Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 46 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 46. Die Wahrheit Seite 11. daß wir vorläufig mit uusereu Ubikatiouen das Auslangen finden und die Zahl der Betten nicht zn verringern bemüssigt sein werden. Allerdings werden sich die Herren Aerzte einschränken müssen; es hat denn auch der Direktor sein Direktions- Zimmer für den Primararzt zur Verfügung gestellt. Es wurde weiters festgesetzt, daß die Zahl der Hilfsärzte nicht vermehrt werden müsse, weil die Primarärzte erklärten, sich mit zwei Aerzten zn begnügen, während bisher der Primararzt zwei Aerzte und einen Hilfsarzt zur Seite hatte. Hofrar Professor Oser hat sich ganz außerordentliche Verdienste um unser Spital erworben. Er hat eine Abteilung mit 120 Betten geleitet; er! war ein solcher Idealist, daß er in den letzten Jahren ans die j Ausübung der Privat-Praxis verzichtet und den größten Teil! leiner Zeit im Spital zngebracht hat. Bei allem Idealismus! der jetzigen Bewerber konnten wir nicht die Znmntllng stellen,! daß sie aus die Ausübung der Praxis verzichten und wir! konnten demeutsprecheud nicht verlangen, daß ein Primararzt! allein die interne Klinik leite, und dies umso weniger, als die! Kranken-Untersuchnng an den Arzt andere Anforderungen stellt j als früher.! Es waren also rein sachliche, dann auch moralische; Gründe, welche den Knltnsvorstand veranlaßt haben zwei Primär- | ärzte anznstellen. Ich habe schließlich noch ans eine weitere Bemängelung : des Dr. Landau zn erwidern, daß nämlich im Berichte nicht! von notwendigen Herstellungen die Rede ist, sondern daß manche i Herstellungen nicht möglich sind, und ein zweiter Satz, der sich; an diesen ersten anschließt, geht dahin, daß wir deshalb au i unsere wohlhabenden Glaubensgenossen appelliert haben, daß sie durch Spenden und aus andere Weise für diese Herstellungen Sorge tragen. Wer will, findet die Erklärung des ersten im : Inhalt des zweiten Satzes. Und ich kann Ihnen heute schon; tagen, der Appell war nicht vergebens. Es kann sein, daß uns i die nötige Kraft, das nötige Wissen, die nötige Energie und die i Begriffsbestimmung fehlt, aber eines fehlt uns nicht: der gute Wille, und den lasse ich mir und den anderen Vorstandsmitgliedern auch von Dr. Landau nicht absprecheu.! Oberstabsarzt Dr. Oswald Byk erklärt, daß die Wahl - zweier Primarärzte eine Wohltat sei znnüchst für die armen Kranken ilnd spricht den Wunsch ans nach Herstellung einer! jüdischen Leichenkammer in der Stadt. Ferner sei es Pflicht der! Gemeinde, ein würdiges Amtshaus zu errichten. Der jetzige Zustand sei unhaltbar und unwürdig. Die Gemeinde habe auch Pflichten der Repräsentation. Der Tätigkeitsbericht des Vorstandes sei ein Dokument segensreichen Wirkens, zu welchem er die Gemeinde nur beglückwünschen könne. Herr M. Baum: Auch ich möchte erzählen, wie Doktor Ster n in die Knltusgemeindestnbe kam. Dr. Stern hat eine der besten Kanzleien in Wien gehabt mit der feinsten Klientel; sein angeborenes Gefühl für Gemeinsinn hat ihn aber dazn- Hedrängt, seine Kanzlei anfzugeben, um das Mandat im Gemeinderate und in der Knltnsgemeinde voll und ganz anszusüllen. Ich bemerke, daß ich seit Jahrzehnten, aber nicht als Reklame, in Opposition zur Knltnsgemeinde stehe, immer meiner Ueberzengung folgend, vorhandene Mißstände nicht bloß vor den Wahlen, wo mau die Vorsteher nicht mehr exziehen kann, sondern "viel früher führte mich der Weg in die Seitenstettengasse, um dort auch während des Jahres meine Meinung offen und frei nuszusprechen. Betreffend die Ausführungen des Dr. Landau in Angelegenheit des Spitals bemerkt Redner: Wenn wir in seinem Blatte lesen, die Knltnsgemeinde steht vor dem Bankerotte oder sie wird von Dr. Stern dem Abgründe zugeführt, wer soll dann der Gemeinde das Vertrauen schenken? Das „Deutsche Volksblatt" holt sich seine Informationen aus dieser und ähnlichen Quellen und es wäre „jüdisch-patriotische" Pflicht, sich in solchen Zeiten einer größten Diskretion zu befleißen, selbst