Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 49 (16.12.1910)
- Date
- 1910-12-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 49. Die Wahrheit Seite 5. inte hen 'md -iftßen eb't, mt. teil, hre ade [leit bet utg '83 :09 .06 48 nt, fei, ol- 15 der die Ls llit ssa 00 37 ar. .'eit feit itb s), teit rar Hit erich en, ar, cht die!srte ts. eck en ils en iren de en he >er en rs er >ie t e eß er en ti den E i b ^irt o re judaico“ ansgesprochen. Sollte es noch nötig sein, so werben die Notabel« und Rabbiner des Landes jetzt eine ministerielle oder legislatorische Verordnung gegen den sogenanten Judeneid hoffentlich erreichen können, nachdem der 40 jährige Kampf durch einen gerechten Sieg beim gesamten obersten Gerichtshof gckrönt wurde. Was tapferen Männern in Focsani, B r a i l a nsw. lokal gelang, ist jetzt fürs ganze Land durchgesetzt worden. Tr. Niemirower und die ihm unterstützende „Bnei Brith“, welche die durch den Großpräsidkuteu Tr. A. S t e r n gesammelten Gutachten in dieser Frage herausgegeben, werden allgemein gefeiert. Man hofft allgemein, daß die Formen, die nngesetzlicherweise durch eine Verordnung 1844 zur lex Obreja geworden sind, sitzt gewissetmaßeu durch die lex Niemirower des hohen Gerichtshofes endgültig aufgehoben wurden. * * Dieser Tage soll in der Reichsduma die Beratung über das Gesetzprojekt bezüglich Abschaffung des Ansiedlungsrayons beginnen. Vorläufig läßt sich kaum etwas Bestimmtes über das voraussichtliche Verhalten der Tumamehrheit sagen. Da die Entscheidung in den Händen der unzuverlässigen Lktobristen liegt, so ist nicht abzusehen, welches Ende die sehnlichst erwartete Beratung nehmen wird. So viel steht fest, daß man selbst in den optimistischsten jüdisch-politischen Kreisen einen günstigen Ausgang nicht mehr für wahrscheinlich hält. Und so hat denn Dnmaabgeordneter Nisselowitz, der bekanntlich seinerzeit für die Einbringung dieser Vorlage eingelreteu war, dieser Tage erklärt, daß die Einbringung in recht ungünstiger Zeit et folgt sei. Zionisten nnd aridere Asftmi lauter». Von Josef Grob, SSMen.*) An die Lösung dieser Frage muß man sich endlich herantrauen; es wird ja ohnedies nicht mehr lange dauetn, und sie wird zu einer Lebensfrage des Judentums überhaupt herangewachsen sein. Wir werden dann vielleicht noch Zionisten haben; werden wir aber auch noch Juden haben? Auch dieser Frage können wir nicht mehr optimistisch gegeuübetstehen. Tenn eine eigene Art von Zionismus dringt in immer weitere Gesellschaftskreise ein; eine merkwürdige Spezies von Zionisten, die, abgesehen von der nensilbernen Herzl-Nadel in der Krawatte, dieselben Assimilanten bleiben wie die anderen und die vor den anderen, aufrichtigen Assimilanten nur das voranshaben, daß sie für das jüdische Volk eine weit größere Gefahr bedeuten. „Der Zionismus," hieß es früher, „bezweckt die Rückkehr zum Judentum." Das war ja recht schön nnd Millionen jüdischer Herzen schlugen ihm entgegen und knüpften längst geträumte Hoffnungen an ihn. Wenn man sich aber den Aisimilationszionis mus, wie er heute „betrieben" wird und sich leider auch so rasch ausbreitet, näher ansieht, gelangt man rasch genug zur Einsicht: den Zustand, in den wir die westlichen Zionisten gebracht sehen, hat der Zionismus von einst gewiß nicht bezweckt. Ein Typus aus der Schaar der Vielzuvieleu, die nicht nur das Judentum schädigen, sondern auch den Zionismus selbst mit leider bedauernswertem Erfolge untergraben: Er heißt Max. So hat ihn sein Vater, der noch nicht Zionist gewesen war, benannt. Hebräisches Wissen ist ihm viel zu fremd. Gut, daran trägt er ja keine Schuld. Irgend welchen Gottesdienst macht er nicht mit; nicht etwa deswegen, weil er nicht Hebräisch lesen kann, sondern weil ihm das zu „klerikal" erscheint. Max speist Butterbrot mit Schiuke und gerade dort am liebsten, wo ihm recht viele Menschen znsehen können. Er empfindet nur Sonntagsfreuden und Sonntagswonnen. Nur am Sonntag lebt er auf. Am Samstag macht er — er ist doch in erster Linie Student! — die Ausfahrt vor der Aula mit in voller Wichs