Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 51 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 51. Die Wahrheit Seite 5. Schaubrode, den Vorhang, die Kronen und den goldenen Schmuck, du meintest, dieses Inda vernichten zu können nnd siehe, Einer von jenen furchtbaren Brüdern, Hasmonäer nannte man sie, hat das Erbteil der Väter, wie er es bezeichnete, zurnckgenoinmen nnd thronte in Jerusalem, das unser Volk schmählich verlassen mußte. Sie sind unbesiegbar, diese Inden. (Er seufzt tief auf.) Antiochos Epiphanes (Dumpf): „Welche ein Ende! In großem Grame starb ich auf fremdem Boden, nnd niemand half mir, niemand stand mir zur Seile. In meiner Todesstunde mußte ich von dem Siege jener Juden hören, wie sie ihr Heiligtum mit hohen Mauern umgaben, nnd das Bild zerstörten, das ich errichtet hatte. Des Bösen gedachte ich da, das ich in Jerusalem getan. Um nichts ließ ich Menschen töten, Ströme Blutes stoßen um eines Wahnes willen. Alles umsonst. O, es gibt einen Rachegott, der mich hat leiden lassen wegen der Leiden, die ich verbreitet." (Er brütet vor sich hin.) Alexandros (Mit heller Stimme): „Und doch hätte es Mittel gegeben, diese Juden, mit ihren Hasmonäeren, zu gewinnen. Ich war es, der sich Einen von ihnen, und wahrlich nicht den Schlechtesten, zum Freunde und Bundesgenossen machte. Mit einem Briefe habe ich dies getan. In diesem schrieb ich ihm: „Wir setzen dich, von dem wir gehört, daß Dn. ein tapferer Mann feiest und geeignet unser Freund zu sein, als Hohepriester Deines Volkes ein". Ja, so eine Purpur und goldener Kranz vermögen viel, ich hab's an dem Jonathan erfahren, der mir ein Freund geblieben ist mein Leben lang". (Er lächelt schlau.) Antiochos Epiphanes: „Dein Jonathan glich dem Löwen Juda, seinem Bruder, nicht. Der hätte von Verträgen nichts hören wollen. Ich Hab' es ja auch erkannt, dieses Jndenvolk. Da schacherten zwei Priester vor mir um die höchste Würde. Sie krochen mir nach, wie ekles Gewürm. Als ich in jenem Modeim meinen Altar ausstellen ließ, wie kamen sie da die jüdischen Männer, um hier zu opfern. Alles schien gewonnen. Viele in Israel hatten Gefallen an diesem neuen Gottesdienste, opferten den Götzen und entweihten den Sabbath. Es schien wirklich, als würden alle Völker meines Reiches ein Volk werden. Aber es schien nur so. Was ist dies doch für ein besonderes Volk, dieses Judenvolk. Spießen, pfählen, steinigen ließen sie sich für Ihren Gott. Ich denke der Mutter mit ihren sieben Söhnen, wie sie für Ihren Gott gelitten nnd gestorben sind unter den furchtbarsten Martern. Auf diese verstand ich mich wohl". (Sein Gesicht verzerrt sich.) „Aber diese Märtyrer, wie man sie nannte, die hätten das Judenvolk nicht gerettet, das taten" (mit entsetztem Gesichisausdrncke) „Mattathias und seine Söhne, Juda hieß der Eine, der Starke, der Löwe. Entsetzen ergreift mich, wenn ich seiner gedenke. Emmans, Beth-Zur, Beth-Choron, schreckliche Namen von Schlachtfeldern, auf denen meine Söldner niedergemetzelt wurden, wenn Sie nicht früher, die feigen Memmen, geflohen waren, vor den kampfbegeisterten Scharen Judas, des Löwen. Dein Jonathan, Alexandros, glich wohl nicht ganz Juda, dem Makkabäer". A n ti o ch o s Eup a t o r: „Er glich wohl auch dem Elafar nicht, der bei Beth-Zacharia fiel. Dorthin war ich mit Lysias, meinem einstigen Erzieher, gezogen. Furchtbar war das Schlachten. Groß nnd stark war unser Heer. Sie erschraken, da sie hörten den Lärm unserer Menge, das Klirren der Waffen, das Stampfen unserer marschierenden Haufen. Nun naht Juda, es fallen auf unserer Seite, von seinem Heeregeschlagen, 600 Mann. Und jetzt vollendet Elasar, Judas Bruder, seine Heldentat. Er unterläuft einen Elephanten, auf dem er wohl mich vermutete. Kühn lief er mitten in die Phalanx, tötete zur Rechten und zur Linken, alles wich vor ihm zurück... Da er aber den Elephanten tötete und der zur Erde fiel auf