Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahr.heit. Nr. 5. uenuung zum Mitgliede der Historischen Kommission.— Von der Redaktion der „Drohobyezer Zeitung" ein Artikel: „Das Budget der Wiener Kulmsgemeinde." — Mitteilung betreffend die in Pohrlitz gesammelten und verausgabten Gelder für die dortselbst untergebrachten Pflegekinder der Kultusgemeinde. — Dank an die Aufsichtsdamen und Oberlehrer Bader. — Bericht des Matrikelamtes über eine auf dem Sterbebette vorgenommene Trauung. IL Spendenliste: Von Herrn Emil Koch noe. des sel. Herrn Leopold Koch je X 100.— oit folgende Vereine: Oesterr. israel. Union. Israel. Allianz zu Wien. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Waisenverein der israel. Kultusgemeiude. Hilfsverein für die notleidende jüd. Bevölkerung ür Galizien. Brigittenauer israel. Unrerstützungsverein. Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israel. Konfepion. Verein zur Ansspeisung armer israel. Schulkinder der Bezirke XU— XV. Israel. Frauen-Wohlrärigkeitsverein für Hausarme. Franen-Wohltätigkeitsverein „Providentia". Humanitätsverein „Treubnnd." Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender. Israel. Frauen Wohltätigkeitsverein „Frauenhort". Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleideuder auf dem Laude. Asyl für mittellose kranke Israeliten in Merau. Verein Kinderheim IL, Malzgaffe 7. Witwen- und Waisenverein „Selbsthilfe". Gegenseitiger Israel. Hilfsverein für Handwerker und Kleingewerbetreibende. Verein „Nächstenliebe". Kaufmännischer Unterstützungsverein „Osten"; zusammen X 2000.— Bon Herrn Siegmund Kassel als ersten Baustein sür ein jüdisches Vereinshaus X 1.000. Von Herrn Emil Karpeles zur Verteilung an Arme X 1.000. Bon Herrn Moses Ehrlich sel. A. ein Legat zur Verteilung an jüdische Arme am Begräbnistage X 200. Von Herrn Dr. Jakob Engel für das Altersversorguugshaus X 200. Von Herrn Moritz Edlen von Kuffuer aul. des Sterbegedächtnistages seiner Mutter Frau Rosalia von Kuffuer s. A. zur Verteilung an Arme des XVI. uud XVII. Bezirkes X 160. Von den Anselm und Amalie Wechsler Erben zur Verteilung an Arme X 127'17. Von Herrn Dr. Jaro Hecht für den Waisenverein X 20, Wöchnerinnenverbaud X 20, zusammen X 40. Von Frau Ella Ziruer- Zwieback Kleider und Wäschestücke für 65 Kinder, die ans verschiedenen Gründen von Bekleidungsvereinen abgewiesen wurden. Von Herrn Dr. Wilhelm Pappenheim ein Manuskript, enthaltend halachisch-pilpulistische Novellen, für die Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde. Von Herrn Moriz Haßberg noe. der Frau Regine Haßberg für weiland Josesine Weltendorser für Chewra Kadischa X 50, Frauenhort X 30, Minden-Institut X 20, zusammen X 100. Von Frau Rosalia Rothberger anläßlich der Verehelichung der Enkelin Julie Stern sür Witwen und Waisen X 50. Wie«. (Vortrag aus jüdischer Geschicht e. Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 9. Februar.1911, präzise 1j28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. S. Taglicht statt. Thema: „Pharisäer". Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (B e t - H a m i d r a s ch „T a l m u d - T h o r a" II., Malzg asse 16.) Freitag - Abend - Vorträgs: Freitage 3. Februar Herr Rabbiner L. G o l d st e i n: „Bar Kochba im Midrasch und Talmud" und am 10. Februar Herr I. R o s n e r: „Die Preßbnrger Jeschiwa". Beginn jedesmal um 7 Uhr 30 Min. Wie«. Sonntag den 12. Februar 1911, präzise 10 Uhr vormittags, findet im Tempelgebäude VIEL, Neudeggergaffe 12, die „ordentliche Generalversammlung" des Tempelbauvereines Wien-Jos efstadt statt. Gäste willkommen. Wie«. Der Brigittenauer Bethans- und Krankenunterstützungsverein „Bene B x i t h" in der Karajangaffe hielt Donnerstag, den 26. Jänner 8 Uhr abends im Cafe Neptun am Mathildeuplatz seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Bereinsobmanu, Herr Michel Chameides, gab seiner Freude über die große Frequenz und der