Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 5. Nr. 2. „Mit Gott für König und Vaterland gegen das jüdische Gold" lautet der Wahlspruch der neuesten Partei in Frankreich, die jetzt in die politische Arena eingetreten nt. , Gedenkfeier für Ludwig Anglist Frankl. Der diesmalige Vortragsabend' der Gabriel Riesser- Vereinigung gestaltete sich zu einer äußerst eindringlichen stimmungsvollen G ede n l feier fü r den Dichter L n d wi g An gn st Frankl, der neben Berthold Auerbach. Mosemhal und Ludwig Kömpert, dem Dichter und Erzähler der Ghettogeschichten und neben Franzos, dem Schilderer der Juden in Halbasien, als der bedeutendste jüdische Dichter des 19. Jahrhunderts aus dem Gebiet der Ballade und Lyrik angesehen werden muß. Die Skizzierung des äußeren Lebensganges Frankl's, der im Jahre 1810 in Böhmen geboren wurde, leitete der Vortragende Herr Prediger Dr. D. Leimdörser mit dem die Wesensart und Tätigkeit Frankls, der als deutscher Dichter ebensoviel für die Weltliteratur, wie als jüdischer Dichter für die Bereicherung der jüdischen Literatur getan, kennzeichnenden Vers ein: „Die Worte sind meine.Harfen, das Menschenherz, mein Reich." Im frommgesinnten Elternheim unter der Leitung des als Tabakregieverwalters tätigen Vaters, beeinflußt von der Frohnatur der klugen Mutter und dem phantasievollen Gemüt einer dem Kinde Märchen und Geschichten erzählenden Großmutter verlebte Frankl, dessen Unterricht in Latein. Tschechisch und Deutsch der katholische Geistliche, seiner Vaterstadt leitete, die erste Jugend, bis er nach Prag aufs Gymnasium geschickt wurde, wo er sich als ebenso ..guter Stilist, wie als schlechter Rechner auszeichuete. Schon in dieser Zeit dichtend, erzielte er, als er noch vor dem Abiturium stand, einen starken Mißerfolg mit der Aufführttng eines Dramas, während seine Lyrik schon damals anerkannt wurde.. Seinen ersten eigentlichen Erfolg aber errang der junge Medizinstudent mit einer Balladeusammlnng „Habsbnrglied", die durch ihre Widmung an Ferdinand von Ungarn den österreichischen Hof auf ihn aufmerksam machte und ihm das Wohlwollen Kaiser Franzi, eintrug. Nach Beendigung seiner Studien ging er nach Padua der Stätte seiner Promotion zum Or. med., von wo er wenige Monate nachher zu längerem Aufenthalt nach Wien übersiedelte, wo er in innigen freundschaftlichen Beziehungen zu H ö l t y, Grillparzer, H e b b e l, Nikolaus Lena u und Anastasius G r ü n trat. Die von ihm ins Leben gerufenen und mehrere Jahre hindurch herausgegebenen „Sonutagsblätter", eine Zeitschrift. von der Art des - heutigen Kunstwart, machte ihn zum Mittelpunkt des im „Silbernen Kaffee" heimischen Literatenkreises. Äußerst fortschrittlich nnd freiheitlich gesinnt, wurde er in verschiedene politische Händel verwickelt und galt als einer der Anführer der 48er Bewegung. Der Tag, der Oesterreich die ersehnte und heißerkämpfte Preßfreiheit brachte, wurde von ihm mit dem „Lied von der Universität" besungen und gefeiert, das in einer Million Exemplaren uevfauft und von 27 Komponisten vertont wurde. Weniger erfolgreich war seine Tätigkeit als Arzt. Er entsagte ihr vollständig, als die Wiener israelitische Kommune ihn zu ihrem Sekretär und Archivar berief. Dieser Posten, sowie gelegentliche Auslandsreisen führten ihn mit den bedeutendsten seiner Zeitgenossen, wie Pagauini, Thorwaldsen, und dem Archivar der vatikanischen Bibliothek Kardinal Mezzofanti, dem 40 Sprachen und Dialekte beherrschenden Sprachkrösns und andere zusammen. Dichterische Ergebnisse dieser Epoche sind das von Lenau herans-; gegebene bedeutendste seiner lyrischen Gedichte „C h r i st o f o r o Kolombo", seine wundervollen florentinischeu Elegien, die serbischen Nationallieder und sein „Don Juan d' Austria", der ihm am österreichischen Hofe viele Freunde erwarb. Zum Schulrat der Stadt Wien enmmit, ging Frankl ans Wunsch einer wohlhabenden Philanthropin Elise von Lämel, nach Palästina, um dort seine pädagogischen Talente bei Gründung und Organisation einer Schule für