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Die Wahrheit · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Die Wahrheit Seite 7. .... ,. „Geehrte Versammlung!. Der Gepflogenheit gemäß, beehre ich mich, Aber, die -Tätigkeit des Vorstandes, im ' abgeläuseile» XXXVI. Bereinsjähr -Belicht M erstatten' »üd Ihnen die wichtigsten Borkommiriffe:zur Kenntnis ^zltÄbringem ' .'V : i: Der Unerbittliche-Tod-- hat eine Anzahl ausgezeichneter . Mitglieder Hinweggerafft und ein ganz besonderer Verlust. den wir erst m jüngster Zeiterlitte», . muß. in diesem Berichte an ,erster Stellehervörgehoben werden. Wir beklagten den Heimgang' nns'eres'! ausgezeichneten Kollegen .Hermann -Ü i e'b-e r m a n'n. i Fast 40- Jahre hatte: - er; feitiett uner? müdlicheu Fleiß, seinen -hingebungsvollen Elser in den Dienst unseres - Vereines gestellt Inder schwierigsten Epoche desselben, zur Zeit des Temvelbaneh. hat er die Leitung mit sicherer Hand zu führen verstanden und das schöne Werk, -das noch in späteren Tagen Zeugnis ablegen wird von Opferwilligkeit und religiösem Sinn, glücklich beendet. Neben der vollsten Anerkennung für seine segensreiche.Tätigkeit im Borstande unseres Vereines wollen wir hier dankbarst seine, seltenen persönlichen Charaktereigenschaften erwähnen, seine Herzensgute, seine Liebenswürdigkeit, sein hohes Pflichtgefühl und seine außerordentliche Kollegialität. Jeder, der ihn -kannte, wird dem trefflichen und wacker» Manne ein ehrendes liebevolles Andenken bewahren für alle Zeiten. Er ruhe in Frieden! Neben diesem Verluste haben wir zunächst des Ablebens des Herrn -Kommerzialrates Ignatz Großinann zn gedenken, der noch in der Zeit vor dem Tempelban und während desselben eine überaus rührige und nicht genug anznerkennende Tätigkeit für das Zustandekommen des Teinpels entwickelte und deffeu fruchtbringender Wirksamkeit es in erster Linie zn '.verdanken war, daß daß' Gotteshaus schon im Jahre 1884 seiner heiligen Bestimmung übergeden werden konnte. Die Generation, die damals Zeuge seiner ausgezeichneten .Betätignug im Dienste unserer heiligen Sache gewesen ist, ist fast schon ausgestorben. Den meisten von unseren Kollegen war der Name - schon fast entschwunden. Aber in der Geschichte unseres Vereines ist. sein Name verzeichnet und wir wollen ihm an dieser Stelle den Zoll aufrichtiger, herzlicher Dankbarkeit nicht versagen, Mit aufrichtiger Betrübnis gedenken wir weiter des Heimganges unseres langjährigen Revisors, Herrn Ignatz R e s ch o w s ky, der seit -Gründung unseres Vereines ein treues Mitglied gewesen, zum Tempelhause eine namhafte Spende geleistet und in anerkennenswerter Weise seine Funktion als Revisor des Vereines stets ansgeübt hat. Vor wenigen Wochen segnete Herr Bernhard S t r a k o s ch das Zeitliche. Er gehörte auch dem Kreise jener Männer an. die an der Wiege unseres Vereines gestanden und dem Tempelban und dem Vereine selbst durch werktätige 'Arbeit und. opferwillige Spenden die Wege geebnet haben. Wir verzeichnen weiters den Heimgang eines-Mitgliedes, das den regelmäßigen Besuchern unserer Generalversammlnngen aufs beste bekannt war: es ist Herr Karl R e i ß, der seit Dezennien^ in allen Generalversammlungen das Amt eines Skrntators versah und - allezeit ein' - treues Mitglied unseres Vereines gewesen ist. In unserer Totenliste befindet sich auch Frau Berta Grün, die Gattin unseres ehemaligen Vorstandsmitgliedes Karl Grün, die seit -30 Jahren Mitglied des Vereines gewesen; ferner die Herren Philipp Abeles, Josef Wertheim, Sigmund Wolf und unser Senior der Mitgliedschaft Emauuel E r n e tz. Sie haben sich, meine sehr Geehrten, zum .Zeichen Ihrer Traner von Ihren