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Die Wahrheit · 1910-12-09 · Heft 48 (9.12.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 48 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 48. Firma Siemens & Halste eine künstlerisch ausgeführte Gedenktafel für sein Geburtshaus gestiftet. Es bedurfte allerdings erst einer Verfügung des meklenburgifcheu Ministeriums, ehe die Stadtverwaltung Malchins und der Eigentümer des Hanfes ihre Zustimmung zur Anbringung der Gedenktafel gaben. Daß dieser Wink von oben nötig war, kann übrigens nach der Tragikomödie der Heine-Denkinalsfrage niemand befremden. Vielleicht noch viel durchgreifender als die Umwälzungen in unserem Verkehrswesen, die das Automobil mit sich gebracht hat, werden die Umwälzungen fein, die das lenkbare Luftichiff Hervorrufen wird. Und auch der Erfinder des ersten lenkbaren Luftschiffs, der ungarische Ingenieur David Schwa r z, war ein Jude. Er baute den ersten lenkbaren Alnmiuiumballon, der 1897 unter den Auspizen des deutschen Geueralstabs auf dem Tempelhoser Felde gebaut wurde, und dem Grafen Zeppelin ist der Name auch vertrant. Denn nachdem Schwarz gestorben war, übernahm Graf Zeppelin auf Grund einer Vereinbarung mit dessen Witwe den weiteren Ausbau der Schwarzifchen Erfindung. Prof. Arthur B e r f o n, der erste Observator am Kgl. Aeronautischen Observatorium, der sich schon seit Jahrzehnten mit den Problemen der Lu f t s ch i fsa h r t beschäftigt hatte, ist ebenfalls jüdischer Herkunft. Hervorragend beteiligt war er an den durch den Berlitier Verein für Lustschiffahrt veranstalteten wissenschaftlichen Ballonfahrten, die die erste wirklich zuverlässige Grundlage für unsere Kenntnis von den Zuständen und Vorgängen in den leeren Schichten des Luflmeeres lieferten. Großes Aufsehen brachten seine Hochfahrten, die ihn und Prof. Süriug auf die bisher von keinem Höhenforscher auch nur annähernd erreichte Höhe von 10.800 Meter führten. Im Juni 1908 begab er sich mit Dr. Elias tiach dem Viktoria Nyausa, um dort meteorologische Forschungen anzustellen. Es galt besonders, mittels Drachen-Registrierballon- und Pilotballonaufstiegen die oberen Luftschichten über dem äquatorialen Teile des Innern von Ostafrika zu erforschen, um Aufschlüsse über die Entstehung der indischen Monsune zu gewinnen, deren Ursprungsstätte vermutlich hier zu suchen ist. Zu den größten Erfindungen unserer Zeit gehört auch die der elektrischen Kraftübertragung.' Auch diese ist das Werk eines Juden, nämlich des österreichischen Technikers I o s e p h P o p p e r, der am 22. Februar 1838 in Kollin in Böhmen geboren wurde. Er machte verschiedene bedeutende Erfindungen, u. a. einen unter dem Namen „Kesseleinlagen" bekannt gewordenen Apparat, der den Zweck hat. Dampfkessel vor den Schädigungen durch starken Kesselstein zu schützen; ferner den sogenannten Gyroskop, der den rotierenden Kreisel zur Stabilisierung von Torpedos, Schiffen, Flugmaschinen usw. benutzt. Diese Erfindung hat zweifellos noch eine große Zukunft und wurde in neuester Zeit erst für den Bau eingleisiger Eisenbahnen in Anwendung gebracht. Die wichtigste Erfindung Poppers ist aber die der „Elektrischen Kraftübertragung", die er, der damals Vierundzwanzigjährige, als der erste konzipiert und am 6. November 1862 in einer versigelten Abhandlung unter dem Titel „Ueber die Benützung der Naturkräfte" der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien überegeben hat. Er machte darin den Vorschlag, die mechanische Energie von Ebbe und Flut, die Kraft des Windes und die in den Tiefen der. Gebirge niederrauschende Wasserfälle mittels Elektrizität an solche ferne Orte in die Gebiete der Zivilisation zu leiten, wo sie national-ökonomischen Zwecken besser dienlich sein könnten als dort, wo sie ursprünglich vorhanden sind. Poppers Priorität wurde von niemandem bestritten und ist in manchen Handbüchern der Physik auch anerkannt. Wohl verhinderten damals die Verhältnisse die wirkliche Ausführung dieser Idee; allein dies kann wohl an ihrem Wert nichts mindern, denn zur Ausführung waren durchaus keine neuen Erfindungen mehr nötig. Auch als Schriftsteller ist Popper hervorgetreten, er schrieb meistens unter dem Pseudonym „Lynkeus". Der bedeutendste amerikanische B r ü ck e n b au 1 e ch n ick e r Leon M o i s e