Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 6. Lande zum anderen wie die jüdische. Wenig Rnhe hatte der Jude in den Ländern, die er sich zur Heimat erkoren. Es kam ein neuer König oder eine neue Regierung, und es war ans mit der jüdischen Seßhaftigkeit. Da hieß es, fort mit Sack und Pack von Haus und Hof, um neue Wohnstätten zu suchen. Ja es kam soweit, daß der wandernde Jude zur'stehenden Redensart wurde nicht nur unter den Inden selbst, sondern sogar bei den übrigen Völkern. Allerdings handelt es sich dabei nur um unfreiwillige Wanderschaft. Man war gezwungen, seine Heimat zu verlassen, wenn man sein Leben retten wollte. Aber es gibt auch Inden genug, die aus freien Stücken und aus eigenem Antriebe die Welt bereisten, zu dem Zwecke, etwas Neues, etwas Unbekanntes zu erforschen und die dabei freudig ihr Leben in die Schanze schlugen. „ Matt kann ruhig behaupten, daß die Juden die eigentlichen Begründer der modernen Kolonialwirtschaft waren, wie ihr stacker Anteil an der Leitung der Ostindischen Kompagnie und an der Entdeckung Amerikas bezeugt. Amerika ist äußerlich und innerlich von den Juden erobert worden. Die Expeditionen des Kolumbus waren mit jüdischem Gelde finanziert; die Besatzung der Schiffe bestand zu einem starken Prozentsatz ans Juden: der erste Europäer, der Amerikas Boden betrat, war ein Jude, Ln i s d e T o r r e s. Auch der Schiffsarzt des Kolumbus war ein Jude nnd zugleich ein bekannter Forschungsreisender; und vor wenigen Monaten hat man sogar die überraschende Entdeckung gemacht, daß Kolumbus selbst von Juden stammte. Im 16. Jahrhrmdert bereiste ein gewisser I o n a d a b Nordasrika. Von ihm wird berichtet, -daß er 28 Sprachen verstand, die der damaligen zivilisiertet! Welt noch unbekannt waren. Er lebte viele Jahre in Afrika, und übte die Gewohnheiten und Sitten der verschiedenen Völker, deren Sprache er auf diese Weise erlernte. Im 17. Jahrhundert machten Juden noch viel größere Reisen. Der jüdische Forscher T e x e i r a bereiste die Philippineninseln, China und Amerika, nnd hat größere Abhandlungen darüber geschrieben. Im 18. Jahrhundert ist das Werk des Tobias -KoHeu, des Sohnes des Metzer Rabbiners Moses Kohen Nerol, berühmt geworden, nnd das Ende jenes Jahrhunderts bezeichnet den Anfang der modernen Epoche der jüdischen geographischen Forschungen. Seit jener Zeit hat es Hunderte von Juden gegeben, die durch ihre Reisen und wissenschaftlich-geographischen Forschungen bekannt geworden sind. Besonders sind zu erwähnen die Namen von Samuel R o m a n e l l i und Josef Wolf, zweier Autoritäten, als Kenner von Buchara und den beuachbarten asiatischen Ländern, Nathaniel Jsaacs, eines der ersten Forscher im Zululand und Natal, und Nathan P o l l a k,. der berühmt geworden ist durch sein Buch über Neuseeland. Kapitän B i n g e r hat zwei große Seen in Afrika entdeckt, Kapitän F o a hat Nordasrika bereist. Einen Weltruhm/ erwarb sich der unglückliche Emin Pascha, der eigentlich Eduard Schnitzer hieß, und aus Neiße, dem „schlesischen Rom", gebürtig war. Er hatte ursprünglich Medizin studiert, ward Arzt in der egyptischen Arme und schließlich Gouverneur der egyptischen Aequatorialprovinzen. Er rrat dann in deutsche Dienste, und wurde schließlich im November 1892 bei Kibonge ermordet. Den Tod durch Mörderhand fand auch aus einer Expedition in Südarabien im Jahre 1909 der hochverdiente Forschuugsreisende Hermann B u ch h a r d t, Wichtige archäologische Forschungen in Zentralasien machte ferner der im Dienste der kaiserlich-indischen Regierung stehende Deutschungar Dr. Aurel Stein, dessen Haupterforschungsgebiet das chinesische Ostturkestan darstellt: Sven Hedin reiste als Geograph; seine Forschungen förderten insbesondere unsere morphologischen nnd hydrographischen- Verhältnisse seines Reisegebietes. Dr. Stein unternahm seine Reise vor allem zu archäologischen Zwecken, und die Ergebnisse seiner Forschungen sind hier so bahnbrechend wie die