Sitzen erhoben und sind gewiß damit einverstanden, daß vor? dieser Trauerkundgebung in dem Protokolle der cheutigen Generalversammlung Vermerk geschehe. Nach diversen Mitteilungen administrativer Natur fährt dann der Bericht weiters fort: Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, daß der Vorstand der ^Knltusgemeinde unseren Herrn Rabbiner Dr. T a g l i ch t zum Inspektor des Religions-Unterrichtes an den Mittelschulen unserer Bezirke ernannt hat; wir beglückwünschen unseren verehrten Seelsorger zu dieser Ernennung, welche eine wohlverdiente Anerkellnung dieses ausgezeichneten Funktionärs auch seitens der Knltusgemeinde bedeutet. Ans der Chronik des Vereines erwähnen wir noch, daß wir gerne Veranlassung nahmen unseren Kollegen Herrn Schüller gelegentlich der 'Verehelichung seiner ältesten Tochter durch Ueberreichnng einer Adresse zu beglückwünschen und spendete uns derselbe bei dieser Gelegenheit Teppiche für den Tempel. Desgleichen beglückwünschten wir die beiden -verdienstvollen Mitglieder des Bethausvorstandes, Herrn Sigmund G e w i t s ch und Herrn Samu Weiß, aus Anlaß der Vermählung ihrer Söhne und spendete uns Herr Samu Weiß, der ja stets unter den opferwilligen Gönnern des Tempels in erster Linie zu nennen ist, bei diesem Anläße einen Betrag von 100 X. Wir hatten in der letzten Generalversammlung über den Heimgang unseres lieben Kollegen Kommerzialrat 'Karl Kraus seligen Äudenkens berichtet und deffen hochherzigen letzt- -willigen ’ Legates für wohltätige Zwecke erwähnt. Ans diesem Legate erhielten wir durch die Intervention unseres.Präsidenten einen Betrag won 5000 X. Es errichtete weiter Herr Sigmund Nagel für seine Heimgegangene Mutter Johanna N a g e l eine Maskir-Stiftnng. für welche dem Vereine 1000 X. als Zusatzspende zu dem seinerzeitigen Legate des -verewigten Herrn Moritz Nagel zukam. Mit besonderer Dankbarkeit -müssen toir hier der hochherzigen Spende unseres verehrten Mitgliedes Herrn Karl Kör men di erwähnen, der uns eine kostbare Bronce-Uhr -für dem Tempel zum Geschenk, machte. Schließlich danken wir noch verbindlichst unserem stets - opferwilligen Bereinsmitglicde Herrn Heinrich 'Bäck, für die-Widmung von: 2 kostbaren, goldbestickten Thora-Behängen. Sehr geehrte Versammlung! Bor wenigen Wochen fanden in diesem Saale die Wahlen in den Vorstand unserer Knltusgemeinde statt. Bei dieser Gelegenheit wurde Ihr Präsident, welchen das Zentral- Wahlkomitee einstimmig als Kandidaten nominiert hatte, auf die Dauer ■Jüan 6 Jahren in den- Vorstand der Wiener israelitischen Knltusgemeinde -entsendet. Wir müssen in diesem Berichte anerkennend registrieren, daß! nahezu sämtliche in den Bezirken VI und VH abgegebenen Stimmen auf den Erstatter dieses Berichtes entfielen, was wohl als eine Anerkennung dessen Wirkens in unserer Gemeinde gedeutet werden kann. Wir verzeichnen diese Tatsache mit Genugtuung, weil wir uns deffen bewußt sind, daß diese Wahl nicht nur eine bloße Auszeichnung für den Mandatsträg et, sondern ein hoher Gewinn für den Verein ist. der nunmehr wieder seine ihm gebührende Vertretung in dem Kultusrate der Residenz-, gefunden hat. Es ist selbstverständlich,, daß wir in. unserer Anhänglichkeit und in unserem Vertrauen zum Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Treue verharren und nach wie vor unsere Kräfte entsetzen wollen für die Größe und das Ansehen unserer großen Gemeinde, der wir ja als ein wesentlicher Bestandteil angehören und bitten den hier anwesenden Vertreter des Kultusvorstandes von diesen Gefühlen dem Vorstände Kenntnis zu geben. Sie aber, meine sehr geehrten Herren, bitten wir, in der Liebe und Anhänglichkeit zn unserem