Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 47 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wadl'deil. 9ir. 47. bis auf den heutigen Tag. Wir haben ferner gesehen, wie die speziellen hygienischen Vorschriften, ohne die vorhergeschrittene Methode der entwickelten Naturwissenschaft, mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des Menschen, die ans ihn wirkenden Ereignisse und Erscheinungen der umgebenden Welt, im wesentlichen in den Grnndzngen aus das gleiche hinauskommen, was wir heute als vollgiltig anerkennet! müssen. (Schluß folgt). Kerschiedene Nachrichten. Wie«. Freitag, den 2. Dezember 1910 abends, Predigt des Herrn Rabbiners Dr. Grnnwald im Leopoldstädter Tempel. Wie«. (Verein für unentgeltlichen Arbeit s- Nachweis, II. Tabor straße 59.) Am Samstag, den 26. November fand im Veremslokale des Jjr. Humanitätsvereines „B'uai B'rith" die XI. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. Den Borsitz führte Kommerzialrat Eduard Wiener, der an Stelle des im April d. I. verstorbenen ersten Präsidenten des Vereines, des Herrn Dr. Alois Klemperer, gewählt worden ist. Die Bekanntgabe dieser Wahl wurde von der Versammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Vorsitzende. Kommerzialrat Wiener, konstatiert die ordnungsmäßige Einberufung sowie die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung und begrüßt die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder und Gäste, namentlich Herrn kais. Rar Jonas Werl als den zur Generalversammlung delegierten Vertreter des Kultusvorstandes, ferner die Vertreter der Jsr. Hnmanitätsvereine „B'nai B'rith", „Wien" und „Eintracht", des Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender, die Herren Rabbiner Dr. M. G r u n w a l d und Dr. D. Feuchtwau g sowie Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Julius Ofner. Die Herren David Ritter v. Gut m a n n, Oberrabbiucr Dr. M. G ü d e m a n n, Herr Richard Bettelheim, Sekretär des Bankhauses S. M. v. Rothschild und mehrere Mitglieder haben ihr Fernbleiben entschuldigt. Der Vorsitzende widmet den in diesem Jahre verstorbenen Vorstandsmitgliederil Dr. Alois K! e m p e r e r, Emil H o r n e r, Baurat Wilhelm S t i a ß n y und Karl Hirsch, welche die Ziele dieses Vereines in edler pflichteifriger und unermüdlicher Weise förderten, einen warmen Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Der Obuiann des Exekurivkomirees, Dr. Bela T a u s s i g. verliest den Jahresbericht, aus dem hervorgeht, daß sich die Vermittlungsiätigkeit des Vereines trotz mancher widrigen Umstände aus der Höhe des Vorjahres gehalten hat. Die Zahl der Besucher an den Schaltern -des Büros betrug 40.402 und die Zahl der in diesem Jahre erzielten Vermittluugen betrug 3 8 0 5 gegen 3760 im Vorjahre. Seit dem Bestände des Vereines wurden insgesamt 3 13 6 4 Vermittlungen durchgeführt, wodurch Tausende jüdischer Glaubensgenossen vor dem Anrufen der Wohltätigkeit bewahrt wurden. Herr kais. Rat Weil spricht dem Vorstande des Vereines die volle Anerkennung und den Dank der Kultusgemeinde für seine ersprießliche und gemeinnützige Tätigkeit ans und beglückwünscht den Vereinsvorstaud zu seinen Erfolgen. Nachdem der Schriftführer Dr. Gustav L a n g st e i n die Tabellen über die Einzelheiten der Tätigkeit des Büros im abgelaufenen Berichtsjahre verlesen und der Kassier Eduard Schwarz den Gebarungsausweis und Rechnungsabschluß zum Vortrag gebracht hatte, bringt der Vorsitzende den Bericht und Gebarungsausweis zur Abstimmung.