Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 50 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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M 50. Oesterr.-nngar. KaiuorLN-Zeitung Sette II. Ans dein Oest. nng Kantoren-Uerein! Das gesteigerte Interesse, das sich gegenwärtig in den Kreisen der Wiener Kantoren für alle sozialen und fachlichen Standesfragen sowie für die Aktionen des Oesterr.-nngar. .Kantoren-Vereines knndgibt, wird auch bei den Donnerstag, den 22. d. M. statisindenden Neuwahlen des Vereinsvorstandes znm Ausdrucke kommen. Einige jüngere Kollegen sind zur Wahl in den Vorstand vorgeschlagen nnd es ist nur zu begrüßen, wenn neue Kräfte sich mit'den alten erfahrenen Vereins- Funktionären vereinigen, nm ihre gemeinsame Arbeit dem Wohle der Gesamtheit zu widmen. Zn tun gibt es vieles und in der letzten, unter dem Vorsitze des Bereinspräsidenten kaiserl. Rat Singer stattgehabten, zahlreich besuchten Zusammenkunft im Kantorenklnb wurden über Anregung des Vizepräsidenten Oberkantor Bane r einige der wichtigsten Ausgaben besprochen, deren Beratung und Lösung dem neuen Vorstande obliegen werden. Die nächstwöchentliche Zusammenkunft im Klub findet nicht Montag, sondern Mittlvoch, den 28. Dezember 6 Uhr abends statt und die Herren Kollegen werden dringendst ersucht, möglichst vollzählig zu erscheinen. Für Montag, den 2. Jänner ist ein Vortrag des Vizepräsidenten Oberkantor B a n e r angekündigt. Heinrich G. Eisenschimmel. Zn seinem 80. G e b ur ts t ag. Bon B. Singer, Oberkailtor, Jungbunzlau. Es war im August des Jahres 1882 als ich meinen 'Posten in Jnngbnnzlan antrat. Schon zwei Jahre vorher war ich zum Probevortrag berufen, habe aber in dieser Zwischenzeit als Kantor in der Gemeinde Friede! fungiert, so daß ich in dieser Zwischenzeit genug Muße fand, die einst gewonnenen Eindrücke, welche die Gemeinde Jnngbnnzlan bei mir hervorgebracht, im Geiste zu überschauen. Da waren es vor allen die Familien: Anton Beck, Hermann Pick und Heinrich E. E i s e n s ch i m m e l, welche sich gleich bei meiner Bernfnng als wahrhafte Freunde nnd Gönner sympathisch mir zur Seite stellten. Damals, also im Jahre 1880, wo ich eben Probe sang, war ein großer Teil der Gemeinde den örtlichen Traditionen .gemäß gerade nicht orthodox; aber doch stark konservativ. Diese Altkonservaliven waren jeder Neuerung abhold, man konnte ihnen gerade den Sinn für schönen Gesang nicht abfprechen, denn mein Vorgänger Herr Lazar Fröhlich leistete als liturgisch gewandter Vorbeter Bedeutendes; allein das Sehnen, das namentlich die Jüngeren der Gemeinde erfaßte, neue Kompositionen, namentlich von Levandovsky und anderen modernen Meistern zu hören, war für die Alten das Zeichen' der Reform. Sie glaubten sich durch Einführung moderner Gesänge, allwo Die Orgel auch eine Rolle spielt, uns ihrer Andacht heransgedrängt und da sie in mir den Vertreter dieser modernsten Richtung sahen, verhinderten sie meine Aufnahme. Mit der Zeit änderte sich die Situation. Obgenannte Familien, besonders Herr Anton Beck*) und Herr Heinrich E i s e '.i schim m e l, die Kraft ihrer hervorragend sozialen Stellung und Intelligenz einen Machtfaktor bildeten, war es leicht, da sie gleichzeitig Vorstände in der Gemeinde waren, eine Mehrheit zu erlangen, welche bewirkte, daß ich im August 1882 znm sofortigen Antritt meiner Stellung nach Jungbunzlau bernfen wurde. Mittlerweile hat sich in dieser Zwischenzeit ein Chorverein gebildet, der ans Damen und Herren der hiesigen Gesellschaft bestand und es war daher möglich, die geplante Reform gesanglich dnrchzuführen. Dieser Verein hatte die Ausgabe, nicht nur im Tempel zu wirken, sondern alljährlich ein bis zwei Konzerte oder Unterhaltungen zu veranstalten. Daß die Begeisterung hiefür eine bedeutende war, ergeht ans der Mitgliederzahl der damaligen Listehervor, die über 40 ausübende und über 150 zahlende zählte. Nun hatten freilich nicht alle Wirkenden *) Derzeit Tempelvorstand des Jnnerstädtischen