Vereine nicht zu erlahmen und uns auch fernerhin Ihr freundliches Vertrauen zu schenken." Kasseverwalter Herr kaiserlicher Rat Friedrich Pollak erstattet den Kassabericht, indem er an der Hand des faktischen finanziellen Ergebnisses vom vorigen Jahre eine eingehende Darstellnng der wirtschaftlichen Verhältnisse des Vereines gibt. Er betont, daß sich der Vereinshanshalt seil einer längeren Reihe von Jahren ans der Schneide bewege und daß den wachsenden Anforderungen des Budgets nur durch die geradezu beispiellose Opferwilligkeit der Mitglieder und der Gönner begegnet werden könne. Im abgelanfenen Jahre mußten eine Reihe dringend notwendiger Adaptierungen am Tempelgebäude', welches bereits 26 Jahre bestehe, vorgeuommeu werden, die eine ganz beträchtliche Ausgabe für den Bereitr bildeten und waren wir nur durch das nicht genug auzuerkennende Verdienst unseres Präsidenten, der seinen Einfluß bei Beurteilluig eines hochherzigen Legates, unseres verewigten Kollegen Karl Kraus, s. A. geltend machte, möglich, diese Ausgabe ohne Erschütterung unseres Budgets gu bestreiten. Der Bericht des Herrn Kassaverwalters gipfelt in dem Ersuchen, den Kassabericht genehmigend zur Kenntnis zn nehmen. Hierauf erbittet sich der Vertreter des Kultusvorstandes, Herr Salo Cohn, das Wort, um zunächst auch seiner eigenen aufrichtigen Betrübnis über den schweren Verlust Ansdruck zu geben, den der Verein durch das Ableben seines ausgezeichneten, verdienstvollen Schriftführers, Herrn Hermann 2 i e b e r m a n n, erlitten hat. Auch er verliere mit dem Dahingegangenen einen von ihm hochgeschätzten lieben Freund, und er werde dem Verewigteit seinerseits stets ein ehrendes Angedenken bewahren. Der Herr Delegierte der Knltusgemeinde gibt weiters feiner Freude Ausdruck, daß atlch heuer, wie seit einer Reihe von fast 20 Jahren, durch welche er den Kultnsvorftund bei dieser Versammlung vertrete, die Hauptversammlung des Vereines durchaus nur erfreuliche Bilder der günstigen Entwicklung des Vereines und der nicht genug anzuerkennenden vorzüglichen Leitung des Vereines bietet. Es sei ihm immer eine hohe Freude, der Generalversammlung beiznwohuen, und über die darin gewonnenen hochbefriedigenden Wahrnehmungen dem Kultusvorstaude mit den Worten höchster Anerkennung zn berichten; er werde dies auch im heurigen Jahre tun und er danke würmstens dem vortrefflichen Borstande für die mustergiltige Leitung des Vereines. Er wolle weiters hier, an dieser Stelle, dem Vorstande der Kultllsgemeinde gratulieren, daß er in dem trefflichen Präsidenten dieses Vereines eine überaus wertvolle Arbeitskraft für den Knltusrat gewonnen habe. Er freue sich, Herrn Dr. Engel als Kollegen im Kultusvorstand begrüßen zit können. Schließlich erwähnte der Redner, daß er im vorigen Jahre durch Krankheit, nach langer Zeit zum erstenmale verhindert gewesen sei, an der Generalversammlung des Vereines teilzunehmen. Er wollte damals anläßlich des 2öjährigen Jnbiläums des Vereines auch mürrdlich seine Glückwünsche darbringen und tue dies deshalb erst heute in herzlichster Weise. (Lebhafter Beifall.) Hierauf erstattet der Revisor, Herr Leopold S t o w a s s e r, den Bericht der Revisoren, in welchem er die vollste Ordnung und Genauigkeit in den Büchern des Vereines konstatiert und beantragt, dem Vorstände das Absolutorium zu erteilen und Herrn kaiserl. Rat Friedrich Pollak für-die mustergiltige Führung der Kasfageschäfte den besonderen Dank der Versammlung zum Ausdruck zn bringen. Der Herr Präsident beglückwünscht vor allem den Revisor, Herrn Leopold S t o w a s s e r, anläßlich seiner Genesung nach

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