auf die Gefahr hin, etwas an Popularität einzubüßen. Ich möchte Ihnen schließlich auch bezüglich des Zentralwahlkomitees, dem mau eiue gewisse Abhängigkeit zu den Machthabern der Gemeinde vorgeworfen hat, mitteilen, daß wir nur nach bestem Wissen und Gewissen solche Männer zur Wahl empfehlen, von denen vorausgesetzt wurde, daß sie Ersprießliches zn leisten im Stande sind. Nach den Resultaten des heutigen Abends muß ich es direkt bedauern, daß wir bezüglich einzelner Personen nicht im Sinne des Vorstandes votiert haben. Es ergibt sich speziell in der Kandidatur für Floridsdorf eine derartige Differenzierung gegen den Mandatswerber des XVI. Bezirkes, daß wir es nur bedauern müssen, hierin gegen den Willen des Vorstandes gehandelt zu haben. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. L y f c z i s : Es war die Rede davon, daß wir anläßlich einer vor nicht langer Zeit stattgehabten Wahl in einen öffentlichen Vertretnngskörper bei unseren Bestrebungen, die als Kandidaten nominierten gelausten Juden zu Falle zn bringen, von der z i o n i ft i s ch e n Partei nicht unterstützt worden find. Es steht als Tatsache fest. daß. als wir uns mit Rücksicht ans den Mangel eines Wahlfonds an die zionistischen Studenten gewendet haben, uns bei der Agitation behilflich zn sein, eine ablehnende Antwort kam. daß aber in dem offiziellen Organ der zionistischen Partei gesagt wlirde: wir mischen uns in diesen Kampf nicht ein. weil uns der behufs Bekämpfung der Tanfjnden ausgestellte Gegenkandidat nicht paßt. Angesichts dieser .Handlungsweise kann ich nicht umhin zn sagen: Gott beschütze uns vor unseren Freunden, vor unseren Feinden werden wir uns selbst zn schützen wissen. (Lebhafter Beifall.) Mit einem Danke an die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder schließt der Präsident Dr. Alfred Stern die Versammlung. H. Wälzlevversannnlnng, Bhmfcut. den 21. November im Hotel Iran; Iosefs-Bahn IX. Bezirk. Der Präsident Dr. Alfred Ster n eröffnele die Versammlung, begrüßte die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder und bringt ein Schreiben des Herrn Richard Bettel heim und ein zweites von Herrn Dr. Jakob Deutsch zur Verlesung, welche ihre Abwesenheit entschuldigen. Die Briefe lauten: Wien, 21. November 1910. Hochverehrter Herr Präsident! Zit meinem lebhaften Bedauern bin ich infolge einer nnanfschiebbaren Konferenz heute abends, sowie durch eine morgen abends statlfindende Sitzung, bei der meine Anwesenheit gleichfalls unerläßlich ist, verhindert, in den beiden Wähler-Versammlungen das Wort ergreifen und mich den Wählern jener Bezirke vorstelleu zit können. Sie kennen, verehrter Herr Präsident, meinen Standpunkt und wissen, daß ich den größten Wert darauf lege, mir das Vertrauen unserer Wähler nur persönlich zn erringen und Sie werden es daher begreifen, daß ich nur unter dem Zwange unanfschiebbarer beruflicher Verpflichtungen darauf verzichte, den Herren von Angesicht zit Angesicht das Versprechen abzugeben, meinen Pflichten als Vorstand der Gemeinde im Falle ihrer Wahl ernst und vollkommen zu erfüllen. Ich darf mir ja schmeicheln, einem großen Teil der Wählerschaft in diesen beiden Bezirken bekannt zn sein und kann nur der Hoffnung Raum geben, daß mich nicht nur alle jene Personen, die mit mir persönlich in Berührung zu kommen Gelegenheit hatten, sondern auch jene, denen ich und mein Wirken nur par oui dire bekannt sind, ihres Vertrauens nicht für unwürdig finden werden. Mit dem Ausdrucke meiner vorzüglichsten Hochachtung empfehle ich mich, verehrter Herr Präsident, als Ihr aufrichtig ergebener Richard Bettelheim. Wien, den 21. November 1910. Hochgeehrtes Präsidium! Mit diesem erlaube ich mir mitzuteilen, daß ich leider heute abends durch anderweitige dringende Beschäftigung verhindert bin. der Wählerversammlnng im Saale des Hotel Franz Josefs-Bahn beiznwohnen. Ich gestatte mir jedoch die Erklärung abzngeben, daß ich meine Kandidatur aufrechterhalte und daß ich, wie ich es bereits in der I. Wählerversammlnng besprochen.