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Die Wahrheit · 1910-12-30 · Heft 51 (30.12.1910) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 51 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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m. 51. Die Wahrheit Seite 9. Der mit seinen kernigen Worten das die geräumigen Lokalitäten bis ans Das letzte Plätzchen füllende Publikum mit Hinzureißen wußte. Lebhaften Beifall fand das Töchterchen des Bereinsobmannes. Frl. Berta H a m m e r, .mit ihrem wirkungsvollen Bortrage zweier der Feier entsprechenden Gevichte. Herr Ingenieur Singer las einige Skizzen von Scholem Aleichem, die die Zuhörer besonders ergötzten. Der Biolinvirtuose Herr B u n i n fesselte durch einige vorzüglich gespielte Piecen und Herr Fischer durch 'einen ergreifenden Vortrag eines jüdischen Volksliedes. Herr Schriftsteller Grob gab einige seiner selbstverfaßten Skizzen zum Besten. Den Clon des "Abends bildete der Girardi der jüdischen Bühne, Herr Podsamcze, der mit seinen vorzüglichen Kuplets die Zuhörer in die beste Laune versetzte. Es war lange nach Mitternacht, als der Obmann des Vereines Herr M. .H a m m e r mit einigen Schlußworten die schöne Feier schloß. Wien. Samstag, den 31. d. M.. begeht Herr Jakob Schleifer, Erster Kantor der israel. Kultusgemeinde (Fünfhaus), fein zehnjähriges Amtsjnbiläum. Schleifer ist ein sehr begabter tüchtiger Fachmann und! erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Derselbe ist auch seit mehreren Jahren j ein eifriges geschätztes Vorstandsmitglied des Oest.-ung. Kantorenvereines. i Wie uns mitgeteilt wird, werden für den beliebten Funktionär in seiner! Gemeinde maiuiigsache Aufmerksamkeiten vorbereitet. Wien. Soniltag, den 25. d. M.. wurde die Gattin des Herrn .Kantors Dukes von der T ilmnd Thora. Frau Hanne Dukes, die der tiefreligiösen und gelehrten Familie Dnx ans Preßburg entstammt, im Alter von 51 Jahren zu Grq.be getragen. An ihrem Sarge trauern außer ihrem liesbetrübten Gatten ihr Sohn Kantor Ad. Dukes. Dem Schmerz der Hinterbliebenen gab namens der gebeugten Familie Religianslehrer Leop. Blau ans Wsetin ergreifenden Äusdrnck. Herr Rabbiner Schenk widmete der allzufrüh Heimgegangenen einen ehrenden Nachruf als einer wahren würdigen b'H rTtfK- Sie ruhe in Frieden. Wien. (Brigittenau.) Samstag, den 24. d. M., feierte Herr Emannel Deut s ch. aus Szereth an der Waag gebürtig, mit seiner Gattin Katharina das Fest der goldenen Hochzeit rm Vollbesitze seiner geistigen und physischen .Kräfte, ans welchem Anlasse Herr Rabbiner Dr. Abeles an den zur Thora gerufenen Jubilar nach dem Mischeberach des Oberkantor Baffer eine i feierliche Ansprache hielt. Auch Bürgermeister Dr. Nenmayer gratulierte! durch einen Magistratsrat, welcher das übliche Festgeschenk überbrachte.! Das greise Ehepaar ivohnt hier bei ihrer Tochter und besucht fleißig un-! seren Tempel. > Wien «Floridsdorf). Sonntag, den 25. d. M., fand im hiesigen Tempel unter sehr reger Beteiligung der Gemeindemitglieder die Trannng des Fräulein Klara G r ü n w a l d, Nichte des Herrn Knltnsvorstehers j Emannel G r ü nwal d, mit Herrn Fabrikanten Emil Neurath ans j Tyrnau statt. Herr Rabbiner Dr. Rosenmailn verwies in seiner überaus eindrucksvollen Ansprache auf die Verdienste, welche die Familie! Grünivald und namentlich Herr Knltnsvorsteher Emannel Grünwatd um j das religiöse Leben des Bezirkes sich erworben und forderte das Brautpaar! auf, nach dem Vorbilde der Ahnen in gleicher Weise ihr Heim einzurichten. I Die kantoralen Funktionen versah Herr I. Kantor Rosenberg in j exakter Weise. 