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Die Wahrheit · 1910-11-25 · Heft 46 (25.11.1910) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 46 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 46 Gegen eine Statistik, betreffend die Steuerleistung, habe ich nichts einznwenden, insoferne sich dieselbe aus Bekanntgabe der Zensttenanzahl innerhalb der einzelnen Abstufungen erstreckt, Aber die Wißbegierde des Dr. Landau nach der Richtung zu stillen, wie viel Exekutionen anläßlich der Steuereinhebnng vorgenommeu werden, brn ich nicht bereit und werde nicht die Einwilligung zur Publizierung dieser Z-ffer geben. Ich kann sie jedoch dessen versichern, daß bei den Exekntwnetl mit der größten Schonung vorgegangen wird, daß auch Abschreibungen vorgeuominen werden, wenn sich ein plausibler Grund hiefür findet. Es ist sogar von mir die Anordnung getroffen worden, dag in Fällen, wo es sich um Personen in öffentlicher Stellung handelt, die durch ein Exeknlionsgesuch möglicherweise in ihrer Existenz bedroht sein könnte,t. vorerst mir die Mitteilung gemacht werde, damit ich an den Betreffenden ein Privatschreiben des Inhaltes richte, daß mir die Hände gebunden seien, daß es mir leid täte, daß ich aber schließlich nicht anders könnte als das Exekmionsbegehren zu nntersertigen. Und diese Mahnschreiben haben bisher den besten Erfolg gehabt. Ich glaube, daß das Vorgehen des Knltnsvorstandes und mein persönliches Vorgehen nicht so arg ist, als es Ihnen geschildert ivird. Ich gehöre jetzt 22 Jahre dem Knllusvorstande au, ich stehe jetzt im 80. Lebensjahre und ich weiß, daß die Tage meines Wirkens in der Knltusgemeinde nicht viele mehr sein werden. Ich hoffe ein gesegnetes Andenken in der Jndenschaft, in der Wiener- Gemeinde zu hinrerlassen. Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn: Ich suhle mich verpflichtet, aus einige Vorwürfe und Bemängelungen, die, allerdings znm Teil in ganz interessanter Weise, vorgebracht wurden, in aller Kürze zu erwidern: Herr P 1 a s ch k e s hat sich - für die Dezentralisierung des Armenwesens ausgesprochen, jedoch durch Zwischenrufe berichtigt, selbst zugestanden, daß dieselbe in den äußeren Bezirken vollkommen dnrchgesührt ist. Was die inneren Bezirke betrifft, ist der Weg in die Seilenstettengasse nicht io weit, und gerade die-Differenzierung von tvürdigen und unwürdigen Armen, deren wir, wie in jeder Großstadt, in Wien nicht wenige haben, erheischt es, daß ein Beamter recherchiert; darum wäre nicht gut möglich, in anderen Bezirken die Verteilung der Spenden vorznnehmen, bevor die Recherchen dnrchgesührt sind. Bezüglich der Bezirkskommissionen hat Herr Plaschkes behauptet, daß sie außer der Stenerbemessung keinen Wirkungskreis haben. Im § 30 des Statutes heißt es aber: „Die Bezirkskommissionen haben Angelegenheiten ihres Wahlbezirkes zn beraten niid diesfalls Anträge an den Knltnsvvrstand zu stellen, auch haben sie über ihre Wahrnehmungen Bericht zn erstatten." Ich will den Bezirkskommissionen in keiner Weise nahetreten, aber in den weitaus meisten Fällen, abgesehen von jenen Bezirkskollegien, welche den früher selbständigen Gemeiiiden angehören und alle jene Obliegenheiten erfüllen, welche ihiien früher znkamen, haben sie von diesem statutarischen Rechte keinen Gebrauch gemacht. Es liegt also die Schuld nicht an dem Knltusvorstande, denn dieser würde gewiß Anträge der Bezirkskommissionen, wenn sie gestellt ivürden, berücksichtigen. Herr Plaschkes hat weiters bemerkt, daß es Sache des Knltnsvorstandes wäre, Frei-Beistellen für die hohen Feiertage zn schaffen; ich verweise diesbezüglich ans den Rechenschaftsbericht. Da beißt es aus Seile 3. daß der Kultusvorstand nicht bloß die Beisitzkarten, welche er von den Miujanim teils erhält, teils ankailft, an die Armen verteilt, sondern auch für dieselben ganz besondere Beistellen errichtet. Im Mirsikvereinssaale werden beiläufig 800 Sitze an würdige Arme abgegeben, im Horel „Post" und „Continental" mindestens die Hälfte der vorhandenen Sitze; und außerdem lassen wir auch Gottesdienste in den Kasernen und Strafhäusern abhalien. Herr Plaschkes hat es auch als unangemessen bezeichnet, daß wir eine gewisse Seßhaftigkeit und Steuerleistung von jenen Personen verlangen, die wahlberechtigt fein sollen. Ich verweise diesbezüglich auf die Berliner Gemeinde, (Redner liest eine Stelle ans dem Berliner Statut) deren Statut