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Die Wahrheit · 1911-01-27 · Heft 4 (27.1.1911) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Die Wahrheit Nr. 4. Seile 4. iw und «an rr-.' ebenso bescheiden wie gottesfnrchtig ist, sowie daß auch von ihm — nach der Deutung der Weisen;— das Wort gelte: imbr 'nwa' Heil der Glaubensgemeinschaft, die ihn hervorgebracht hat? Wenn im Heiligtume zn Jerusalem der vorgeschriebene Bibelabschnitt vorgetragen worden war, wurden dann — so erzählt der Talmud — die Worte hinzugefügt jK3 -->512 22-22V -rirripV 7H22 „Mehr als ich euch vorgelesen. steht hier geschrieben." Dasselbe darf auch vom Lebensbuche des Dr. Schmied l behauptet werden: es enthält des Segensreichen und Rühmenswerten mehr, als hier erzählt worden ist. Mögen d e m s e l b e n zur F r e n d e d e r Gemeinde und seiner zahlreichen Verehrer noch recht viele u e u e Blätter b e s ch i e d e n sein a-w -p»6! Und dies find die Damen der Kinder Israel. Eine bedeutsame Rede, die wir neulich zu hören Gelegenheit hatten, war jene, welche Herr Oberrabbiner Dr. Gilde mann am vorigen Freitagabend vor einer dichtgedrängten Zuhörerschaft im Tempel der Seitenstettengasse gehalten hat. Ankuüpfend an den laufenden Wochenabschnitt „Schemoth," welcher mit den Worten beginnt: „Und dies sind d i e N a m e n der Kinder Israel" ... erläuterte der Redner zuerst den Sinn und die Bedeutung des Wortes „Schein" im allgemeinen -und den mit dem gleichen Worte ausgedrnckten höheren und vorzngsweisen Sinn für den Begriff Ruhm, Rnf, Anerkennung. Es fei doch bezeichnend, daß von so viel taufenden von Namen ans der alten Geschichte der Perser, Meder, Baby l o n e r und E g y p t e r sich keiner hat erhalten können, sie sind mit den Völkern verschwunden, denen sie entstammt waren. Die b i b lis ch en N a m e u jedoch, besonders die der Patriarchen und ihrer Nachkommen, sind Gemeingut aller Kulturvölker geworden und nicht allein wir Juden nennen uns nach den Namen der Kinder Jakobs, sondern gekrönte Häupter ans Fnrstenthronen, hervorragende Größen der Geisteswissenschaft, große und bedeutende Staatsmänner, Dichter und Denker aller Zeiten können angeführt werden, welche Abraham, Jsak, Jakob, Josef, Efraim n. s. w. geheißen haben und deren Namen'durch alle Zeiten erglänzen werden. In weiterer Ausführung feines Themas bot sich dem Redner Anlaß, eines berühmten Namens zn gedenken, der in unser aller Gedächtnis lebendig fortlebt. Es sind heute 17 Jahre geworden, sagte Dr. Güdemann mit bewegter Stimme, daß einer der berühmtesten, größten und verdienstvollsten Männer in Israel aus dem Leben geschieden. Es ist dies mein unvergeßlicher Freund und Amtsvorgänger Dr. Adolf Jellinek, dessen zündendes und begeisterndes Wort von hinreißender Macht und Wirkung war. Am Freitag „Vajechi" hatte er an dieser Stätte seine letzte Predigt gehalten und zum Wochenabfchnitte „Schemoth" hielt ich auf ihn in diesem Goireshanse den „Hesped" ab. Tief und schmerzlich muß es nnn berühren, daß fein ältester Sohn kürzlich gerade um die Zeit gestorben, welche durch die Erinnerung an den Tod seines großen Vaters die wehmütigste Weihe erlangt hat — eines Vaters, der durch ein halbes Jahrhundert das Wort Gottes verkündet hat, der die Herzen erwärmt, die Seelen zum festen Glauben emporgesührt hat. An der Leiche seines Sohnes, muß ich leider hinznsügen, hat wohl kein Rabbiner den Nachruf halten können. Ich erwähne dieses Umstandes deshalb, weil nicht gesagt werden soll, daß dieser Fall oder Abfall vom Judentnme mir und unserer ehrwürdigeit Gemeinde gleichgiltig gewesen wäre. Es drängt mich zu sagen, daß ich meinen verewigten Vorgänger glücklich preisen muß, den Abfall seines Sohnes nicht erlebt zu haben. Als der berühmte Rabbenu Tam — der Enke! Raschis — auf der Höhe seines Schaffens stand, rief ein gelehrter Zeitgenosse die Worte nirsr „O, Rabbi Salomo, könnte ich dich von dem Staube