Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Die Wahrheit Seite A. Zentren des Orients ein, um von dort aus nach passenden "Terrains Umschau gu halten. Für die Kenner der Verhältnisse unterliegt es keinem Zweifel, daß. eine neue Phase der jüdischen Orientkolonisation anbricht, unvergleichlich großzügiger, und dank den gesammelten "Erfahrungen viel aussichtsreicher als die vorangehenden. Diese neue Kolonisationsbeweguug bedarf eines geeigneten '.Finanzinsirnmentes. Nur ein äußerst geringer Teil der jüdischen Nachfrage nach Boden im Orient kann gegenwärtig befriedigt werden. Es ist -eine chekamrte Tatsache, daß kleine Parzellen in urbarem Zustand in jenen Gegenden nur selten käuflich sind. In der -Regel müssen für Ansiedlnngszwecke große Terrains erworben werden, die zumeist Meliorierungen erfahren müssen und dann -erst parzelliert werden können. Nach einer in Jaffa ausgestellten Statistik mußten im letzten Jahre jüdische Landkänfer — Private -und Vertreter kleiner Gesellschaften — welche insgesamt 1,400.000 Rubel investieren wollten, unverrichteter Dinge heimlehren. weil ihnen keine passenden Grundstücke nachgewiesen werden konnten. Schon dieser Umstand läßt die Gründung einer Terrain- -gesellschast als unentbehrlich erscheinen. Nur eine solche ist in der Lage, geeignete größere Objekte zn erwerben, für die Besiedelung vorzubereiten und Interessenten kleine Grundstücke in bebannngsfähigem Zustand zur Verfügung zu stellen. Aber auch sonst sprechen die Erfahritngen von drei Jahrzehnten dafür, daß nur ein kommerzielles Institut die jüdische .Orientkolonisation wirksam fördern kann. Das philanthropische Prinzip lähmt das wirtschaftliche Verantwortlichkeitsgefühl und 'den Unternehmungsgeist der Ansiedler. Auch übersteigen die guv Lösung der Aufgabe erforderlichen Summen die Grenzen einer Wohlfahrtsaktion. Die spontane, in so starker Zunahme begriffene Auswanderung nach dem Orient, das Privatvermögen und die erzeugende Arbeit der zumeist nicht unbemittelten Emigranten müssen als wesentliche Faktoren in Betracht gezogen werden. Andererseits sind kapitalkräftige Glaubensgenossen zn veranlassen, sich an der -jüdischen Orientkolonisätion als rein geschäftlichem Unternehmen .zu beteiligen. Die Rentabilität kolonisatorischer Unternehmungen im Orient ist durch die im Aufträge der A. I. K. O. vorgenommenen Untersuchungen außer Frage gestellt worden und wird demnächst in einer Publikation dargetan werden. Eine der wichtigsten Aufgaben der in Frage stehenden Erwerbsgesellschaft wäre die Befriedigung des dringenden Bedürfnisses nach langfristigem, billigem Kredit auf dem jüdischen -Kolonisationsgebiete. Die bewährtesten alten Kolonisten, deren Grundbesitz und persönliche Tüchtigkeit volle Garantie bieten, können ihren Betrieb gegenwärtig nicht vorwärts bringen und -müssen ihre Söhne nach Australien ziehen lassen, weil kein Institut ihnen langfristigen Kredit zu mäßigen Zinsen gewährt. Andererseits bringen manche tüchtige neue Ansiedler nur die .Hälfte des zitr Installierung erforderlichen Kapitals mit. Diesen müßte eine Gesellschaft Boden und Hans gegen Sicherstellung itnd ans Amortisiernng überlassen. Die bis jetzt gemachten Erfahrungen beweisen, daß die jüdischen Ansiedler ihren Ver- -pflichtnngen pünktlich Nachkommen mib volles Vertrauen verdienen. Um nun den Aufgaben, die die jüdische Orientkolonisätion mit sich bringt, gerecht zn werden, hat die ..Allgemeine Jüdische .Kolonisations-Organisation" nach eingehenden Vorstudien sich entschlossen, ein jüdisches Finauzinsti tu t für Bodene r w e r b, P a r z e l l i e r n n g n n d A g r a r k r e d i t ins Leben .zn rufen. Die Satzungen dieser Erwerbsgefellschaft sind so gefaßt, daß sie ihr die Möglichkeit eröffnen, sich auch auf allen anderen, mit einer großzügigen Kolonisation zusammenhängenden -Gebieten —Häuser- und Straßenbau, Industrie, Anlage von Verkehrswegen n. s. w. — zn betätigen. Die Ä. I. K. O. wird sich an der Erwerbsgesellschaft mit ihrem Kolonisationsfonds beteiligen und ihren Mitgliedern die Zeichnung von Aktien empfehlen. Das neue Institut wird jedoch nur dann wirkliche Bedeutung für die Kolonisation gewinnen können, wenn es über ein namhaftes Kapital verfügt. Die