^ Dieselben werden einstimmig genehmigt. Bei den hierauf vorgenonimenen Wahlen werden die Herren Richard Bettelheim, kais. Rat Jacques F e i t l e r, Ludwig Herz, Josef N e u m a n n und Eduard Schwarz per acclamationem in den Vorstand gewählt. Der Vorsitzende, Kommerzialrat Wiener, richtet hierauf in seinem Schlußworte an die Versammlung einen Appell, den Verein auch in Zukunft bei seiner wichtigen sozialen Tätigkeit sowohl durch Anwerbung von Mitgliedern sowie durch Verwendung jüdischer Arbeitnehmer in edler Weise zu unterstützen und schließt die Versammlung, welche einen erhebenden und nachhaltigen Eindruck hiuterließ. Wie«. (B e k l e i d u n g s s e st.) Im großen Festsaale des „Hotel Continental". II.. Taborstraße 4, fand Sonntag, den 20. d. M., 3 Uhr nachm., bei überaus zahlreichem Besuche und in außerordentlich solenner Weise das Bekleidungsfest des „Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israel. Konfession" statt. Anwesend waren: der Präsident der Knltusgemeinde Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav K o h n. der Präsident der Alliance David Ritter von G u t t m a n n, Kultusvorsteher Ad. S ch r a m e k, als Delegierter des Knltusvorstandes, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, Kultusvorsteher G r ü n w a l d, der Präsident des Wiener Kaufmännischen Gesangvereines Landtagsabgeordneter kais. Rat Cornel Spitzer, die Gemeinderäte Dr. Mittler und N e u st a d t l, Rabbiner Doktor Feuchtwan g. die Oberkantoren Bauer. Fuchs und S ch o r r, die Bethausvorsteher Karl Freu n d, Theodor K o h n und Karl L e m- ■ b e r g e r. Dr. Josef Bloch, Dr. B r a d y, Obmann des Donauklub, Börserat E i ch b e r g. der Obmann des Tempelbau-Komitees der Fugbach-Synagoge Elkan Bauer, Frau G r ü n w a l d, Präsidentin des Floridsdorfer Frauenvereines u. v. a. Mit einem Präludium, gespielt von Professor S. Storch, Variationen eines jüdischen Themas, wurde die" Feier eröffnet und darauf folgten das „Bundeslied" vorgetragen vour Kaufmännischen Gesangverein. Der geistvolle Prolog von S. B i n e t erfand an Herrn Paul A s k o n a s vom Deutschen Volkstheater einen ausgezeichneten Interpreten. Nach der Begrüßungsansprache deS Vereinspräsidenten Herrn Isidor Schwarz hielt Herr Rabbiner Dr. Feuchtw a n g die Festrede, in welcher er die edle und schöne Idee, die dem Vereine zugrunde liegt, würdigte und ihre Betätigung als in den Satzungen und der Ethik des Judentums begründet darlegte. Die anerkennenden Worte, die der Vizepräsident der Knltusgemeinde Dr. Gustav K o h n und Herr David Ritter v. G u t t m a n n für das Wirken des Vereines hatten, fanden in der Festversammlung lebhaften Auklang. Die unter Leitung des Chormeisters Ritter v. Henriquez vom Wiener Kaufmänillschen Gesangverein mit seltener Präzision und feiner Empfindung vorgetragenen Chöre, sowie die brillanten Liedervorträge des Herrn Ober-- kantors Don Fuchs wurden stürmisch akklamiert. Wie«. Vergangenen Donnerstag, den 24. v. M., hatte die Toynbeehalle wieder einmal einen spezifisch jüdischen Abend. Der lebhafte Beifall, mit welchem Kantor Josef Grob bei seinem Erscheinen am Vorlesetisch begrüßt wurde, bot einen sprechenden Beweis dafür, welche Empfänglichkeit das Stammpublikum der Toynbee für Darbietungen besitzt, die aus dem Quell der jüdischen Volksseele fließen. Assimilation und westliche Kultur sind gewiß recht verlockende Schlagworte und wird auch von uns Juden im ausgiebigsteu Maße genützt; allein die Psyche eines Volksstammes bleibt doch immer sein wesentliches Merkmal. Dieses zeigte sich auch an diesem Abend am deutlichsten. Im ersten Teil desselben sang Herr Grob einige jüdische Volkslieder; beim Vortrage der von ihm selbst vertonten Piece „Der Jussim" sah man deutlich die Vibration des jüdischen Gefühls und Gemütslebens; nicht nur Frauen, auch Männer weinten. Nach der Teepause las Herr Grob zunächst zwei seiner reizenden Skizzen: „Peisse der Weltchasen" und „Berl