1 Znaim. Dienstag den 27. d. M. veranstaltete der „Znaimer > Turnerklud" für unsere Kleinen der Kinderriege eine Chanukkafeier, deren ' Verlauf, erzieherische Bedeutung und moralischer Erfolg weit über den ' Rahmen einer gewöhnlichen Feier hinausgingen und daher verdient ansi führlicher besprochen zn werden. Im großen Festsaale des Bürgervereins-!! Hauses versammelten sich in festlicher Kleidung und Stimmung die Eltern mit den Kindern. Nach einem mit tiefen Empfinden und Verständnis von Frl. Fritzi Weiner, einer unserer strammsten Turnerinnen gesprochenen Prolog erschien vor der feierlich brennenden Menore, der 13 jährige Sohn unseres Rabbiners Dr. K a h a n und sprach mit jugendlichem Feuer „die lieben Lichtelein an, deren freundlich stiller Schein gar mancherlei spricht von kühnem Heldenmut, Kamps, Tot und Heldenblnt" und betonte mit der ganzen Kraft seines jüdischen Herzens „Jude, warst ein Krieger einst. Jude, warst ein Sieger einst, stolz und krafrgeftählt." Dieses herrliche Gedicht von Mos. R o s e n f e l d machte tiefen Eindruck. Bei brillanter Beleuchtung folgte dann ein lebendes Bild von 40 weißgekleideten reizenden Kindern, eine Apotheose des großen Makkabäers, mit viel Kunst und Geschmack von Prof. E m m e l und Schauspieler Wilhelms gruppiert. Beim Anblick dieses feenhaften Bildes jubelten die Jungen und weinten j . die Alten. Als dann unter meisterhafter Leitung des Turnlehrers Herrn! Läufer and Frau Nelly F r i e d m a n n ein reizender Kinderreigen anfgeführt wurde, wollte der Beifall und die Begeisterung kein Ende nehmen und die Kleinen mußten stolz und selbstbewußt ihrer Kunst den Reigen wiederholen. Eine Märchenvorlesung vom Schauspieler Wilhelms, eine Kindervorstellung und reichliche Verteilung von Backwerk. Obst rc. an Arm und Reich schloßen das Programm, worauf sich die Kleinen wieder versammelten und in ihrem Namen sprach die 8 jährige Grete K a h a n mit vollendeter Bortragsknnst „den Söhnen der großen Nation" den Dank der kleinen Herzen für die herrliche Feier und reichliche Bescherung. Um das Gelingen der erhebenden Chanukkafeier haben sich vor allem Herr Robert Weine r, Obmann des Turnerklnb und die kunstsinnigen Damen Frau Dr. Helene K a h a n und Fran Hermine W einer, besonders bemüht und ihnen gebührt unser Dank. Es war eine gute Idee die Bedeutung von Chanukka durch eine solenne Feier in die kleinen Herzen tief zu pflanzen. Wenn vielleicht einst in dunkler Zukunft diesen Geschöpfen trübe Stunden des Zweifelns und Entwurzelung schlagen sollten: die nnauslöschbare Erinnerung an die herrliche Chanukkafeier der Kindheit wird in ihnen immer das Bewußtsein der Zugehörigkeit zn einem großen Volke wachrufen müssen. Sch. Szenicz. Unter außerordentlich starker Beteiligung wurde am 25. d. M. Herr Rabbinatsassessor Emanuel Feuer zu Grabe getragen. Der Verstorbene besaß eine umfassende talmudische Gelehrsamkeit und war wegen seiner wahren ungeheuchelten Frömmigkeit allgemein verehrt und geachtet. Er war ein Schüler des weltberühmten Rabbi Jehuda Assod, gehörte zu den Schülern, welche Rabbi Jehuda Assod bei seinem Stellenwechsel von Szenicz nach Szerdahely mirnahm. Mehrere Jahre besuchte er auch die Preßbnrger beim 2'2. In früheren Jahren bekleidete er das Rabdinat Berbocz. doch im Jahre 1881. als das neue Matnkengesetz ins Leben trat nnd der Verblichene der ung. Sprache nicht mächtig war, legte er das Rabbinat nieder und kam hieher als p*T. Ein Vierteljahr- Hundert wirkte