Leitung der A. I. K. O. hat daher einen P l a n a u sgearbeitet, a u f G r u u d dessen sä m t l i ch e, die jüdische Kolonisation im Orient a n f rein w i r t s ch a f t l i ch e r G r n n d l a g e a n st r e b e n d e n Organisationen und G ni ppen i h r Kapital i n der neue n Gesellschaft vereinigen k ö n n e n, ohne ihren S o n d e r b e st a n d a n f z u g e b e n. Die außerordentlichen Vorteile, welche durch den Zusammenschluß kleinerer Körperschaften zn einer einzigen kapitalkrästigen Institution erwachsen, sind augenfällig. Nur eine solche vermag die Installierung neuer Kolonien unter fachmännischer Leitung planmäßig und ökonomisch zu organisieren. Nur sie ist in der Lage, die Erwirkung günstiger Bedingungen für die Ansiedler bei den Behörden mit dem gehörigen Nachdruck zubetreiben. Die Notwendigkeit eines derartigen Fiuanzinstitntes und die Bedeutung der Idee des Zusammenwirkens aller verwandten Organisationen ist von nuferen Glanbensgenossen voll gewürdigt worden. Schon heute haben sich zwei andere Körperschaften mit der A. I. K. O. zwecks Gründung der Erwerbsgesellschaft vereinigt. Die über erhebliche Mittel verfügende L a n d e r w e r b sgruppe von B i a l y st o k hat nachstehende Resolution gefaßt: 1. Die Landerwerbsgrnppe zn Bialystok spricht ihre volle Zustimmung zu dem Grundgedanken des Exposes der A. I. K. O. ans, daß eine Vereinigung aller den Bodenerwerb im Orient anstrebenden Körperschaften und Gruppen im Interesse einer gedeihlichen und beschleunigten Fortführung der jüdischen Kolonisation im Orient liegen würde und 2. erklärt sich demgemäß bereit, mit ihrem gesamten, ihr von ihren Mitgliedern zur Verfügung gestellten Kapital von zwei Millionen Mark, eventuell auch mehr, sich an dem Erwerb und der Besiedelung Passender Ländereien seitens der A. I. K. O-, respektive der von ihr gegründeten Erwerbsgesellschaft zn beteiligen. Ebenso hat der Bodenerwerbsverein „Agndath Jisrael" in Jaffa der Leitung der A. I. K. O. nachstehende Erklärung zukommen lassen: ..Der Verein „Agudalh Jisrael" hält es für dringend geboten, den von der A. I. K. O. vertretenen Gedanken, daß sämtliche, die jüdische Kolonisation im Orient auf wirtschaftlicher Grundlage anstrebenden Körperschaften sich zn einereinzigen, kapitalkräftigen Institution auf kommerzieller Basis znsammenschließen sollen, raschestens zu verwirklichen." „Indem sich der Verein „Agndath Jisrael" mit seinem ganzen Kapital an der A. I. K. O.. respektive der von ihr gegründeten Erwerbsgesellschaft beteiligt, fordert er alle verwandten Körperschaften auf, sich ebenfalls der A. I. K. O. auzuschließen, um das gemeinsame Werk auf gesicherter Grundlage^ und in größerem Maßstab fortznführen." Die Bedingttnge.n der Beteiligung an der Erwerbsgesellschaft werden demnächst veröffentlicht werden. Anfragen sind zu richten an das Bureau der A. I. K. O., Berlin W., Nollendorfplatz 6. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag. den 3. Februar abends. Predigt im Stadttempel. Wien. (Plenarsitzung des Knltnsvorstandes vom 29. Jänner 1911, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern.) I. E i n l a n s: Dankschreiben der Frau Helene Knranda für die Kondelenz anläßl. des Ablebens ihrer Mntter Frau Emma Karpeles. — Dankschreiben des Herrn Louis Hirichfeld. namens der Familienmitglieder, für die Aufnahme des Ehepaares Karl und Rofalie Goldschnudt in die Maskirliste. — Dankschreiben der ifrael. Kultnsgemeinde Sr. Petersburg, für die Kondelenz des Knltnsvorstandes anläßl. des Ablebens des Präsidenten Baron David Gönzbnrg. — Dankschreiben der Frau Netty Vogel für die Kondolenz anläßl. des Ablebens ihres Gatten Herrn kaiferl. Rates Friedrich Vogel. —' Dankschreiben des Herrn k. k. Hofrat Professor Dr. Eduard Lang für die Gratulation anläßl. seines 70. Geburtstages. — Dankschreiben des Herrn Prof. Sigmund Bachrich für die Gratulation anläßl. seines 70. Geburtstages. — Dankschreiben des Herrn Prof. Dr. Ludwig Braun für die Gratulation anläßl. seiner Ernennung zum a. o. Professor an der Wiener Universität. — Dankschreiben des Bethansvorstehers Herrn Heinrich Paschkes für die Gratulation anläßl. seines 70. Geburtstages. — Dankschreiben des Herrn Pros. Dr. S. Kraus für die Er-