die gleiche Bestimmung eiithält. Allerdings ist dort das Steuerminimnm geringer als bei uns, dagegen ist aber auch das Maximum nicht beschränkt. Wir haben im Jndengesetze die Bestimmung, daß dev Maximalsatz der Knltusstener von der Regierung genehmigt werden müsse, und dieser ist uns in einem solchen Ausmaßegenehmigt worden, daß wir ohne die Steuer des Mittelstandes einfach znsperren könnten. Wir sind daran, eine Erhöhung durchznsühren, bis zn welchem Betrage die Bewilligung erfolgen wird, kann ich nicht wissen. Derselbe Redner hat auch bemerkt, daß das Zentral-Wahlkomitee eine Komödie sei. und daß die Genehmigung der Kandidaturen durch den .Knltnsvvrstand erfolge. Eine Antwort auf diese Behauptung hat fchvn Herr Schickler unabsichtlich gegeben, indem er Ihnen erzählte, daß den Ottakringern zngesagt imirber der Kulm;Vorstand sei bereit dafür einzutreten, daß ein Vertreter der Ottakringer Gemeinde in den Vorstand entsendet werde. Ich kann Ihnen nun milteilen. daß wir vor der heutigen Wählerversammlnng eine Sitzung des Exekutivkomitees gehabt haben, und daß wir derart die Herreir der Enttvicklnng im Zentral-Wahlkomitee sind, daß wir das, was wir wollten, nicht durchgesetzt haben. Herr Dr. S. R. Landau hatte die Güte, gegeitüber den Ansführnngen des Herrn Dr. Schreiber zn bemerken, dast der Rechenschaftsbericht nicht Geist irnd Arbeit, sondern eine Schablone answeise. Ich habe immer gehört, daß Rechenschaftsberichte keine Dichtungen, nicht einmal große Werke in Prosa seien, sondern nnr die Anführung des in der Berichlsperiodc Geleisteten znm Inhalt hätten. Und was geschehen ist. drückt sich in Ziffern aus und das findet sich im Rechenschaftsberichtevoll und ganz. Es gehört zwar nicht viel Geist, aber sehr viel Arbeit dazu, das zusammenznstellen. Herr Tr. Landau har ferner gerügt, daß wir uns um Bet-Angelegenheiten, eventuell, um Spital oder Versorgnngsanslalt kümmern. Univeisiiäten haben wir allerdings nicht geschaffen, hingegen geht aber ans dem Rechenschaftsberichte hervor, daß wir eine Religionslehrer-. Bildnngsanstalt kreiert haben, die schon seit fünf Jahren besteht, wo rvir ntis die Ausbildung der jüdischen Stndenien zn einem tüchtigen Nachwnchse von Lehrern angelegen sein lassen; und daß wir tveiters für Wohlsahrtseiurichmngen das denkbar Möglichste um, so daß von mancher Seite der Vorwurf gegen ntis erhoben wurde, wir leisten weniger für den Kultus als für die Wvhlfahrts-Jnstitnre der Gemeinde. Es ist Ihnen bereits milgeteilt worden, daß die Zahl der Exekutionen bei den 10 fl. Steuerträgern nicht nnbedenlend iftj: ich kann Ihnen aber die Versicherung geben, daß nnr dort exekutiert ivird, Ivo der Zahlnngsnniville zutage tritt. Es gibt enu- Menge von Glaubensgenossen, die für alles mögliche Geld- Haben, aber — obwohl sie könnten — die Knlmsstener nickst zahlen wolle». Es hat endlich noch dem Dr. Landau beliebt darüber zn sprechen, daß für das Rothschildspiral eine Primar-ArzlenssteUc ausgefchrieben war und schließlich die Vakanz mit zwei Primarärzten besetzt wurde, und zwar deshalb, weil zwei Parteien da waren, welchen man Genüge leisten wollte. Meines Wissens ist die Ausschreibung nicht „einer" Stelle, sondern mit der Textierung „Primararztstelle" erfolgt, weil schon zur Zeit der Ausschreibung besprochen wurde, eventuell zwei Aerzle zn bestellen- Hiefür war aber ein anderer Grund als derjenige,. den Dr. Landau vermutet, maßgebend. Es wurde im Kultnsvorstandr die Frage angeregt, ob es nicht Pflicht der Knltusgemeinde wäre, wenn die Kosten sich in einem engen Nahmen hielten, jetzt, wo die Inden nicht leicht zu einem Primarial kommen,, mindestens zwei Inden Gelegenheit zn geben, Primariat zu werden, nicht bloß im Interesse der sozialen Position, sondern, auch um Ihnen die Möglichkeit zn weiteren Forschungen zn geben, denn Aerzte können nur dann tüchtig arbeiten und mir Forschungen sich beschäftigen, wenn sie das Material hiezu haben. Nun unube die Ausführung dieses Vorhabens von uns nicht für leicht gehalten, es war Gefahr, daß man, um Raum zu schaffen, die Zahl der Krankenbetten werde reduzieren müssen und daß man infolgedessen, was man ans der einen Seite gut macht, ans der anderen Seite schlecht machen würde. Es wurden Erhebungen gepflogen und auf Grund der Ausführungen unseresausgezeichneten Direktors Dr. Fleischmann hat sich ergeben.

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