Bethauses in Wien. ihre Beteiligung beim Tempelgesauge zugesagt; wenn jedoch nur die Hälfte derselben hätte singen sollen, so wäre kein Platz neben dem Borbeter gewesen, denn um diesen war die Schar der Sänger postiert. Es wurde daher beschlossen eine Galerie zu bauen, und dies geschah auch. Am Geburtstage Sr. Majestät, den 18. August 1883, erscholl der Hymnus „Adonoj beoschou und das Kaiserlied von der Höhe der Chorgalerie. Dieser Erfolg war ein ausgezeichneter. Und alles was nun bisher für Ordnung und wohltätige Reform geschaffen wurde, es war hauptsächlich dem, ich möchte sagen, drängenden Wirken des Herrn Heinrich Eisenschimmels zu danken. Aber nicht nur im Tempel, sondern auch als Vorstand der „Chewra Kadischa“ hat er die ganze Friedhofsanlage mit der dazu gehörenden Halle in musterhafter Weise in Stand setzen lassen, so daß selbst Anwesende aus fremden Städten nicht umhin konnten, ihren Beifall über alles Geschaffene und so praktisch Eingerichtete anszudrncken. War früher der Friedhof ein düsterer Totenacker, so wurde er durch sorgfältige Allpflanzlingen zu einem blühenden Garten. Dabei war Herr H. Eisenschimmel von seltener Bescheidenheit. Des öftern zum Knltusvorsteher gewählt, hatte er diese Würde gerne anderen überlassen, er wollte nur, wie gesagt, der gute Geist sein, der als einfacher Beisitzer mit Rat und Tat der heiligen Sache besser zu dienen glaubte, als mit Repräsentation; obwohl sein sympathisches Aenßere auch hierin wie prädistiniert erschien. In seinem Berufe als Kaufmann stand er stets auf dem Niveau reeller kommerzieller Gebarung und Anschauung, und mittels dieser Eigenschaften hat sich die Firma H. E. Eise ns ch i m m e l von kleinen Anfängen emporgearbeitet zu der Höhe eines Großhandlnngshanses, welches heute durch seinen Sohn Herrn Ludwig Eise u s ch i nt in e l auf dem Prager Platze im großen Stile vertreten wird. In Ansehnng seines weitumfasseuden kanfmänuischen Talentes, sind ihm auch mannigfache Würden seitens der Behörden zuteil geworden. Noch bis heute ist er Direktor der hiesigen städtischen Sparkasse, hatte durch mehrere Jahre dem hiesigen Stadtrate angehört nnd ist Ansschnßmitglied der vornehmsten Vereine. Seine trenbewährte Gesinunng für seine Vaterstadt hat er insoweit bekundet, als er nicht jene Ansicht vieler zu Vermögen gelangender Leute teilte, und das Domizil, allwo er seine Karriere begonnen nnd abschloß, zu wechseln, nm den Abend seines an Tätigkeit reichen Lebens in der fernen Hauptstadt zu genießen; mit nichten, ihm war das Milieu, das eine ruhige Landschaft bot, wo ihm von Jllgend auf der Zauber bekannter Flnren winkte und umfangen hielt, willkommener, als das geräuschvolle Leben großer Städte. An der Seite seiner ausgezeichnelen Gattin, die aus einer der edelsten Familien des Landes entstammt, aus deren Mitte Persönlichkeiten enlsprosfen, die heute zur feinsten Blüte der jüdischen Societät in Böhmen gehören (so Herr kais. Rat Sigmund Ha uro witz in Prag, Handelskammerpräsident und Herrenhansmitglied Alois N e n m a n n in Reichenberg) war ihm vor vier Jahren das Glück zuteil, das goldene Hochzeitsfest in der Mitte seiller Angehörigen zu feiern. In und außer dem Gotteshanse war das Ehepaar Gegenstand großer Hnldiguugen. Möge es diesem edlen Herrn noch lange beschieden sein, in der Vollkraft geistiger nnd körperlicher Frische an der Seite seiner Gemahlin leben und wirken zu können. Austritte uns dem Andenlnm. Gallia Moriz. Direktor der Auergesellschaft, geb. 15. November 1858 in Bisenz. Mähren, IV. Schleifmühlgasse 4. Adler Olga, Komptoiristin, geb. 27. Juli 1883 in Wien, XX. Rauscherstrage 10. Schulz Emma. Kleidermacherin, geb. 2. Mai 1880 in Wien. V. Schönbcunnerstraße 13. Brücker Leopold. Buchhalter, geb. 7. Juui 1869 in Watzeuowitz, Bez. Gaya. III. Raiumofskygasse 24. Salzer Wilhelm, Taglöhner, geb. 1. März 1891 in der Landesgebäranstalt, XXI. Schenkendorfgafse 1. Singer Rosa, Hilfsarbeitern!, geb. 23. Mai 1894 in Wien, XXI. Bismarkplatz 4.