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Die Wahrheit · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 0 ‘ . . - Die Wahrheit. . Nr. 1. ■; 7 Wenn die vorstehend angeftihrten Airgelegenheiten in der bevorstehenden Session zur Durchführung gelangen werden, so wird diese Periode eine der arbeitsreichsten und auch /für/die fernere Zukunft der Gemeinde bedeutsamsten gewesen sein. Um all dies zu beivältigen, ist aber die intensivste Mitarbeit /jedes einzelnen Vor-standsmitgliedes Notwendig und in dem Sinne lade ich, alle zu gemeiirsamer Arbeit ein." .(Allgemeiner Beifall.) , Herr Dr. Jakob Enge l . erbittet,-sichdas Wort zn folgender Erklärung: Von den nengewählten Vorstandsmitgliedern 8er allgemeinen und der höheren Kurie wurde mir der ehren- : volle Auftrag, dem Herrn Präsidenten für die freundlichen Worte der Begrüßung aufrichtigen Dank zu sagen. Wenn wir uns auch, der eine mehr der andere weniger, in judaicis bisher beschäftigt haben, so eröffnet sich uns dennoch hier, besonders nach den Aussührungen des Herrn Präsidenten, ein großes Arbeiisseld und es beschleicht uns ein gewisses Zagen, ob wir den an uns gestellten Anforderungen gewachsen sein werden. Allein wir hoffen, daß wir unter der leitenden Anweisung des Herrn Präsidenten und des geehrten Vorstands-Kollegiums die nns zngeteilten Aufgaben erfüllen werden und bitten nur, besonders in der ersten Zeit, um Nachsicht und um Wohlwollen in der Zukunft. Nochmals unseren besten Dank. (Lebhafter Beifall.) Konstituierung des Vorstandes. Zum I. Vizepräsidenten wird mit 27von 28 abgegebenen Stimmen gewählt der bisherige I. Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav K o h n. ' Dr. Gustav Kohn, lebhaft akklamiert, dankt für die Erneuerung des Vertrauens. Von der Entwicklung eines Programmes glaube er sich enthoben, da die bisherigen Kollegen im Kultusvorstande seine Tätigkeit zur Genüge kennen nnb dieselbe auch den nengewählten vielleicht nicht unbekannt sein dürfte. Er sei zu alt. um sich zn ändern und könne nur versprechen, daß er in derselben Weise wie bisher auch weiter arbeiten werde. Znm H. Vizepräsidenten wird mit 25 von 28 abgegebenen Stimmen Hofrat Dr. Benjamin Rapp a Port wiedergewählt. Bei der Wahl der Mitglieder des Vertreter-Kolleg i u m s werden wiedergewählt die Herren: Salo Cohn Max Frank Dr. Leopold Kohn Wilhelm Knfsner Prof. Dr. Josef P o l l a k Dr. Markus Spitzer Maximilian Steiner, neugewählt Herr kais. Rat Siegmund Kauders. Kais. Rat Kauders dankt für die ihm durch die Berufung ins Vertreterkolleginm erwiesene Ehre und versichert, daß er bestrebt sein werde, so weit es in seinen schwachen Kräften läge, sich die Zufriedenheit des gesamten Kultusvorstandes zu erwerben. Sohin erfolgt die Wahl in die einzelnen Kommissionen und Komitees-und die Konstituierung derselben. Spende». Von Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern: Als Präsenzgebühr der Pollak Ritter von Rudin'schen Familieu-Stiftung für Arme K300, weiters für Arme K 200 und für den Baufond des Fugbachtempels K 100. Nach Verlesung des Einlaufes wird durch das Matrikelamt nachfolgender Bericht erstattet: Konvalidierung ritueller Ehen. Unter den in Wien lebenden, ans Galizien. Rumänien, Rußland und Ungarn zugereisten Juden befindet sich eine nicht -geringe Anzahl, welche in nur ritueller, d. h. nach den Staatsgesetzen uugiltiger Ehe leben und deren Kinder demnach in den Matriken als unehelich eingetragen werden müssen. Solchen Personen, namentlich aber den Kiirdenr derselben. erivächsen aus diesem Umstande mannigfache .