er zur Zufriedenheit der Gemeinde. Die Teilnahme beim Leichenbegängniffe war auch eine imposante Kundgebung der allgemeiiren Trauer. Herr Obecrabbiner M a r m o r st e i n hielt in gewohnter meisterhafter Weise einen Nachruf, in welchem er die Verdienste nnd Vorzüge des Verblichenen rühmend hervorhob. AI Tarbe ssicho. Aus dem Ungarischen übertragen von I. Bineta Das ist hebräisch, bitte. Einer der weisen Ratschläge des Jerusalemers Josna ben Johannan beginnt mit diesen Worten. Der weise Rat aber, welchen der sittenstrenge Rabbi gelegentlich irgend einem leichtsinnigen Gläubigen erteilt haben mochte, lautet verdeutscht also: „Sprich nicht mit der Frau. Selbst mit deiner eigenen, nicht, um wie viel weniger mit der Gattin deines Nächsten! Wer oft mit der Frau spricht, bereitet sich selbst Verdruß, ver-' nachlüssigt die Beschäsliguug mit der göttlichen Lehre und gerät schließlich ins Gehenna." Also sagte der Jerusalemer Josna ben Johannan. von dem mir wahrlich nicht bekannt, ob er verheiratet oder Junggeselle, brannlockig oder grauhaarig gewesen. Auf jeden Fall deutet das, was er riet, auf eine kühl puritanische Auffassung hin und ob er Recht oder Unrecht hatte mit derselben, entscheide jedermann nach eigenem Belieben. Salamon Eisenstein, der in der Preßbnrger Jeschiwa Talmud studierte, behauptete lachend, daß er mit uichten Recht habe . . . Dieser Salomon Eisenstein, ein wohlgestalteter gutgelaunter 24 jähriger Bursche, dessen Nacken Fettpolster hatte nnd dessen Lippen geschwellt waren, wohnte im Judenviertel bei einer jungen Frau. Bei einer jungen Frau, deren Mann alt war. Ein junger Zimmerherr, ein junges Weibchen, nnd ein alter, grämlicher Gatte: da wären wir sofort im Reinen, glaube ich. Auch ohne Schriftsteller und Dichter finden sie einander, nämlich der Zimmerherr und das junge Weibchen. Von Uebel aber war, daß Salamon Eisenstein nicht alleiniger Mieter war bei dieser Frau. Er hatte einen Zimmergenossen, der zugleich sein Korrepetitor war, welcher ungeheuer aufpaßte, jedoch nicht auf die Keuschheit der Zimmerfrau, sondern auf die unseres Freltndes Salamon. Israel Felberbaum hieß dieser Zimmergefährte, frommen Lebenswandels, ein engbrüstiger Bocher, welcher, obschon er vom frühen Morgen bis in die späte Nacht den Talmud stndierte, dennoch mit halbem Auge den jungen Herrn beobachtete. Und das mit Recht, glaube ich. Denn Frau Nußwald, die schöne Zimmerfrau, welche kein Dienstmädchen hielt und selbst aufräunne, kam oft in die Stube der Mieter und Salamon Eisenstein blickte bei solcher Gelegenheit nicht in das gelehrte Buch, sondern auf die schöne Frau. Er unterhielt sich sogar oft mit ihr in neckischen Reden, wenn ihn auch der fromme Israel Felberbaum darob tadelte. — Eigentlich weshalb verweisen Sie mir dies? — fragte ihn einstmal Salamon Eisenstein. — Wo steht geschrieben, daß mit einer Fran zu sprechen, eine verbotene Sache wäre? — Wo dies geschrieben stehc? Und dies fragst du noch. Du kannst dich schämen, du unwissender Ignorant. Wo ist der „Pirke Uvos". Nimm ihn nur vom Regal, dorr in der Ecke. Dieser „Pirke Uvos", ist eines jener Bücher des Talmud, welches vom Anfang bis znm Ende eine Sittenpredigt darstellt. Eisenstein nahm ihn herunter und Israel Felberbaum blätterte nicht lange. — Lies dies, Salamon, — sagte er triumphierend und wies auf einen Vers des ersten Abschnittes hin. Eisenstein beugte sich über den großen Folianten und las sonoren Tones, was er geschrieben sah. Daß der Sohn Johanans,

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