ihn, starb der kühne Jüngling dort. Ja sie waren Helden, diese Hasmonäer. Das Blut des Mattathias rollte in ihren Adern". Alexandros: „Und doch gab es unter jenen Juden auch Memmen, wie Menelaos, Jason, Alkimos. Starker Schatten bei vielem Lichte". (Es ist heller geworden. Man sieht den See Asphar leuchten und das tote Meer. Im Norden erscheinen die Hügel, die Jerusalem umgeben und heben sich am Horizonte ab. ES weht Morgenluft). Mattathias erscheint, von Jonathan, I o ch a n a n und Simon, seinen Söhnen, begleitet. Mattathias (Ehrwürdiger Greis, mit langem wallenden Barte und dem feurigen Auge des Jünglings): „Wer sind die Drei, die hier einsam am Felsen lagern? Ha, was seh' ich, ist nicht der eine Antiochos, der Erzfeind nuferes Geschlechtes? Aber wohin ist sein Uebermnl, sein Trotz geschwunden? Ist das der König mit der frechen Slirne? Ganz gebrochen scheint er mir nun". Jonathan (Hohe Gestalt im hohepriesterlichen Gewände, mit dem Panzer über dem Priesterrocke, das Schwert an der Seite.): „Und der Zweite, mich täuscht mein Auge nicht, ist Alexandros, Balas, wie er auch hieß. Er war ein Freund mir nnd unserem Volke. Hat mich erhöht und Freundschaft mir bewahrt, gegen Demetrius den Syrerkönig. Mattathias (Vorwurfsvoll): „Bewahrt der Fremde uns Inden jemals die Treue? Wo ist doch I n d a, mein Sohn, mein Liebling, der n n r zu kämpfen nnd zu siegen verstand"? S i m o n (Greisenhaft): Unsere Lage war nach Judas Tode furchtbar, verzweifelt. Wir mußten zu dem Mittel der Verträge greifen, sonst wären wir verloren gewesen". Joch an an (Gebeugt): „Ja, ich hab's erfahren, da ich von Jonathan zu den Nabatäern, unseren Freunden, gesandt nnd von den Söhnen Jambei erschlagen wurde. Es war eine fürchterliche Zeit". Mattathias (Begeistert): „Und doch hätte Inda keine Verträge geschloffen. (Er hat sich inzwischen mit seinen Söhnen den Syrerkönigen genähert.) Jonathan (Mitleidig): Das ist die einstige königliche Pracht nnd Herrlichkeit. So vergeht der Welten Ruhm. Alexandros (Bewegt): Bist Du es, Jonathan, mein und meines Sohnes Freund. Sei gegrüßt". Mattathias: „Und dies ist der rasende Epiphanes". Antiochos Epiphanes (Herb): „Spottest Du meiner, Priester? Nun kann ich Deinem Volke nicht mehr Leides tun. Ich bin ein gefallener Stern. Bemitleide mich. Dein Gott krümmte meine Pfade und verhärtete mein Herz. Das vergossene jüdische Blut kam auf mein und meiner Kinder Haupt. Ich denke, Dein Rachegott kann sich damit begnügen". Mattathias (Erhaben begeistert): „Nicht der Rachegott ist's, denr wir dienen, nein, in Liebe hüllt er sich und vergilt dem Frevler, nach dessen Händewerk. Dn hast gebüßt, Epiphanes, es sei Dir verziehen. Unser Licht leuchtete wieder auf Zions Höhen, nicht prunkend ist's, wie Dein Purpur, bescheiden glänzt es nnd ist bestimmt, mit seinem Strahle das ganze Erdenrund zu erhellen". Antiochos Epiphanes (Spöttisch): „ Schwärmer, der Du warst und bist. Der Haß ist mächtiger, als die Liebe und Dein Stamm wird, in Jahrtausenden noch, von ihm zu leiden haben. Das ist der Fluch, der auf euch ruht." Mattathias (Zuversichtlich): „Und doch wird die Liebe siegen, wie das Licht die Finsternis überwindet." — (Es ist ganz helle geworden. Ueber Jerusalem leuchtet das junge Morgenrot.) Juda: (Groß, gewaltig, vollständig gerüstet, das Schwert in der Rechten, stürmt heran.) Elafar: (Jugendlich, voll Feuer, ihm zur Seite.) Juda: „Hier also liegt überwunden, der Syrer Glanz. Mein Volk aber, für das ich gekämpft, lebt fort. Preis Dir, o Herr. Wer ist unter den Mächtigen gleich Dir, wer ist gleich Dir, erhaben in Heiligkeit, Wundertäter?" Elafar: „Und dort kauert er, der königliche Knabe, Eupator, mit dem wir bei Beth-Zacharia kämpften. Erinnerst Dn dich, Bruder?" Juda: (Umarmt Elafar): „Wer sollte Deiner Heldentat nicht gedenken? Mein Elasar, du sielst wie ein Held." Mattathias (Verzückt): „O, meine Söhne, wie reich bin ich."