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Die Wahrheit · 1910-11-18 · Heft 45 (18.11.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 45 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 45. S. Storch. 2. „Bundeslied". Mannerchor von W. A. Mozart, vorgetragen vom Wiener Kaufmännischen Gesangverein. 3. „Festprolog" anläßlich des Bekleidungsfestes verfaß! von S. Vineta, gesprochen von Herrn Paul Askonas, Mitglied des Deutscheit Volksrheaters. 4. Ansprache des Präsidenten Herrn Isidor Schwarz. 5. Festrede Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. D- Feuchtwang. 6. Gesangs-Vorrräge des Herrn Oberkantor Don Fuchs. 7. Chöre, vorgelragen vom Wiener Kaufmännischen Gesangverein. — Das Harmonium wurde von der Firma Bernhard Kohn, I. li. k. Hoflieferant. in muinfizenter Weise beigesicllr. Wien. (Der polnische Jude.) Ueber den so oft und mit so großem Unrecht vielverlästerlen Zweig des Judentums, der unter diesem Sammelnamen verstanden ivird, hielt der Reichsratsabgeordnete Dozent Dr. A. Mahler am 14. November a. c. im Verein zur Abwehr des Antisemitismus vor einem großenteils geladenen distinguierren Audirorium einen Vorrrag. Leider erwies sich der Raum, der Festsaal des Nied.-österr. Gewerbevereins, viel zu klein, um alle ausznnehmen, die gekommen waren den Ausführungen des geistvollen Redners zu lauschen. Ueberflüssig eigentlich wäre es vorausznschicken. daß der Vorrrag ebenso formvollendet wie inhaltsschwer gewesen; wer Mahler einmal sprechen gehört, weiß, daß sich hier seltene Gründlichkeit mit hoher Begeisterung, weitblickender Verstand mir echt wissenschaftlicher Disziplinierung in glücklicher Mischung vorsinden. — Und so erhielt auch diesmal der Vortragende seine Zuhörer in atemloser Spannung, die sich in sreuerischem Beifalle am Schlüße auslöste. Seine Ausführungen gipfelten dariu, daß alles, was man dem „polnischen Juden" Uebles nachsage, zunächst sich hanplsächiich auf die Wahrnehmungen an jenen armseligen Individuen stütze, die. durch das Elend in der Heimat hinausgetrieben, in die Fremde wandern, nun hier mehr oder minder aus die Mildtätigkeil angewiesen zu bleiben. Immer sindet sich im Milieu der Erklärungsgrund. — Für die Sprache zum Beispiel das stete Beisammenbleiben und die bei der Anslreibung aus Deutschland im 13. Jahrhundert mitgebrachte rheinische Mundart, für die oft mangelhafte körperliche Entwickelung oder Haltung die harte entbehrungsreiche Arbeit, beziehungsweise der karge kleine Zwischenhandel, der die Tätigkeit oft von 16 Stunden täglich erheischt, aus den der Jude in Galizien zumeist angewiesen ist, auch der Aberglaube, aber auch der tiefe Familiensinn, bezw. das Gefühl der Zusammengehörigkeit, sie alle sind Produkte oder Nachwirkungen des früheren, wie des gegenwärtig noch schwer lastenden Druckes. Wer aber nun aus diesen einzelnen, dem Westeuropäer in die Erscheinung tretenden unglücklichen Repräsentanten des östlichen Juden Schlüsse auf die Allgemeinheit ziehen wollte, der weiß nicht, daß der galizische Jude auch den Ackerbau betreibt, der verfällt in denselben Fehler wie jener Amerikaner, der in einer Rundreise von 30 Tagen „ganz Europa keuuen gelernt" hat und nun sein Urteil dahin zusammenfaßr, daß der Deutsche Weißwurst und Kraut ißt und Bier dazu trinkt, der Italiener vom kleinlichen Betrug an den Fremden lebt, der Engländer in karrierten Kleidern umhergeht usw. Der Vortragende schloß mit dem tröstlichen Hinweis, daß sich die Verhältnisie aus der inneren Kraft dieses Volksstammes heraus besiern werden, daß an Stelle der den polnischen Juden so oft zum Vorwurf gemachten Unterwürfigkeiten allmählich Zuversicht und Selbstbewußtsein treten werde — nicht zum geringsten ein Verdienst der Baron Hirsch'schen Schulen, daß denn an Stelle des Kleinkrämertums und des verpönten Zwischenhandels in Branntwein großzügiger Unternehmergeist sich entfalt3n werde können. Der Präsident des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus als Vorsitzender, Superintendant Profesior