f f ist ein aus Rußland stammender Jude. Während er das Kollege der Newark Citty besuchte, verdiente er sich seinen Lebensunterhalt durch . Stallarbeiten und Ver-- richtungeu von Laufburschendieusten. Frühzeitig zeigte sich seine Begabung für das technische Fach. Er war noch nicht 25 Jahre' alt, als er die Pläne für die neue große Manhattanbrücke über den East River entwarf. Nicht viel älter war er, als er die. Pläne für die neue Hendrik-Hudsonbrücke fertigstellte, und kaum- 30 zählte er, als ihn die Regierung mit der Untersuchung der Ursachen des Brückeneinsturzes über den St. Lorenzstrom betraute. In Fachkreisen gilt er für einen der ersten Brückenbauern unserer Zeit. Vor kurzem starb im Alter von 72 Jahren Professor Maurice Levy, der Generalsekretär des französischen S t r a ß e n b a n w e s e n s. Er gehörte zu den hervorragendsten französischen Ingenieuren mib Mathematikern der Gegenwart. Levy stammte aus Rappollsweiler. Er-begann seine praktische Tätigkeit beim Stadtbanamt von Paris, wurde daun weiter Mitglied der Kommission für die Schiffbarmachung der Marne und Mitglied des Bureaus des IZnrearr 6s nivellement general von Frankreich. Zuletzt bekleidete er die Stellung eines Generalinspekteurs der Brücken und Chausseen im Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Neben seiner Tätigkeit als praktischer Ingenieur widmete er sich dem Lehrberuf. Schon 1883 war er zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften'gewühlt worden; auch war er Offizier der Ehrenligion. Levy war korrespondierendes Mitglied vieler auswärtiger gelehrter Gesellschaften, auch der Berliner Akademie der Wissenschaften. Ein russischer jüdischer Ingenieur M. Eisenstein erfand ein neues System der drahtlosen Telegraphie, durch welches ein Telegraphieren auf sehr weite Strecken ohne Drahtverbindung möglich ist. Eine Probe mit einem Telegramm von Petersburg nach Konstantinopel ist tadellos gelungen. Das Kriegsministerium beschloß, Telegraphenstationen nach Eisensteinischem System in Petersburg, Moskau. Bobnisk und auf einer der Uralspitzen zu errichten. 4- Ä * Durch die Erfindungen bedeutender jüdischer Männer sind auch ganz neue Industrien entstanden, die Tausendeil voll Familien Brot geben. Hier wäre zunächst zu neunen der kürzlich in Ueica, Staat New-Iork, verstorbene Friedrich Marx, der Erfinder der Zellulose. Marx, ein ans Deutschlandeingewanderter Jude, ging erst nach Kalifornien, um dort mit. den übrigen Goldsuchern sein Gluck zu versuchen. Dann kehrte er nach Eltropa zurück, wo er die Herstellung der Zellulose erfand. Die große Wichtigkeit seiner Erfindung erkennend, ging, er abermals nach Amerika, wo er sich mit der fabriksmäßigen Erzeugung von Zellulose und Zellulosepapier beschäftigte und sich ein großes Vermögen erwarb. In vorgerücktem Alter verkaufte er seine Fabriken oii eine amerikanische Gesellschaft, zog sich vom Geschäftsleben zurück, um sich ausschließlich großzügiger philantropischer Arbeit zu widmen. Professor D r. Adolf F r a n k-C h a r l o t te n b n r 9: ist der Begr ü nder der deutschen K a l i i n d u st r i e. Der greise Gelehrte erfreut sich in der Wissenschaftlichen Welt und in Jndustriekreisen großen Ansehens. Durch seine Arbeiten, über die Verwertung des Stickstoffes der Luft zu technischen- Zwecken und durch seine bahnbrechenden Versuche auf dem Gebiete der Moorkultur hat sich Professor Frank große Verdienste um die deittsche Industrie und Landwirtschaft erworben. Einen klangvollen Namen iit der Wissenschaft besitzt auch Dr. Haus Goldschmidt in Essen, der Erfinder des- Thermits. Große Verdienste erwarb sich Prof. Dr. Georg L u n g e,. einer der größten Chemiker unserer Zeit. Er ist am 15. September 1839 in Breslau geboren, studierte in seiner Vaterstadt und in Heidelberg Chemie und war 15 Jahre in England als Chemiker einer Steinkohlenteer-Destillation bezw. einer Sodafabrik tätig. f°876 wurde er als Professor der technischen Chemie an das Eidgenössische Polytechnikum in Zürich berufen, wo er noch jetzt lebt. Sein „Handbuch der Soda-Industrie" ist ein geradezu klassisches Werk, auf das jeder zurück-- greifen muß, der sich wissenschaftlich oder praktisch mit der chemischen Großindustrie beschäftigen will. Daß die praktische Tätig-

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