Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 49 (16.12.1910)
- Date
- 1910-12-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 49. ■n •r ‘j .i u; 7i machen, damit den Betroffenen eine erhebliche Entschädigung ausgezahlt werde. Der französische Konsularagent hat außerdem dem französischen Konsul in Bouchir ein Telegramm mit der Bitte geschickt, dort, wenn es angeht, eine Sammlung zn veranstalten. Der englische Konsul Mr. Smart war so freundlich, dem Kawam zu schreiben, daß er den armen Betroffenen das Brot weiterlieferu möchte. Eben habe ich ein Telegramm vom englischen Konsul in Teheran, Herrn Graham, erhalten, der früher in Schiras Konsul gewesen ist. Er spricht mir seine aufrichtige Sympathie bei dem Unglück ans, das die Gemeinde betroffen hat. Ich habe ihm sofort dafür gedankt. Wenn die Ruhe sich bald wieder in der Stadt einstellt, hoffe ich am nächsten Sonntag die Schulen wieder zu eröffnen, schon um den Kindern wieder einmal ein warmes Mittagessen zukommen zu lassen. Selbstverständlich werden nur alle Kinder speisen müssen, die zur Schule kommen. Die Lage der Inden in Schiras ist heute vollständig nivelliert; sie alle sind arme Leute, die unseres Beistandes bedürfen. Die Jude» in der Technik, der Knnst, der Wissenschaft nud als Forscher» Entdecker nnd Erst»der. (Fortsetzung.) Ein Künstler von Weltruf war der 1902 in Homburg gestorbene russische Bildhauer Markus A n t o k o l s k y. Von seinen Werken seien genannt: „Iwan, der Schreckliche". „Peter der Große", „Christus vor dem Volke", „Alexander HI." Ans der Berliner Jubiläumsausstellung erhielt Antokolsly für seinen „Spinoza" die goldene Medaille. In Rom lebt der hochbegabte Bildhauer Henri k Gl icen stein aus Polen, der die große Statue des „Messias" nnd den „Bar-Kochba" geschaffen. Einer der hervorragendsten Künstler war Samuel H i r z e n b e r g, der als Lehrer an der Kunst- und Gewerbeschule des Bezalel nach Jerusalem gegangen war. Besonders bekannt wurde er durch feine berühmten Werke: Spinoza, Der ewige Jude, Die Jeschiba, Das Golnt. Er ist in der heiligen Stadt im Alter von 45 Jahren gestorben. * Sehr groß ist die Zahl der jüdischen Maler. An erster Stelle ragen hervor: Max L i e b e r m a n n und Josef Israels. Der letztere feierte 1909 seinen 85. Geburtstag. Er lebt im Haag wie ein alter Patriach. von aller Welt ausnahmslos hochgeehrt, als der größte holländische Maler. Seine Gemälde werden mit enormen Preisen bezahlt, und zum größten Teil befassen sie sich mit dem Leben holländischer Fischer. Ein großes Gemälde jüdischen Charakters im Banern-Musenm von Amsterdam ist „Saul und David". Liebermann ist das Oberhaupt der modernen deutschen Schule, es ist wohl unnötig, zu seinem Ruhme hier etwas zu sagen. Wie Liebermann in Deutschland für die moderne Klinst gekämpft har, so hat es auch Er n ft I o s ess o n in Schweden getan. Aber während ersterer seinen Triumph erlebte, hat der unglückliche Josesson nach einem erbitterten Kampfe gegen alle Widersacher und für den Triumph der modernett Schule in seinem Lande, die Vewirklichnug seiner Pläne nicht erlebt, denn er wurde wahnsinnig nud starb nach achtzehnjähriger Geisteskrankheit vor einigen Jahren in Stockholm. Seine vordem von den Jurys der Knnstsalons und der Ansstellungeu zurückgewiesenen Werke sind gegenwärtig ein Schmuck, eine Zierde, ein wahrer Schatz für öffentliche und private Sammlungen Schwedens. Nicht viel besser erging es H a n s von M a r 6 e s, dessen Werke in der der Berliner Sezession ansgestellt wurden. Seine Mutter, Friederike, geborene Sußmann, die Tochter eines Halberstädter jüdischen Bankiers, war eine sinnige, in ihrem Kreise sehr geschätzte Dichterin. Marees selbst wurde am 24. Dezember 1837 in Elberfeld geboren und erreichte nur ein Alter von 50 Jahren. Nachdem ihm während seines Lebens fast jegliche Anerkennung versagt blieb, ist er jetzt lange nach seinem Tode zn dem verdienten Ruhm als einer der