regen Anteilnahme der Mitglieder beredten Ausdruck und hieß alle Erschieuenen, wie insbesondere den Delegierten der Knltusgemeinde, Herrn Dr. S ch r e i b e r herzlichst willkommen. In einem Rückblick auf das abgelaufene Vereinsjahr erörtert der Redner die Leistungen aus kulturreligiösem wie aus humanitärem Gebiete und richtete einen warmen Appell an die Versammlung, alle Kräfte anzuspannen, damit der Wunsch und das Bestreben der Vereinsleitung, demselben ein eigenes Heim zu gründen, ehebaldigst zur Tat werde. Mit freudigen Gefühlengedachte er sodann des greisen Seelenhirten, Ehrwürdeu Rabb. Dr. S ch m i e d l, der morgen seinen 90. Geburtstag begehe, und teilte mit, daß am nächsten Tage eine Deputation dem illustre» Gelehrten und Kanzelredner eine künstlerisch ausgeführte Adreffe namens des Vereines überreichen werde, was mit großem Beifall und lebhaften Ovationen für Rabb. Dr. Schmied! zur Kenntnis genommeu wurde. Schließlich beantragte Herr Chameides, die um den Verein sich sehr verdient gemachten Mitglieder: Salo Kahane, Markus G o l d st e i n. M. R o t m a n, und Josef S t a p p l e r zu Ehrenmitgliedern zu ernennen, was auch per Akklamation erfolgte. Die Ausführungen des Obmannes lösten bei der Versammlung ein begeistertes Echo aus und eine sofort eingeleitete Sammlung für den Bethausfoud ergab das Resultat von X 850.—, was angesichts des Umstandes, daß dieser Verein in feiner überwiegenden Mehrheit aus unbemittelten Leuten sich zufammensetzt, nicht hoch gemig angeschlagen werden kann. Hierauf erstattete der langjährige, verdienstvolle Schriftführer, Herr Adolf Deutsch, den Rechenschaftsbericht, aus dem in meritorischer Beziehung hervorgeht, daß der Verein im abgelaufenen Jahre einen Aufwand von X 8000.— ausweise und noch über ein Barvermögen im Betrage von X 5500.— verfüge. Nachdem die Versammlung einhellig dem Vorstande den Dank für seine Mühewaltung und das Äbsolutorium votiert hatte, würdigte der Vertreter der Kultusgemeinde, Herr .Dr. Heinrich Schreiber, der M als exzellenter Sprecher bekannt ist, mit schwungvollen Worten die Tatsache, daß eine Anzahl vom Glücke nicht begünstigter Juden, von deneir so mancher einen harten Kämpf um des Tages Notdurft fuhren müsse, im: Verhältniffe so exorbitante Opfer zur Pflege des religiösen,Gedankens wieder gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen bringen, und gab der Sympathie, welche die Knltusgemeinde diesem Wirken entgegeubringe, beredten Ausdruck; schließlich versprach er seine Kraft wie seinen Einfluß-, stets einzusetzen, um den Verein nach jeder Richtung hin zu schützen und zu fördern. Bei der hierauf vorgenommeneu Wahl des Vorstandes wurden: : gewählt die Herren: Michel Chameides, Salo Kahane, Adolf Deutsch/ Leon Drock, Beruh. Mayer, Jul. Blauste in, M. Rotmann, L. Sternberg, L. Hayda, M. P o d h o rz e r, M. G o l d st e i n, Ch. H. Kurzer, S. P i n k a s, Jos. Stoppler, und ■ V. Galaudauer. In der konstituierenden Sitzung wurden die Herren: Michel Chameides zum Obmann; Salo Kahane, Obmann- : stellvertreter, und Adolf Deutsch, zum Schriftführer wiedergewählt. ' X. Ch. Wien. (Jüdische T o y n b ee - Halle), Wien, XX., Othinar-! gaffe 46. Beginn der Vorträge an Wochentagen %8 Uhr. an Samstagen, : sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Anmeldungen von,! Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle mau an den Obmann, Dr. I. Samuely,. Spenden für die Kinderjausen (Kleidungsunif- : Wäschestücke, Bücher, Spiele rc.) an den Obmann-Stellvertreter KarL- Freund erbeten. W o ch e n p r o g r a m m vom 3. bis 10. Februar 1911: Freitag 3., Bibelvortrag. Herr M. Pal len b erg. Samstag, 4., Konzert. Sonntag, 5;, Dr. Leopold P l a schkes: „Das Recht des Kindes." Montag, '6., Prof. Dr. Edmund Jerusalem: „Wallenstein." Dienstag, i.K - Dr. K. Kupfer: „Geschichte der Juden ui Oesterreich." (Schluß des: ’ Zyklus.) Mittwoch, 8., Schulrat Prof. I. Baß: „Geschichte Egyptens."' : Donnerstag. 