Dr. Szeberinyi, der schon eine sehr warme Begrüßung dem Redner zu teil hatte werden lassen, spendete demnach in vollster Uebereinstimmung mit der Versammlung seine Anerkennung in bewundernder und zündender kurzer Rede, die in dem tief empfundenen Wunsche aus klang, daß bald die Zeit heranbrechen möge, wo sich die Menschheit zu einer einzigen, einigen Familie, im Gedanken der einigenden Liebe zusammenfinde und wies unter anderen auch darauf hin, daß, gleich ihm, dem protestantischen Theologen, auch der kürzlich verstorbene Erzbischof von Brixen, ein Ultrakatholik, durch das Smdium des alten Testamentes zu dem Ergebnis gelangt sei, daß das wahre Christentum sich mit dem Antisemitismus nicht vertrage, weshalb er die Aufnahme des letzteren in das Programm der Christlich-Sozialen entschiedeust verurteilt hatte. Der Versammlung, die sichtlich hochbesriedigt auseinanderging. wohnten die Groß-Industriellen Max. Paul-Schiff, Heinr. Eger und viele andere bei. Wien. (Theologischer Verei n.) Die Neuwahlen für das Wintersemester 1910/11 ergaben folgendes Resulrat: Präsident: Ernst Deutsch, Vizepräsident: Bela D i a m a n t. I. Schriftführer: Israel K o h n, IL Schriftführer: Hersch Andermann, Kassier: Emil F r i e d m a n n, N. F. K. Albert Weiner. Wien. (Freitag-Abend-Vorträge im Beth-Hamidrasch „Talmud Thora" II., Malzgaffe 16.) Am 18. November Prof. Rutscherl über den „Schemen Rokea ch", und am 25. d. M. Vortrag des Herrn Rabbiners L. G o l d st e i n. Beginn jedesmal um J/28 Uhr. Wien. Der durch seine pädagogische und literarische Tätigkeit in weiteren Kreisen bekannte Schriftsteller Jonas W i l l h e i m e r feiert Donnerstag, den 24. d. M., in vollster Geistesfrische und bei bestem Befinden seinen 80. Geburtstag, worauf wir seine Freunde aufmerksam machen. Derselbe wohnt H, Alserbachstraße 22. Wien. (Brigittenau.) Im Alter von 67 Jahren wurde Sonntag die Gattin bes aus Rußland stammenden Maggid Rabbi Hirsch Feinberg, Frau Lea F e i n b e r g, zu Grabe getragen. Dem tiefgebeugten Rabbi, deffeu Söhne angesehene Kaufleute in Chicago sind und den Lebensabend ihrer Eltern sorglos gestalteten, und der durch seine populären Vorträge (Derascha) in vielen Betlokalen des 20. Bezirkes vorteilhaft bekannt ist, wird allseitige Teilnahme entgegengebracht. Wien. Das Synägogenwerk „S ch i r - C h o d o s ch", welchesin voriger Nummer besprochen wurde, hat zum Verfasser Herrn Kantor" I. KijewskyinPreßburg. Wien. Rabbiner S. A. W e r t h e i m e r ans Jerusalem wird am Samstag, 19. November, ^12 Uhr vormittags im Bethaus Beth-Hamidrasch^ 3X, Malzgasse 16, und Sonntag. 20. November, Uhr nachmittags^, im Bethaus „Marpe Lanefesch", II., Glockeugaffe 4, einen Vortrag halten. Wien. Oberkantor Rafael Moor, derzeit in Nemetpröna, wurde vom Oberstkämmereramte verständigt, daß Se. Majestät den von ihm anläßlich des allerhöchsten 80. Geburtstages komponierten Hymnus huldvollst angenommen und für denselben seinen allerhöchsten Dank ausgesprochen hat, mit dem Bemerken, daß der Hymnus der k. k. Familienbibliothek einverleibt wurde. Wien. Samstag, 19. November, ^/,9 Uhr vormittags, findet im Kaiser Franz Josef - Jubiläums - Tempel, Wien, X., Humboldtgasie» die Bar-Mizwah-Feier des Konfirmanden Gustav W e i tz m a n n, Sohn des Kantors M. Weißmann, statt. Gratulation am Nachniittag in der Wohnung X., Raaberbahngasse 14. Wien. (Jüdisches Theater.) Regie: M.Siegler.. Hotel Stefanie, II. T a b o r st r a ß e 12. Ab Freitag. 18. November täglich: „M e n s ch s o l men sei u" von M. S ch o r r. Sonntag, 20. November, nachniiltags . halb 4. Uhr — halbe Preise. — Zur Aufführung gelangt: „B e u H a d o i" von Professor Horowi tz.. Montag, 21. November gelangt zur Aufführung: „M o s ch i a ch s Z e i t e n" (Hasomir) von Schalom A s ch. Dienstag, 22. November znm zweiten Male „M v s ch i a ch s Z e i t e u". Ab Mittwoch, 24. November „S ulamit h" von A. G o l d f a d e n. In Vorbereitung: „D u s P i n t a l e I ü d." öudapest. Der Präsident der antoiiom-orthodoxeu Gemeinde, Herr Moses Freudiger, wilrde von Sr. Majestät durch Verleihung des Adelsprädikares ausgezeichnet. Aus diesem Anlasse begrüßte der Vorstand am 7. d. M. unter Führung der Vizepräsidenten Dr. Jakob Schächter und Adolf Frankl den Präsidenten, bei dem später auch eine Deputation des Beamtenlorps der Gemeinde erschien, in dessen Namen der Gemeindesekretär Heinrich Löffler die Glückwünsche verdolmetschte. öudapest. (Israelitisches T a u b st n m m e n - I n st i t u t.)