Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 50 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 50 geschah dies aus Gründen prinzipieller Natur. Die Wiener israel. Kultusgememde ging hiebei von der nicht zu verkennenden Erwägung aus. daß Associationen kleiner Gruppen minderbeiniltelter Leute in wirtschaftlicher Beziehung einen nur geringfügigen Fortschritt aufweisen, in kultur-religiöser Hinsicht aber geeignet sind, das Prestige der jüdischen Gemeinschaft zu tangieren, dem Judentum den Charakter und den Wert der Einheitlichkeit zu benehmen, und dasselbe als zerklüftet und der Sektiererei zuueigend nach anßenhm erscheinen zu lasten. Darum drang der Vorstand der Knltusgemeiude darauf, daß sich die beiden Vereine in ihrem eigensten Jntereste verschmelzen mögen. Diesem berechtigten Verlangen ist nun Genüge geschehen. Es bildete sich ans den Mitgliedern beider Vereine ein Komitee, welches die Fusionierung bezweckte, und da sich der frühere verdienstvolle Obmann des Letroruer Hadath, Herr Sigmund D i ck st e i u, an die Spitze desselben stellte und auch der dermalige Obmann. Herr I. H. Werter, dieser Aktion seine werktätige Unterstützung lieh, so konnte der Erfolg a priori als gesichert betrachtet werden. Nachdem nun die Statuten für den neuen Verein „Ansche Doth wuzedek“ seitens der hohen n. ö. Statthalrerei genehmigt wurden, fand am Montag, den 19. d. M.. 7 Uhr abends im Lokale des Linath Hazedek. XX. Würrembergergaste 4, die konsiiiuiereude Versammlung statt, z» der sich die Mitglieder in großer Zahl, fast 300 Personen, eingefunden hatten. Herr I. H. Wetter erössnerc die Versammlung, gab die Tagesordnung bekannt und mahnte zum friedlichen Znsammeuschlnß beider Vereine, der znm Segen für alle Mitglieder werden möge. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes durch den Schriftführer Herrn Weiner und Erteilung des Absolutoriums, übergab Herr Wetter dem Obmanne des Komitees Herrn D t ck st e i n, den Vorsitz. Dieser, von der Versammlung stürmisch akklamiert. begrüßte zunächst den Berichterstatter dieses Blattes sowie den bald darauf erschienenen Hof- und Gerichtsodvokaten Dr. Josef Zipfer und hielt hierauf eine geistvollen und formvollendeten Vortrag über die Bedeutung des Augenblickes. Nachdem noch Dr. Zipser unter großem Beifall gesprochen hatte, wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten. Gewählt wurden: Das Ehrenmitglied Herr Sigmund D i ck st e i u znm Obmann, I. H a b e r. Obmannstellvertrerer und die Herren I. H. Wetter, S. Bemer, N. Drach, Dachinger, Weiner, Laub, H. Fink, A. Grünspan, S. Reis, D. Urman, M. Zipper und H. Kleingesichr als Vorstandsmitglieder. In die Kontrollkommission wurden gewählt: Ehrenmitglied Herr Dr.Josef Zipser. Ehrenmitglied Herr M. E. Frommer und Herr S. Wenkert. Da auch die Sanktion dieses Vereines seitens der Kultusgemeinde in sichere Aussicht gestellt wurde, kann gesagt werden, daß nunmehr in friedlicher Weise ein Konflikt, der lange von sich reden machte, gelöst und breiteren Schichten konservativ religiöser Richtung die Erfüllung ihrer Wünsche zuteil werde. N. Ch. Wien Montag, den 26. Dezember, 2 Uhr nachmittags, findet im Leopoldltädrer Tempel die Trauung des Fräulein Regine D e u ch e s, Tochter des bekannten Restaurateurs Moriz Deuch es, II., Praterstraße 45, mit Herrn Samu L i ch t m a u n statt. Wien. (Zehnjährige Gründungsfeier eines Bethauses.) Der Belhausvereiu „Freundschaft und Brüderlichkeit" N'NN H., Taborstraße 59, begeht am 26. Dezember l. I.. 4 Uhr nachmittags, die Feier des zehnjährigen Bestandes seines Bethanfes. ans welchem Anlaste ein ITnn *nBD samt Wl’p ‘'72 eingeweiht wird. Zn dieser Feier, bei welcher Oberkantor M. S ck o r r die kantoralen Funktionen verrichten und Lektor Dr. Rubin die Festrede halten