Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 51 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 51. gewesen. Einen besonders feindseligen Ausdruck dieses „Polenhasses" gab der Abgeordnete Karl Hnßar, der in Begleitung einer judenfeindlichen Motivierung die folgende Interpellation an die Regierung richtete: „Haben die Herren Minister des Innern und der Justiz Kenntnis davon, in welcher Weise das in Nordwesten wohnende ruthenische Volk wirtschaftlich und moralisch von den ans dem Norden massenhaft einwaudernden Juden zugrunde gerichtet wird? Hat die Regierung Kenntnis von dem in dieser Gegend überhandgenommenen Wirtshaus-, Vieh-, Weide-, Arbeits-, Geld- und Bodenwucher? Hat die Regierung Kenntnis davon, daß das Land vom Norden abermals durch größere einwandernde Gruppen gefährdet .wird? Ist die Regierung geneigt, das ruthenische Volk mit aller Kraft gegen die Mißbräuche der Kazaren zu schlitzen? Ist die'Regierung geneigt, für diese Gegenden Ansnahmewnchergesetze zu schaffen, das Besitzminimum festzustellen und zu schützen, die lveitere Einwanderung zit verhindern, die Genossenschaften nachdrücklicher zu unterstützen, die Schanklizenzen einznschräukeu, die Schulen zu vermehren und zu verbessern und die Zahl des Sanitätspersonals entsprechend zn vermehren? Mann hat leider Grund zu befürchten, daß diese Interpellation von den jüdischen Abgeordneten im Ungarischen Reichstag unterstützt werden wird . . . Der neue Berfassnugseutwurf für Elsaß-Lothringen enthielt eine für die Anerkennung und Gleichberechtigung der jüdischen Religion höchst bedeutsame Bestimmung. Nach der neuen Ordnung soll eine erste und eine zweite Kammer gebildet werden. Letztere soll aus allgemeinen und direkten Wahlen mit geheimer Abstimmung hervorgehen, erstere außer den vom Kaiser Berufenen aus Vertretern der Universität, der Städte, Gerichte, Gewerbe- und Handwerkerkammern sowie der Geistlichkeit und religiösen Gemeinschaften bestehen; unter ihnen befindet sich ein Vertreter der israelitischen Konsistorien. Das ist eine Bestimmung, die mit großer Freude zu begrüßen ist. Eine Anerkennung der jüdischen Gemeinschaft, von 'der mau nur wünschen möchte, sie würde ans andere deutsche Länder übertragen. * ■* Von kriegerischen Leistunge n jüdischer Soldaten in Italien erzählt zufolge der „Vossischen Zeitung" der Oberst Dovara in der „Grand Jtalia": Im Jahre 1848 wurden die Freiwilligen aus Piemont meist den Bersaglieri zugeteilt; man teilte sie in drei Kompagnien: die Studenten bildeten die 3. Kompagnie des 4. Bataillons, die Juden die 7. Kompagnie und die anderen Freiwilligen die 4. Kompagnie. Die sogenannte Hebräerkompagnie zeichnete sich, wie Oberst Dovera berichtet, ganz besonders ans- Sie war aus der Katastrophe, in welche das piemontesische Heer hiueingerateu war. unversehrt hervorgegangen und rettete dann in Mailand Karl Albert aus großer Gefahr. Als dann im Jahre 1849 der Krieg von neuem begann, überschritt die Hebräerkompagnie mit der 8. Kompagnie, unter Führung König Alberts, den Ticino und kämpfte überaus tapfer bei der „Ssor- ,;esca". Zwei Tage später tat sie bei der „Bicocca" wahre Wunder von Tapferkeit. Inmitten der Kompagnie wurde der General Perrone getötet und der heldenhafte Major Lyons durch >'ine Kanonenkugel schwer verwundet und ans dem Sattel geschleudert. Unter dem .Rufe: „Rächen wir unsern Major!" stürzte sich die Hebräerkompagnie dann aus den Feind, den sie mit solchem Ungestüm angriff. daß er in wilder Flucht das Schlachtfeld verließ. Als die Hebräer dann erfuhren, daß in ihrer Nähe ein Infanterieregiment von Savona von der feindlichen Uebermacht hart bedrängt werde, und daß seine Fahne bedroht sei, wandten sie sich mit großem Elan dem neuen Feinde zn. Hanptmann Cattaneo, der