erwecken, damit du sähest, wie groß dein Enkel geworden ist!" Damals war es die allgemeine Stimme der Welt, daß dieser Enkel seinen Großvater Raschi noch überragt hätte, doch ein ähnliches Wort kann man leider auf den verewigten, großen Mann, dessen wir hellte gedenken, mit Bezug ans feinen ältesten Sohn nicht anwenden. Dem überhandnehmenden Abfall aber kann und soll durch die Schaffung einer großen Liga gesteuert werden, welche tatkräftige und einflußreiche Männer zu ihren Mitgliedern vereinigen würde, um durch das Gewicht ihres Namens so manche verblendete oder irregeführte Menschen vom schändlichen Abfall abzuhalten. Daun wird das Wort wieder zur Geltung kommen: „Und dies sind d i e N a m e n d e r K i n d e r I s r a e l"... __ ‘ —88— Die Gnqnete über die Notlage der Inden in Gnlstien. Angesichts der ersten Tagung der galizischeu Enqnere, die am 23. d. M. in Lemberg stattfand, veröffentlichte der Reichsratsabgeordnete Dr. Josef Gold in der „Neuen Freien Presse" nachstehenden Artikel, dessen Bedeutung darin gelegen ist. daß auf dein Wege des vielgelesenen Blattes weite, auch nichtjüdische Kreise über das gräßliche Elend unter den galizischen Inden aufgeklärt werden. Heute tritt in Lemberg die vom galizischen Laudesausschuß einberufene Enquete zusammen, deren Aufgabe es fein wird, die Mittel und Wege zu suchen, um der in erschreckender Weife überhandnehmenden Notlage eines sehr großen Teiles der galizischen Inden zn steneru. Im Laude selbst sind die breiten Schichten der Bevölkerung nur sehr wenig informiert, über den immer mehr um sich greifenden Pauperismus der jüdischen Massen wie auch über den unheilvollen Einfluß, den ein solcher durch nichts ailfgehaltener, sich selbst überlassener Prozeß schließlich auf die gesamte wirtschaftliche Lage des Landes zn üben vermag. Wenn man bedenkt, daß die Inden in Galizien 12 Prozent der Gefamtbevölkerung ansmachen, und daß sich davon mehr als 8 Prozent in einer geradezu verzweifelten Notlage befinden, daun wird es wohl jedem Einsichtigen klar fein, daß hier eine Vogel Strauß-Politik nichts weniger als angebracht wäre und daß es'nur im wohlverstandenen Interesse des ganzen Landes gelegen ist, in ernster, vorurteilsloser Weise jene Maßregeln ins Auge zn fassen, die hier Wandel schaffen könnten. Daß die öffentliche Meinung in einer so wichtigen Frage förmlich desorientiert ist, kann schon ans dem Grunde nicht verwundern, weil auch bei uns, ganz so wie anderswo, über die wirtschaftliche Stellung der Inden in — es fei mir das Wort gestattet — polaren Gegensätzen geschrieben und demgemäß auch gedacht wird. Wenn auch heute über den Umfang der Enquete nichts Bestimmtes gesagt werden kann, ist es für mich doch feststehend, daß der Frage über die eigentlichen Ursachen des Jndenelends wohl der breiteste Spielraum in den Beratungen zugewiesen werden muß. Und da wird es sich mit aller Deutlichkeit zeigen, daß die erschreckende Verarmung der Inden nur ein Symptom ist, eine Teilerscheinung des allgemeinen wirtschaftlichen Verfalles eines sehr großen und wichtigen Teiles des Landes selbst, des wirtschaftlichen Verfalles nämlich fast aller mittleren Städte und aller ohne Ausnahme im Lande so dicht gesäeten kleinen Städtchen. Die Inden in Galizien bilden mit einer Zahl von 840.000 Seelen 12 Prozent der Gefamtbevölkerung des Landes. Davvn wohnen kaum 25 Prozent in Westgalizien, mehr als 75 Prozent sind also im Osten des Landes znsammengedrängt. Nun ist die Frage von außerordentlicher Wichtigkeit, wie es denn um die Ansiedlungsverhältnisse dieser großen Massen steht. Nach den mir vorliegenden statistischen Daten wohnen mehr als 85 Prozent der Inden Galiziens in den Städten und Städtchen — und das ist der springende Punkt für den ganzen Komplex von Fragen, welcher die Enquete beschäftigen wird. Es gibt eine sehr große Anzahl von Städten und Städtchen in

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