ÜpannHnflichle.iten.Da es den betreffenden Personen, die zumeist der ärmeren und ärmsten Klaffe augehören, an den nötigen - Mittel, oft - - aber auch an /demnötigen/Jifteresif/fehlti .durch eine/ uachnäglich/gesetzliche Eheschließung, ihre Kinder: zn/ legitimieren/U Hai das: Präsidium der Kultusgemeinde im Interesse > dieser Kinder dem Matrikelamte .Heu' Anfftag erteflt, nach Mäglichkeit die Konvalidierung ^ritueller Ehen,dnrchznführen. oder zn fördern,-'Das Matrikelamt"hat-sich zu diesem Zwecke mst den verschiedMii. WohltätigWsmtstaften, an welche die in Rede stehenden Personen in der/ Regel als Bittsteller herantreten, mit der Bitte um Namhaftmachungsolcher Parteien gewendet und sohin in der Zeit vom 1. Jänner bis Mitte November 1910 30 Konvalidierungen vorgenommen. Die in nicht geringer Anzahl.vorhandenen rituellen Ehen verschlechtern aber auch die Statistiken über die Anzahl der unehelichen Geburten sehr zuungunsten der Juden,.woraus leicht falsche, der jüdischen Bevölkerung ungünstige Schlüsse/gezogen werden könnten. ■ Um auch nach dieser Richtung hin möglich Abhilfe zu schassen, hat das Matrikelamt über Anregung des Sekretärs des allg. österr. israel. Bundes. Jakob Krauß,/in den letzten Wochen die Durchführung' von Konvalidierungew außerordentlich rasch betrieben,-damit die sich daraus-ergebenden Resultate schon für die im gegenwärtigen Zeitpunkte stattfindende Volkszählung verwendet werden können. Der Verkehr mit den galizischen, ungarischen und rumänischen Behörden und Matrikelämtern wurde meistexpreß oder auf telegrafischem Wege durchgeführt; von Wiener magistratischen Bezirksämtern wurden 31 Anfgebotsdispense erwirkt, die trotz mangelhafter Dokumente Tu. bereitwilligster Weise erteilt wurden. Auch die k. k. Statthalterei gab nach gepflogener mündlicher Rücksprache weitgehende Erleichterungen zur Durchführung einiger schwieriger Fälle und es gelang dem Amte in der kurzen Zeit von "Mitte November bis 31. Dezember 1910 noch 31 Ehen zu konvalidieren, aus denen ungefähr 120 Kinder stammen. Unter diesen rituellen Ehen war auch die eines städtischen Bediensteten, der plötzlich schwer erkrankte und daher im Bette, getraut werden mußte und dem nunmehr diese Trauung die Zukunft seiner Familie gesichert hat. Auch eine zweite Konvalidierung in Ottakring mußte am Krankenbette vorgenommen werden. Herr Rabbiner Dr. Bach nahm die meisten dieser Konvalidiernngen vor. Der Bericht wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Nach Erledigung von Stiftnngsangelegenheiten wird die Sitzung um Val Uhr mittags geschlossen. Grneraiverjammlimg des Mariahilfer Tempelvereines. Ein nachahmenswertes Beispiel einer geordneten und musterhaften Tempelverwaltnng. unter vollster Berücksichtigung und Befriedigung der kulturellen Bedürfnisse des Bezirkes, bietet der Tempelverein für Mariahilf und Neubau, dessen am 29. Dezember stattgehabte Generalversammlung, gleichwie in den Vorjahren davon Kunde gab, was eine zielbewußte Leitung unterstützt von opferwilligen Mitgliedern zn leisten vermag. Im Nachstehenden der Bericht: Der' Vorsitzende 'Präsident Dr. Jakob Engel eröffnet um V48 Uhr abends die Generalversammlung, erklärt deren Beschlußfähigkeit und begrüßt aufs wärmste den Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Präsidenten Salo Cohn, Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr.. Taglicht, die'Vertreterin des Fraueu-Wohltätigkeitsvereines Frau Dr. Taglicht und Fran Jda Wolf, den Präsidenten des Humanitätsvereines Herrn Dr. Löwy Und Herrn Dr. Josef Bloch. Nach Verlesung des Protökolles der vorjährigen Generalversammlung durch den Schriftführer Herrn August Fischet und Verifizierung desselben durchdie Herren Leopold Pirk und Moritz Tiller, erstattet der Vorsitzende folgenden Bericht.^

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