wird, werden alle Mitglieder und Glaubensgenosten höflichst eingeladen. Wie«. Montag, den 19. d. M.. 1/2H Uhr vormittags, wurde der älteste unter den Wiener Kantoren. Herr D. L. R o t t e r, Kantor im Bethause des israel. Taubstummen-Institutes, zu Grabe getragen. Trotz seines bescheidenen Wirkungskreises wußte sich der Heimgegangene durch seltene Pflichttreue und Berufsfreudigkeit, sowie durch seinen iutegren Charakter allseitige Anerkennung und Wertschätzung zu erwerben, und besonders in Kollegcukreisen wurden ihm allgemeine Sympathien entgegengebracht. Uni dem dahingefchiedenen Kollegen die letzte Ehre zu erweisen, hatte der Vorstand des Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines — Dank dem Entgegenkommen des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde — für ein würdiges Leichenbegängnis Sorge getragen. Nebst der tiesbetrübten hochbetagten Witwe und den Familienangehörigen waren der Präsident des Kantoren-Bereuies kaif. Rat Singer, die Vizepräsidenten Bauer und Schiller, sowie die Kollegen B a f s e l. D ü n m a n n, L ö w i t. M a t y a s und Schleifer anwesend. Erster Kantor Jnrberger rezitierte in ergreifender Weise das „Hoznr-Tomim", worauf kaif. Rat Singer dem Verblicheuen. der feit Gründung des Kantorenvereines ein treues Mitglied und viele Jahre hindurch Borstandsniitglied war, einen würdigen Nachruf hielt. Im Namen des Taubstummeu-Jnstitutes sprach der Direktor- Dr. Friedeberger einige Abschiedsworte und im Namen der Freunde Herr I. W a f s e r t r ü d i n g e r. Am offenen Grabe rezitierte I. Kantor I. Schiller das „Dl mole rachamim" mit vieler Empfindung. Bukovar Samstag, den 31. Dezember, findet im Tempel anläßlich des Wuffaf-Gottesdieustes die Barmizwah-Feier des Konfirmanden Norbert Schwarcz, Sohn des Oberkaütors Adolf S ch w a r c z. statt. Meran. Am Sonntag, den 16. Dezember, hat das Kuratorium der Königswarterstistung und der Vorstand des Asylvereines den ersten Jahrestag nach ihrem verstorbenen Beirat und I. geschäftsführenden Vizepräsidenten und Ehrenmitglied Herrn Dr. Wilhelm H e r s ch f. A. in feierlicher Weife begangen. Nachdem am Sabbatabend und am folgenden Sonntag unter Beisein des Vorstandes und aller Pfleglinge des Genesungsheimes die üblichen Gottesdienste abgehalten waren, wurde in einer Gedächtnisfeier das Andenken dieses verdienstvollen Mannes gewürdigt. Ein zahlreiches Publikum, unter welchem man die große Schaar der Freunde des Verblichenen bemerkte, füllte das Gotteshaus. Nachdem Herr Oberkantor Lö wy unter stimmungsvoller Harmonium-Begleitung den Trauerpfalm ergreifend vocgetragen hatte, widmete Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Surre in dem Verklärten einen Nachruf, in welchem er in form-- vollendeter und bekaiint gediegener Weise die Vorzüge dieses seltenen Mannes pries. Die beredten Worte erweckr-'n in den Herzen Aller die feierlichste Stimmung. Nach beendetem Gottesdieste enthüllte Präsident Herr Dr. med. Koref das Bild des Verklärten, welches im großen Saale des Hauses seinen Ehrenplatz erhielt und gedachte in warmen Worten der Würdigung der großen Verdienste Dr. Hersch's. Im Sinne des Verblichenen, dessen hervorragender Tätigkeit die Entstehung des Genesungsheimes in Meran zu danken ist, hat dessen Gattin, Frau Dr. Rosa Hersch^ dieses Infi,mt mit einer neuen Betlstiftung im Betrage ven X. 5000.— auf den Namen der Eltern ihres gottseligen Gatten, „'Joachim und Rebekka Hersch" bedacht. Einen schönen Beweis ihrer frommen Gesinnung hat diese Dame auch dadurch gegeben, daß sie in hochherziger Weise für die Synagoge in Meran einen herrlichen Vorhang, für das Allerheiligste eine Altardecke, einen Thoramantel und eine Kanzeldecke gespendet hat. Der Armen, welche im Genesungsheime nicht verpflegt werden, gedachte sie mit einer Spende von X. 100.