Forschungen- Sven Hedins auf dem Gebiete der physikalische Geographie. Trotz des archäologischen Zieles,, das Stein sich gesetzt hatte, haben seine Reisen auch eine sehr wesentliche Er- . Weiterung unserer Kenntnis der Geographie jener Regionen gebracht. Eine mehrjährige glückliche Expedition durch Mittelasien machte der Münchener. Forschungsreisende Professor Dr. M e r z b a ch e r: Die Arbeiten des ersten Expeditionsjahres waren mehr der Erforschung der großen, den östlichen zentralen Tian-Schan entwässernden Stromgebiete gewidmet. Im darauffolgenden Jahre 1908 aber wurde das Forschungsgebiet ganz und gar in die noch sowenig bekannten Ketten des östlichen Tian-Schan verlegt, und zwar wurden dort zunächst die schon ihrer Gestalt nach dem Geologen und Morphologen besondere Probleme bietenden Inldus-Täler durchwandert und auf die Südseite übergegangen, wo die Expedition ungefähr anfangs Mai 1908 an dem Ufer des großen Randsees Bagratsch-knl anlangte. Im letzten Expeditionsjahre wurde fast nur unbetretenes oder noch ungenügend durchforschtes.Gebiet durchreist und nicht nur eine eingehende Kenntnis des Baues des östlichen Tian- Schan gewonnen, sondern auch reiche geologische, Paläontologische, zoologische und botanische Sammlungen heimgebracht. Außerdem wären noch zu nennen die Forschungsreisenden Max von Oppenheim, Eduard Schwarz, Dr. Prinz, der Arabiensorscher Eduard Glaser, Louis Lucas und Hermann V a m b e r y, der Armenien, Iran und Turan bereiste nnd einer der Lieblinge des früheren Sultans war. Ganz beiläufig erwähnt sei noch die eigentlich ganz selbstverständliche Tatsache, daß die Juden wiederholt auch wissenschaftliche Expeditionen mit reichen Geldmitteln unterstützt haben. In der Einleitung zu seinem bekannten Werk: „Ins innerste Afrika. Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907—08", sagt der Verfasser Adolf Fw i e d r i ch, Herzog zu Mecklenburg: Eine große Dankesschuld verpflichtet mich vor allem, denen, die in hochherziger Weise durch großartige, materielle Unterstützungen das Zustandekommen der Expedition überhaupt ermöglicht haben . ... Größte Er-, kenntlichkeit schuldet die Expedition folgenden Komitees: (Folgen vier .Städte mit 26 Namen, unter denen mindestens sieben . Juden sind.) Die Religion im Kichle der Uölkerpsychologie von Dr. Alois Schweiger, Rabbiner in Eger (Erlan). Fortsetzung. Das Kansalitätsbedürfnis ist aber auch für den zivilisierten Menschen die eigentliche Quelle der Religion. Das stellt S Pen c e r in seinem grundlegenden Werk „First Principies" dar. Der Kampf zwischen Religion nnd Wissenschaft illustriert die ewig bedeutsame Fabel von den zwei Rittern, die sich um die Farbe ihres Schildes schlagen, von denen jeder nur eine Seite sieht. Jeder Kämpfer sah-klar nur seine Seite der Frage und warf seinem Gegnex Dummheit oder Unehrlichkeit vor. Beide aber ermangelten der Aufrichtigkeit auf die Seite des Gegners zu treten und ausfindig zu machen, warum dieser alles so verschieden sah? Religion und Wissenschaft haben beide eine Wurzel in der Wirklichkeit der Dinge. Es muß eine oberste Wahrheit geben, in der sie sich zusammenfinden können. Diese aber kann weder ein Dogma der Religion noch ein Lehrsatz der Wissenschaft sein. Es muß eine allgemeinste Wahrheit der Religion sein, die selbst der abergläubigsten Religion innewohttt,. jene „Seele von Wahrheit", der die grausamste Kritik nichts anhaben kann. Nun zeigt S p e n c.e r, daß alle Religionen darin übereinstimmen, daß die Welt ein Mysterium ist, das nach Auslegung verlangt, und je höher wir schreiten, um so umfassender wird der Gottesbegriff, bis er zum absoluten Mysterium wird. Dasselbe zeigt er auch von der Wissenschaft. Gleich einem gewissenhaften Kaufmanne rubriziert er den realen Besitz alles menschlichen . Wissens und zeigt, daß auch hier die Passiven größer als die, Aktiven sind. Alle ihre Begriffe, Raum, Zeit,-Kraft, nStoff, Bewegung, sind nur Symbole, aber keine wirkliche Be-