9., Waisenhausdirektor Alexander Hecht: „Haus und Bibel." - Freitag, 10., Bibelvortrag. Dr. Gottfried Freud m a n n. Wie«. (Verein zur Abwehr d'e s Antisemitismus). Dienstag den 7. Februar findet im Saale des wissenschaftlichen Klubs, I., Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Schriftstellers Dr. Hugo Ganz: „Persönliches von Tolstoi", statt. Beginn ' präzise 1/28 Uhr. Gäste bestens willkommen. Wie«. Der human. Geselligkeitsverein „Ideal" veranstaltet Sonntag den 5. Februar 1911, in den Saallokalitäten des Cafe Concordia, I., Concordiaplatz Nr. 4 eine D a m e n-S o i r e e mit Rezitation, Gesang und Musikvorträgen, sowie -anschließendem T a n z kr ä nz ch en. (Damen-Schöuheitskoukurrenz 3 Preise.) Beginn 4 Uhr nachmittags. Regiebeitrag X —.60. Einfache Kleidung. ' Wie«. Sonntag, den 29, Jäuner 1911, fand im jüdischen Vereins- Hans, XV., Herklotzgaffe 21, musikalisch-deklamatorische Akademie statt, ' die als äußerst gelungen bezeichnet werden muß. Die ausgezeichneten Vorträge' ernteten den reichen Beifall eines zahlreichen, distignierteu Publikums.. : Wir hatten Gelegenheit, den trefflich geschulten Bariton des Herrn Kanton Josef Roth wein zu bewundern, der einige Lieder meisterhaft zunv Vortrag brachte. Das Geschwisterpaar Marzel und Elly Roth tv ein gefiel besonders im Vortrage von Simonettis Madrigale. Im deklamatorischen Teil lernten wir farbenprächtige Dichtungen der Herren Renata Mordo und Otto Schick kennen, die von den Verfassern äußerst gewandt rezitiert wurden. Das Zustandekommen der Akademie ist vor allem Frau Regine Land eis, die den Saal bereitwilligst zur Verfügung stellte, sowie dem.' rührigen Komitee von der „Freien Vereinigung jüdischer Studenten" zu verdanken. Anmeldungen zur nächsten Veranstaltung der „F. V. I. St." sind zu richten an Herrn I. Roth wein, XIV., Mariahilserstraße 189.. (Schwenderhof). Wien. (Jüdisches Th eater.) Regie M. Siegler, Hotel- Stefanie, IL, Taborstr. 12. Ab Donnerstag, 2. Febr., tägl. „König Salomon". Operette von Prof. Horowitz. Sonntag nachmittag, halb 4 Uhr „Jeschive Bücher" von Z. Korublüht. Dienstag 7: Februar. Zn Gunsten des Vereines Ausche Dath um Zedek, „Dus Pintale Jüd" Operette von I. Ther.- Mittwoch 8. Februar „Mensch, soll men sein". Operette von M. und A. Schor. I» Vorbereitung: „Jehuda und Israel". In Studium: „Bostenuj". Prag. Der städtische Beamte S n ran iu Budweis wurde in einer schweren Krankheit von seiner Kostfrau Katharina Fried wie von einer' Mutter gepflegt, und er faßte dadurch, eine besondere Zuneigung zur jüdischen Religion, befaßte sich mit dem Studium derselben, lernte die hebräische Sprache, und nach seiner Genesung bekannte er sich offen — wenn auch nicht formal — als Jude, besuchte früh und abends das Gotteshaus und nahm gleich im Vorjahre einen Tempelsitz. Als seine Kostfrau: starb, verrichtete er von seinem Platze aus, das ganze Trauerjahr hindurch: das Kadischgebet.-Im heurigen Jahre wollte er offiziell ins Judentum ausgenommen werden. Obwohl' ihm nahe gelegt wurde, daß infolge der überstandenen Krankheit von der Beschneidung Abstand genommen werden: könnte, bestand er auf Vollziehung dieses rituellen Aktes. _ Der Budweiser Rabbiner Herr Dr. Thieberger verlangte von öiumi vorher ein Zeugnis über dessen g e i st i g e n Gesundheitszustand. Daraus wandte sich dieser an das Prager Oberrabbinat, ließ sich in Prag' beschneiden und trat somit offiziell ins Judentum ein. Am Sabbat wurde er wie ein Bar Mizwa zur Thora gerufen. Herr. Dr. T h i e b e r g e r' hielt ihm eine Ansprache, in welcher er hervorhob, daß nicht nationale Gründe, sondern die Ueberzeugung von der Reinheit unserer Lehre ihn., zum Uebertritt bewegen. S ur an trug die Broches über die Thora korrekt und mit Verständnis vor. Seit diesem Tage besucht er pünktliche das Gotteshaus, früh in den Talis eiugehüllt und mit deu Tefilliir: geschmückt. B.F,