taborstraße 8, Vortrag des Herrn Dr. M. Jung, Rabbiner in Ungarisch- Brod: „Was uns nottut." Gäste auch Damen willkommen. Eintritt frei ohne Karten. Wien. (Ein interessanter Vortrag.) Ob alte jüdische Privatbriefe heute unser intelligentes Publikum interessieren, ja geistig auregen können? Daß dies möglich sei. zeigte uns Professor MoriH A n t s ch e r l in seinem letzten Freitag-Abend-Vortrage im Bethamidrasch „Talmud-Thora" im II. Bezirke. Der Vorlesung lag die hochinteressante, soeben erschienene Publikation der historischen Kommission der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde zu Grunde: „Jüdische P r i v a t b r i e f e aus dem Jahre 1619, nach den Originalen des k. nnd k. Hans-, Hosnnd Staatsarchivs, herausgegeben von Dr. Alfred Land a u und Dr. Bernhard W a ch st e i n, Wien-Leipzig 1911, bei Wilh. Branuiüller."' Der Vortragende entwarf ein getreues Bild dieses im k. u. k. Hof- und Staatsarchiv sorgfältig gehüteten jüdischen Privatbrief-Schatzes, aus dessen Existenz Herr k. u. k. Haus-, Hofnnd Staatsarchivar Dr. Arthur Gold- 'mann die beiden als Gelehrte und Forscher rühmlichst bekannten Heransgeber zuerst aufmerksam gemacht hatte und mit größter Spannung lauschten die zahlreich versammelten Zuhörer auf den geist- und gehaltvollen Vortrag. Alle nahmen die Ueberzeugung mit sich, daß dieses prächtig ansgestattete, durch acht Tafeln mit naturgetreuen Abdrücken dieser an 300 Jahren alten Briefe illustrierte Werk, eine der bedeutendsten jüdischkulturhistorischen Publikationen darstellt, die in keiner öffentlichen oder Privatbibliothek fehlen dürfe und für welche wir dem Wiener Kultusvorstande und den beiden verdienstvollen Autoren großen Dank schulden.. Eines wollen wir noch erwähnen, daß an diesem Vortragsabend der Wunsch zum Ausdrucke kam, unserer Heranwachsenden Generation die Kenntnis unserer alten, wirklich schönen, jüdischen Kursivschrift — wir könnten sie die Vorläuferin der Stenographie nennen — zu vermitteln, dankbar würden unsere Kinder einen solchen leicht und schnell zu erteilenden Unterricht hinnehmen, sie möchten auch gerne, wie unsere Vorfahren, ein „jüdisches Brieschen" lesen nnd schreiben können. Wien. Donnerstag, den 2. Frbruar, ^10 Uhr vormittags, wurde der hier verstorbene Kantor Heinrich Zwinge r, ein ehemaliger Chorsänger nnd Schüler Salomou Snlzers, der fast 10 Jahre in Buchau (Würtemberg) verdienstlich gewirkt hat, zur ewigen Ruhe bestattet. Buchauist die einzige Jsraelitengemeinde. die ans ihrer Synagoge einen Turm mit Glocken hat. die mit ihrem Geläute die Gemeinde znm Gottesdienst rufen, Am Leichenbegängnisse, bei welchem I. Kantor Serebrenik erhebend fungierte, beteiligten sich zahlreiche Mitglieder des Kantorenvereines und Präsident kaiserl. Rat Jos. Singer, und Professor Emil Fränkel,- ein Jugendfreund des Verstorbenen, würdigten an der Bahre die Persönlichkeit und das Wirken des Verblichenen. Wien. Freitag, den 3. d. M. ist nach längerem Leiden Herr- Simon L o t h, Vorstandsmitglied des Tempelvereines im XIX. Bezirke,, im 73. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis fand Sonntag vormittag unter zahlreicher Beteiligung vom Tranerhause XIX., Barawitzkagasse 6 nach dem Döblinger Friedhofe statt. Die liturgischen Funktionen inr Trauerhanse und am Friedhose versah in erhebender Weise Oberkantor Landau mit. dem Chore und Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g würdigte in seinem Nachrufe die durch Biedersinn nnd Rechtlichkeit sympathische Persönlichkeit des Heimgegangenen, sowie sein Wirken für den Tempelverein. Namens der Funktionäre sprach Kantor Kohn einige tiefempfundene Abschiedsworte. Wien. (Jüdisches Theater.) Regie Bi. Siegler, Hotel Stefanie, N., Taborstr. 12. Ab Freitag, 10. Febr., tägl. „Prinz Bostennj" Operette von Ch. Wolfsthal. Sonntag nachmittag, halb 4 Uhr „Sulamith" Operette von A. Goldfaden. Montag 13. Die „Die Seder Nacht" Operette von I. Latainer. Dienstag 14. „Ben Jakojw". Operette von I. Latainer. Mittwoch 15. Feber, Ehrenabend des Direktors Herrn M. Siegler, zur Aufführung gelangt „Die schöne Marjani" Operette von Gordin. Donnerstag- 16. Feber, „König Salomon" Operette von Pros. Horowitz. Wien (Floridsdorf.) Leichenbegängnis. Einen ebenso edlen wie bescheidenen Mann trug man Sonntag den 5. d. Mauf dem Floridsdorfer-Friedhof zu Grabe, den als Talmudgelehrten wie als Hebraisten bekannten Herrn Ignaz Löw, Oberlehrer der Talmnd-Thora- Volksfchnle i. P. Unter den Trauergästen bemerkte man Kultusvorsteher Emannel Grünwald, die Vorsteher der Chewra-Kadischa Jakob Kann, Max Neu m a n n, Gabriel Dukes, Evler B l a t t, Obmann der Talmud- Thora-Volksschule M. Bond y, den Sekretär der Kultusgemeinde Dr. Adler mit den Amtsleitern F r e i st a d t u. Engel, Oberoffizial F u ch s g e l b, Offizial L i s s a u e r, ferner die Inspektoren Dr. Langfelder u. Professor K a n i tz, Obmann des Religionslehrervereines „Esra" W. Breuer, Pick, Weiß, Dr. Rose n f e l d,ebenso Kantor Löwi t,. sowie den Lehrkörper der Talmud-Thora-Volksschnle unter Führung des Oberlehrers Kohn. Im Trauerhause nahm Inspektor Dr. L a n g f e l d e r von seinem persönlichen Freunde innigen Abschied. Am Friedhofe widmete ihm Herr Rabbiner Dr. Rosen mann in eindrucksvoller Rede warme Worte der Anerkennung. Zum Schluffe übermittelte Oberlehrer K o h in den Dank der Talmud-Thora an ihren früheren langjährigen verdienstvollen Lehrer. Die'Lkantoralen Funktionen -versah -Kantor RosenberU. in erhebender Weise. * , J. E.