hervorragendsten Maler- Deutschlands gelangt. Würdig ihm zur Seite stehen die jüdischen Maler: Le s se r U r y, P a ul M e y e r h e i m, N. S i g e l, I s i d o r K a ü st mann, Engen J ettel, Max Krön er, sie werden in erster Linie genannt, wenn man die größten Namen in der Kunst unserer Zeit aufzählt. Aber wohl kaum weniger bekannt sind die Maler: Engen B e n d e m a n n, Max Slevogt, Stru ck, Ernst Oppl er, Abraham Ne um an n, Salomon I. S a lo m on, Loch, Leopo ld H or ow i tz, E du a r d M a g n us, Moritz Oppenheim, Isaak Askenazy und die Zeichner- Lilien und Thomas Heine. Für die T o n k u n st haben die Inden von altersher schon eine große Begabung besessen. Wer kennt nicht den großen. Meyerbeer, den Komponisten der „Hugenotten" nnd des „Propheten". Halsvy, den Komponisten der „Jüdin",. Leoucavallo, den Schöpfer der „Bajazzi", den genialen Spötter O f f e u b a ch, dessen prickelnde Melodien heute noch ihre Wirkung nicht verfehlen, den Schöpfer der „Carmen", Bizet, und Ignatz Brüll, den Komponisten der Oper „Das goldene Kreuz"! Gar nicht zu reden von Felix Me n d els o h n - B a r t h v l d y, dessen Kunst den Altmeister Goethe sooft in Begeisterung versetzte. Der Jude Anton R u b i n st e i n ist in dem antisemitischen Rußland einer der geseierlsteit Tonkünstler. Ein musikalischer Kolorist, ein Makart im Reiche der Töne, ist Karl Goldmark, der Komponist der „Saknutala", des „Merlin", und vor allen Dingen der „Königin von Saba". Karl Goldmark gehört zn jenen weltberühmten Tondichtern, die vom Jndentnme abstammen nnd sich ungeachtet ihrer hohen Stellung als Künstler nicht zur Taufe bereden ließen. Er ist in Keszthely (Ungarn) geboren und konnte am 28. Mai 1910 feinen achzigsten Geburtstag feiern. Rühmliche Erwähnung verdienen ferner Moritz Moszko w ski, Fried. Gernsheim, Adalbert von G o ld s ch m idt.- Auch auf dem jetzt so beliebten Genre der leichten Unterhaltungsmusik, der Operette, haben sich Komponisten, wie Artur S u l l i v a n, nnd Leo Fall, Holländer, Oscar S t r a n s einen Namen geschaffen. Ein musikalisches Phänomen ist der 13jährige Korngo ld, der Sohn des Opernreferenten der Wiener „Neuen Freien Presse", dessen erste sinfonische Dichtung jüngst großes Aussehen eregte. Aber mit diesen glänzenden Sternen am Kunsthimmel ist die Reihe der jüdischen Musiker noch lange nicht erschöpft, nur die allergrößten können hier genannt werden. Von dem Geigerkönig Joseph Joachim hat auch wohl jeder schon gehört,, ebenso von dem Pianisten Alfred Grünfeld nnd seinem Bruder Heinrich Grünfeld, dem Meister des Cellos. Nicht minder von den hervorragenden Klaviervirtnosen Moritz Rosenthal und Artur Schnabel und dem phänomenalen „Wnnderkinde" Mischa Elmau, der schon jetzt trotz seiner großen Jugend,, einer der bedeutendsten Geigenknnstler der Welt ist. Tatkräftig traten für den stark antisemitisch angehauchten Bayreuter Meister ein die beiden Inden Hermann Levi, Generalmusikdirektor in München, der erste Dirigent des „Parsisal" und Heinrich Porges, der Musikdirektor in München war. Beide starben im Jahre 1900, nachdem sie den glänzenden Aufschwung der. Kunst Richard Wagners noch miterlebt hatten.- Ein glänzender Dirigent (wie auch Komponist) ist ferner Gustav Mahler, den das Dollarland uns sobald nicht zurückgeben wird; auch Siegfried Ochs gehört zu den bekannteren Musikdirigenten. Wenn man alle Juden und Jüdinnen,jdie sich in der Musik als Komponisten, Dirigenten oder Sänger und Sängerinnen einen Namen machten, anfzählen wollte, müßte mau ein gut Teil der Musikgeschichte abschreiben. Deshalb seien nur einige besondere Namen herausgegriffen: die Komponisten Ferdinand H i l l e r, Edmund Lassen, David Popper, die Mnsikschriftsteller Ed. H a us li ck, Heinrich Ehrlich nnd Sal. I a d ass ohn, der Direktor der Prager Oper, Angela Neu mann, der seinerzeit das große Wagnis einer Welttournee mit den ersten großen Schöpfungen Richard Wagners unternahm.