Führer der Kompagnie, wurde schwer verwundet. daß er wenige Tage darauf starb: der Leutnant Ritter Radicati, der an seine Stelle trat wurde getötet; von der ganzen Kompagnie kehrten nur etwa 40 Bersaglieri unter der Führung des Unterleutnants Dr. Modena heim; aber die Fahne wurde gerettet. In dem soeben erschienenen Berichte der „A n g l o- I e w i s h A s s o c i a t i o n" wird ein sehr trauriges, aber leider sehr zntreffendes Bild der Lage der rumänischen Inden entworfen. Im abgelausenen Jahre ist in Rumänien kein einziger Fall vorgekommen, in dem ein Jude gerecht behandelt worden wäre. Im Gegenteil, die ganze rumänische Gesellschaft verhielt sich gegen die Juden feindselig nnd ersann immer neue Verfolgungsarten im Wege der Gesetzgebung oder aus administrativem Wege. Die Lehrer^ die Gesetzgeber in Parlament, die Minister nnd die Beamten scheinen überhaupt nichts anderes zu tun, als durch ihr Beispiel die Bevölkerung zum Hasse gegen die Inden ausznmuntern. Die von den Professoren I o r g a und C n z a unter den Schülern angefachte antisemitische Propaganda hat so sehr an Umfang gewonnen, daß den jüdischen Schülern der Besuch der Lehranstalten unerträglich gemacht wurde. Dieses Treiben ist so arg geworden, daß selbst chauvinistisch-nationale Professoren sich veranlaßt sahen, gegen diese Verrohung der Jugend zu protestieren,» natürlich erfolglos. Die Regierung läßt die Antisemiten ruhig gewähren, weil sie diese Zustände für ihre politischen Zwecke braucht. Sollte die Regierung in die Hände der jetzigen Opposition übergehen, so würde die jetzige Regierungspartei nach russischem Muster das Volk gegen die Inden anshetzen, es zit Pogromen treiben, um ans diese Weise die Regierung zu kompromittieren. So war es auch anläßlich des Bauernansstandes im Jahre 1907. Die wirtschaftliche Unterdrückung der Inden geht natürlich ihren traurigen Weg weiter. Durch verschiedene Gesetze und Verordnungen werden die Inden allmählich ans dem gesamten Handel nnd aus der Industrie verdrängt und die Notlage der jüdischen Bevölkerung wächst von Tag zn Tag. Schließlich wird darauf hingewiesen, daß die europäischen Regierungen vor zwei Jahren, als die Idee einer Konferenz wegen Richtigstellung des Berliner Vertrages austauchte, der rumänischen Regierung die Zusicherung gaben, daß auf dieser Konferenz die rumänische I u d e n f r a g e nicht werde berührt werden. Dieses Verhalten der Mächte hat die rumänischen Machthaber nur noch aufgemuntert, in ihrer Verfolgung und Bedrückung der Inden sorglos nnd unbekümmert um ihre Vertragspflichten so weit zn gehen, als ihnen beliebt. Finsternis nnd Ficht. Ein Chaiiukkaspiel von Dr. M. Grünfeld. Personen: Autiochos Eoiphanes, Syrerkönig Antiochor Eupawr } Söhne Alexandros, genannt Balas J " ' Mattathias, ein jüdischer Priester. Jochanan, Simon, Juda, der Makkabäer, Elasar. Jonathan, dessen Söhne. Schauplatz: Wüste Thekoa, am See Asphar, südöstlich von Jerusalem. Sümpfe, Gestrüpp. Aussicht ans das tote Meer. In der Ferne die Berge Moabs und der Oelberg. A n t i o ch os E p i p h a u e s. (Wirres Haar, unsteter Blick, verzerrtes Antlitz. Starrt, während er ans einem kahlen Felsen sitzt, zur Erde nieder. Es herrscht tiefe Finsternis, dunkles Gewölk jagt am Himmel, Windstöße.) Antiochos E u p a t o r (Jugendlich, helles Auge.) Alexandros (Kräftige Mannesgestalt, schlauer Blick.) Anliochos Enpator (zum Vater gewendet): „Das also ist das Ende unseres Geschlechtes, das mit dem Stammvater Selenkos so glänzend begonnen, der nach des großen Alexandros Tode, Syriens Krone aufs Haupt sich setzte". Du, o Vater, unheilvoller Ahne eines unheilvollen Geschlechtes, gingest in Judas Heiligtum, nahmst den goldenen Altar und die Leuchter und die goldenen Geräte, den Tisch der