und Schneid. Zeigt ihm ein paar Tesillin, und er flieht wie vor Bomben, er ergreift mutig die Flucht, wie der *) Nach dem „Volksfreund" aus dem „Jiddischen" übersetzt von Tumann. Satan vor dem Schoser. „Jom Kippur" zu Kol nidre gehl er nicht, zuetst ins Kaffeehaus und dann in den Tempel; das ist ihm zu „verzopft;" er geht zunächst in die Lper zur „Jüdin" und dann erst — in die Pilsenetzer Bierhalle. Zn Mittag speist er mit besonderer Konsequenz im christlichen Restaurant, wie er meint: der Reinlichkeit halber. Ein ruhiges, bequemes Wohnen ist ihm nur unters Christen möglich. Dafür aber trägt er seinen „Magen Dawid" — nur zu oft in der Tasche. Und wehe dem Arier, der ihn einen Saujuden nennt! Fest umklammert er mit seinen Fingern den „Magen Dawid" — in der Tasche — rennt in Franz Schmidts Gasthaus, bestellt einen Schweinsbraten, beißt seine Entrüstung hinein: „Wer ist ein Saujud?" Am Abend nimmt er einen Mund voll Judentum zu fick, steckt die Herzl-Nadl in die Krawatte, gebt in die Versammlung Zionismus predigen, das Judentum retten und Krieg den Assimilanten künden! Es drängt sich nun die Frage ans: Ist eine solche Persönlichkeit wirklich imstande, zur Erhaltung des Judentums beizutragen, oder zur Bekäu pfnng der Aisimilation! Ist er auch nur imstande, die erhabene Idee des Zionismus in - sich ansznnehmen, sie zu einem Teil seiner Seele ztl verarbeiten? — Nein!! — Sein schon viel gescheiterer Kamerad, der „tüchtige Zionist," Rndols, weiß wohl schon, wer Wolisohn ist. Kennt er aber auch sein Volt? Sind diese Leute Vorarbeiter einer jüdischen Znkuust? Nein!! Und wenn nicht die meisten Zionisten meine Meinung teilen, so tun es gewiß alle aufrichtigen Assimilanten. Wie können wir von den Assimilanten verlangen, Zionisten zu werden, iusolauge die Betätigung des Zionismus nur darin besteht: blanweiße Tanzabende zu veranstalten, mit der lrefenen Wurst im Sacke an Herzls Grab zu klagen, Zionisteniieder zu singen — und nicht auch darin: die in unseren Büchern mit Blut niedergeschriebenen zionistischen Gebete zu beachten?! — „Wir sind," sagen die Assimilanten, „schon von Haus aus Assimilanten und mußten es nicht erst ans dem Umwege des Zionismus werden." Wie sehr dieser Jmitationszionismus der zionistischen Idee schadet, wird jedem klar sein. Man wird sich dessen auch schon in zionistischen Kreisen bewußt. Wird das nützen? — — Der marktschreierische Radikalziouismus ist aber auch nickt minder eine Gefahr für den dauernden Bestand der Idee der jüdischen Nationale und des Zionismus. Tenn er umgrenzt sein Gebiet zu scharf, engt es zu sehr ein nnd macht eine Ausbreitung der Idee weder nach links, noch nach rechts möglich; er schafft immer neue Feinde, konstruiert sich zum Teile selbst. Nicht weit vom jüdisch-nationalen Lager stehen bedeutende Kräfte! Darum: N n r nicht z u radikal! — Es liegt nun an denjenigen Juden, die als wahre Inden, logischerweise auch wahre Zionisten sind, diese Mißgeburt des Zionismus, das Assimilalions-Zionistentum mitsamt dem „Hedath-" nnd „Nieder-Ziouistenlnm" zit bekämpfen! Denn diese Zionisten sind dem jüdischen Volkskörper viel zu nahe, als daß sie nicht gefährlicher wären, als die aufrichtigen Assimilanten. Ans der Krrdaprster Gemeinde. Am 27. November fand hier die Wahl der Repräsentanz der Pester israel. Kultusgemeinde statt. In diesem Jahre gab es gar keinen Wahlkampf, die offizielle Liste fand bei den Gemeindemitgliedern eine sehr freundliche Aufnahme, so daß die offiziellen Kandidaten mit ein bis zwei Ausnahmen gewählt wurden. Jni Sinne der Gemeindestatuten wühlt das Präsidium nnd den Ausschuß die Repräsentanz. Bei dieser Gelegenheit ist es wieder zeitgemäß daraus hinzuweisen, daß es zweckmäßig wäre, diese Verfügung der Statuten zu ändern, da es viel richtiger wäre, wenn das Präsidium durch die Gemeindemitglieder gewählt werden würde. In diesem Falle nämlich würden die Kandidaten des Vorstandes ein detailliertes Programm geben nnd die Gemeindemilglieder selbst könnten Kontrolle üben, ob die Vorsteher die Programmpnnkte auch verwirklichen, welche