—, des Dr. Wilhelm Hers ch-Fonds, welcher der Unterstützung armer, ans der Anstalt entlassener Pfleglinge dient, mit X. 200.— und den Unterstützungs-Fonds der Pfleglinge mit X. 50.—. Auch die Familie dieser Dame hat in wohltätiger Weise des Genesungsheimes an diesem Tage gedacht und hat Herr Ignaz Petichek und dessen Gattin, Frau Heleue Petschek geb. Bloch in Aussig X. 200.— gespendet. Das Kuratorium der Königswarterst ftuug widmete an diesem Tage dem Pfleglings-Fond den Betrag von X. 100.— Mehr aber als diese edlen Werke der Wohltätigkeit bedeutet das Wirken der edlen Dame, welche als geschäftsführende Vizepräsidentin des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" die Stelle ihres in Gott ruhenden Gatten mit unvergleichlicher Umsicht und Tatkraft ausiüllt. Nicht zum geringsten Teile ist esdieser Dame zu danken, daß das Genesungsheim in Meran eine so hervorragende Stelle unter den Wohlfahrtsinstituten Oesterreichs einnimmt. Auch diese Herbstsaison wies einen Antrag von Gesuchstellern auf. dem selbst das große neue Genesungsheim nicht mehr gewachsen war. Es ist nur zu wünschen, daß unter der ausgezeichneten Leitung dieses Institut auch weiterhin segensreich wirke. Paris. Am 15. d. M. hat in der Synagoge der Rue de la Victoire die Trauung der Baroneste Mirjam Rothschild. Tochter des Baron Edmund Rothschild, mit ihrem Kusin Baron Albert G o ld-- s ch m i d r - R o t h s ch i l d, Attachd bei der deutschen Botschaft in London, Sohn des österreichisch-ungarischen Generalkonsuls in Frankfurt am Main, Max Freiherrn v. G o l d s ch m i d t - R o th sch i l d, stattgesunden. Der Hochzeit wohnten die meisten Mitglieder der Rothschildschen Familien in Paris, London und Wien bei. Darunter befand sich Baronin Willy- Rothschild aus Frankfurt, die bekannte Komponistin populär gewordener Lieder, welche die Großmutter beider Brautleute ist. Ferner die Schwester des Bräutigams Baronin Philipp S ch e y mit ihrem Gatteir und Baronesse Lucy Goldschmidt-Rothschild. Im Tempel waren auch zahlreiche Mitglieder der hohen französischen Aristokratie erschienen. Aus den reichen Geschenken, welche einige Tage zuvor bei einem Empfang in dem Palais der Rue Faubourg St. Honore bewundert werden konnten, sind hervorznheben da- Hochzeitsgeschenk des Baron Albert Rothschild aus- Wien, Vasen Louis XVI., dann das Geschenk des Großfürsten W l a d im i r von Rußland, die Geschenke des Herzogs und der Herzogin de la T r e m o u i l l e, der Prinzessin B r a n k o v a n, von Camille Saint- Saöns, Hyttinguet, Broglie, Herzog von Gusche u. s. w. Ans Wien waren die Barone Alfred und Louis Rothschild und- Baroneste Valentine Rothschild gekommen. London. Letzten Montag ist Prof. Dr. Emil Reich, aus Eperies gebürtig, hier gestorben. Er war bekannt durch seine populären, namentlich von Damen frequentierten Vorträge über Geschichte und Philosophie. Auchin Cambridge hielt er Vorlesungen an der Universität. Witte. Biele hunderte israelitische Kinder in der Brigittenau sind der bittersten Not preisgegeben. Sie leiden Hunger und frieren. Wir bitten unsere Glaubensgenosten: Nehmet Euch dieser armen zarten Kinder an und helfet nach Eueren Kräften, damit die im Lokale XX.. Kluckygasse Nr. 7 bereits begonnene Ausspeisung im notwendigen Umfange fortgeführt werden könne. Spenden nimmt entgegen: Das gefertigte Komitee für die Verköstigung israel. Kinder in der Brigittenau und die Kasta der israel. Kultusgemeinde in Wien, I., Seitenstettengaffe 4, I. Stock. Dr. I. Samnely Heinrich Weiner Vorstandsmitglied Obmann des Vereines „Brüder" der israei.^Kultusgemeinde IX., Bramergasse 1. I., Fischerstiege 6. Frau Dr. Emilie Weiß Präsidentin des Brigittenaner Frauen-Wohltätigkeits-Bereines XX., Klosterneuburgerstraße 11.