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Die Wahrheit · 1910-12-16 · Heft 49 (16.12.1910) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 49 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 10. Die Wadrtiett. Nr. 49. ein warmfühlendes Herz zu bewahren und mit Rat und Tat werktätig einzugreifen. Fürwahr ein erhebendes Beispiel von Gesinnungstreue in einer Zeit, wo man für Glauben und Tradition nur wenig übrig hat! Die Gemeinde und an ihrer «spitze der Vorstand, waren stets von den aufrichtigsten Gefühlen der Dankbarkeit für diese Wohltäter beseelt und nach ihren allmählichen Ableben hielt es der Vorstand für seine heilige Pflicht, diesen Empfindungen der Dankbarkeit auch offensichtlich Ausdruck zu verleihen. Nicht ephemär, sondern mit dem Bestände unseres Tempels aufs innigste verknüpft, mit ehernem Meißel auf Marmelstein eingegraben, so sollte unsere Dankbarkeit offenkundig werden. Deshalb beschloß der Vorstand einstimmig und mit Akklamation, dem Andenken dieser Mitglieder der Familie Elias im Atrium unseres Tempels eine Gedenktafel zu errichten, deren Enthüllung Sie heute beiwohnen werden. Hochgeehrte Gemeindeversammlung! Saxa loquxmtur! Auch Steine haben ihre Sprache. Und jene Steintafel vor dem Eingailge in unseren Tempel soll Ihnen und den kommenden Geschlechtern eine stete Mahnung sein, mit Dank und Pietät dieser Wohltäter zu gedenken, und wenn ihr edles Vorbild aus den Wohltätigkeitssinn unserer Gemeinde aneifernd wirken sollte, wird dies der schönste Lohn für die Manen der Dahingeschiedenen sein. Nach einer weihevollen Rezitation des „Neuuoda-Issedcma" durch Oberkautor Bauer endete die erhebende. Trauerandacht mit Absinauna des „Ledi^visi". Vien. Am 9. d. ist der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Philipp Meitner, der in früheren Jahren ein überaus lebhaftes Interesse an allen jüdischen Angelegenheiten betätigte und zu den Gründern der „O e st er r. isr a e l. Un i o n" gehörte, hochbetagt nach kurzem Leiden gestorben. Wien. Samstag, morgens ist der als Mensch und Literat gleich hochgeschätzte Schriftsteller Fritz Singer nach längerem Leiden im 70. Lebensjahre gestorben. Er erfreute sich in der Wiener Gesellschaft großer Synipathien und entwickelte auch auf humanitärem Gebiete eine sehr ersprießliche Tätigkeit. Das Leichenbegängnis fand Montag, den 12. d. M. unter großer Beteiligung statt. Im Trauerhause hatten sich eingefunden: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vorstandsmitgliedern sowie dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben, der Präsident der Alliance Jsraslite Ritter von G u t t m a n n mit dem Vizepräsidenten Dr. Artur K u r a n d a, dem Vorstandsmitglied Wilhelm Pappen heim und dem Sekretär Dr. K a m i n k a, der Vizepräsident des Journalisten-und Schriststellerveremes „Concordia" Balduin Groller urit dem Vorstandsmitglied Moritz Epstein und zahlreichen anderen Schriftstellern. Hosrat v. Senta u n, Bezirksrat Max Hitler, kaiserlicher Rat Sachs, Bankier kaiserlicher Rat Leopold Langer, kaiserlicher Rat Arnold Fröhlich, kaiserlicher Rat Dr. Theodor Friedmann, Verwaltungsrat der Creditanstalt Dr. Hans von M a u t h u e r, Generalkonsul Hofrat S. Ritter v. H a h n, Regierungsrat W i s m a y r, der Direktor der Bodenkrediianstalt B a ch r a ch, Sensal Felix Ritter v. S o n n e n t h a l, den Miteigentümer des Theaters an der Wien Joses Simon. Direktor Specht, Kommerzialrat H u t t e r rc. Mit einem Trauerchoral, den Oberkantor Fuchs, begleitet vom ersten Kantor I u r b e r g und dem Chor sang, wurde die Feier eröffnet. Der Sarg wurde dann gehoben und aus die israelitische Abteilung des Zentralfriedhofes gebracht. In der Zeremonienhalle hielt im Namen der „Concordia" Vizepräsident Groller dem toten Bereinsmitglied einen Nachruf. Dr. Hermann Wolf rief ihm den letzten Gruß des Vereines zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studenten in Wien, nach. Für die Israelitische Allianz sprach Wilhelm Pappenhei m, für den Th eresien-Kreuzerverein Dr. Alexander Hirsch. Dann erfolgte die Beisetzung im eigenen Grabe. Die«. Montag, den 12. d. M., ist Frau Eleonore Bettelheim, geb. Frankl, die Witwe nach dem Rothschildschen Güterdirektor Kommerzialrat I. M. B e t t e l h e i m im 73. Lebensjahre gestorben. Die Verblichene war eine durch hervorragende Tugenden ausgezeichnete Dame und an ihrer Bahre trauern acht Söhne, die mit seltener Verehrung und Liebe an der Mutter hingen. Einer der Söhne ist der bei den letzten Wahlen in den Kultusvorstand gewählte Herr Richard Bettelheim. Das Leichenbegängnis fand Mittwoch 10 Uhr vorm, vom Trauerhause II. Glockengüsse 2 unter überaus großer Beteiligung statt. Die Söhne und Geschwister und die übrigen Familienmitglieder der Verblichenen waren im Sterbezimmer versammelt. Unter den übrigen Trauergästen waren zu sehen: der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und den Vorstandsmitgliedern S. Steiner, S. Brod und dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben und Oberoffizia! Fuchsgelb, der erste Prokurist des Bankhauses S. M. von Rothschild Moritz Blum mit den Prokuristen Max Kantor, Pollak u. Kitt, die Rabbiner Papo und Dr. Kaminka, Oberkantor Bauer und Kantor Löwir, kaiserlicher Rat Moritz Waizner, die Gemeinderäte Dr. Mittler, Eder und Frank, die Prokuristen der Kreditanstalt Hitschmann und Leo Klinenberger, die Schriftsteller Ludwig Klinenberger, Ernst Klebinder, Regierungsrat Neumann und Dr. M. Löwy, Notar Dr. Beermann, Advokat Dr. Moriz Ascher, die Börsenräte Breitner und Eichberg, Religionsinspektor Kanitz, Ortsschulrat Dr. Weiß, Großindustrieller Frankl, Finanzier v. Löbl, Abordnungen des fortschrittlichen Bürgervereines „Donauklub" und des Philanlropischen Vereines rc. Nachdem Oberkantor Fuchs die rituellen Gesänge zum Vortrag gebracht, wurde der Sarg auf den Zentralfriedhof gebracht. Nie«. Mittwoch, den 14. d. frühmorgens ist eine der edelsten Frauen Wiens. Fran Mathilde A u s p i tz v. A r t e n e g g, Gemahlin des Großindustriellen Karl Auspitz v. Artenegg, in ihrer Wohnung, Schwarzenbergstraße 3, Plötzlich verschieden. Die Heimgegangene zeichnete^ sich durch hervorragenden Wohltätigkeitssinn aus. Ihr Haus war auch der' Mittelpunkt einer reichbewegten Geselligkeit. Frau v. Auspitz, die sich vielfach junger, insbesondere weiblicher Talente, die künstlerisch begabt waren,, fördernd angenommen, hat auch über den Tod hinaus sich mancher ihrer Schützlinge erinnert. Um die Verstorbene trauern ihr hochbegabter Gemahl,, der 55 Jahre lang in glücklicher Ehe mit ihr gelebt, und drei Kinder, Baronin Anna O d e l g a, die Gemahlin des ehemaligen Sektionschefs im Landesverteidigungsministerium Baron Adolf Odelga und ihre beiden Söhne Theodor und Stephan A n s p i tz v. A r t e n e g g. Vien. Sonntag, den 11. d. halb 12 Uhr vormittags, fand im Tempel VI.. Schmalzhofgasse 3, ein Trauergottesdienst für den vor kurzem verstorbenen langjährigen, verdienstvollen Schriftführer und ehemaligen . Präsidenten des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau Herrn Hermann. Liebermann statt. Wien. (Jüdisches Theater.) Regie: M. S i e g l e r, Hotel S t e f a n i e, II. T a b o r st r a ß e 12. Ab Freitag, 16. Dezember täglich: „D e r j ü d i s ch e Hamlet" von Zalotorowski. Sonntag 18. nachmittags halb 4 Uhr — halbe Preise. — „Kol N i d r e" von S ch a r k a u s k i. Montag, den 19. und Dienstag, den 20. Dezember „D u s P i n t a l e I ü d" von L n b i u. Mittwoch, den 21. u. Donnerstag, den 22. Dezember „Tochter Jerusalem s" von Ch. Wolfstal". Lnndenburg. Unser allgemein beliebter Oberkantor, Herr A. G o l d e n b e r g, der vor kurzem die Musikstaatsprüfung als staatlich geprüfter