Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 3. (ib. 11 b), baß Verdienst des Fastens besteht in dem Almosen , (das mau dabei gibt) Berachot 6 b. Die Stelle ans Joma 72 b übersetzt er falsch: Der. Arzt anstatt: der G e l e b r t e (asn Töbn), der nicht. innen ist wie außen, ist kein Gelehrter. Namentlich sind Drucksedler oft sinnstörend. So ist auf Seite 100 nicht 1 weniger als dreimal 17 stau 70 zu lesen! Daß solche Kleinigj keilen den Wert des Buches nicht beeinträchtigen, ist selbstvei- 1 stündlich. Aber zu wünschen wäre es. daß bei einer Nenaustage dieses Meisterwerk ganz fehlerlos dastände. damit der Genuß ganz ungetrübt sei. Tempelverein im IX. Wiener Kezirke. Durch die Höhe seiner Leistungen auf kultnellem Gebiete, durch seine musterhafte Verwaltung,, sowie durch die allgemein geachtete Persönlichkeit seines Obmannes steht der israelitische Bethausverein „C h e w r a - B e t h - H a t f i l ah" im IX. Bezirke ui der ersten Reihe der Wiener Tempelvereine und mit Anerkennung muß konstatiert werden, daß er von Jahr zu Jahr in seiner Entwicklung vorwärts schreitet und eines der wichtigsten Zentren des religiösen Lebens in Wien bildet. Ein erfreuliches Bild seiner ersprießlichen Tätigkeit bot wie alljährlich die Mittwoch, den 11. Jänner. 7 Uhr abends, im Zeremoniensaale des Tempels IX., Müllnergasse 21 stattgefnndene Generalversammlung, die heuer noch besonders dadurch an Interesse, gewann, daß der allverehrte Obmann. Herr Gottlieb Bettel heim, turnusmäßig zur Wiederwahl gelangte und dies zum Anlaß nahm, um einen .Rückblick aus die Tätigkeit des Vereines und sein eigenes Wirken innerhalb desselben zu werfen. Aus der gebotenen knappen, aber inhaltsreichen Daistellung konnte man entnehmen, welch große Bedeutung den Wiener Tempelvereinen znkommt. Im.Nachstehenden der Bericht: Der Obmann Herr Gottlieb Beitelheim eröffnet nach Konstatierung der Beschlußfähigkeit die 44. Generalversammlung und begrüßt den in Vertretung des Kultusvorstandes erschienenen Vorsteher Ad. S ch r a m e k, Knltnsvorfteher S. Brod, den Obmann des Nachbarbezirksvereiues Hermann Beck, die Vertreterin des Vereines Franenhort Frau Clot. Benedikt, die Vertreter der Vereine Biknr Cholim. Gomle Chesed und Menschenliebe, sowie die zahlreich erschienenen Mitglieder. Ihr Ausbleiben entschuldigten die Herren Heinrich Goldschmied, Vizepräsident der Kultnsgemeinde Dr. Gust. K o h n. Gemeinderat F r a n k und Gemeinderat Melcher. Hierauf verlieft er eine Zuschrift des Vorstandsmitgliedes Herrn Julius Köpftet n, womit derselbe erklärt, eine Wiederwahl nicht mehr anznnehmen und sein Ausbleiben von der heutigen rechtfertigt. Der Vorsitzende gibt dem Bedauern über diesen Beschluß des um den Verein sehr verdienten, langjährigen Kollegen warmen Ausdruck und hofft, ihn später für den ' Vorstand wieder zu gewinnen. Nach Verlesung des Protokolle» der letzten Generalversammlung durch den Schriftführer Jg. Simon und Fertigung desselben durch Herrn Wilh. P a p p e n h e i m erstattet der Vorsitzende nachstehenden Bericht: Sehr geehrte Versammlung! Indem wir Ihnen über das abgelaufene Vereinsjahr Bericht erstatten, haben wir auf nur wenige bemerkenswerte Vorkommnisse hinznweisen. Unseren langjährigen Bestrebungen ist es endlich mit Hilfe des Vorstandes unserer Kultnsgemeinde gelungen, eine Einigung der sämtlichen Tenchelvereine auf gleichmäßige Trauungstaxen, bei Berücksichtigung einzelner lokaler Bedürfnisse, zustande zu bringen. Dadurch wurde dem unwürdigen Absagen von Trauungen hoffentlich ein Ende gemacht. Der Zusammenschluß der Tempel- und Bethansvereine zu einem Verbände, zwecks Wahrung der den Vereinen und der Gemeinde gemeinsamen Interessen, wurde jedoch vom Vorstande unserer Gemeinde leider nicht gestattet. Bei den letzten Wahlen in den Gemeinde-Vorstand haben wir unseren Einfluß auf die Wahl solcher Kandidaten, welche eine intensivere Pflege des Knltnswesens und der religiössittlichen Erziehung anstreben, mit einigem Erfolge ausgeübt. l Dem patriotischen Gefühle, das unsere ganze Glaubensgenossenschasl beseelt, Folge leistend, haben /wir den 80. Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers unter großer Beteiligung besonders festlich begangen..! . Der späte Eintritt der hohen Feiertage veranlaßte uns, | um dem erhöhten Bedürfnisse nach Andachtstätten gerecht zu!' werden, diesmal ein zweites provisorisches Bethans im Hause H. Lustkandlgasse Nr. 18 zu errichten. Wir wurden darin durch die.persönliche Mitwirkung von Vorständen des Vereines „Menschenliebe" und durch die Hauseigentümerin Frau Rosa Lemberger. welche ans jeden Mietzins verzichtete, wirksam unterstützt, wofür wir hiermit wärmstens danken. Dem erwähnten Umstande schreiben wir es auch zu, wenn der Ertrag der Sitzmieten sich von X 14.184 im Jahre 1909 auf X 15.434 in diesem Jahre erhöhte und die Tempelspenden von K 5369 ans K 7493 gestiegen sind. Dagegen zeigte sich bei den Opferbüchsen ein Sinken von K 1383 auf K 1049. Die Zahl unserer Mitglieder hat sich um 27 auf 318 erhöht. Wenn wir noch erwähnen, daß wir zur sicheren Verwahrung der Traunngsakten und des Tempelschatzes einen Raum schufen, dessen Herstellungskosten wir im nächsten Jahre verrechnen werden und die Herren Julius K o p st e i n und Adolf Moser .in dankenswerter Weise den Anlaß benützten, um den Sitzungssaal auf eigene. Kosten zu renovieren, bleibt uns nur mehr die angenehme Pflicht allen jenen, welche zur Erhaltung und Ansschmücknng unseres Gotteshauses opferwillig beigetragen haben, insbesondere Herrn Kommerzialrat Alfred Winter für die Widmung eines Festvorhanges und Schnlchandecke herzlichen Dank zu sagen. Mögen die Glaubensgenossen auch fernerhin in ihrer Opferwilligkeit nicht erkalten. (Lebhafter Beifall.) Revisor Adolf Moser verliest den Gebarungsansweis und den Auszug aus dem Bilanz-Konto. Zn ersterem wünscht Dr. Ludwig Deutsch Aufklärung über die summarisch eingestellten Spesen von über K 1000. Der Obmann bemerkt, diese Post begreife Vereinsbeiträge, Wassergebühren, Zeitungsannoncen und Verbrauchsmaterialieu in sich.'Die Spezifizierung dieser Posten würde den verfügbaren Raum überschreiten. Das Sekretariat sei jedoch zu jedem Nachweise gerne bereit. „ Herr Kraus beantragt den Ertrag der Opferbüchsen zu heben, indem anstatt wie bisher nur an Montagen und Donnerstagen, jeden Tag abgesammelt werde. Der Obmann entgegnet, dies würde dem Herkommen widersprechen, manchen armen Andächtigen kränken und auch nur geringen Nutzen abwerfen, da ja auch jetzt genug Opferbüchsen vorhanden sind. HerrKnltnsvorsteher Schrämet dankt dem Vereinsvorstande insbesondere seinem Obmann für die mustergiltige Führung des Gotteshauses, das an Schönheit-und Monumentalität nur den Gemeiudetempeln an die Seite gestellt werden könne. Er zollt dem Vereine, der imstande war, 69.000 Kronen aus eigenen Mitteln aufznbringen, seine Bewunderung. (Allgem. Beifall.) Herr Dr. I. S. Bloch beantragt, die Generalversammlung möge dem Vorstände für seine erfolgreiche Tätigkeit den Dank anssprechen. (Angenommen.) Der Obmann dankt für das gespendete Lob. Der Rechenschaftsbericht wird einstimmig zur Kenntnis genommen. Zur Neuwahl von drei Vorstandsmitgliedern und acht Ausschüssen nimmt Herr G. B ettelh eim das Wort. Er sagt: Jetzt, wo er seit 28 Jahren an der Leitung des Vereines stehe, ein Programm zu entwickeln, oder sonst Versprechungen zu machen, scheine ihm zwecklos, könne doch die - schönste Rede die Ansicht der Mitglieder über ihn nicht mehr ändern. Allein man müsse ihm schon" die Eitelkeit verzeihen, sich heute an einiges, was Redner im Vereinsvorstande und mit dessen Unterstützung geleistet, zu erinnern. So. z. B. war es der Redner, der vor nun 25 Jahren noch in der Harmoniegasfe die Freitagabend- - predigten zuerst eingeführt habe. Von dem kleinen Bethanse aus hat sich diese Einführung über Oesterreich-Ungarn verbreitet.. Er hat zuerst den Ban des Tempels beantragt, die erste Spende