arme Kinder jüdischer Konfession zu betätigen. Trotz vieler zumeist durch Zufälle und Aenßerlichkeiten, wie aber auch durch seine Propagierung europäischer Pädagogik für Jerusalem erwachsenden Schwierigkeiten, fühlte er sich hier bald sa heimisch daß. er für die jüdische Literatur so bedeutende Werke wie „Rach Jerusalem" und „Aus Aegypten" veröffeittlicht. Wer diese wie vielleicht auch manche andere seiner Schilderungen und Gedichte ..Primator", „Ahnenbilder", „Tragische Könige" kennt, wird ihn anders beurteilen als manche seiner Kritiker, die da sagen, daß bei Frankl das Denken das Uebergewicht über Empfindung und Gefühl gehabt; für chn als warmherzigen, tief fühlenden und groß empfindenden Menschen spricht neben seinem literarischen Schaffen das Denkmal, das sich Frankl, der Professor der Aesthetik, dem Wien manches Dichter mtö Kompoulsiendeukmal verdankt, selbst gesetzt durch die Errichtung eines B li u d e nin st i tu tes für Angehörige der jüdischen Gemeinde. Rüstig bis ins hohe Alter, starb März 1894 Frankl, den der Kaiser von Oesterreich durch Verleihung des erblichen Adels mit dem Titel eines R itter H v ch w ar r von Frankl (nach dein Blindeuinstitnt, das sich aus der Hohenwarte bei Wien befindet) geehrt, als 84jähriger Greis, der noch im Jahre 1892 bei seiner Rückkunft von Weimar, wohin er sich als Präsident der Schillerstistnng begeben hatte, unserer Vaterstadt einen Besuch abstattete. Bei dieser Gelegenheit besuchte der greise Dichter in Begleitung seines langjährigen Freundes Dr. Leimdörfer Charlotte Emodeu, die ihm einige nngedrnckte Gedichte ihres Bruders zeigte. Hoffnung und Sehnsucht spricht aus dem einer Sure des Korans entnommenen Geleitwort seiner Briese ans den letzten Jahren. Ist der Morgen nicht nah'? Hvffmmg und Sehnsucht, lvie sie seine Glanberrsgenossen hegen ans den Anbruch des Morgens jenes Tages, der der Menschheit volle gegenseitige Achtung bringt, ohne Frage nach Religion und Abstammung. Der Würdigung Frankl's, in die Herr Dr. Leimdörser manche persönliche Erinnerung einschloß, reihte sich zur Abrundung und Vertiefung des Gesammtbildes des Menschen und Dichters die Rezitation verschiedener Dichtungen an, bei der Fräulein Gertrud Friedheim es verstand, als feinsinnige Interpretin die Schönheiten der poetischen Diktion Frankls den Hörern nahe zu bringen, und im Verein mit dem Vortragenden den Wunsch ui ihnen zu erwecken, sich eiugeheu dermit Ludwig August Frankl und seinen dichterischen Schöpsnugeu zu beschäftigen. Für die begeisterte langaudauernde Änfnahme von Vortrag- und.Rezitation zeugte der am Schluß gespendete, lebhafte Beifall des die Aula des Wilhelmgymnasinms bis auf den letzten Platz füllenden Auditoriums aus den vornehmsten Kreisen Hamburgs. Israel. Tempelvereiu für Ke» XtX. SestrK in Wie». Die Generalversammlung des isr. Tempelvereines, für den XIX. Bezirk fand Sonntag, den 8. Jänner unter Vorsitz des Obmannes Herrn Karl Flandrak statt. Nach einleitender Begrüßung der Teilnehmer insbesonders der Ehrenmitglieder Herren kaif. Rat Alexander E n g e l, Edler von Janosi, und Herrn Julius Lederer, ferner der Herren k. k. Banrat Fröhlich, Direktor Simon Heller und Rabbiner Dr. Arnold Frankfurter, sowie der Frau Pekarek erstattete der Vorsitzende nachstehenden Bericht: „Geehrte Generalversammlung! Ehe der Vorstand an die Erstattung des Rechenschaftsberichtes über das abgelansene Jahr schreitet, erachtet er es für seine Pflicht der tiefen Trauer über das frühe Hinscheiden seines verdienstvollen Vorstandsmitgliedes, des Herrn Julius Berger, Ausdruck zu geben. Beinahe 3 Jahre gehörte Herr Julius Berger dem Vorstände des Tempelvereines an und zählte zu seinen fleißigsten Mitgliedern. Dem warmen Förderer unserer Bereinsinteressen bewahren wir ein dankbares Angedenken. Lassen Sie uns auch unserer verstorbenen Bereinsmitglieder, der Herren Martin Vogel, Hermann Altschnl, David Ne mm amu und Gustav Fischer gedenken. Ein feierlicher Trailergottesdienst für die Dahingeschiedeneu findet am