Gesangslehrer abgelegt hat, wurde vom Kultusvorstande nach dreijährigem in überaus zufriedenstellender Weise zurückgelegtem Provisoriumdefinitiv angestellt. Berlin. Eine der hervorragendsten Persönlichkeiten der deutschenJuden-- heit, Dr. Hirsch Hildesheimer in Berlin, Dozent an dem von seinem Vater Dr. Israel Hildesheimer 1873 begründeten orthodoxen Rabbiner- Seminar und Herausgeber, der „Jüdischen Presse", ist am 6. Dezember abends au den Folgen eines Schlagansalls gestorben. Hildesheimer stand erst im 56. Lebensjahre. Er war schon seit längerer Zeit herzleidend infolge eines Straßenunfalls, den er durch Uebersahreuerlitten hatte, aber nicht bettlägerig. Mit ihm verliert das Gesamijudenrum einen seiner treuesten Söhne, einen seiner würdigsten Vertreter und Vorkämpfer gegen alle Feinde innerhalb und besonders außerhalb unserer Gemeinschaft. Seit dem Wiedererwachen des Antisemitismus stand er in den Vorderreihen der Kämpfer gegen Niedertracht und Bosheit. Insbesondere hat er sich auch eingehend mit der Schächtfrage beschäftigt und im Streite der Meinungen hierüber häufig lseine Stimnie erhoben. Dr. Hildesheimer ist mitten in der Arbeit vom Tode überrascht worden. Als er sich Mitwoch abends in seinem Arbeitszimmer mit einem Besucher unterhielt, wurde er plötzlich von einem Unwohlsein befallen. Beim Verlassen des Zimmers erlitt er dann einen Schlaganfall und fiel zu Boden. Obgleich ein Arzt bald zur Stelle war, konnte er doch keine Hilfe mehr bringen; der Tod war schon eingetreten. Hildesheimer hinterläßt eine Witwe und 6 erwachsene Kinder.— Er gehörte einer ganzem Reihe von Wohlfahrts- und Wohltätigkeitsvereiuen als Vorstandsmitglied an und entwickelte in dieser Eigenschaft eine rührige und stets hilfsbereite Tätigkeit. So verlieren der Hilfsverein sowie der Verband der deutschen Juden, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Verein für jüdische Geschichte und Literatur an ihm einen eifrigen Förderer ihrer Bestrebungen. Zum letzten Judentage im Oktober v. I. erschien er noch in Breslau mitten unter den Arbeitsgenossen und leitete das Preßbureau des „Verbandes der deutschen Juden" als liebenswürdiger und herzgewinnender Kollege. 9hin ist er heimgerufen zu seinem Vater, dem er von Jugend ans ein wackerer Helfer gewesen. Paris. Durch Vermittlung des Herrn Oberrabdiner N a h u m ersuchte die türkische Regierung die Alliance Jsraälite Universelle, in ihr Lehrerseminar in Paris einige für das Lehramt bestimmte muselmanische Zöglinge aufzunehmen. Diesem Gesuch entsprechend, hat das Zentral- Komitee der Alliance Jsraslite Universelle beschlossen, drei dieser jungen' Leute unentgeltlich auszunehmen. Sie wurden von dem Ministerium desöffentlichen Unterrichts in Konstantinopel ausgewählt und sind diese Woche in Paris eingetroffen. Literatur. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Heransgegeben von Leo Winz. Verlag von Ost und West, Berlin 8. 42. Organ der deutschen Konserenzgemeinschast der ^Alliance Jsraölite Universelle." 10. Jahrgang. Heft 12. Dezember 1910. Inhalt-: „Das Wesen des Judentums". (Schluß.) Von Achad H a a m. „Geistige und soziale Strömungen im modernen Islam". Von Dr. Arssne Cahen. „Das Amsterdamer Judenviertel" mit 5 Illustrationen von G. I. S t a l l e r. Von Ernst A l t k i r ch. „Maharam Schiff". Ein Erinnerungsblatt. Von Talmudicus. „Leopold Stein". Zur Erinnerung an seinen 100. Geburtstag (mit Porträt). Dr. S e l i g m a n n. „Schach". Von Dr. Emanuet L a s k e r. Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraslie Universelle": Berichtigung. Die Alliance-Expedition nach dem Demen. Die Israeliten in Rumänien. Bernhard Wilhelm Bonn, Frankfurt a. Notizen: Adrianopel. Tripolis. Persien. Deutsche Conferenz-Gemeinschast der A. I. U. Neue immerwährende Mitglieder. — Inserate.

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