Dalfeumann", ein jüdischer Jargonliterat im Himmel, die in bezug auf die Plastik der dort gezeichneten Figuren und der seinen Ironisierung unserer Gesellschaft, wahre belletristische Kabinettstücke sind. Zum Schluffe las Herr Grob seinen am selben Tage im Lemberger „Jüdischen Tagblatt" erschienenen Aussatz: „Die erste jüdische Toynbeehalle in Oesterreich zum 10jährigen Bestände", den wir an anderer Stelle des Blattes wiedergeben. Das zahlreiche Auditorium lohnte dem Vortragenden durch stürmische Akklamation mir dein Rufe: Wiederkommen!' Wiederkommen! IST. Ch. Wien. (B e t - H a m i d r a s ch „Talmud-Thor a", H. Malzgass e 16.) Freitag-Abend-Vorträge: Am 2. Dezember Herr Rabbiner M. Schenk: „P s a l m e n." Am 9. Dezember Herr Prof. A n t s ch e r l: „E i n Blick indasHeilige L a n d." Beginn jedesmal um 7 Uhr 30 Min. Wie«. Sonntag, den 4. Dezember, 8 Uhr abends, findet im großen. Musikvereinssaale ein zugunsten des Rekonvaleszentenheimes „P h i l antra p i a" veranstaltetes Konzert mit Orchester statt. Bei demselben wirken mit: Selma Kurz, k. k. Kammersängerin, Vivia de B a r e n n e, Violinvirtuosin, Franz N a v a l, k. k Kammersänger, Ary van L e u w e n, - k. k. Hofmusiker, und das Tonkünstlerorchester unter Leitung des Konzertdirektors Oskar N e d b a l. Kartenverkauf: Konzertbureau Alb. G u tm a n n, I. Hofopernhaus. - Wie«. (Jüdische Toynbee-Halle, Wien, XX., Othmargasse 46. Beginn der Vorträge an Wochentagen ^8 Uhr, an Samstagen, sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Vortrags-Programm für die Zeit vom 3. bis 9. De- Dezember 1910: Samstag. 3. Festabend anläßlich des 10jährigen Vereinsbestandes. Sonntag, 4. Lichtbildervortrag: (Eine Palästinareise). Frau Müller- R o s e n z w e i g. Montag, 5. Dienst- und Arbeitsrecht. Dr. Josef I e r u s a l e m. Dienstag, 6. Laienansichten über normale und abnormale Geisteszustände. V. L i e ch t e n st e i n, Fachlehrer. Mittwoch, 7. Die Pflege der Verantwortlichkeitsgefühle. Georg Schmied! Donnerstag, 8. Was das Volk für „Recht" hält. jur. Dr. P l a s ch k e s' Freitag, 9. Bibelvortrag. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwir. knngen bei Konzerten wolle man an den Obmann Dr. I. Samuely. Wien, I. Fischerstiege 6, gelangen lassen. Wien. (Jüdisches Theater.) Regie: M. S i e g l e r, Hotel Stefanie, II. T a b o r st r a ß e 12. Ab Freitag, 2. De-- zember täglich : „D i e jüdische N e s ch o m e" von I. G o r d i n. Dienstag, den 6. Dezember zu gunsten des Vereines „Achwa." Zur Aufführung gelaugt: „B e n H a d o r" von I. L a t a i n e r. Ab Mittwoch, 7. Dezember täglich „Opferung Isaaks" von A. G o l d f a d e n. In Vorbereitung: „D i e S ch ch i t e" von I. (Sorbin. Sonntag nachmittags halb 4 Uhr — halbe Preise. — Zur Aufführung gelangt: „Die S e d e r - N a ch t." Donnerstag, nachmittags halb 4 Uhr — halbe Preise — „D i e j ü d i s ch e N e j ch o m e" von I. G o r d i n. Wie«. (Vortrag über Rabbi Eleaser, genannt „Schemen Rokeach.") Es verlohnt sich der Mühe, von Zeit zu Zeit unserer jetzigen Generation unsere Geistesheroen, namentlich solche auch,. die in unserem engeren Vaterlande verdienstvoll gewirkt haben, im Worte vorzuführen. Trotz Wind und Regen fand sich am letzten Freitag-Abend eine große Zuhörerschaar ein, um über den großen „Schemen N o k e a ch", über sein Leben und Wirken und seine Werke, die er zurückgelassen, einen Vortrag, gehalten von Professor Moritz A n t s ch e r l im Bet-Hamidrasch- Verein, II., Malzgasse 16, anzuhören. Der Abend gewann noch dadurch ein besonderes Interesse für die zahlreich Versammelten, daß der Wiener Bethausvorstand, Hof- und Gerichtsadvokat, Herr Dr. Elias M ü n z, ein Enkel des gefeierten Rabbi, dem Vortrage beiwohnte und nach einer geist-