- Der leitende Ausschuß des Budapester israelitischen Tanbftummen-Jnstituts hat aus die infolge Ablebens Leopold Grünbcrgers erledigte Stelle des Direktors den ältesten Lehrer an der Anstalt, Bela I. T o l n a i gewählt. Budapest. Die hiesige aut.-orth. israel. Religionsgemeinde, deren Bethans seit etwa 100 Jahren im Orczy'schen Hause sich befindet, erhielt vom Magistrat die Erlaubnis, in der Frömmelgasie eine neue Synagoge, verbunden mit Schule und Spital, zu errichten und dürfte der Neubau demnächst in Angriff genommen werden. öudapest. Mittwoch wurde hier der als Schriftsteller und Advokat in weiteren Kreisen bestbekannte zur. Dr. Theodor Löw unter großer Beteiligung von Verwandten und Kollegen zu Grabe getragen. Der Verblichene, der ein Alter von 62 Jahren erreichte, war der Sohn des rühmlichst bekannten Szegediner Rabbiners Leopold L ö w, der s. Z. den „Ben- Chananja" herausgab. Der derzeitige Oberrabbiner von Szegedin, Dr. Emanuel Löw, und Dr. Samuel Löw jun., Budapest, und Rechtsanwalt Wilh. H. L ö w in New-Iork, betrauern m dem allzufrüh Heimgegangenen ihren Bruder. Troppau. Am 7. und 8. Dezember d. I. findet in Troppau das 10jährige Stiftungsfest des zionistischen Vereines „I e s ch u r u n" statt. Die Vorbereitungen zu diesem seltenen Fest, welches in größtem Stil veranstaltet wird, sind bereits in vollem Gange und beschäftigen sich schon seit mehreren Wochen acht besondere Komitees mit anerkennenswerter Aufopferung niit der Ausarbeitung des reichhaltigen Festprogrammes. Eingeleitet wird das Fest mit einer großen Volksversammlung, bei welcher" die bedeutendsten Männer der zionistischen Organisation das Wort ergreifen werden. Der nächste Tag ist der Eröffnung der Bezalelausstellnng gewidmet, für welche Ausstellungsgegenstände im Werte von mehreren Tausend Kronen bereits eingetroffen sind; ganz besondere Aufmerksamkeit werden die prachtvollen handgeknüpfteu Teppiche erregen. Die Festschrift des Vereines, welche außer der überaus interessanten Entwicklungsgeschichte des Vereines Originalbeiträge der hervorragendsten Schriftsteller und bekanntesten Maler enthält, wird in den nächsten Tagen fertig gestellt. Die auswärtigen Gäste und heimischen Glaubensgenossen wird ein rituelles Bankett vereinen, zu welchen Zusagen schon jetzt entgegengenommen werden. Den Abschluß des in jeder Hinsicht hervorragenden Programmes wird ein großes Militärpromenaden-Konzert mit anschließendem Tanz, bilden. Die große Zahl der bereits angemeldeten auswärtigen Gäste hat die Einsetzung einer besonderen Wohnungssektion zur Folge gehabt, welche für gute und billige Unterbringung der Gäste sorgen wird. Zimmerbestellungen sind rechtzeitig an Herrn Glanbensgenoffen Karl Weinrebe Troppau zu richten. Das vollständige Festprogramm wird in der nächsten Nummer bekannt gegeben. Berlin. Auf Wunsch des Präsidiums der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle ist die Beratung des von der Siebrnerkommission angenommenen Statnteneutwnrfes von der Tagesordnung der am 16. November in Paris stattfindenden Zentralkomitee- Sitzung abgesetzt und aus einige Wochen vertagt worden. Paris. Fräulein Mirjam de Rothschild, einzige Tochter des Barons Edmond de Rothschil d, ist verlobt mit ihrem Vetter Albert v. G o l d s ch m i d t in Frankfurt. Die Mutter des Bräutigams war die Schwester der Baronin E d m o n d. beide waren die Töchter desfrommen Barons Willy v. Rothschild. Die Großmutter der Verlobten, Baronin Willy v. Roth s ch i l d, lebt noch in Frankfurt,

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